Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 5 (16.4.1893)
- Date
- 1893-04-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. Sewst-Grnancipation. Seite 5 in der „^oUä^citmiQ" ctft anjQcriifyrt, er hak auch gestern Abend in dem tnesigen dentschsreisinnigen Verein der Altstadt: Vechrkäverein Kaiser Friedrich, eine fulminante Rede gegen den Rabbiner, den er wiederholt seinen „Freund" nannte, andererseits aber mit den häßlichsten Epithetis belegte, gehalten. Sonderbare Freundschaft unter diesen edlen Ässimilationsjnden, das; man den abwesenden „Freund" als politischen Heuchler und Charakterlosen hinstellt Während das deutsche Publicum sich ruhig verhielt, wußten die zahlreich anwesenden Faden ihres lebhaftesten Beifalls für ihren. Retter kein Ende. Ein hiesiger, den ständigen Lesern der „S.-C." nicht unbekannter Nativnaljude, wies die Juden auf das Lächerliche ihres ganzen Auftretens hin. wobei freilich das deutsche Publicum ihm erst Ruhe von den Juden verschaffeu mußte. Jetzt agitirt »och Herr Salinger dafür, daß der Gemeindevorstand dem Rabbiner als Nedaetenr des Plattes, eine scharfe Zurechtweisung zuthcil werden lasse, weil er ..gefährlicher als Ahlwardt sei" — als R'ationaljude. Nun wird der Aerinste, mit dem 'und dessen Blatte tvir ja nicht im Entferntesten ettvas gemein haben, die Geister nicht mehr los, die er rief. Auch die-antisemitische „Staaksbürgerzeitiiiig" stimmt in das allgemeine Halloh mit ein, indem sie den Dr. Ra hm er als den Heuchler unter den Rativualjuden hinstellt, der nur deshalb auf bic anderen Gesinnungsgenossen wacker schimpfe, um selbst ungestraft und ungefährdet im Stillen für sich erst recht sudischnational sein zu dürfen. Cs ist fast eravtzlich, anzusehen, wenn sich die Apostel und Jünger der Assimilation gegenseitig Jude und sogar — R'ationaljude schimpfen, wenn es nicht gar so ein trauriger Anblick wäre. S. S. Anhkand. Mita», März. Tie leiste Aiuiiiuer der „Kurländiicheii Gvnvernenienlszeittlna" veröffentlicht ein Eirenlär de» Minister des Innern an den .stnrlänLischen Gouverneur, wonach alle in .Kurland nicht ansenthallccherechtiglen stnden, d. h. alle nach dein Zal,re Gingeivaiiderten, ansznweifen sind. Wiederum iverdcn einige Taufend Jaiuilien van dein Beselste betroffen, da von den circa ■'!.■>,OoO in S\. wobnlwslen Hilden mindesten» 1 r>.<>On das Wohnrecht nicht haben. Am lautesten trifft diese Mastren; l die Einivohner der Hafenstadt Li bau, wo sich zahlreiche litthanifcbe Fnden niedcnzelasscn und deit Seehandcl mit dem Anstande rum Ansfchivninz gebrach! haben. Aber auch die Lage der stnrnctbleibendcn ist eine fe r inistliche. Tie eingeborenen Letten, welche die gesainmte Landbevölkerung N'.s ansinachen und bei denen in den legten 10 Jahren, von der russischen Regierung bebnf» erfolgreicherer Bekämpfung des TentschlhnmS begnnstiat. eine nationale Strömung die Oberhand gewonnen hat, gehen damit um, die Fuden an» dem Haiidelsg-werhe zu verdrängen. Schon feit einiger .steil iverdeu sogenannte tkonsunivereine beglündcl, dercn Gcschäsie die Landbevölkerang mit altem Röthigen versorgen sollen. Solcher Geschäfte gicbt eo in K. bereit» gegen oO. Jetzt fett auch in Riga ein t5entr.ilgeschaft errichtet iverdeu, von dein die einzelnen die Waare beziehen iverdeu. Die Beivohner des- Laude» gaben nicht mehr nöthig, Sonntag in der Stadt bei Juden ibre Einkäufe z» besorgen. Es werden dadurch viele wohnberechrigte Juden zur Ausivandcrnng gezivnngen werden. ES ist begreiflich, daß zu einer solchen steit, wo der Einzelne mit sich und 'einen nächsten 5'tngehörigen beschäftigt ist, wo alle strafen vor der Sorge um'» tägliche -Brot znriicktceten innssen, auch die zionistische Sache keine Fortschritte machen kann.*, Wohl wurde in mehreren Städten, insbesondere in Liban, der Anlauf znm stic»ii»,nns genviiimeii, aber die geschilderten stnftände in Be re in mit den-. B erböte der Pforte**- und dem Mangel an thalkräitigen Agitatoren liehen die Sache nicht den AnSgong nehme», den zn erwarten man berechtigt >var. st,war best Nt Kurland noch beule eine Anzahl gcstnn»ng»lnchliger 'hoiitsken, iedoch ohne Lrgauifation nmer sich inid'ohne Beziehungen znm Ldeffacr Centralcomitc. Das ist di?traurige Sachlage in Kurland. Ich hoffe in einer der nächsten Nummern ein allgemeines' Bild der socialen und eiiltnrellen Stellung der Juden in ölnrland zu geben. a: >.. *') Warm» sollte da» nicht bei geschicktem Borgehen der Inh,er möglich sein? Auch die Soeialdemokcatie hat ja diesen Widerstand zu besiegen und besiegt ihn. Redaetiou. **) dasvon folgerichtig denkenden -Zionisten ganz gleichgiltig hl'ngenvmmen wird. Vlifabcthgrad, den 29. März a. St. 1803. Mit einer Majorität von 905 Stimmen ging unser Gesinnungsgenosse Ingenieur T e m k i u ans bau zweiten Wahlgange siegreich als R a b b i n e v unserer Geineiude hervor. Diese R'acheicht hat weit über die Grenzen der Stadt Clisabethgrad hinaus Bedelltliiig für ilns Watioualjubcu. Denn nicht nur ist iinferein nmckeren Gesinnnngsgenofseik nach den bekannten Vorgängen im Sdeffu'erCoiiiite hierdurch ein glänzendes Vertrauensvotum ertheilt worden, — vor Allem hat eine jo z a h 1 r e i cl) e n n d bedeutende G e m e i n d e. wie die hiesige, unzweideutig zu erkennen gegeben, daß sie u n e n t ii) c 9 t a n f d e in Boden des R a t i o n a lj u d e ii t h li in s ft c h c u tv i l l. Herr Ingenieur T e in k > n konnte weder seinem religiösen Standpunkt, noch etwa feinem hebräischen Wissen die Wahl zum Rabbiner verdanken, sondern die Gemeinde hat lediglich deit jüdischen P a t r i o t e n e b e n n l s s o l ch e n z u i h r cm Leit c r g e w ä h l t. Die Gemeinde Clisabethgrad hat sich durch diese Wahl selbst geehrt. —<>if. Sitrlici. Jerusalem, den 5. März 18'.»:». Demnächst wird hier ein großer Katholikenevngreß tagen. Tee Papst hat deli Erzbischof von Rheims in Frankreich zum Borsiizeiiden bestellt. Den Katholiken ist wohl die Schuld am letzten Verbote der Pforte zrizuschreibei,. Das französische K'atholikei:- blatt ..Tone sninte ' hetzt in der verlogensten Weise. So hat es jüngst mitgetheilt, baß wöchentlich tanscnde Juden nach Palästina kommcii, um sich dort niederzulasseii. Tie ungarischen Inden scheinen auch hierzulande keine Raison annehmen zu wollen. Tiefe „beschnittenen Magyaren" wie sie der ..H-aov nennt, kehren auch in der kläglichen Rolle ocn Chalnkamänuern ihr „Magyarenthum" hervor. In ihren Statuten bezeichucu die Mitglieder des „Kollel llngarii" die Mitglieder der anderen Kvllelim als „Fremde'', ivelche von den aus Ungarn cinlaufenden Spenden keinen Pfennig erhalten dürfen. Ungarn den Ungarn! Tiefe Sinnesart stoßt hier ans a l l g c m eine Verachtung. Tie Mädchenabtheilung der neuen hebräischen Schule in Jaffa ist am 2. Adar eröffnet worden. In Pethach Thikwah pflanzte man im vergangenen Winter ans 1.200 Tlinain ungefähr eine halbe Million amerikanischer Reben. Rachdenl die Seidenzuchtversuche des Herrn M c e r v v i t ch in Rischon l'Zivn, ivelche dieser in den letzten vier Jahren anstellte, geliingeii sind, tverdeu in allen Colviiieii Maulbcer bäume gepflanzt, so auch ans sechs Heetarcil des Gu.es des-Baron Cdm. Rothschild in Pethach Thikwah. Chronik. Angriffe. Unsere Bewegung hat in de» letzten Wochen viele Angriffe erfahren. Im Leitartikel der vor. Nummer hoben wir den wichtigsten hievon zurückgewiesen. Derselbe erfuhr in späteren Nummern des „Freien Blattes" Fortsetzungen. Ein gewisser R o b e rt Tri l l richtet an dieses Btatt eine Inschrift, welche sich nicht nur durch schwülstigen Stil, sondern auch durch einen bewuu dernswerth hochmütigen Ton auszeichnet, auf die tvir i» unserer Bescheidenheit keine Antwort finden; ferner kritifirt das „Freie Blatt" die separatistischen Bestrebungen jüdischer Studenten und erzählt schließlich den Zivilisten, daß in Jerusalem Elend und Bettelwesen herrschen, was wir nie lengneten, und'baß dort die Kartoffeln thcner sind. - sieben dem „Freien Blatte" beschäftigte sich auch die „Neuzeit"