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Selbst-Emancipation · 1893-05-18 · Heft 6 (18.5.1893) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 6 (18.5.1893)
Date
1893-05-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 §ewst-GmancipaLion. Seite 7 Juden im Reiche ganz hervorragenden Antheil habe». Der hiesige Verein f. j. G. n. L. hatte z. B. ans Antrag unseres Gesinnungsgenossen Herrn Sternberg beschlossen, einen Preis für die beste Arbeit aus der jüdischen Geschichte zu veröffentlichen. Die Preisarbeit soll vor Allein das jüdische Selbstbewußtsein heben. Wie wir aus guter Quelle hören, wird die Preisaufgabe in kürzester Frist ausgeschrieben werden. In gleicher Weise macht auch die Thätigkeit der Colonisationsvereine bedeutende Fortschritte. Die Einnahmen des Vereins „Esra" haben sich im verflossenen Jahre direct verdoppelt, ein Erfolg, der einerseits den Bemühungen.des Herrn Willy Bambus, dann aber auch besonders dem Vorsitzenden Herrn Dorn zu verdanken, der keine Mühe und Arbeit scheut, um den Gedanken der thatigcn Palüstinacolonisation in immer weitere und die weitesten Kreise zu tragen. Der Verein wird in nächster Zeit hier wieder Propagandaversammlnngen abhalten, und außerdem ein großes Volksfest veranstalten, bei dem man erfahrungsgemäß auf einen Ueberfchuß von circa 6—7000 Mark rechnen darf. Der „Esra" ist die beste Vorstufe-für den politischen Zionismus.' Im jüdischnationalcn Vereine „Jung-Jsrael" wurden in den Vorstand gewühlt: die Herren Dr. W. Boehlcndorff als Vorsitzender, stuä. tiieol. Ehrenpreis als 2ter Vors., die. Herren Bambus und Oe st er mann *) als Schriftführer, und Herr S p ear als Kassierer. Rumänien. Bukarest, den-14. April-1893. Am 11. d. M. fand in Galatz die D e l e g i r t e n v e r s a m m l u n g der gegenwärtig in Rumänien bestehenden Palästina-Colonisationsvcreine statt. Dieselbe war von Delegirtcn aus den Städten Bukarest, Bnzeu, Braila, Galatz, Jassy und Sarat besucht, während der Verein in Bacau seine avisirten Delegirtcn wegen eines eingetretenen Hindernisses nicht entsenden konnte. Den Vorsitz führte durch Wahl Herr As ick, der um die Zionssache wohlverdiente Nedacteur des „HajoStz" in Bukarest. Die Delegirtenvcrsammlung beschloß, es sei ein provisorisches Centralcomitö, mit dem Sitze in Galatz einznsetzen, .welches aber nur die propagatorische Seite der Bewegung zu leiten habe-; dieses Comitö habe ans 11 Mitgliedern zu brstehen. — Hoffentlich wird das Centralcomitcalles aufwciiden, um die Zionssache, der ja in Rumänien noch-von früherhcr viele Anhänger leben, neuerlich in diesem Lande zu verbreiten. Fast dreitausend'Inden und dreihundert Christen traten hier zu einem Meeting zusammen, um gegen die Ausschließung'der jüdischen Kinder als „Fremdlinge" aus den Staatsschulen zu protcstircu. Natürlich nützte der Protest und die in demselben ans Betreiben einiger assimilatorischer Studenten unnöthigerweise eingcflochtene Verzichtleistung auf die eigene jüdische Nationalität nichts. Der judcnfeindliche Gcsetzesparagraph ging mit großer Majorität durch. Der König rieth einer Deputation, Privatschulen zu gründen, welche besser sein könnten als die Staatsschulen, da die Juden reich seien. Die Socialisten sind hier von ihrem bekannten Standpunkte aus neben wenigen bürgerlichen Freisinnigen die einzigen Gegner'der Unterdrückung der Inden. Notizen. Golusblüthen. In Paris bat es einen in den Tagcsblättern besprochenen Scandal gegeben, de»cn Mittelpunkt ein gewisser Michel Ephrussi bildete. Die „Löss. Zeitung" weih letzteren folgendermaßen zu charakterisiren: „Herr Michel Ephrussi, ein Bruder jenes Maurice '*) Alle Briese sind zu richten an Herrn L. Oestermann, Charlottenburg, Kantstraße 114. Ephrussi, der eine Tochter des hiesigen Rothschild gcheirathrt hat stammt ans Odessa, wo sein Vater eine weltbekannte Getreidesirma gegründet hatte, die später von den drei Söhnen geleitet wqrden war. Seit vielen Jahren lebt der etwa fünfzigjährige Herr Michel Ephrussi hier und theilt sein Dasein zwischen Spemlatio i und Sport. Das unvergleichliche Urbild jener Finaiiz-Eniporkömmlinge und Nabobs, welche die Antisemiten'gern als den Durchschnittstypus des Juden überhaupt hinstellen, obwohl Niemand sie so verabscheut und verhöhnt, wie gerade der gebildete Jude, sah Herr Ephrussi es als das hohe Ziel seines LebenS an, mit den hochgeborenen Schwachköpfen der vornehmen Klubs aus dem Fuße gesellschaftlicher Gleichheit verkehren zu können. Erhielt einen Nennstall, er gab Feste, er pachtete Jagden, er pumpte den adeligen Her-en mit Entzücken Geld, wenn sie so gnädig waren, es in nachlässigem Tone von ihm zu verlangen, und kannte keine größere Seligkeit, als sich von einem Marquis oder Grasen nach sranzösischem Brauche »ns den Bauch klopfen und sagen zu lassen: „Doch eiir ganz patenter Kerl, dieser kleine Ephrussi!" Das ist das Portrait nicht bloß des Herrn Ephrusii, nur dessen hebräischen Nanien es uns besonders leid thnt, sondern einer ganzen Klaffe von GoluLjuden. Uebrigens wird der gezeichnete Typus nicht bloß von den Gebildeten und auch nicht einmal immer von diesen — man müßte denn das Won „gebildet" recht gewissenhaft gebrauchen — verhöhnt und verabscheut, wie der Corrcspondent der „Voss. Zeitung" meint. Vielmehr ist es eine allen anitändigen Inden gemeinsame Empfindung, solche Leute nicht zu leiden. — In Troppan fand jüngst ein antisemitischeS - „deutsches Bürgerfest" statt. Nach Schluß desselben spielte sich auf dem Bahnhof folgende Scene ab. Der nach Wien heimkehrende Festtheilnehmer, Buchhändler S chwidernoch, bemerkte zu zwei Gesinnungs- - genossen, als gerade der jüdische Kaufmann Pollak vorbeiging: „Wer ist denn eigentlich dieser Saujude?" Daraus erwiderte Herr Pollak: „Darauf werde ich Ihnen die Antwort draußen geben!" Thaisächlich trat Herr Pollak, auf der Straße angelangt, an den Herrn heran und sagte zu ihm: „Wer ich bin, werden Ihnen die Herren, die sich in Ihrer Gesellschaft befinde-!, wohl schon gesagt haben! Bon mir können Sic sich als geohrfeigt betrachten! Wenn Sie Ehrgefühl besitzen, werden Sie nun wissen, was Sie zu thnn haben! „Was Ehrgefühl!" schrie der Andere. „Wie können Sie von Ehre reden! Sie sind ja einJud'.und ein Jude hat keine Ehre!" Daraufh:» erhob Herr Pollak seinen Schirm, der andere erhob dieHand, und HerrP o l lak schlug mit dem Schirm auf diese. Das war der Ansang des Kampfes, der sich nun entspann. DerUnbekannte wollte sich ans Pollak stürzen, doch da traten einige Herren dazwischen, mit denen nun der Antisemit zu balgen begann. Herr B c l a k, Beamtr der Zündhölzchenfabrik, wurde so ungestüm zur Erde geworfen und mit der Faust ins Gesicht geschlagen, das; er ans Mund und Nase heftig blutete. — Das Blntmärchen. Außer den in voriger Nummer aufgcfnhrten Orten hatte auch Kaschau (Ungarn) einen Blntbeschuldigungs-Nnmmcl aufzuweisen. Ans Rußland. In Petersburg wird demnächst eii: Nabbinertag abgehaltcn werden. Die Regierung Hut nämlich die Berufung jüdischer Delegirter angeordnet, um einige wichtige Fragen auf dem Gebiete des religiösen und socialen Lebens der Juden zu lösen. Diese Einberufung steht mit den Beschlüssen der Plehwe'schcn Commission, welche die Aushebung der Autonomie der jüdischen Cultusgcmcinden solvie die Festsetzung der Zahl der jüdischen Bethüttser in, Reiche beschlossen haben soll, in Verbindung. Todesnachricht. Am 22. v. M. starb in Lemberg unser dortiger Correspondcnt, Herr Aron Lew in an einem Nierenleiden. Der Verstorbene, ein edler und ernster junger Mann, war ein opferbereiter Gesinnungsgenosse und ein eifriges Mitglied des Vereines „Zion", in dessen Ausschuß er die Bibliothekarsstelle bekleidete. Das Leichenbegäiigniß fand am 24. v. M. statt; alte Mitglieder des Vereines' „Zion", die Freunde und Bekannten des Verstorbenen, sowie sämmtliche Theilnehmer an dem gerade damals in Lemberg stattfindenden Delegirtcntage der Jüdisch-Nationalen Galiziens folgten dem Sarge. Am Grabe sprachen Herr Rabbiner Dr. Josef Ko bak im Namen der Familie, Herr- David Malz im Namen des Vereines „Zion", die Herren Spinner und Schreiber im Namen der Collegen — In Lew in verlor unsere Partei einen treuen Kämpfer, von dem noch viel, zu erwarten war, unser Blatt einen schätzenswcrthen Mitarbeiter. Ehre seinem Andenken!

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