Mannheim
Compact Memory

Selbst-Emancipation · 1893-05-18 · Heft 6 (18.5.1893) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 6 (18.5.1893)
Date
1893-05-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3092672-3092696-3092702--1103-3094119
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 Kewst-Gmancipakion. Nr. 6 Einige Male versammelten sich die Dclcgirtcn der Arbeiter im Locale des Executivconütö, um die Statuten zu berathen und in den Halbfcicrtagcn des Pcssachscstcs wurde eine Versammlung behufs Wahl eines provisorischen Comitös cinbcrufen. das auch die Genehmigung der Negierung cm* streben soll. Folgende sind die Bestimmungen des Vereines: 1. ) Zweck des Vereines: Den jüdischen Taglöhncru in Palästina den Erwerb von Grundstücken von dreißig Dunam zu ermöglichen. Außer diesem Zweck verfolgt er keinen andern, auch wenn er die Lage der Arbeiter berührt. 2. ) Die Einnahmen des Vereines sind: Beiträge der Mitglieder, Stiftungen und Legate. 3. ) Die Mitglieder sind Ehrenmitglieder, unterstützende und ordentliche Mitglieder. Die Erstercn zahlen einmal 200 Francs oder zwanzig Francs jährlich, die zweiten sechs Francs jährlich, die dritten zahlen, wenn sie Familie haben, V[.x Francs monatlich, wenn sie ledig und über 20 Jahre sind. 1 Franc pro Monat, iin Alter von 13 bis 20 Jahren ’/2 Franc monatlich. 4. ) Ehren- und unterstützendes Mitglied kann Jedermann aus dem jüdischen Volke sein, ordentliche Mitglieder nur Arbeiter und Aufseher und nur diese können die matcricllcn Beneficien des Vereines genießen. 5. ) Die Beiträge werden durch gewühlte Caffierc cingehoben und die Einkünfte eines jeden Monates dem Obmann des Execntivcomites übergeben, welcher sie in einer öffentlichen Bank deponirt. 6. ) Sobald in der Cassa die Summe vorhanden ist, welche zum Ankauf von 300 Dulam Grund und Boden erfordert wird, kauft der Vorstand einen solchen Grniidcomplcx, parccllirt ihn zu Grundstücken von 30 Dnlam und übergibt sie den in der Weise ausgelosten - Arbeitern, daß zweh Drittel der Treffer ans die erste Classc der ordentlichen Mit-' gliedcr und ein Drittel auf die zweite Classc fällt. Die in die dritte Classc Gehörigen werden in die Verlosung nicht mit cinbezvgen. bevor sie nicht das zwanzigste Lebensjahr zurückgrlcgt haben, wonach sie, je nach ihrem Stande, in die erste oder zweite Classe treten und deren Rechte genießen. 7. ) Der Ausgeloste zahlt seine Beiträge auch nach der Verlosung, bis seine Einzahlungen dem Betrage gleichkommen, welche der Verein für seinen Vodcnanthcil ausgegeben hat. Und dann erhält er einen Kanfbrüf darüber. ' 8. ) Der Verein wird durch den Vorstand und die Plenarversammlung geleitet, welche unter der Oberaufsicht des Exccutivcomitös des „Vereines zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina" steht. Dein Vereine schließen sich 250 Arbeiter an, und ihre Einlagen betragen ungefähr 250 Francs im Monate. Es ist Hoffnung vorhanden, daß auch die Arbeiter Galiläas beitreten werden und werden dann die monatlichen Einzahlungen beiläufig 400 Francs ausmachen. Ein provisorischer Vorstand wurde gewählt, denr drei unterstützende Mitglieder bei der Einrichtung der ganzen Sache zur Seite stehen. Durch diesen Verein wird — wenn sich nur viele Zionsfreunde' anschließen und die Zahl der unterstützenden Mitglieder größer wsrd, als die der ordentlichen — eine tüchtige Klaffe geschaffen werden. Durch ihn wird sich die Zahl der Einwohner der kleinen Colonien, tvelche bekanntermaßen an Colonistenmangel leiden, vergrößern. Wir tverden den Genossenschaften, welche sich ansiedeln wolle», Hilfe bringen — insofern«, so Gott will, das Verbot, Grundstücke zu kaufen aufgehoben sein wird. Die ersten Ansiedler der neuen Colonie werden es leichter haben, als die Eigengrundbesitzer, erstens wegen ihrer geringen Bedürfnisse, in Folge deren sie von dem in ihrer Eigenschaft als Lohnarbeiter des Vereines Erworbenen werden ersparen können, und dann wegen ihrer billigen Holzhäuschen, für welche nicht die Häuserbaubeivilligung der Negierung einzuholen ist. Die Jnstallirung eines solchen Halbcolonisteu und Halblohnarbeiters erfordert folgende Summe ': 30 Dulam Grund und Boden in der Nähe der Colonien, zu 25 Francs der Dulam 750 Francs Ausgaben für die Bepflanzung von 20 Dulam mit Reben oder anderen Gewächsen.. . 1000 „ Ein Holzhaus ........ 500 „ Unterstützung während der Arbeit im Weingarten und unvorhergesehene Ausgaben . . . .. 250 " 2500 Francs Nach dieser Berechnung, welche von Fachmännern geprüft und als richtig befunden wurde, sind bei 25.000 Francs für den ersten Versuch mit einer Gruppe von 10 Arbeitern nöthig. Diese Summe kann bald zusammengebracht werden, wenn alle Zivnsfrcunde von ihren Brüdern im Norden (siehe „Hamelltz") lernen und zu dieser großen Sache ihr Scherflein beitragen wollen. Der Leiter des Execntivcomites ist nach Mi schm a r Ha-Jarden gefahren, um dort die Resultate der vom „Vereine zur Unterstützung u. s. w." dieser Colonie zngcwandten Hilfe zu sehen, namentlich aber auch nm die zur Vollendung erforderliche Summe festzusetzen. Wenn er znrückkommt, werden wir genau wissen, was dort im verflossenen Winter fortgesetzt und neu gemacht wurde, auch die jetzige Lage der Colonie. Vorläufig wollen wir uns mit den Berichten . begnügen, welcheuns; von ■ vertrauenswürdigen Leisten in Galiläa zukommen, die übereinstimmend mittheilen, daß die ' Colonie stetige Fortschritte macht, ^und nur noch Geld zur Vollendung nöthig ist, um sie zur Zierde aller Colonien zu machen. In Chdera beschäftigt man sich mit großem Eifer mit der Ordnung der Gemeindeangclegenheiten und der Einrichtung der Grundstücke. Die Colonisten haben die Herren Ingenieur Vllbonchevitch und Dr? Spiro milder Theilung des Grund und Bodens betraut. Hierauf werden sie an die sehr dringende Arbeit der Entsumpfung gchen. Die hiesige jüdische Mädchenschule ist schon eröffnet worden und wird von 80 Schülerinnen besucht. Die Leiterin, Fräulein R. I a f f e ist ihrem Berufe gewachsen, ebenso, wie sie ihre Pflicht als Leiterin einer Schule im Lande unserer Ahnen kennt. Gebe der Himmel, daß sich die Einnahmen dieser Schule mehren und sie die Mittel gewinne, fortzuschreiten und sich zu entfalten! ' Barzilai. Jerusalem, den 16. April 1893. In Tantnra, dem Hafcnorte der Colonie Sichron Jacob am mittelländischen Meere errichtete bekanntlich Baron Edmund Rothschild durch Herrn M. Dising oif eine Glasfabrik. Am 29. v. M. fand nun die Feier der Grundsteinlegung eines Schmelzofens statt, bei welcher Herr Disingoff eine Ansprache an die Arbeiter hielt. In Tantura wohnen fünfzig Arbeiter und bilden eine wohlgegliederte Gemeinde, welche ein Bethans und eine Bibliothek hebräischer, französische, und russischer Bücher besitzt. In Rischon l'Zion wurden Maschinen für die Seidenbereitung aufgestellt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.