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Selbst-Emancipation · 1893-01-15 · Heft 1 (15.1.1893) · p. Seite 228

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 1 (15.1.1893)
Date
1893-01-15
Page
Seite 228 (sequence 6)
Language
German
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Seite 228. Selbst-Emaueipation Nr. 24. zu verkaufen. — Das sind die Grundzüge der moralischen Physiognomie unserer Intelligenz. Ohne sich um das Wohl ihrer Brüder auch nur zu kümmern, lebt sic ganz ihrer Carrierc, ihre verächtliche Handlungsweise mit Sophismen rechtfertigend. Es ist nicht zu verkennen, dass unsere diplomirte Intelligenz mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, nichtsdestoweniger ist cs sicher, dass sie von künftigen Geschichtsschreibern des Judentums nicht srcigesprochcn sondern, verurteilt werden wird. Selbstverständlich soll dieses allgemeine Urteil nicht den Bestand von leuchtenden Ausnahmen ncgiren. So sind die Resultate jener Jugenderziehung beschaffen, welche die Erinnerung an unsere große Vergangenheit auszulöschcn und die Anpassung an andere Völker ohne Unterschied des Culturzustandcs derselben dnrchzuführen als ihre Aufgabe ansah. Darum sieht sich jetzt die jüdische Gemeinde veranlasst, die Jugenderziehung auf eine andere Baffs zu stellen, sie so zu gestalten, dass ihre Frucht die Vereinigung von Menschenliebe und Volksgefühl sei. Ich will nun einige der typischen Uiltcrrichtsanstaltcn, welche von der jüd. Gemeinde int Laufe der letzten zehn Jahre errichtet wurden, in Betracht ziehen. Um eine Vorstellung auch von der lichten Seite zu geben, wähle ich diesmal die jüdische Ackerbauschule, ivelche im vorigen Jahre für die Kinder des jüd. Waisenhauses errichtet wurde. Zehn Werft von der Stadt prangen ans einer kleinen Anhöhe, ait der Küste der Chadzibaer Bucht, mehrere Häuschen: auf einem derselben ist ein Schild mit? der'4 Aufschrift „Jüdische Ackerbanjchnle" angebracht. Die Zahl der Zöglinge in dieser Anstalt ist noch sehr gering (25 Knabeit und 5 Mädchen) doch sind alle von dem Wunsche beseelt/ gute Ackerbauer zu werden. Die Beschäftigungen der Schüler sind Feld- und Gartenbau, Bienenzucht, Milchwirtschaft und andere ähnliche Arbeiten. Die theoretischen Unterweisungen aus der Arithmetik erhalten sie bei der Arbeit auf dem Felde, im Winter aber in den Klaffcnziinmcrn. Dieselben finden nebenbei bemerkt, zwei Stunden vor Sonncnansgaiig statt, damit das Kind, nachdem cs auch bei Tagesanbruch in eincnt herrlichen, im maurischen Stil erbauten Tempel gebetet hat, mit dem Belvnsstsein zum Morgenthec gehe, dass der Mensch erst nach Leistung einer Arbeit eine bestimmte Quantität der menschlichen Arbeitsprodukte zu verzehren das Recht habe. Die Leitung»)dcr Schule befindet sich in den Händen des Agronomen Herrn A. Süß m a n n, der mit der ganzen Kraft seiner Seele der Idee der Heranbildung der jüdischen Jugend im Geiste der Liebe zum Ackerbau ergeben, unaufhörlich um das Gedeihen der Anstalt besorgt ist. Er beseelt jede Scholle Bodens und veredelt Herz und Gcmüth der Zöglinge. Beim Vcrlaffen dieses Institutes m»,s man 'unwillkürlich ausrufcn: Mehr solche Schulen her, mehr Zöglinge in die Hände-so idealer Arbeiter und unser Volk wird sich dann-vielleicht von den-Wundcn, die ihm seine diplomirte Intelligenz geschlagen, erholcit können G. B. Rumänien. Äurarrll,'den 5. Jänner 1893. Der oberste Sanitätsrathüvird nächstens über ein Gesetz berathen, welches bestimmt, dass künftighin nicht naturalisirtcn Magistern der Pharmacie keine Conccffivn, weder zur Errichtung noch zur Pachtung voü Apotheken, verliehen^ werde. Das Gesetz richtet sich gegen die Juden. Die Austrcibunglder Juden aus den Dörjcrnl dauert) fort. Vorige Wochen tnusstcn 40 Juden des Bezirkes Moldova (District Roman) ihre Wohnorte verlassen, in lvelchcn viele von ihnen bereits 30 bis 40 Jahre weilen. Motivirt - wurde die Ausweisung damit, dass die Vertriebenen seinerzeit nichts Militärdienst geleistet haben. Die Söhne der Unglücklichen sind zumeist noch jetzt in der Armee, wo sie natiirlich ebenfalls verfolgt werden. Das Recht, sich den Namen ändern zu dürfen, wurde voit den affimilatorischcn Juden besonders benützt. Nach einem im Senate vorgcbrachtcn Gesetzcsvorschlage wird aber fortan jede Namensänderung mit Arrest und zwar von 6 Monaten bis zu 2 Jahren und mit Geldstrafen von 500 bis 2000 Francs bestraft. Viele Conservative haben im Senate beantragt, dass bei der jetzigen Reform des Volksschuluntcrrichtes die Unentgeltlichkeit derselben für Fremde — soll wieder heißen: Juden — aufgehoben werde. G. Türkei. Jerusalem, IS. December 1892. Am 8. Dccember wurde der erste Spatenstich zum Bail der zweiten palästinensischen E i s c il b a h n st r e ck c (Chaifa-Damascus) gethan. Die Feierlichkeit) fand in Gegenwart von 15000 Personen am Berge Karmel statt. Die Bahn wird durch das transjordanische Golan, in welchem bekanntlich jüdische Colonicn werden angelegt werden, gehen und diese, wie die galiläischcn Colonicn mit den Hafen von Chaifa verbinden. Den Bemühungen der beiden namhaften Zionsfrcunde, Herren Maidansky und Ingenieur U s s i s ch k i n in Jckaternioslaw (Russland) ist es gelungen, bei den Reichen ihrer Stadt eine jährliche Unterstützung. von 560 Francs für die Lohnarbeiter in den jüdischen Colonicn des heil. Landes durchzusetzeii. Die Pforte ist wieder sehr rigoros geworden. Der Ankauf von Grund und Boden in Palästina wurde allen Juden völlig untersagt*) Die Fuhrleute unserer Stadt, welche durch die Eisenbahn ruinirt wurden, haben einen Auftus verösientlicht, worin sie bitten, man möge ihnen das Ergreifen des Baucrnbcrufcs ermöglichen. Sic sind sämmtlich gesunde kräftige, genügsame, an schwere Arbeit gewöhnte Männer. In E k r o n werden heuer besonders viel Mandel- und Maulbeerbäume gepflanzt. ^mitlli. Chronik. Hcrvon Hirsch. Der bekannte hebräische Schriftsteller I. Tawiew in Riga'hat sich durch seine freimüthige Opposition gegen die Argentinien-Orthodoxen und die biinden Baron H i r s ch-Anhänger viel Feinde gemacht. Den Anwürfen und Verdächtigungen, namentlich in Bezug auf seine Mittheilungen über Baron Hirsch, tritt er im „Hainelitz“ mit einer Erwiederung entgegen, welcher wir folgende hoch-' interessante Stelle entnehmen: „Alles, was ich von den Ansichten des Baron über die rnffischen Juden geschrieben habe, ja noch weit mehr als das, hat dieser selbst ausgesprochen. Sehr hervorragende Männer, welche Gelegenheit hatten, im vergangenen Sominer mit dem Baron zu sprechen, hörten von ihm, dass sein ganzes Strebcit dahingehe, die mehr als genug „gelernten" und sich mit unnützen Dingen, als hebräische Sprache und Talmud, abgebenden rnffischen Juden zu „verbauern"... Diese Worte und noch weit härtere, welche feinen Hass gegen hebräische Juden bezeugen, haben mir die erwähnte» hervorragenden Persönlichkeiten, deren Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit über jeden Zweifel erhoben sind, mitgctheilt. . Doch mir scheint, dass jeder Mensch mit offenen Angen derlei schon ans den meisten Handlungen des Baron errathen kann, bevor er cs noch aus seinem Munde hört. Außerdem würde mir von äußerst verlässlicher Seite mitgetheilt, dass, als vor nicht langer Zeit — der Baron >var in Karlsbad — einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten int Anslande (außerhalb Russlands) bei ihm vorsprach und ihm sein quantitativ und qualitativ großes Werk, ivelches hebräisch geschrieben ist und in der ganzen wissenschaftlichen Welt als eine großartige Leistung auf jüdischwissenschaftlichem und philosophischem Gebiete berühmt ist, überreichte, derselbe folgende Antwort erhielt: „Herr Doctor, zu diesem Zwecke gebe ich nicht einen Heller. Ich strebe ja gerade mit allen Kräften darnach, das Ding, das man „jüdische Wissenschaft" nennt, aus der Welt zu schaffen nicht es zu verherrlichen und zu fördern." Wenn Euch, Ihr vor dem Golde aus den Knien liegende Schriftsteller, diese wahrheitsgetreuen Berichte nicht genügen, so kann ich euch noch weitere schwerwiegende Geheimnisse enthüllen -". Kelata refemnras. Unvorsichtig. In einem Artikel über den jüngst verstorbenen Prof. Dr. K ä m p f, welchen Prof. Dr. K i s ch aus Pragin der „Neuen Freien Presse" veröffentlicht, wird auch das gute Herz des Dahingeschiedenen gepriesen"'und wird bei dieser Gelegenheit von der „echt orientalischherzlichen Art" seines Spenden» gesprochen. Da ist der „N. Fr. Pr." offenbar eine kleine Unvorsichtigkeit ^passirt. Aufrichtig. Die Prager „Israelitische Gemeindezcitung", ein trotz mancher Anläufe zur Besserung gut assimilatorisches Blatt schreibt: „In unserent engeren Baterlande Böhmen hat allerdings, dank dein cnlturcüen Wetteifer oder, wollen wir aufrichtig sein, Dank dem politischen Kampfe beider Nationalitäten, der Antisemitismus tiicht jene Formen angenommen, wie sic sich anderwärts von der unserem Jahrhundert angcdichtcten Gesittung so unvorthcilhaft abhcbcn". Sehr Israelitisches Gemeiudr-Älatt betitelt sich eine jüdische Zeitschrift, tvclchc in Köln erscheint, und recht gesunde Ansichten äußert, die ost nahe genug an das Nationaljudenthnin streifen. Bemcrkenswerth ist folgende Stelle ans dem Leitartikel einer) der letzten Nummern dieses Blattes. Dieselbe lautet: „Wie trügerisch erscheint doch bei dieser Sachlage der Trost, dass an der Spitzender antisemitischen Bewegung sich meist unsaubere Elemente befinden, Ivenn wir sehen, wie dieselben nicht nur die große Waffe des Volkes, sondern auch) die einflußreichen Kreise der deutschen Nation zu blenden und mit sich fortzurcißen verstehen. Sind etwa jene 11500 Reichstagswählcr lauter Lumpen oder Spitzbuben, die aus persönlichen Gründen die Juden bekämpften! Sind etwa die Männer welche sich für die Ausnahme der Judcnfragc in das konservative Programm erklärt haben, lauter Betrüger! Nein, cs sind Männer, die gewiss von ig richtig die bis* -'hr cs bereits not *) Wieder ein neuer Beweis) dafür, wie hcrige: Taktik dcsi Dranfloscolonisirciis ist und n thut, dass sich die Zionisten h a n d l u n g der Sache bekehren.

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