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Selbst-Emancipation · 1893-04-16 · Heft 5 (16.4.1893) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 5 (16.4.1893)
Date
1893-04-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. r, Kewst-Gmancipaiion. Judenüiiruhc'» gemeldet. Wer hilft da? BemerkenZiverth ist, daß Hamadaii au der Stelle des altca Susa steht. Die Freude, welche die Juden zu Haiuau'S Zeiten über dessen Fall hatte», scheint verfrüht gewesen zu sei». Dvch die Jude» sind auch heute nicht weitschanendcr. Adolf Fischhof. Am 23. März starb im steiermärkischen Dorfe Eunnersdorf Dr. Adolf Fi sch Hof im 77. Lebettssahre. Geboren zu Ofen in Ungarn, stndirte er in Wien Medizin und wurde Secnndararzt im Wiener allgemeinen Krankcnhanse. I» dieser Stellung trafen ihn die Ereignisse des Alärz 1848. Er leitete durch seine Rede im 'ständehos, in welcher er die freiheitlichen Wünsche der Universität zum Ausdrucke brachte, die Aevvlntion ein. Fi sch Hof wurde dann Präsident des Sicherheitsansschnsses, welcher zwischen de» rcvolntionären Massen und de» gesetzlichen Gewalten vcrinittclte, sodann Mitglied des Kremsiercr Neichstages. Als die Neaclion hcreinbrach. sas; er nenn Monate in Untersuchungshaft, uni schließlich ans Mangel an Beweise» frcigcsprochen zu werden. In späteren Jahren nahm Fi sch Hof noch einen Anlauf zn politischer Thätigkeit, aber seine svdcraliilischen Anschauungen konnten sich gegenüber dem Centralismns der Dcutschiibcraicn nicht Bahn brechen. Seit 1882 lebte er in Emmcrsdvrs, wo er in Folge seiner Herzensgüte und Wohlthätigkeit allgemein beliebt war. Fischhvss Leichnam ivnrde seine»! testamentarischen Wunsche gemäß nach Wien gebracht und hier unter großen Ehren zu Grabe getragen. —F i s ch h o f stand als föderalistischer Demokrat in wohlthncndem Gegensätze zn der centralistisch-libcralen Mehrheit der dentsch-vsterreichischen Juden. Der reinste Idealismus zeichnete ihn ans. Daß sein warmes Gefühl für sein Judcnthnm nur unklare Pietät, sein Weltbürgcrthnin bloß Schnnirincrei war, daran trug der Mann nicht Schuld, sondern die Zeit, die ihn hervorgebracht. Persona liiachricliten. vicrr I. P au er, S bercaiitor der türkischen -Israeliten-Genieinde Sn Wien, feiert am!->. April d. I. sein jünsnndzwanzigfähriges Eaiiiörjnbiläui». Herr Bauer verdient als Künstler die größte Wcrlhschätzniig, als Mensch und Jude n»bediiigte Hochachtung. Er kann der herzlichste» Glückwünsche aller siche, sei», Vie mit ihm in Berührung kanten und an seinem Gesänge sich labten. ES sind dies nicht zum mindesten die Mitglieder der Wiener zionistischen Gruppe, deren diverse Vereinsabende er, obwohl nicht Parteigenosse, in liebenswürdiger Bereitwilligkeit durch seine herrliche Kunst verschönte. llnser GestnnnngSgenosse, Herr Dr. W-M. H affkine, Assistent Pasteurs, hat von der srauzösischen und englischen Negierung de» ehrenvollen Auftrag erhalten, nach Indien zu reisen, um dort Versuche ' mit der von ihm entdeckten Lhnrphe gegen die Eholera anzustellen. Sein Aufenthalt in Indien soll ein Jahr dauern. . Hl e c e n s i o n c xx. Odprsuv:« I>roszilry ..A.syiniIatory.y. syonisci i .pplttcy** przfcz Zvgnmuta Broiiilierga. ((fine Abfertigung der Broschüre: „Die Asiiniilanten, Zionisten und P'len" voll Sigmund Vromberg)Lemberg 1893. S.31. Die Broschüre des Hr. Bromberg reiht sich in würdiger Weise dem ersten geistigen Prodnete der jüdischnationalen Bewegung in Galizien, dem „Programm", au. Wie zu erwarten stand, suhlte sich die gegnerische Partei gedrungen, darauf zn erwidern, und wenn sie jnst keinen Bessern damit betraute, als den eonsessionslosen Polen mos. Confejsion (!): Hrn. Feld in a n n, dann ninso schlimnrer für sie. In einer Broschüre betitelt „Die Asiinrilonten, Zionisten und Polen», legte Hr. Fel d.mann die ganze Lninteyenz seiner und derjenigen, die er zit reprüsentirc» vorgibt, Weisheit nieder, und trat hiedurch ans dem engen Nahmen der „practischen Thäligkeil" aus die große Arena, der Politik. Doch der herausfordernde Ton ein-S nur oberflächlich gebildeten, an Phrasen reichen, jedes kiefern wissenschaftlichen GehalteS en'.behrendeii Mannes konnte nnd durfte nicht »nbcantwörtet bleiben, nnd es ist auch das Verdienst nnferS Gesinnungsgenossen Brömberg, die richtige-Slntwort in richtiger Form gegeben zu haben. Es gehört wirklich ein trauriger Muth dazu, wenn ein Man», der mit de», Indenlhiiin nichts mehr gemein hat. als die Abstammung, der, tropdem er bis zu >emem achtzehnte»Lebensjahre „Pejes" trug und in „Elans" lag. gar kein jüdisches Wissen besitzt, deii jüdischen Voiksgeist nicht kennt, in ,einen belletristischen Schriften die Verspottung der Faden znin Gand in,,, der Polen als Sport betreibt, wenn dieser Mann sich plötzlich zu», Lehrer »nd Meister des Indeiilhnins eniporschwingen ivill, nnd an der Hand d r eigenen im Leben erprobten Theorien durch wissenschaftliche Genicinplätze die Heilslehren der Assimilation befestigen ivill: freilich'in einer andere» Weise, als eS nnlängst sein Freund, der ebenfalls in Assimilation nnd Sozialdemokratie macht, vsfenllich zum Ansdiiicke brachte Wenn ivir nus Überhaupt mit Hrn. Feld man n besaßen, so geschieht es nicht seinetwegen, dazu hätten wir feinen Anlaß, als vielmehr ivegen seiner Hinterinänner. Wir bedaneln daher, daß die scharfen Waffen nnd spitzen Pfeile des Vers., die lange noch nicht die schwersten Massen ans der Rüstkammer der jüdisch-imtionale» Partei waren, nnr dir et gegen Hr. Feld,» an» gerichtet waren. Man trifft dann mir die Person, aber nicht das System. Aber auch nicht wegen der Person, gegen die sie gerichtet ist, sondern wegen der Sache, die sie vertritt, wird die Broschüre hosfenilich znr Klärung nnd Festigung der jüdisch-nationalen Idee in Galizien, io>vie znr'Ausklärnng weiter polnischer nnd rntheniicher Kre»e nber die Tendenzen nnd Bestrebungen unserer Partei beitragen. 8. >!. L. lieber sei, (viiifluf; der Psalmen ans die christliche Liturgie und Hymnologie von Tr. M. G rn n w a l d. l8lst>. Soeben ist das 4. Hesl d,s wissenschastlich bedentenden Werkes des so srnchtbaren gelehrien SchristslellerS, welcher bekanntlich Rabbiner von Inngblinzlali ist, erschiene». Jüdische Melodie» aus Galizien und Rutzlaud. Zum ersten Mal ausgezeichnet und nnt.v Mitwirkung von Haljdan Jede aus Drontheim herausgegebeit von G. T., Verlag von I. H. RobolSly, Leipzig. — In der Missionärsseele walten — natürlich, soweit es sich um ehrliche Exemplare handelt — zwei Kräfte: Liebe zum jüdischen Stamine und eine Monomanie mit dein Ziele d,r Bekclirniig der Inden znin Ehristenthnin. In de» meisten Hanvliingen der Missionäre liberwiegt die zweite Kraft; inanchiiial aber scheint auch die ei sie zur ejrriirsiven Vethätiglliig gelangen zn wollen. Wir suchten in der etivähnlen Sch,ist, welche von, „lus,it»i„,,i .Tiulait-um" heransgegeven ist. vergebens »ach einer miisionärischen Färbung. Es d bekannte Melodien von bekannten jüdischen Jargonliedern ans den, slavischcn Lstr». Text nnd Melodie zeugen von der gemütbvollen Eigenart des jüdischen Volkes. Den Heran-gebern gebührt mir Dank, daß' sie diese Weisen in .Westeuropa bekannt machen. Vielleicht kommt nächstens eine Sammlung mit weniger harmlosem Inhalt; diesmal habeil sich die sonderbaren Schwärmer brav anfgeführt. llitfcr Bruder bist Tn! Aehenu altali! lieber eine volle siaatsbnrgerliche, geiellichastliche und »iililariiche Gleichstellung der mode:n ge iloeten Israeliten. Ans Grundlage eines übcrzengnngsvollen Anschlusses an M. v. Egidy's „Einiges Ehristeilthnin" und einer innigen Rasscnverschinelznng mit dem deutschen Wirlhsvolke von Hermaiii, Lefze zins kl. (Leipzig, Verlag von iS. F. Müller. 1893). — Was wir von Eg idy ' s „Einigem Ehristenthnin" selbst halten, darüber bei Besprechung der genannten Broschüre nus zu äußern, erachten wir als unnothweilSig. Denn wir können ,l»»,ogl,ch glauben, daß dieses Meer von Unsinn, in welchem einige vernünftige Gedanken rettmigslcS »ntergehe», dch Genehmigung oder Billigung des Herrn von Egldy erhalten hat. Man denke sich einen polnischen Inden, in dege» Schädel boruiite Tentomanie nnd »»klare? Welibiirgerlhni», wnthiger Prie>rerhay nnd byzaniiniiche Fnrstenberanchernng, banale Ausgcklärtheil nna religiöse Verzückung, seltsame Lerbindungen eingegange» sind, der die Gegenstände, über welche er abhanden, — und er zerrt .so 'ziemlich Alles herbei, dessen er'habhast werden kan» — wie Krank und Rüben durcheinander wirst, — und man hat das Bild des Verfassers, eine Vorstellung von seinem Buche. ConsuS bis in das Innerste seines Hirnes hienei», ohne Berstäiidniß sü die große sociale Fra„e, ein Mensch, der den denticheu M likärstaat das gelobte Land der Jetztzeit »ennr, — wagt cs Leszczinski, Bewegungen, welche logische und cvnsequeiite Programme haben, mit Schinipfworten zn dcl-gen. Wir sehen in der osiieielle» „internationalen Soeialdemokratie" ebenso wie im „Einigen Ehristenihüm" nur ein Symptom, daß die europäische Gesellschaft, an sich selrst verzweifelnd, durch semitischen Geist ansgerüttelt. nach neuen sittlicheren Gestaltungen ringt, aber ivir können es nicht diilden, daß ein Leszczinski einen Bebel angreijt, die Pathologie sich zum Richter über die Idee a-isw'irst. Seine atbernen Angriffe gegen das Nationaliudemhum oerzeihen wir ihmiiiniomehr, als >r io gnädig ist, snr die „orthodoxen" Juden einen „Nationalstaat in Palästina" zu empfehlen.

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