Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 7 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 §ekbff-GmancrpaLiort. Nr. 1 der orthodoxcnFraction, endlich die um sich greifeiideAbsorbirung der idealeren Naturen durch die internationale Socialbemokratie — so kann man sich einen Begriff davon machen, wie es mit den Aussichten von Vereinen für jüdische Geschichte und Literatur in Oesterreich steht. Auch entbehren die zugkräftigen jüdischen Theologen hier vollständig der in Deutschland geübten liebenswürdigen Connivcnz, mit Nationaljuden gemeinsam — und diese sind ein Lcbensclcmcnt ,s olchcr Vereine — diese gründen zu wollen. Hier in Oesterreich bleibt also den Zionisten nichts Anderes übrig, als zu g e s i n n u n g s g e n ö s s i s ch e n Vereinen zur Pflege jüdischer Wissenschaft und jüdischen Bewußtseins zusammenzutretcn und von hier aus den jüdischen Bolksgcdanken allmälig in die Massen zu tragen. Der Weg ist selbstredend kein leichter, aber Erfolge sind dennoch schon erzielt worden. Man denke nur an den „Zion" in Lemberg, der es freilich mit in mancher Hinsicht von den übrigen Verhältnissen verschiedenen Zuständen zu thun hat. Aber auch die-einst in Wien bestandene „Zukunft" hatte die schönsten Erfolge aufzuwcisen und ist seinerzeit nur persönlichen Differenzen zum Opfer gefallen. Es ist eigentlich ein Versäumnis;, das; ein solcher allgemeiner jüdischer Verein, gegründet von Zionisten, nicht schon längst Mieder geschaffen wurde,;— ein Versäumniß, das baldigst im Interesse der Sache nachgeholt werden muß. Akademische Vereine jüdischnationaler Färbung haben ihre No'thwendigkeit und ihren Wirkungskreis, aber cs sind ihnen eben durch ihken akademischen Charakter gewisse Verpflichtungen und Beschränkungen auferlegt, welche die Gründung von über alleStände und Alters st u f e n sich erstreckenden Vereinen als ein dringendes Erfordernis; erscheinen lassen. So muß zunächst Wien bald einen solchen Verein erhalten; das Weitere wird sich finden. Solche Vereine müssen bei uns die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland ersetzen; ihr Hauptzweck muß aber auch bei uns die Pflege der geistigen Güter, unseres Volkes sein. Durch Geist zur Macht und mit Macht für den Geist,— sei unser Losungswort. B. „Palestiiie“ aus dein Englischen der Shlvie d'Avigd or*), frei übersetzt von Sanl Raphael. . ... Mächtige BLlker cnlstandcn vor Zeiten, Die sich Weg gebahnt von Nichts zu einem Namen, Zu Ehren, Hen schüft, Macht. Durch den weite» Wellkreis drang ihr Ruhm über des Staates Rahme». Schisse brachten Neichthümer zu ihrem Strande, Dem Staate zur Stütze mußt' das Fatunr dienen, Ihnen diente alles; — weit hin im Lande Bückten die Völker den Nacken vor ihnen. Doch sähe muhten sie fallen! — Wie reihende Wogen Stürzten sie in Trümmer deS Schicksales Mächte; Wer wagt es zu hemmen der Gerechtigkeit Bogen, Bereit zu rächen der Bedrückten Rechte?. •So treibt eS vorwärts daS Rad der Geschichte — Dieselbe Küste zwar wird bespült vom Meere,. Doch des Alterthums Sterne, wo sind sic, berichte, Wo ist ihr Hochmnth, wo ihre Schätze und Heere? ... *) Tochter des Präsidenten der „Chövevei Zion Affociation" .London. Elim .dA v igdor. ....... Stimmen von Urchtfndon über die Zionsidee. i. Mit lebhaftem Interesse habe ich He Schrift, betreffend: „Die nationale Wi cd er ge b u rt des jüdisch en Volkes", gelesen und freue mich, darin im Wesentlichen ganz dieselben Grundgedanken zur Lösung der Judcnsrage gesunden zü haben, welche ich in meiner Schrift: „Der m o d e x ii c S t aat n n ddasIudenth n m"*) (Minden in. Wcstphalen. I. C. C. Brun's Verlag 1886) ausgestellt, und wobei die Bildung, des nationalen jüdischen Gemeinwesens ebenfalls,als nothwendige Voraussetzung zur Lösung der beregtcn Frage dienen soll. Ans Seite 25 heißt cs daselbst: ,, Eine allgemein befriedigende Lösung der Scinitensrage wird und muß auf eine oder die andere Weise doch gefunden werden, und hierzu gibt uns der Gedanke/ welcher nach den Verheißungen der Inden denselben eine eigene Nationalität, also einen jüdischen Staat in Aussicht stellt, einen positiven Anhaltspunkt zu folgender politischer Combination: Mit Hülfe des spcculativen Sinnes der Juden und der ihnen zur Verfügung stehenden Geldmittel, sowie des Einflusses, welchen dieselben nicht nur auf die öffentliche Meinung durch die Presse, sondern auch auf die Förderung der Wissenschaften und indircct auf die Staatsgeschäftc in den Parlamenten der Großstaatcn besitzen, kann cs nicht schwer fallen, in allen Weltthcilen die Bestrebungen zu fördern, welche zur Zeit dahin gerichtet sind, gut gelegene Seeplätze mit einem zugehörigen Strich Landes zu erwerben; diese C o l o n i e n zur Einwanderung tind Ansiedelung, bezüglich zur Organisation von Handel srepübliken (fürwelche sich im Hinbick auf die neuesten politischen Errungenschaften der Belgier, Engländer und *) Ich bemerke, daß die kleine Schrift sich der Anerkennung der besten deutschen Männer und ganz spcciell auch des K a i s e r s Friedrich, und des Feldmarschalls v. M o l t k e zu erfreuen halte. Verblichen, verschollen gleich, des Nordens'Brausen Wie aus leisen Zephir-Windes leichten Flügeln Sind die grohen Böller. — Wo siehst du Hausen Römer noch ans der altberiihmten Roma Hügeln. Nur sie sind geblieben, — eilt Volk unentwegei, Unverändert', jedem Wechsel trotzend und Gefahren. Dasselbe Blut, so klar und rein, beweget Ihres Lebens Trieb, wie vor dreien lausend Jahren. — . , So steht es da wie jene Geister prophezeiten, Die der Nation nie vergängliche Herrlichkeit sahen; ' ' ■ Wenn auch zerstreut durch der Welten Breiten, Sieht es die Strahlen seines Sternes nahen. Wahrheit werde Sieg! — Wenn sich soll'n erfüllen Jener grasten Prvphezeihung Hannonische Laute Muß der Wahrheit Sieg unsere Sehnsucht stillen, Die ans den Boden unserer Heimat unsere Zuknnst baute. Mächrige Volker verschwanden. — Du als Nation Wahrtest stets deine Treue und hingst an Zion. Dein war cs ehemals, dein soll cs wieder werden Palestina — gelobtes Land auf Erden. -