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Selbst-Emancipation · 1893-02-28 · Heft 3 (28.2.1893) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 3 (28.2.1893)
Date
1893-02-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 ’ Sewst-Gmancipakion. Nr 3 treten zu wollen, der hitzige Eifer der eigenen Parteigenossen hat sich abgekühlt, und so wurde auch unter dein Eindrücke äusserer Einflüsse dem neugebackenen Präses uahegelcgt, daß . . . daß . . . nun, daß ein Jude nicht Präsident, a'uch nicht des socialistischen „Ognisko" sein könne. Herr B r ü ck hat auch, um den Verein nicht zu schädigen, sein Amt niedcrgclcgt. Die Einsichtsvollen werden sich über Ereignisse wie 'die obigen nicht verwundern. S. R. L. Wie», de» 27. Februar 1693. Es inufj doch etwas in der Wiener Lust liegen, das selbst die russischen Juden, welche seit einem Jahrzehnte für hoynungslose Assimibitions-Versliche und wcltbüigerliche P.'miirasici! sonst nicht sehr zugänglich sind, bestrickt Während die russisch-jüdischen Studenten in den anderen Weltstädten säst alle Träger und Verbreiter des national-jüdischen Gedankens sind, verhält sich die Wiener rusiisch-jüdische Studentengruppe bis auf geringe Ausnahmen wesentlich anders. Man wäre jedoch in Verlegenheit, wollte man eine einheitliche Gesinnnngsrichtung derselben heraussindcn. Nur einige von ihnen sind ausgesprochene Soc'ialisten »• ziv. echt Wiener Provenienz, das heißt von jener naiven n,:d ungcnialcn Schablonenhaftigkeit, welche die Wiener und österreichische Socialdemokratie überhaupt gegenüber derjenige» anderer Länder so nnvortheilhast auszeichnct. Er sind' dies dieselben, welche sich über die inter sianten Vorlesungen ocs Privatdocenten an der Wiener Universität Dr. Emil R ci ch manchmal so gründlich ärgern, weck derselbe — obwohl offenbar Gegner der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und ein von socialistischen Ideen erfüllter Denker — Marx' Bibel nicht wörtlich unterschreibt und sich erlaubt, auch >ige e Gedanken zu haben, besonders nicht Staaten, Nationen und Religionen zwischen den Fingern zerreibt, wie seine rnffisch-jüdischen Zuhörer cs zu Ihnir Pslcgen. 'Doch diese Socralistengruppe ist, wie gesagt, unter den Wiener russisch-jüdischen Studenten in der Minderheit; die Mehrzahl hat überhaupt keinen Typus, cs sei denn den negativen, dem Zionismus, dem sie oft in ihrer Heimat anzuhängen Vorgaben, nicht ang, hören zu wollen. Ihre Gesinnungen sind ein seltsames Conglomcrat von socialistisch-weltbürgerlichen und russisch-nationalen Anschauungen. Neulich erst hielt einer di-sser Herren, ein charakteristischer' Jude, ein Referat über den getauften Juden'und russischen Dichter Nat so n, wobei er den denkwürdigen Ausspruch that: „Wir können stolz daraus sein, daß in Rats o n unser.Russisches Blut fließt.'" Ei, ei, woher Plötzlich dieser „enge Gesichtskreis", dieses nationale Russenthum bei Leuten, welche gegenüber dem naiionalen Judenthum immer ihre Weltbüi gerlichkcit h.rvorkchre»? Warum lassen die Herren dem jüdischen Bolksthume, in dem sie ausgewachsen sind, während sie. mit dem russischen Bolksthumc nur sehr unfreundliche Berührungspunkte haben, nicht auch etwas Aufmerksamkeit zu Thcil werden? Am 2- März feiern die hiesigen ruyisch-jüdischen Studenten (officiell: die Studenten aus Rußland) den Jahrestag der Aufhebung der Leibeigenschaft der russischen Bauern. Wir haben nichts gegen diese Feier an sich, >vir wollen auch nicht daran erinnern, daß diese befreiten Bauern den nächsten Verwandten der Wiener Jubiläunisveranstaltcr die Weiber und Töchter schändeten, die Häuser anzündeteu, die Geschäfte plünderten und oft auch das Leben nahmen, denn — sie seien nur verhetzt und in der Cnltur zurückgeblieben, meinen unsere. Wiener russisch-jüdischen Studenten entschuldigend. Wir möchten jedoch in aller Höflichkeit daraus verweisen, daß diesmal am 2. März die Judenheit Purini feiert — ein Volksfest sondergleichen. Für diesen. Tag schwindet das uralte jüdische Leid und Wehe, schwindet der cigenlhümliche jüdische Ernst, schwindet selbst das wirtbschaftliche Elend, — Jubel und tolle Laune erfüllt das ganze jüdische Volk, gewiß aber jene drei Vicrtheile desselben, welche in Rußland wohnen. Waium feiern nun die Herren nicht da mit dem Volke symboliich die Niederlage der Bedrücker und Tyrannen mit, warum gehen sie denn da nicht unter das Volk, unter das eigene das sie versteht und nicht unter ein fremdes, das sie blöde oder höhnisch anlacht? Gewiß nicht, aus „Weite des Gesichtskreises", sondern aus . ganz gewöhnlicher Modclüstcrnheit, von der sie nicht um ein Haar weniger besessen sind, als die Juden im deutschen Schulverein z. B. bas jüdische Volk aber, oder sagen wir genauer, die jüdischen Massen werden sich die Leute merken, tvelche gerade am Purim die russische Bauernbesreiung feien, müssen, als wenn cs da nicht etwas nähe, liegendes zu feiern gäbe. Wir aber können es nur bedauern, in Wien des ruyisch-jüdischcn Elementes, das in anderen Städten sich als der >Cryslal:isationSPunkt sür zionistische Bestrebungen erweist, fast, ganz entrathen, zu mügen. Deutsches gleich. Berlin, 22. Februar 1893. Der jüdisch-nationale Verein „Jung-Jsracl" will Jugendvercine gründen, welche irdischen jungen Männern Sammelpunkte sein sollen. Zur Realisirung dieser Idee tvnrde vorläufig ein Comite eingesetzt, das ans den Herren Dr. B o e h l e n d o c f s, Dr. Max O P P e n h e i m c r, W. S t e i n b e r g, W. B a mbus und Hugo Schild der g er besteht und sich noch ans verschiedenen Berufskreisc» verstärken soll. —t—. Frankreich. Paris, 17. Februar 1893. Vorigen Samstag Abends send im hiesigen Paläsiinu-Coloniiationsverein der Einpfang eines geehrten GasteS, der hier aus der Durcheis,' nach Palästina errrtras. statt. Es ist dies Herr Dr. A. Mintz, Präsident der Genossenschaft Schowe Zion II. in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. In Begleitung desselben befindet sich ein geachteter und volkstreuer Mann au? Canada, welcher aber vor einigen Tagen zum Besuche seiner Verwandten an der russische» Grenze abreiste und »och nicht hieher zurückgekehrt ist. Der erwähnte Empsang hatte die Vereinigung der beiden zionistischen Gesellschaften in Paris zur Folge, — worauf wir schon lange sehnsüchtig gehosst hakten. Die Versammlung war sür beide Vereine. gemeinsam. Hinweg mit Meinungsverschiedenhelteil in der Zeit, wo die zionistische That nvthwendig ist! An dreihundert Personen nahmen an der Versammlung thcil,' welche von dem Großhändler und Öftrerer der Akademie, Herrn Nvwoselsky präsidirt wurde. Derselbe begrüßte die Erschienenen mit einer kurzen, aber inhaltsreichen Rede, welche mit den Worten schloß: „Meine Herreil! Die Zukunft unserer Idee ist gesichert. Wenn ich vor mir diese Versammlung sehe, komme ich zur Ueberzeugnng, daß wir, nachdem wir in zehn Jahren soviel gcivirkt haben, in den folgenden Jahren zehnmal rascher vorwärts kommen werden. (Anhaltendes Händeklatschen). Ja, geehrte Herren. Wenn wir heute hier nach Hunderten zählen, werben wir in einem Jahrzehnt ans Tausende angewachseir sein. (Tosender Beifall). Herr Dr. M i ir tz hat das Wort!" Erwartungsvolles Schlveigen in der Versammlung. Da erhebt sich ein Ma>.n in voller Jugciidkrast, von hoher stattlicher Erscheinung. Stürmischer Applaus empfängt ihn. „Theure Brüder und li. be Schwestnn", beginnt Dr. M i n tz, »Sie sind zu gütig.mit mir; ich verdiene alle die Ehre nicht, welche Sie mir erweisen. Doch nicht mir kommt diese Ehrung zu, sondern der geehrten Gesellschaft Schowe Zion II. in deren Leitung ich bin und in deren Rainen allein ich jetzt zu- Ihnen spreche. Wäre es möglich, ick, würde wünschen, daß der ganze Verein Schowe Zion sehe, was. ich heute zu sehen in der Lage bin; zu sehen, 'wie Hunderte herberkommen, uril einen Zionisten zu sehen und sprechen, zu hören. Ja, zu meiner großen Freude sehe ich jetzt das große Wunder, welches der Prophet in seinen Visionen geschaut hat Die dürren Gebeine richten sich zu neuem Leben uns. Wie hätte ich, als ich vor zehn Jahren aus Palästina nach Amerika zog, um dort die Zionsidee zu verbreiten, und den Weg durch diese Slaöt nahm, damals ahnen sollen, daß ich nach einem Jahrzehnt hier Hunderte von Zionisten, Natronaljuden treffen werde. Uns doch ist es so gekommen. Damals habe ich auch nicht recht glauben können, daß es uns gelingen werde, den Zionsgedairken auf amerikanischer Erde za verbreiten. Heute ist dieser Sprössling schon längst emporgeivachsen. treibt Blätter und Blüthen die Menge". Der Redner schildert nun das Leben unserer Brüder in Amerika und ruft dann aus: „Gebt uns Lebenslust, die Lust der Felder und Weinberge, die Luft der Parke und Gärten, die Luft von Rischon l'Zion, von Sichron Jacob, von Ekrvrr und Gadra. Wir haben genug an dem schlechten Geruch, den die Mauern, Höft und Ställe der Fabriken ausströmen. Frühling ist gekommen. Die Felder prangen. Weilen wir in den Dörfern. Jeder an die Arbeit am Pfluge! Rebmesser gebet dem Volke! Kaufet Felder. -. ehrt, pflüget und besäet Eueren Boden und irr Freuden rverdet Ihr ernten, ivas Ihr unter Thränen ansgestrent habet." (Langarrhalleiides Händeklatschen.) Die Rede des Herrn Dr. M i n tz, welche fast ernri'.deinhalb Stnnderr gedauert hatte, wurde an vielen Stellen von lebhaftem Verfalle unterbrochen. Die Versammlung dauerte bis drei llhr Morgens. Als eines der Anwesenden an die vorgerückte Stunde erinnerte, hörte man Rufe: „Zwei Jahrtausende währt bereits das Golrrs, so können wir uns doch einige Stunden mit dem Zionsgedanken beschäftigen". Mrkci. Jerusalem, den 14. Februar 1893. Auf den,, wie ich Ihnen mitthcilte, durch den Tod des Chacham Baschi P an i s el erledigten Sitz des Oberrabbiners von Jerusalem wurde der Erwählte sowohl der Aschkenasim, als' der Scfardim, R. Jacob Saul El ja schar, der bisherige Vertreter des Oberrabbiners, chermen. Der. neue Chacham Baschi ist Sefardi, entstammt aber' vielleicht einer vor

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