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Selbst-Emancipation · 1893-05-18 · Heft 6 (18.5.1893) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 6 (18.5.1893)
Date
1893-05-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6 Sekbst-Grnaricipation. Seite 3 Andererseits aber muß sie trachte», daß sie einen Einfluß auf die Beschlüsse der ganzen Partei angemessen ihren Kräften ausübe, und besonders an allen interterritorialen Berathungen einen bestimmten Anthcil zu nehmen. Bezüglich der Colonisatiousvercine faßte die Dclegirten- Versammlung den Beschluß: Alle C olonisationsvcreinc in Galizien treten als Ortsgruppen dem „Zion" Verband der österreichischen Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens" bei. (Für die Gründung solcher Ortsgruppen in Galizien hat das Executivcomitc zu sorgen.) Noch folgende Beschlüsse sind besonders erwähnungswcrth: Die „Przyszlosc" wird als Organ der Partei und deren Eigenthum anerkannt. Die Redaction ist für ihre Thütigkeit dem Delcgirtcntage verantwortlich. Die Zeitschrift „Sclbst-Einancipation" wird als Organ der jiidisch-na tio na len P a rte i in Galizien anerkannt. Als solche wird sie nach Maßgabe der Mittel moralisch und materiell unterstützt. In das Executivcpmite wurden gewählt die Herren: Dr. A. Salz, (Vorsitzender), A. D. Kvrkis (Vorsitzcnder- Stellvertreter), L. Mansch (Seerctär), D. Malz (zweiter Secretär), M. Sprecher (Cassier). In das Redactionscoinite der „Przyszlosc" wurden gewählt die Herren: A..D. Korki.s (Chesredactenr). Dr. David Heschelcs, David Malz und Karl Stand (Administrator). Die Delcgirtcnversaimnluiig sprach zu Beginn der Versammlung den akademischen Vereinen „Kadimah" in j Wien und „Hasm o na e a" in Czcrnowitz, sowie den Herren Dr. Rüben Vierer und Dr. Nathan Birnbaum, ihre Sympathicen und Dank aus. * Der erste Tag der Delcgirtenversammlung schloß mit einem zu Ehren der auswärtigen Gäste veranstalteten abwechslungsreichen musikalisch-deklamatorischen Abend im Locale des Vereines „Zion", zu welchem sich namentlich viel Frauen und Mädchen ciiifandcn. Der Soiröc folgte ein Bang nett. * Die galizischen Zionisten haben auf ihrem Parteitage Proben ihres Eifers für die gute Sache, ihrer politischen Reife und Gesinnungstüchtigkeit, ihrer organisatorischen Gewandtheit abgelegt, welche das Beste für die Zukunft hoffen lasse». Aus Palästina. Original-Berichte. Jaffa,*) 3. Jjar 1893. (Genaue Nachrichten aus Erez Israel). Es gibt hier nichts, worüber man schwerer mit Gleichmuth sprechen kann — um die Dinge so zu schildern, wie sie sind, — als über die jüdischen Arbeiter. Ihre Lage ist trotz der Bemühungen der Zionssreunde, sie zu bessern, eine sehr schlechte. Sie opfern sich, ohne der Colonisationssache auch nur den geringsten Nutzen zu bringen. Und doch wäre es möglich, diesen Hunderten edlen jungen Männern im Lande unserer Ahnen eine Existenz zn gründen und dadurch dessen Besiedelung einen bedeutenden Schritt vorwärts zu bringen. *) Die Correspondenz ist in hebräischer Sprache verfaßt. '' Die Zahl der jüdischen Lohnarbeiter in Palästina beläuft sich auf beinahe 500, wovon zwei Drittel in Judäa und ein Drittel in Galiläa. Ihr Taglohn beträgt 8 bis 11 Piaster (80 Kreuzer bis 1 fl. 10 Kreuzer), die tägliche Arbeitszeit 9 bis 9l/2 Stunden. Die privaten Colonisten und die Verwalterder „Zionsfreundc" bestimmen den Lohn nach der speciellcn Fähigkeit eines jeden Arbeiters, die Administrationen des Barons aber zahlen zumeist denselben Lohn ohne Rücksicht auf die Qualität der Arbeit. Die Mehrzahl der Arbeiter sind ledig, nur wenige haben Familie. Es gibt Chassidim und Aufgeklärte, Jeschiwa-Bachurim und absolvirte Gymnasiasten, gewesene Kauflente und Thoragelehrte unter ihnen, aschkenasische, spagnolische, südarabischc, persische und kurdische Juden. Zumeist sind es aber russische Juden. Sie leben in sehr ärmlichen Verhältnissen, sie besitzen nichts als ihre arbeitsschweren Hände. Doch, um das Bild zu vervollständigen, es gibt auch Einige, welche Vermögen haben und nur deshalb bei Anderen um Lohn arbeiten, um eine praktische Ackerhauschule mitzumachen. s Wenn wir nun die Lage unserer Arbeiter mit derjenigen der Arbeiter anderer Ländervergleichen, so herrscht im Großen und Ganzen kein Unterschied, wenn auch die Elfteren manche Vortheile genießen. In den meisten Colonien gibt cs keine billigen Küchen, keine Herbergen und Spitäler für sic, sind, was der Ucbcl größtes ist, sic haben keine dauernde, jedenfalls keine das ganze Jahr währende Arbeit. Im Winter gibt es wohl beständige Arbeit — natürlich hängen die Arbeiter auch dann ganz von der Laune eines fremden Obergärtners ab, der sie jeden Augenblick entlassen kann — aber im Sommer, besonders in der Zeit von Jjar bis zur Weinlese (bciläusig im Aw) wird die Nachfrage nach Arbeit geringer oder hört ganz auf. Da ziehen die Leute arbeitsuchend von Colonie zu Colonie . In Wahrheit ist immer für fünfhundertund noch mehr Arbeiter in den Colonien des Barons Arbeit vorhanden, aber einige Verwalter schämen sich nicht, lieber fremde als jüdische Arbeiter aufzunehmen. Gegenwärtig irren mehr als zwanzig Arbeiter ohne Arbeit umher. Ueberhaupt wird Arbeit zur Sommerszeit fast wie Gnade angesehen. Die verheirateten Arbeiter sind noch schlechter daran. Es ist fast in allen Colonien Regel, dem Arbeiter nicht zu gestatten, seine Familie in die Colonie zu bringen, und so wohnt die Familie, getrennt von ihrem Oberhaupte, in Jaffa oder einer anderen Stadt. Das verdoppelt die Ausgaben und mit den Familicnbcsuchen wird viel Zeit verloren. Doch nach den Lcbensmittelpreisen in Judäa — sic sind nicht niedrig — könnte der Arbeiter täglich einen halben Franc ersparen, wenn er immerfort Arbeit hätte und wenn in allen Colonien billige Küchen und Herbergen errichtet wären. Der gegenwärtige Stand der Dinge macht ihm aber nichtcinmal die Deckung der dringendsten Bedürfnisse möglich. So arbeitet er ohne Hoffnung und Endziel und hat noch stets die bange Sorge vor dem morgigen Tage. Die Ziousliebe, welche tief im Herzen der Arbeiter wohnt, die innigste und flammendste ideale Begeisterung stumpft sich angesichts solcher Drangsale und Kümmernisse ab. Darum ist die Verzweiflung unter diesen Männern sehr groß und viele von : ihnen, welche sich hier schon einige Jahre .aufhalten, bereiten sich vor, das Land zu verlassen. Das Jaffaer Executivcomitö bemühtsich nun, diese Armen zu retten und dem Lande zu erhalten. Im Vereine mit den besten Zionsfreunden haben sie die Arbeiter zur Gründung einer Gesellschaft angeregt — mit dem Zwecke, für die Mitglieder Grundstücke von je 30 Dnnam zn erwerben. Mit Hilfe der Zionsfreunde sollen dann diese bebaut und den Arbeitern soll so ermöglicht werden, ihr Brod in Ruhe und Ehren zu genießen.

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