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Selbst-Emancipation · 1893-02-10 · Heft 2 (10.2.1893) · p. Seite 236

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 2 (10.2.1893)
Date
1893-02-10
Page
Seite 236 (sequence 6)
Language
German
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.Seite 236. Sclbst-Emaiicipation Nr. 2. Die erste ist die Unterrichts- und Umgangssprache der Schule. Es ist ein Vergnügen, die Laute unserer alten Sprache von anmuthigen Kinderlippcn zu hören. Wenn noch solche Schulen in unserem Lande errichtet werden sollten, dann ist große Aussicht aus Belebung der hebräischen Sprache vorhanden. Damit wird der „Jargon" aus unserer Mitte schwinden und es werden ihm wohl nicht Viele Thräncn nachweinen. — Die Mädchenabtheilung wird demnächst eröffne t werden. O. Eisen stad t. Chronik. Dp. David Cassel, ein hervorragender jüdischer Gelehrter und Schulmann, starb am 23. Jänner in Berlin im Alter von 75 Jahren. Ehre seinem Andenken. In Deutschland gehen die Wogen des Judenhasses immer höher; die Judendebattcn werden im Abgeordnetenhause Gewohnheit. Unsere Leser wissen das Meiste davon aus den Tagesblättern; aber folgenden köstlichen Ansspruch können wir uns nicht versagen, hier scstzuhalten. Der Abgeordnete Ereilter meint, nachdem er constatirt, daß der Antisemitismus in allen Parteien vorhanden sei, die Emancipation der Juden sei ein Fehler gewesen, ihre Wiederanshebung wäre aber ein noch größerer Fehler. Aus Frankreich. Die Antisemiten riefen in Lyon Unruhen vor der Synagoge hervor, wobei cs zu Zusammenstößen kam. — Minister Develle lehnte den Vorschlag der englischen Regierung, einen gemeinsamen Schritt beim Sultan von Marokko wegen der dortigen Judenmißhandlungen zu machen, ab. Aus de« Uereinrgten Staaten werden vom südlichen Missisippi Gewalttätigkeiten gegen die Juden gemeldet. Aus Rußland. In Riga steht die Ausweisung vieler jüdischer Handwerker bevor. Auch aus den anderen russischen Städten werden Ldische Handwerker ansgewiesen. — Der Warschauer General-Gouverneur hat die Borschrift, wodurch den Juden ihre cigenthümliche Kleider- und Haartracht verboten wird, und welche in der letzten Zeit vielfach unbeachtet blieb, unter Strafe gestellt. — Das Post- und Tclcgraphenamt in Moskau und Petersburg hat ein Communique veröffentlicht, daß in Zukunft keinerlei Briefe an Juden mit russischen Vornamen ausgcgeben werden dürfen. Neuerdings ist cs den Juden gestattet worden, ihren Kindern russische Namen zu geben, bis der Ministerialrath diesbezüglich entschieden haben wird. Die persischen Inden. Wo erhebt sich innerhalb des westeuropäischen Judenthums eine Stimme, welche zu einer Action für die persischen Juden, die unter einem fürchterlichen Drucke seufzen, ausfordert? Dagegen regt sich im russischen Judenthum, welches ja bekanntlich selbst so viel auszustehen hat, die Bruderliebe imd fordert zur That auf. Der „ttnmelitL“ veröffentlicht einen von Efraim Neumark geschriebenen Leitartikel, worin die Lage der persischen Juden erörtert und eine Hilfsaction verlangt wird. Der Verfasser legt drei Pläne vor: Auswanderung nach Amerika, wo sie Ackerbaucolonien gründen sollen oder gruppenweise Ansicdlung auf dem flachen Lande in Persien selbst, oder Einrichtung von Schulen, wodurch die persischen Juden, welche bisher nur persisch verstehen, zu einer freiwilligen Auswanderung mit selbstgewählten Zielen befähigt werden sollen. Wir halten alle drei Projccte für discutirbar und füglich auch für vereinbar, können aber die Befürchtung nicht unterdrücken, dass nichts geschehen wird, weil sich der glücklichere Thcil der Judenheit, sei es glücklicher durch größeren Verulögensbesitz, oder durch größere Bewegungsfreiheit, oder durch beides — ohnehin schon für zu viel belastet ansicht. Eine Rettung wird erst möglich sein — und das gilt auch für die großen jüdischen Massen in Osteuropa, — wenn die Zivnsidee das ganze jüdische Volk erobert und auch die Sympathien der anderen Völker gewonnen haben wird. perso»al-!lachricht. Unser Gesinnungsgenoffc, Herr Isidor Preczep in Podwoloczyskci, hat sich mit Fräulein Jctth Jacob vermählt. Knssordrrnng. Die „Erinnerung," welche, wie wir in Nr..22 vorigen Jahres mittheiltcn, Herr Brain i n im „Hamclitz" veröffentlichte, war von Erfolg begleitet. Laut Mitteilung des Herrn Samuel B. E l i a s in Belgrad in den hebräischen Blättern ist der Gelehrte, welchem der selige Dichter Jchuda Leb G o r d o n ein Vermächtnis, seine Ansichten über die Zionsidee enthaltend, übergeben hat, der bekannte hebr. Schriflsteller und Rabbiner der Gemeinde Belgrad, HerrDr. Simon Bernfcld. Derselbe wird demnächst das Vermächtis Gordons erscheinen lassen. Druckrfchlcv-Ärrichtigniig. In der letzten Nummer soll cs in der Korrespondenz ans Odessa statt „Arithmetik" richtig „Agricnltnr" heißen. Aus dem Lager der Zoeialdcmolrratie. Die „Arbeiter- Zeitung" berichtet, dass der Kolomeaer Tallis-Fabrikant, Simson Heller für den vom Tcxtilarbeiter-Congress in Brünn zurückgekehrten Dclegirten Meschullam Lnwisch keine Arbeit habe, und daß auch die anderen Tallisfabrikanten den Mann nicht annehmcn wollen. Heller habe auch seinen Arbeitern. zu Lnwisch zn kommen, oder überhaupt eine Versammlung zu besuchen, verboten, „lieber Judenverfolgungen im Mittelalter", sagt die „Arbeiter-Zeitung", „zcttcrn die liberalen Historiker und sämmtliche Philvsemiten, aber wenn cs sich um Judenverfolgungen durch jüdische Fabrikanten, durch „echte n a t i o n a l c I u d e n", Palästinenser, handelt, da schweigen die gefühlvollsten Flöten". In den durch gesperrten Druck bczeichnetcn Worten scheint Absicht zu stecken. Wir halten cs nicht für nöthig, unsere Ideale gegen die Angriffe eines Socialistcn zn vcrtheidigcn, der vorn Socialismus selbst wohl nur einige Phrasen wissen dürste. Ist Herr Heller wirklich Ausbeuter, als der er geschildert wird, — gegen eigenen Willen und bis zu einem gewissen Grade sind cs ja auch die Feinde der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung, so lauge letztere besteht, — so ist er kein Zionist. Ob er nun vielleicht einmal oder mehrere Male in seinem Leben sich als Zionsfteund ausgcgeben oder vielleicht gar einige Zchnkrcuzcrstücke für die Palästina-Colonisation gespendet hat, wovon wir übrigens nichts gehört haben, ändert an der Sache gar nichts. Wer jüdisch-national ist, hat schon dadurch allein socialistische Denk- und Fühlweise — freilich ohne die echt europäischen Ingredienzien der Feindschaft gegen Familie, Ehe, Religion, Vaterland und Nationalität. Gerade diese autifamiläre, antireligiöse, antipolitische und antinationale Tendenz der internationalen Socialdemokratie verleiht den naiven Worten des Heller: „Ein Socialist ist ärger als ein Meschummad" vom jüdischen Standpunkte einen Schimmer von Wahrheit und Berechtigung. Jeder Jude fühlt eben instinctiv, dass tvir Inden unsere Eigenart nicht aufgebcn dürfen, und sein Jnstinct leitet ihn hiebei recht, denn er leitet ihn im Interesse der socialen Entwicklung der Menschheit. Das »Neue pester Journal" bringt in seiner Nummer vom I.Jannarfolgcndc Notiz: „Am 25. d. M. ist in Hcvcs-Bntor im Hause seines Schwiegersohnes, des Kreisnotärs Jakob Blumbcrg. der einstige Rabbiner und hervorragende hebräische Gelehrte Josef N a t o n e k nach langem Leiden, welches ihn des Augenlichtes und der Sprache beraubt hatte, gestorben. N a t o n c k, tvclcher ein Alter von 77 Jahren erreichte, war lange Jahre Rabbiner in Jäsz-Bcröny und später in Stuhlweißenburg. Im Jahre 1648 war er cs, der dem nachmaligen Staatssecretär Eduard Horn durch die Gewährung von Geldmitteln zur Flucht vor der österreichischen Berfolgnng half. Natouek befaßte sich in den letzten Jahren mit der Idee der käuflichen Erwerbung Palästina's für das Jndeuthnm. Im Dienste dieser von der Allianec Israelite Universelle gebilligten Idee machte er etne Orientreisc, auf welcher er sich das tödliche Leiden holte, welches ihn nun zum aufrichtigen Bedauern Aller, die ihn gekannt, hinwegrafftc." Diese Nachricht hat das größte Interesse für uns, wohl schon wegen des verstorbenen Herrn Natouek, den wir leider nicht kannten und der offenbar mit den Zionisten in keiner Fühlung stand, besonders aber wcgcn*dcr Billigung, welche er seitens der „Alliance“ „für die käufliche Erwerbung Palästinas für das Judcnthum" erhalten haben soll. Recenponen. Volks- oder Zalonjudeuthuln von fff Berlin 1893 (Verlag von Hugo Schildbcrger.) Die Schrift ist offenbar von einem nationalgesinnten Inden geschrieben, den die Brochiire „Schutzjudcu oder Staatsbürger?" aufgebracht hat. Letztere Brochiire empfiehlt die durchgreifendste Affimilation, schimpft über den Talmud, und hetzt gegen die Orthodoxen, denen man zeigen soll, „dass >vir sie verachten, dass wir sie Haffen, mit mit einem ehrlicheren Hasse, als je ciu Antisemit gehasst." Dem gegenüber hat der Verfasser von „Volks- oder Salonjudcnthmn" Recht, lvcnn er solche Angriffe gegen bie Orthodoxie einen „Fanatismus nennt, der weder jüdisch, noch deutsch, noch ethisch ist"; — lvobci sein Geständnis interessant ist, „daß er nicht zn den Orthodoxen gehöre, sondern aus spinozistischem Boden stehe, und; was ihn an das Judenthum binde, die jüdische Abstammung, die jüdischen Sitten und Tugenden und das jüdische innige Leben" sei. „Und wahrlich" — sagt er an anderer Stelle —

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