Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 5 (16.4.1893)
- Date
- 1893-04-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 ZeWst-Gmancipatton. Nr. 5 respcctive ihre Seele, Herr Dr. I el l i n e k wieder einmal mit uns. Aufs tiefste davon erschüttert, das; Cardinal V a s z a r i in Ungarn die Inden als Nationalität bezeichnet, knüpft der Prediger der Wiener Cultiisgciiicindc hieran einige feindselige Bemerkungen gegen das Nationaljudeiilhum. Ebenso gleichgiltig, wie uns die Thatsoche ist. ob irgend ein katholischer Kirchenfürst uns als Nation betrachtet oder nicht, genau so gleichgiltig ist uns auch die Meinung des Herrn Dr. I e l l i n c k über uns. Und cs geschieht nur, um dem Publicum zu zeigen, mit ivclchcn Mitteln man gegen lins kämpft, wenn wir folgende Worte des Herrn Predigers hier wiederholen: „Wir können aber nicht umhin, unsere Stimme gegen das unbesonnene Treiben jener Vereine in vielen grasten Städten zu erheben, welche die Fahne einer besonderen jüdischen Nationalität anspflanzen und sich darauf vorbcrcitcn, für das Commando des künftigen, jüdisch-nationalen Heeres zur Eroberung von Palästina neue hebräische Ausdrücke zu schaffen, auch die Farbe und den, Schnitt der Uniformen zu bestimmen." Vielleicht werden sich's nun manche hebräische Blättcr von nationaler Gesinnung, aber leider von äußerst mangelbuftcr politischer Schulung, abgctvöhnen, Herrn Dr. I e l l i n e k oder, seinesgleichen ihrem Lcsepublicum als nationale Große» vorzusühren. Die Jcllineke erweisen sich gar nicht dankbar dafür .— In der Berliner „Allgemeinen Zeitung des Judenthnms" veröffentlicht, der sattsam bekannte H. T r a u b c n b c r g einen Artikel „Die zahme Türkei", worin er zwei Dinge konstntirt: Die Schädigung der Palästina-Evlonisationssachc durch die nationaljüdische Strömung selbst und die Enttäuschung derjenigen, welche von der antvkratischen Türkei bcsstrcs cnvartet habe», als vom autokratischcn Nustlaud. Was das zweite NcvmeUt betrifft, so gebt das uns spcciell nichts an. weil wir eine Colvnisativu ohne vorgängige völkerrechtliche Ga.rantien nicht billigen. Im ersten Punkte trifft sich Herr T r a u b e n - b c rg mit jenen Zionisten, welche das System der Colonistcn- Eskamvtage aiisrecht erhalten wollen, wiewohl cs durch die Thatsachcu.widerlegt ist. Letztere mögen cinsehcr., das; sie mit ihrem niipolitischcii Zionismus nur die.Geschäfte des Herrn Traubenberg und seiner Genossen besorgen, welche der zionistischem Bewegung de» nationalen Geist, d. h. die Seele nehmen wollen. Doch darüber ein andermal ausführlicher. . Nicht wir böse Natioiialjnden haben es-gesagt, sondern ein jüdisches Wochenblatt von ganz und gar nicht nationaljüdischer Färbung schreibt cs, und eine andere cbcn- - so beschaffene Wochenschrift billigt es, — nämlich Folgendes: „Unter den deutschen Juden geht seit einiger Zeit wieder eifrig der Klingbcutel um. Bald ist cs ein hungerigcr Littcrat. w e l ch e r f n r s eine j u d c n f r e» n d l i ch e n .Schreibereien entlohnt fein will, bald .ein betriebsamer Verleger, welcher Private und Gemeinden mit seinen Neuheiten überschlvemmt, bald ein größeres oder kleineres Comitee, welches die Sammelbüchse schwingt. Sic alle wollen uns von unserer, Noth, dem Antisemitismus, befreien und. dazu brauchen sie — Geld! Geld! Geld! Desgleichen erhält man jetzt öfter geheinniißvvlle-Schreiben, von außen bezeichnet mit: „Privatim!" von innen mit „Streng vertraulich!" und wenn man -klopfenden Herzens sich auf ein großes Geheimnis; gefaßt macht, so ist cs wieder nur ein beweglicher Aufruf, sich zu. „erklären" oder „beizntragen", natürlich Geld! Geld! Geld! So sind die meisten Maßregeln dadurch bezeichnet, daß sie eine Abwehr betreiben 3 ) heimlich, 2) durch andere, 0) für Geld. Ter Verein zur Abwehr des Aiilisemitismns" hat gewiß die reinsten Absichten, a»ch iväre es thvricht, die Hilfe cdeldeiikendcr Andersgläubigen geradezu zurückznweisen, aber nicht eher st sic über allen Verdacht erhaben, 'gelaust zu sein, als bis I . sie sich freiwillig und gänzlich unbeeinflußt erbietet. Wir haben ferner G r un d, auch gegen den Philosemitismus mißtrauisch zu sein. Denn abgesehen von dereouservativen Partei, die. sich für jeden Juden diseredirt hat — warum sollte mancher Partei bei dem allgemeinen Wahlrecht eine semitische Stimme nicht ebenso werthvoll sein, wie eine antisemitische?" Das Blut,Härchen. In Athen gab cs ans einem lächerlichen Anlässe einen großen Rummel,'dessen Mittelpunkt ein armer jüdischer Kesselflicker tvar, den mau drs versuchten Ritualmvrdcs beschuldigte. — In Posen wurde ein mit - einem Kinde anffden Armen dahincilcnder christlicher Arbeiter mit etwas jüdischen Zügen von den Passanten der Kindesentfnhrung zu rituellen Mordzwcckcn verdächtigt, zu Boden geworfen und mißhandelt. — Auch in Kvlin in Böhmen und in Holle schau in Mähren tauchte das , Blutmärchen Ans Rumänien. Die Kammer hat 60 Gesuche um Naturalisation seitens Angehöriger verschiedener Nationalitäten genehmigt, dagegen chic Gesuche zweier angesehener Juden abgcwiesen. — Mit 82 gegen 27 Stimmen hat die Kammer zu dem Schulgesetze den Zusatz angenommen: „Die Fremden können gegen Bezahlung als Externe im Verhält» iß von 1zu5 bei vakanten Plätzen ,z»gelassen werden". „Fremde" bedeutet in Nnmünicn bekanntlich : Inden. - Aus Rustland. Das Kriegsministerium hat den der K o s a k e n Heere cinverleibteu Juden die Alternative gestellt: entweder ihre Religion oder das Don'schc Gebiet zu verlassen. Ein Erlast des Ministers-des Innern macht die Behörden darauf aufmerksam, daß die gesetzlichen Beschränkungen dcr .Judeii nicht für die Karaitcn gelte, welche vielmehr sämmttiche Rechte der russischen Unterthane» genieße. Der Erlas; erfolgte über Anzeige des karaitischen , ' Ehachams von Enpatoria über vorgekommcne Anwendung der die rabbanitischeu Inden beschränkenden Gesetze gegenüber Karaiten. .—Es soll ein Gesetzentwurf in Ausarbeitung sein, ivvnach den Juden,.welche in den Flecken uüd Städten des 50 Werst breiten, westlichen Grcuzgürtels wohnen, das' Recht verliehen werden soll, dort weiter .zu wohnen, während jetzt nur die bereits vor dem ^7. Oktober 1858 daselbst Angesiedelten dort das. Wohnrecht haben. Die Gouverneure find angewiesen worden, die Ä usw e i s u u g von Inden inzwischen zu s isti ren. —Der Bevollmächtigte, des Baron Hirsch. HerrFeinberg, hat für die nächsten Zwecke-150 Familien gefunden, welche nach Argentinien auswaudern wollen. - Aus Persien Treffen die traurigsten Nachrichten ein. Nach mehrwöchcntlicher Ruhe haben die Ausschreitungen in' H a m wd a n von Neuem' begonnen. Ter Mollah A b - d a'l l a hat zwar die Stadt verlassen, und sich, überall auf seinem Wege enthusiastisch begrüßt, nach Teheran gewandt. Dafür hat jetzt ein fanatischer-Geistlicher,. Sey d Abdul Medj cd seine Rolle übernommen. Er hetzt gegen die Inden.' Seine zahlreichen Anhänger mißhandeln die Juocn in den Straßen. Man schont jetzt auch der Frauen und Rabbiner nicht. Den Frauen wird der Schleier herabgerissen, um sie dadurch äußerlich als Dirnen erscheinen zu lassen und so dem Schimpsc der Menge auszusetzen. Jüngst wurde der Rabbiner A b r a h a m I a c o b nach brutaler Anfgreifung auf der Straße' so gründlich der Bastonade unterzogen, daß er sterbend nach Hause gebracht wurde. Er war beschuldigt worden, das die Inden kennzeichnende rothe Abzeichen nicht angelegt zu haben. In Wahrheit hatten eS ihm die Helfershelfer S eh d S'herabgerisse». Die Behörden sind > iiiithälig. Aus anderen Städte» Persiens werden ebenfalls