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Selbst-Emancipation · 1893-02-10 · Heft 2 (10.2.1893) · p. Seite 234

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 2 (10.2.1893)
Date
1893-02-10
Page
Seite 234 (sequence 4)
Language
German
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Seite 234. Selbst-Ema ncipation Nr. 2. beitritt, ist genehmigt worden. Die Constituirung erfolgt nächstens. Es ist zu wünschen, dass sich jetzt auch die anderen Einzelvereine beeilen. Am 28. v. M. hielt der Verein „Admath Jeschurun“ einen Vortrags- und Discnssionsabend ab. Die Grundlage der Discusion bildete ein Bortrag des Vereinspräses Herrn Dr. Schnirer über die Lösung der Judenfrage. Der Vortrag, welcher über eine Stunde dauerte, war von ganz besonderer Gediegenheit und fand auch die Anerkennung der Gegner. Als Gegenpart erhob sich der Advocat Dr. Skr ein, der offenbar der Zionssache bisher völlig fremd, die allergewöhnlichsten und von uns schon längst widerlegten Gegengründe anführte. Er forderte die Zionisten auf, statt Phantomen nachzujagen, gegenüber den antisemitischen Beleidigungen auszurufen: „Das ist eine infame Lüge", bezeichnete auch die Zionisten als „feige Flüchtlinge" und liejs überhaupt unseren Ueberzeugungen ziemlich viel Mitleid widerfahren. Dr. Birnbaum antwortete ebenso scharf als unpersönlich; Herr Dr. Skrein fühlte sich nichtsdestoweniger getroffen. Dr. Kraus, Secretär der Allianz, sprach vom weltbürgcrlichen Standpunkt und Dr. Schnirer noch in Erwiderung beider Gegenredner. Zum Schlüsse sprach Herr Kohn vom jüdisch-nationalen Standpunkte. Wien. Jin akademischen Vereine „Kadimah", fanden Ausschuß-Ergäiizungswahlen statt, welche die Herren Dr. med. Josef Biester als Präses und Dr. med. Karl Pollak als Viccpräses ergaben. Auch in anderen Ausschnßämtern fand ein Personenwechsel statt. Am 4. d. Mt. fand ein Herrenabend des Vereines statt, welcher von einem zahlreichen studentischen Publicum besucht war. Der Präses Herr Drd. Vierer, hielt eine mit vielem Beifalle ausgenommene Begrüßungsrede, in welcher er die jüdisch-nationale Idee besprach, Stach ihm hielt Herr Dr. Schnirer einen längeren gründlichen Vortrag über dasselbe Thema, welcher mit einem Appelle an die Jugend schloß, für die zionistischen Ideen theoretisch cinzutrcten. Stürinischcr Applaus durchhalltc den Saal, als der Vortragende schloß. Stoch eine sehr kurze, aber sehr kernige Ansprache des Vcreinsmitgliedcs Herrn sind, jur Kohn folgte, und hieraus begann der gesellige Thcil des Abends. Krakau, 18. Jänner 1893. Am 14. d. M.. hielt hier Herr Osias Schauer im „Verein der' israelitischen Haudclsjugend" einen Vortrag, der sich betitelte: „Was nennen wir Nation und zu ivelchcr Station gehören die Juden?" Schade nur, daß ivir über so wenig Raum verfügen, sonst hätten wir diesen Bortrag sicherlich zum Vergnügen unserer Leser abgedruckt. Der Begriff Nation wird mit soviel Sachkenntnis besprochen und schließlich bewiesen, dass wir uns noch immer zur hebräischen Nation rechnen können; die Mcssiasidcc sei die Hoffnung auf nationale Wiedergeburt, wie ja schon einer der berühmtesten Amoräer, Mar Samuel, Rector der Akademie zu Nahardea im 3. nachchristl. Jahrhundert gesagt habe: „Die Zeiten des Messias werden sich von den heutigen nur dadurch unterscheiden, dass unser Volk nicht unter Fremdherrschaft, sondern selbstständig sein wird". Der Vortragende schloß mit eineni infornlirenden Hinweis auf die Zionsidce. Kein Wunder, wenn die inhaltvolle, Gelehr« sanikcit und originelles Denken verrathcnde Vorlesung init vielem Beifalle aufgcnoimncn wurde. Es ist Herrn Schauer auch als hohes Verdienst anzurcchncn, dass er seine gediegenen, von liatioual-jüdischem Geiste erfüllten Ausführungen vor ein Publicum brachte, welches der Belehrung über Ziele und Zukunft des Judcnthnms gar sehr bedarf. (A. L.) Lemberg, Ende Schbhat 5653. — Die hiesige jüdische studierende Jugend veranstaltete in jüngster Zeit, außer dem bereits in diesen Spalten erwähnten Makkabäerfcste, zwei Gedächtnisfeiern für jüdische Bcrühinthciten. Die erste Feier fand am 6. Jänner aus Anlaß der tausendjährigen Wiederkehr des Geburtsjahres des Begründers der jüdische» Ncligions-Philosophie, Rabbi SaadiaGaon, in Anwesenheit eines mchrtauscndköpsigen Publicums im Tempel statt. Die Festrede, welche recht ivässerig ausfiel, hielt Herr Rabb. Dr. Car o. Während der Feier lvurde ein sehr lvarni geschriebener, von der j ix b ischen Jugend" gefertigter Aufruf an die Gäste vertheilt. — Die zweite Feier, durch deren Veranstaltung die Jugend ihre echt jüdischnationale Gesinnung manifestirte, fand am 28. Jänner im Saale des „Zion" aus Anlaß der Wiederkehr des Todestages Perez Smolensky's statt. Im Namen der Jugend begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste Herr D. Schreiber und forderte die Anwesenden auf, für die Verwirklichung der Ideale Smolensky's zu käinpfcn, worauf Herr Dr. 3-. Feld eine Arbeit über das Leben und Wirken Smolensky's vorlas. Dieser Verlesung reihten sich an: Die hebr. Dcclanation des Frl. Anna Mensch »AI nioth Perez lien Moschch“, die Vorlesung des Herrn A. Korkis über „Hatoeh b'darke liacliajün“, sowie eine deutsche Declaniativn jüdischen Inhaltes des Herrn stuck, phil. M. Schatz Im Vereine „Zion" fanden in letzter Zeit nachstehende Vorlesungen statt: Am 24. Dccembcr v. I. „Awigdor" (Novelle) von Dr. Feld; am 7. Jänner d. I. „Die Idee der Zukunft für Israel" von Frl. Clara Rebner; am 14. Jänner „Barkochba" von Dr. D. L. Luft; am21. Jänner „Nathan, Shylock und Jankiel" von Ad. Singer und am 4. Februar „Die Bedeutung Palästinas fü r die Gegenwart" von Rabb. Dr. Ko bak. — Au den Mittwoch-Discussions-Abenden wurden nachstehende Themata behandelt: „W u ch e r" (Res. Sprecher); „F e l d m a n n's Streitschrift geg. das zion. Progr." (Ref. A. Stand); „Gleichb e rechchtig. der Juden in der Theorie und Praxis" (Ref. Gabel); „Die Zuführung der Juden zur productiven Thätigkeit" (Ref. Dr. Feld); „Die physische Erziehung bei den Juden (Ref. Dr. Kormann); „lieber die Artikelserie: „Die Judenfrage in Kraj" (Ref. Malz); „ZionS Vergangenheit und Zukunft" (Ref. Goldsterns Rumänien. Kukarest den 1. Februar 1893. Alle Apotheken-Eigenthümer erhielten den Auftrag, ihren jüdischen Pächtern zu kündigen, jedenfalls aber nicht mehrdie Verträge zu erneuern. Bemerkenswert ist, dass die Eigentünier selbst Ausländer, also völlige Fremde sind, während doch die Juden wenigstens einheimische Fremde sind. Das Gesetz, wonach Freniden, besser: Juden, nur gegen Erlag einer Taxe die Ausnahme in die Volks- und Mittelschulen ermöglicht wird, wurde bereits der Kammer vorgelegt. Frankreich. Paris, im Schbhat 5653. Vor einigen Tagen feierten die hie' figen nationaljüdischen Studenten die erste Wiederkehr des Tages der Gründung ihres Vereines und der Eröffnung des Vereinslocales. Bekanntlich studircn viele Juden an der Pariser Universität, aber sic wollen nicht einsehen, daß sie nicht blos Juden sind, um sich dessen zu schämen, sondern darauf stolz zn sei». Vor einigen Jahren haben fich nun einige rusfisch-jüdische nationatgesinnte Studenten zusammengefunden, um die zersprengten Kräfte des Quartier Latin zu einigen. Aus verschiedenen Gründen hat sich die Gründung der „Association des etudiants israclitcs“ bis in's vergangene Jahr verschoben. Seitdem ist sie behördlich bewilligt und besitzt ein eigenes Vereinslocale, innerhalb desselben ein eigenes Zimmer zur Lcctüre von jüdischen Büchern und Zeitungen in verschiedenen Sprachen. Dank unseren ^Geistesgrößen in Frankreich und insbesongere der „Loeiete des etudes juivcs“, an deren Spitze die größten Rabbiner Frankreichs stehen, ist die französisch-jüdische Abtheilung der Bibliothek sehr reichhaltig. Die Zeitungen sind am stärksten vertreten. Im verfloffencn Jahre erhielt der Verein sämmtliche hebräische und alle jüdische» Zeitschriften in deutscher, französischer, englischer und russischer Sprache. Geistiger Zweck des Vereines ist: Einigung der jüdischen Studenten von Paris und Verbreitung der uationaljüdijchen Idee unter der Intelligenz. Daneben hat der Verein auch einen materiellen Zweck: Unterstützung durch Darlehen u. dgl. Zur Zeit seiner Gründung hatte der Verein ein Vermögen von 110 Francs. Von Baron Edmund Rothschild erhielt er durch den Obcrrabbincr Zadoc Kahn 500 Francs; Mitgliedsbeiträge bei 500 Francs: Einnahmen des Purimfestes 5652 bei 1000 Francs; rückgczahlte Darlehen 455 Francs und an sonstigen Einnahmen noch einige Zehn-Francs, Gesammtcinnahme 2725 Francs. Nach Abzug der Ausgaben, unter welchen die Darlehen mit beiläufig tausend Francs und Bibliothek und Lesezimmer figuriren, bleiben gegen zOO Francs in der Vercinscaffe. Hiezu kommen die. Schulden der Mitglieder an den Verein mit mehr als 500 Francs. An dem erwähnten Gründungsfeste sprachen einige Vereinsmitgliedcr über die Bestimmung Israels und das Verhältnis des Vereines zum Gedanken der Wiederbelebung unseres Volkes. Der Präsident, Herr Chouvine, erklärte den Versammelten die große Bedeutung des Palästina-Gedankens c Nach ihm sprach der Secretär, Herr Weitz, hierauf ein anderes Mitglied, welches eine allgemeine Uebersicht über die jüdische Geschichte zu geben suchte. Sodann wurden Toaste auf die jüdischen Großen ausgebracht. Von allen Seilen des Saales tönten die Rufe: „Es lebe Israel" und „Es lebe Israel im Lande Israel". Ein Mitglied sprach über die drei Grundlagen des jüdischen Volkes: Land, Sprache und Thora. Er zeigte, dass in den letzten Jahrtausenden an Stelle des Landes die Erlösungshoffnung getreten sei; die Sprache lebte während der ganzen Zeit, auch die Thora habe nicht aufgehört, der Lebensquell unseres Volkes im Exil zu sein. Die Erlösugshoffnung habe nun begonnen, greifbare Formen anzunehmen und die Sprache aus einer Büchnffprache eine Umgangssprache zu werden. „Und darum", rief der Redner aus, „lebe unser Land, lebe unsere Sprache, lebe unsere Thora, und mit ihnen zusammen ewig und immerdar unser. Volk". Langanhaltendes Händeklatschen folgte diesen Worten. Das Fest dauerte bis nach Mitternacht. Freudig und froh gingen die Mitglieder auseinander. A. Ludvipol.

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