Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 2 (10.2.1893)
- Date
- 1893-02-10
- Page
- Seite 233 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. Selbst-Emaneipation ©eite 233. Maimuni und Nachmanis. Mau vergleiche nur die sanfthinfließeude Sprache des deutsch-französischen Juden Naschi mit der des spanischen hochiveisen Ilm Esra, oder die eines Spezialtalmudisten z. B. des Le» Adereth, oder des Bar-8rliescliet, mit der des allseitig gebildeten Efodi in seinem „Masse Ef(id" oder mit der des großen Aesthetikers Messer Leon in seinein Werke .. Xofcth Zutinr. Welche angestrengte Künstelei hier, und welche unbesangene Natürlichkeit dort? Zwar ist der rabbinische Stil wegen seiner gänzlichen Formlosigkeit eben so wenig zu empfehlen/ als der arabischspanische wegen seiner Unnatürlichkeit. Das Einzige soll bloss eoneludirt werden, dass nur Bibel, Mischnah, Talmud und Midrasch (nach Abstreifung mancher Aramaismen von beiden letztens die sprudelnden Lebensguellen des natürlichen Hebraismus sind, und dass so lange man nicht aus diesen holt, von einer gesunden Fortbildung unserer Sprache keine Rede sein kann. Diese Gebiete allein sind es, wo aus jedem Schall der kräftige Ton unserer Nation uns entgegenklingt/ wo aus jedem Lufthauch der zarte Duft der gottgesegneten Fluren des Landes der Bäter uns entgegenweht. Palästina soll die einzige Stätte der Wiedergeburt unserer Nationalität, unsere Lehre die einzige Quelle der Verjüngung unseres Nationalgeijkes und unserer Nationalsprache sein. Jerusalem, Kislev 5653. W. Jawitz. N rr f r u f. „Zion". „Verband der österr. Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens". Die österreichischen Zionisten dürfen hinter ihren Brüdern und Gesinnungsgenossen in anderen Staaten nicht Zurückbleiben. Die Londoner „Cliovevi Zion Association“ mit ihren 25 Filialen, der Berliner „Esra" mit seinen zalreichen Zweigvereinen, der Odessaer „Verein zur Unterstützung jüdischer Ackerbautreibender und Handwerker in Syrien und Palästina", sie alle sind nur im Stande, durch gemeinsames Vorgehen, mit vereinten Kräften und Mitteln etwas zu leisten und für ihre verfolgten Brüder neuen Grund und Boden anznschasfen, ihnen eine Heimat und eine ruhige und sichere Zukunst zu bieten. Die größeren Beträge, die obgenannte Verbände nach Palästina alljährlich senden, sie sind greifbare Resultate einer festen, einheitlichen Organisation. Unsere österreichischen Brüder konnten bis nun sehr wenig leisten. Ihre Bestrebungen mußten in erster Linie dahin gehen, dass ihren Brüdern hierzulande ein Licht anfgehe und sie etwas erfahren von jenem Lande ihrer Väter, auf dem jetzt fleißige Bruderhände die harte Scholle bebauen, und von den Bestrebungen, die dahin zielen, dem jüdischen Volke auf dem Boden seiner Bäter eine Heimat zu schaffen. Nun sind bereits die Statuten des Verbandes der österreichischen Coloiiisations-Vereiiie „Zion" vom Ministerium genehmigt, und an Stelle der bisherigen Thätigkeit der einzelnen Vereine soll die einheitliche des ganzen Verbandes treten. Die Verfassung dieses Verbandes besteht darin, dass das eigentliche Organ desselben die Delegirten-Versammlung ist. Die einzelnen Vereine sind von einander ganz unabhängig, sie wühlen je nach der Höhe der von ihnen an den Verband abzuführenden Gelder eine entsprechende Zahl von Delegirten, die dann zusammen berathen und über ein gemeinsames Vorgehen und Verwendlmg der gemeinsamen Gelder Beschlüsse fassen. Sobald ein derartiger Verband aus mehreren Vereinen zusammengesetzt ist, sind dessen Mittel bei weitem größer, und mit solchen größeren Capitalien lässt sich dann etwas Ersprießliches thnn, insbesondere eine neue Colonie gründen oder eine schlecht stehende lebensfähig machen. Das beste Beispiel gibt der Londoner Verband, der vor einigen Monaten in Transjordanien für L. 1500 D. Fr. ea ö. W. fl. 18,000 Boden kaufte und jetzt behufs "Anschaffung eines Inventars weiter Geld sammelt. Und sollten in Oesterreich nicht ähnliche Resultate erzielt werden können? Sind die österreichischen, insbesondere die galizischen Juden ihren verfolgten Brüdern nicht ebenso nahe, als die englischen? Ja, sind sie ihnen nicht wegen der gleichen Sitten, Gebräuche, rituellen Formen, Sprache noch näher? Soll sich denn die Bruderliebe und Barmherzigkeit nur beschränken auf das Hinreichen einer Tasse Thee, Trvstspenden, und Beschenkung mit alten Kleidern, wie dies ja alles in den 80er-Jahren der Fall war. Hoffentlich werden diejenigen unserer österreichischen Brüder, denen das Wohl ihrer verfolgten Stammesgenvssen am Herzen liegt, doch in einer ausgiebigeren Weise dieser gedenken. Wir richten daher an die österr. Juden einen "Appell, den bereits bestehenden Palüstiiia-Coloiiisations-Bereineii in Wien, Stryj, Tarnow, Radautz :e. gefl. beizntreten, eventuell einen Einzelverein des Verbandes „Zion" zu gründen und dadurch dem großen Werke einer geistigen und sittlichen Wiedergeburt des jüdischen Volkes zum Siege zu verhelfen. Denn nur in Palästina, nur auf dem Boden unserer Väter können unsere verfolgten Brüder wirthschaftlich erstarken; selbstbewusst, den Nacken vom Joche des Druckes frei, sich bewegen; ruhig und glücklich, fern den wilden Ansbrüchen eines fanatischen Hasses, gemäss den großen Traditionen unseres Volkes an den Aufgaben der Welt und der Menschheit Mitwirken. Für den Verein „Admatli Jeschurun": Dr. M. Schnirer S. R. Landau Präsident._Schriftführer. Original-Conespvndenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien den 10. Februar 1803. Sehr interessant ist die Affaire Byk. Hören wir, was die „Arbeiter-Zeitung" recht drastisch darüber schreibt: „Der Abgeordnete für Brvdy und Lemberger Advoeat, Dr. Byk benützte die Budgetdebatte, um sich über die ungleiche Behandlung der Inden und Nichtjnden zu beklagen. Entgegen dem durch Staatsgrundgesetze verbürgten Schutze, eigentlich der Unnahbarkeit der Religionen, werden in Versammlungen der Judenfeinde die Juden ein Raubgesindel und Aehnliches genannt. Ter Abgesandte der Polizei hört dies ruhig an. Gewiss würde, meint Herr Dr. Byk, dasselbe Hauptwort, wenn es das Bestimmungswort „Christ" trüge, den Wächter der öffentlichen Ordnung eiuzuschreiten nötigen. Während dieser Klage entschlüpfte dem unvorsichtigen Rechtsanwalt das Wort: .Vorrechte des Adels". Deswegen wurde er vom Pnlenelub angeklagt. Vom pfäfsischen Grafen Tarnowsky bis zum letzten lumpigen Ritter herunter, fielen sie alle über ihn in so heftiger Weise her, dass dem armen kinderlosen 80.00» fl.-Besitzer das Männerherz hinabrutschte und er feierlich stotterte: „Ich habe ja den "Adel nicht beleidigt und auch nicht beleidigen wollen". „Nein, Abbitte leisten!" rief die gesammte Pvlakei und Dr. Byk nahm das Kreuz und bat in der nächsten Versammlung des Abgeordnetenhauses förmlich um Verzeihung. In derselben Pvlenelubsitzung fuhr der genannte Graf Tarnowsky, ehem. Haupt der Krakauer Universität, beni Tr. Block) über den Rkniid, Iveil dieser es wagte, die Gleichwertigkeit der mosaischen und christlichen Sittengesetze gu behaupten." Wien, den 5. Februar >803. Die vom Vereine „Admatli Jesdmnm", bei der k. k. Statthalterei angemeldete Statutenänderung, wonach derselbe als Einzelverein Wien des „Zion", „Verbandes der österreichischen Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens" diesem Verbände