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Selbst-Emancipation · 1893-02-28 · Heft 3 (28.2.1893) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 3 (28.2.1893)
Date
1893-02-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Selbst -Gmancipation. Seite 3 Ist cs schon auffällig, daß Dr. Hertzka consequent und ohne sich irgendwie zu gcnircn, die von den Jude» sonst so gefürchteten Worte Stamm, Volk, ja selbst Nation zur Bezeichnung der Juden wählt, so tritt sein nationales Empfinden noch deutlicher im Inhalt seiner Worte entgegen. Er kann keine zwei Sätze sprechen, ohne einen Verstoß gegen die verschiedenen Lieblingsthorheiten des Assimilationsjnden - thums zu begehen. „Damit ein Jude irgend eine Stelle, sei es 'im Lehramt, sei es in der Jndieatnr oder sonst wo, erreichen soll, muß seine Qualifieation zweifach und dreifach besser sein, und dann bekommt er die Stelle in der Regel erst recht nicht" — diese Worte, die Herr Dr. H ertzka gleich im Eingänge seiner Rede sprach, zeigten sofort, daß man es mit einem offenherzigen Manne zu thnn habe. Aber er blieb dabei nicht stehen. Etivas schärfer pfiff der Wind schon, als er sagte: „Man wirft uns einen allzuweit gehenden Handelsgeist, mit dem häßlichen Worte beilaiiiit, Schachergeist, vor. Ganz und gar ungerechtfertigt ist dieser Vorwurf leider nicht". Daß Dr. Hertzka nach diesen Worten nicht der lebhaftesten Entrüstung seines Auditoriums zum Opfer fiel, hat er dem Umstande zu verdanken, daß ihm nicht das Brandmal eines Zionisten aufgedrückt ist, sowie vielleicht den gleich zugesügten Worten: „aber inunserem Volkscharäkter liegt die Neigung zur Schacherei nicht". (Freilich hilft dieser sehr richtige Zusatz, den ja auch die Zionisten machen, diesen gegen die Wuth des vom Anti- Antisemitismus aufgestachelten Volkes gewöhnlich nicht). Doch alles dies verblaßt vor der Unthat, für den Antisemitismus noch andere als gemeine Triebfedern anznnehmen und das, und nicht weniger hat Dr. Hertzka in seinem Vortrage gejhan. Als Motive des Antisemitismus führte er außer Bosheit, Neid und Haß folgende drei an: 1. Widerwille des arischen Forschertriebes gegen die unduldsame Kirche, ein Widerwille, der sich in Folge eines merkwürdigen Mißverständnisses gegen das Judenthum wandte, wiewohl dessen Arbeit am Christenthnme mit dem gar nicht angegriffenen Evangelium aufhörte und die ganze nachfolgende christliche Hierarchie unjüdisch, unsemitisch ist. 2 Die Ueberzeugung der mehr und mehr durch den jüdischen Geist influenzirten, semitisirten, europäischen Welt von der Ünhaltbarkeit der jetzigen socialen Verhältnisse; man sucht nun einen Schuldigen und hält uns dafür, „weil wir eben doch noch nicht ganz ^erwachsen sind mit diesen europäischen Völkern, also etwas Kteindes sind." 3. Der in einem großen Theile unserer chnstlichen Volksgenossen noch immer vorhandene altarische Kastengeist". Aus diesen drci Gründen können wir,nur eine Grundch^fiche herausfinden: die Fremdheit in Verbindung freilich Mt der Macht, die Fremden zu vergewaltigen. Es ist am »nde glcichgiltig, ob Bosheit und Neid, ob Forschuugstrieb, aluflehnmig in Folge Semitisirung gegen das herrschende floclufe Unrecht, oder durchschlagender altarischer Kastengeist die^edesmaligen Veranlassungen waren und sind, welche die Völker gegen das Judenthum aufbrachten, — vielmehr ist entscheidend, daß es den Völkern immer nur gefiel, an den „fremden" und schwachen Juden ihre diversen Gefühle und Stimmungen auszulassen. Das ist so entscheidend, daß man annehmeu muß, es werden sich auch künftige, vielleicht anders geartete Veranlassungen au dieselbe Grundursache anlehnen. Doch Dr. Hertzka unterscheidet einen neuarischen und einen altarischen Geist. Ersterer sei bereits durch den Semitismüs beeinflußt und berufen, gemeinsam mit dem Semitismus „jene Umwälzung zu bewerkstelligen, wie die Menschheit sie bisher nicht gesehen." Hören wir nun, was Dr. Hertzka den semitischen, was er den arischen, resp. altarischen und was er den modern-, neuarischen Geist nennt. Nachdem er in drastischer und rühmlich austichtiger Weise die Sklaverei des Proletariates geschildert und sich hiebei nicht gescheut hat, diese Schilderung mit den Worten zu schließen: „Ebenso gibt es Zweibeinige Arbeitscreaturen, die sich mit Kartoffeln nähren müssen, und Andere, die Braten und Champagner zugewiesen bekommen, aber Menschen, die das, was sie mit ihren geistigen und körperlichen Fähigkeiten hervorbringen, abtreten müssen an Andere, sind keine Menschen im wahren. Sinne des Wortes," — fährt er fort: „Es wird nun die Frage aufgeworfen, ob wir es da nicht mit einem ewigen Naturgesetze zu thun haben, das sich nicht ändern läßt, über das wir uns beklagen mögen, das aber unserer Einwirkung ebenso entzogen ist, wie Krankheiten oder der Tod. Das ist auch die Anschauung aller Nationen der Erde gewesen, mit Ausnahme eines einzigen Volkes, des jüdischen nicht recht, welche thatsächlich nur von jüdischen Schriftstellern gewürdigt und geschätzt, gerühmt, übersetzt wurden. Heine erkannte auf den ersten Blick,, als er den achtzehnjährigen La-sfalle sah, dessen Beruf. Heine und Börne, obwohl sic sich heftig befehdeten, verstanden einander doch unvergleichlich besser, als ihre gesinnungsgenössischcn nichtjüdischen Schriftstellercollegen. Wenn ich sehe, wie die Ehre jüdischer Weiser und Genies von fremden Kritikern angegriffen wird, so bin ich geneigtdiese dafür zu entschuldigen, indem ich mir sage: Sie haben die Gedankenresultate der jüdischen Geister nicht verstanden und konnten auf ihren Grund nicht dringen. Nimmer kann ich glauben, daß die Herabsetzung böswillig, im vollen Bewußtsein der .Größe der Verhöhnten geschieht. Wenn Richard Wagner die Compositionen seines Wohlthäters Meyer beer geringschätzend beurtheilt, so ist das nicht, wie die meisten Juden glauben und ich nimmerzugeben kann,. eine Folge seiner antisemitischen Gesinnung, die bei aller , persönlichen Ueberzeugung, von den Vorzügen und Schönheiten der Meycrbcer'schen Werke doch nichts davor znrückschreckt, sie zu begeifern,.— sondern einfach darauf zurückzuführcn,. daß W agner als Deutscher von Geburt den Werken Meher6 eer's fremd gegenübersteht,- sie vermöge seines Geschmackes und Geistes nicht , begreift. Auch das Spiel der Sarah Bernhard wäre dem europäischem Publicum fremd geblieben, wenn sich nicht jüdische Theaterkritiker in allen Ländern bemüht Hütten, den Werth ihres Spieles, ihre Bedeutung auf der Bühne klarzulegen. Auch heute sind es meist nur Juden, welche sie bis in den Himmel heben, während das europäische Publicum der verschiedenen Nationen unter sich Schauspielerinnen findet, die cs über die Bernhard stellt. Doch nicht blvs der gesunde jüdische Geist ist bisher den Völkern ein ungelöstes Rüthsel geblieben, sondern auch der krankhafte jüdische Geist, oder, um es gerade herauszusagen, der jüdische Wahnsinn; auch ihn, auch seine Eigenart haben sie nicht ergründet, denn fürwahr der Wahnsinn bei den Juden ist nach Wesen, Grund und Symptomen von dem.Wahnsinn anderer Völker im Großen und Ganzen verschieden. L a m b r o s o, bekanntlich Jude,. der das System von „Genie und Wahnsinn" aufgestellt hat, fand zahlreiche Gegner unter den uichtjüdischen Männern der Wissenschaft. Und dies mit Recht! Denn seine'Lehre von der Verwandtschaft ' zwischen dem Wahnsinne als' der Abweichung des Geistes von der geraden Bahn, und dem Genie, die Geisteserhebung, ist nud für die Juden wahr. Sters gab . es große Genies unter uns. Weil ihnen aber eine sehr enge Grenze gesetzt war und ihre

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