Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 4 (20.3.1893)
- Date
- 1893-03-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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(seiie 4 Zielbst-GmancipaLion. Nr. 3 Cabinets in der Palästinusache weniger erfreut wären als über die augenblicklich verbreitete Nachricht, daß ein neuer Gesetzentwurf, welcher mildere Bestimmungen für die Juden beinhaltet, in Berathung gelangen soll. „Auch die aus Rußland vertriebenen Juden", meint das „Freie Blatt" weiter, „vor die Wahl gestellt, dahin zurückzukehren oder in Palästina sich ansäßig zu machen, dürften bis auf wenige Ausnahmen sich für das Erstere entscheiden. Sind sie doch in ihren Anschauungen und Lebcnsgewohnheiten zum großen Thcilc Russen und fühlen sich trotz aller Drangsalirungcn, die sic in russischen Landen erlitten, dort am heimischesten." Wir möchten nach diesen Kraftlcistungen das „Freie Blatt" ersuchen, sich nicht fürderhin die Freiheit zu nehmen, über Dinge zu schreiben, wovon cs nicht einmal die Spur einer Ahnung hat. Die russischen Juden, deren rührende Liebe zum jüdischen Bolksthume außer Zweifel sicht, die der großen Mehrheit nach für die Wiedergeburt der jüdischen Nation ihr Leben, und nicht bloß einige unbedeutende zeitliche Vortheilc opfern würden, wage cs nicht, durch seine „Vertheidigungsgründe" zu verunglimpfen. Niedrigkeit werfe es ihnen nicht vor; daß cs sie Russen nennt, — vielleicht,weil sie gerne und viel Thee trinken, — diese Geschmacklosigkeit verzeihen wir ihm dann. Wir haben nun die geistige Qualität des Artikels des „Freien Blattes" ins rechte Licht gerückt, nun erlaube man uns noch einige Worte über den sittlichen Gehalt desselben hinzuznfügcn.. Einiges haben wir ja schon angedcutet, so namentlich den moralischen Tiefstand eines Appells an die Frivolität mancher besitzender Juden und an die Gesunkcnhcit eines Thcilcs der jüdischen Masse. Daran reiht sich würdig der ebenfalls bereits angedeutete Mangel an Gewissenhaftigkeit, welcher darin besteht, daß man einem gründlich ansgcarbciteten System mit einem kurzen Artikel cntgcgcntritt. der den Leser nicht einen Blick in das gestattet, was da eigentlich widerlegt werden soll. Das ist gewiß nicht deutsch gchandclr, denn es entspricht nicht der deutschen Gründlichkeit und Ehrlichkeit. Gerade der Mangel der letzteren schmerzt uns besonders. Der Artikel „die Zionisten" wurde — das ist leicht zu erkennen — nach dem Lese» der jüngst erschienenen Brochüre „d ic nation ale Wi cdcrg c b urt d es jüdischen Voltes in seinem Lande" verfaßt. War es da nun nicht ein Gebot der Ehrlichkeit, wenn man schon unseren Standpunkt nicht billigen konnte, wenn schon „der Appell an die Guten und Edlen aller Nationen" hier wirkungslos verhallt war, doch wenigstens der Wahrheit gemäß zu constatircn, daß wir unsere Ansichten mit dem Patriotismus, dem Fortschritte und der Menschenliebe in Einklang bringen und diesbezüglich wenigstens von den besten und ehrlichsten Absichten erfüllt sind? Durfte man bloß die Ziele anführcn und mußte man nicht auch etwas von unseren Motiven bringen? Durfte man uns, die wir vertrauensvoll unser Herz den nichtjüdischen Mitmenschen eröffneten, an ihren Edelmnth und ihre Hochherzigkeit appcllirtcn, so schnöde mit einigen gefühllosen Phrasen abfertigcn? Dieses Schweigen war schon Unwahrheit. Das war nicht deutsch, sicherlich nicht so deutsch, wie sich's M o m m sen vorstcllte, den das „Freie Blatt" citirt. Wir sind aber überzeugt, daß wir deutscherseits nicht oft auf eine solche „Würdigung" stoßen werden, wie sie uns das „Freie Blatt" zu Theil werden ließ, — welches eben nicderschreibt, was chm die „witzigen" Spitzen des Assimilativnsjudenthums fuggerircn. Wir werden es trotz seiner Gegnerschaft hoffentlich dazu bringen, von jedem, der Sinn für ein ehrliches Streben hat, geachtet zu werden. Und das ist unserer Ziele nächstes. Wir kommen auch noch weiter! B. Zionisten! Ihr seht, den Kampf gegen uns entbrennt auf der ganzen Linie. Bon assimilationsjüdischer und durch Asslmilationsjuden beeinflußter Seite werden die ungerechtfertigtesten Änwürse gegen uns geschleudert; wir werden verleumdet, unsere Absichten entstellt, um uns bei' unserem Volke unmöglich, bei den anderen Völkern verhaßt zu machen. Unser Schicksal und das Schicksal unferer Bestrebungen liegt nun in unserer Hand. Raffen wir uns jetzt nicht auf, um die: Größe und den sittlichen Werth unserer Sache den weitesten Kreisen bekannt zu ' machen, lassen wir fernerhin nur unsere Gegner über uns Bericht erstatten, — dann sind wir selbst für den diesfalls unausbleiblichen Mißerfolg verantworllich.- Zionisten! Es gibt kein besseres Mittel, um eine Idee zu verbreiten und für sie Sympathie» zu werben, als die Presse, als das Zeitungsblatt. Aber das Organ einer Partei, welche um Geltung ringt, muß imponiren und überallhin dringen können. Unsere „Selbst-Emancipation" entspricht diesen Anforderungen nicht; an Umfang gering, zu wenig oft erscheinend, zu theuer im Preise, ist sie von vornehercin keiner materiellen Festigkeit fähig und daher auch in Bezug ans ihre Leistungen für die Zionssache von verhältnißmäßig geringem Werte. Zionisten! Die „Selbst-Emancipation" muß zumindest ein Wochenblatt werden, um die Basis für. einen gesicherten Bestand, und dadurch erst die Möglichkeit zu erlangen, die Zionsidee in die weitesten Kreise zu trage». Zionisten Oesterreichs und Deutschlands! Eure Pflicht ist cs, hier einzugreifen, denn die „S. E." ist ja vor Allem für Oesterreich und Deutschland bestimmt. Hier gerade gibt es ja soviel zu thun, hier ist ja der Kampf am heißesten. Aber auch Ihr Zionisten anderer Länder namentlich auch Rußlands, seid vornehmlich verpflichtet, an dem Werke der Verwandlung der „S.-E." in ein Wochenblatt theilzunehmen. Wollt Ihr denn wirklich in der zionistischen Bewegung die geistige Kraft, die materiellen Mittel, die Autorität des deutschen Judenthnms entbehren, wollt Ihr diesen wichtigen Zweig der Judenheit verloren geben? Das dürft Ihr nicht wollen! Das ganze jüdische Volk muß an Zion Theil haben, und am - allerwenigsten darf das deutsche Judenthum, welches auch schon durch seine Bewegungsfreiheit Großes für unsere heilige Sache zu leisten im Stande ist, übersehen werden. Darum denkt bei Zeiten an die Gewinnung der deutschen Juden! Zionisten aller Länder! Die Vergrößerung der „S.-E. ist gegenwärtig eine der wichtigsten Aufgaben der zionistischen Thätigkeit. Darum erhebt Euch zum vollständigen Solidaritätsbewußtsein und zur größten O pf er willigkeil. Es ist leicht, Zionist mit Worten zu sein; seid es mit > Thaten, mit Eurem Gelde. Bei anderen Völkern werden ungeheure Summen für Unternehmen, welche der Vergrößerung der „S.-E." analog siud, aufgebracht; sollte man bei uns die bescheidene Summe nicht zusammenbringen ° können, die wir nöthig haben, — dann fehlt unserem Volke thatsächlich die politische und moralische Reife für den Zionismus. Zionisten! Nehmet an der behufs Verwandlung der „S.-E. in ein Wochenblatt eröffneten Subseription nach Kräften Theil!