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Selbst-Emancipation · 1893-01-15 · Heft 1 (15.1.1893) · p. Seite 227

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 1 (15.1.1893)
Date
1893-01-15
Page
Seite 227 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24. Seite 227. -elbst-Emancipation In allen Kreisen in den frömmsten sowohl wie in den freisinnigen, war dieser Abend der Gegenstand ausrichtigster Bewunderung, weshalb viele Damen, Hebräisch, die Sprache ihrer Nation zu lernen, den ernstesten Entschluss faßten, und alte Assimilationskämpfer ihre Fahne von sich warfen und reuevoll in das Lager ihres Volkes zurück zu kehren entschlossen sind. Margulies. B. Deutsches Reich. sU Berlin, den 18. December 1892. Am Sonnabend Abend hielt der hiesige jüdisch-nationale Verein Jung-Jsrael eine Makkabäerfeier ab. Dieselbe gelang ausgezeichnet und bewies zugleich, eine wie große Sympathie den Ideen des Vereines neuerlich von den hier einheimischen Juden entgegengebracht wird. Die Herren Kohn, Ehrenpreis, Bambus von den Mitgliedern und die Herren Dorn und Kalmus (vom Centralcomitö des „Ezva"), wie. auch Herr shul. Mozkin als Gäste hielten Reden, die Herren Soskin, Loewe und Spear gaben Gedichte zum Besten. Besonderen Beifall ernteten die Herren Dorn und Kalmus, sowie die Begrüßungsschreiben der bekannten jüdischen Patrioten, Rechtsanwalt Dr. Heinr. Meier-Cohn von hier und Dr. N. Birnbaum aus Wien. Doch Ihr Corrcspodent ist weit davon entfernt einen Einzelnbericht schreiben zu wollen: es möge genügen zu konstatieren, dass das Fest in allen Teilnehmern das beste Andenken hinterlassen hat. Es unterliegt kaum einem Zweifel, dass das für den Januar geplante größere Fest ebenfalls von bestem Erfolge gekrönt sein wird.*) Während aber hier der Nationalismus iu seiner reinen Gestalt im Judeuthnme außerordentlich sortschreitet, geht es mit dem Judenhasse ebenfalls riesig bergan. Je gemeiner die Antisemiten Vorgehen, um so mehr gewinnen sie Anhang, und die neuerlichen Vorkomnisse bezielnngsweisc Ahlwardt zeigen nur, wie das ganze deutsche Volk allmählich von dem antisemitischen Taumel befallen wird. Wir dürfen uns nicht verhehlen, dass wir einer schweren Zukunft. entgegengehen, und und es läßt sich noch gar nicht die Tragweite der Ereignisse absehen, die wir in den jüngsten Tagen erlebten. Mag „Ahlmardt" vielleicht auch nur ein unheilverkündender Meteor sein, der eben so schnell wieder verschwinden muss, wie er erschieuen ist, aber der Antisemitismus ist nicht mehr auszurotten und stißt sich immer tiefer in die Herzen der Deutschen ein. Aber wir dürfen auch nicht verkennen, dass im Innern unseres Volkes sich seine Einwirkungen ganz bedeutend zeigen. Während einerseits unter den Lauen die Zahl der Täuflinge ganz besonders steigt, bemerkt man aus der anderen Seite eine um so mehr eifrigere Rückkehr zum Judenihume. Besonders zeigt ein großer Theil der akademischen Jugend die größte Neigung, sich gesunden jüdischen Bestrebungen anzuschließen. Müssen wir auch auf der einen Seite das Acrgste fürchten, so dürfen wir doch auch auf der anderen Seite das Beste hoffen. * * * Köln, den 21. December 1892. Die heutige Abend-Nummer 1014 der hiesigen „Kölnischen Zeitung", des Hauptorgans der Nationalliberalen Partei, bringt in einer Pariser Correspondenz folgende Auseinandersetzung, die die französischen Juden beherzigen dürften: Das Allerneueste von dieser Verschwörung hat das Eve- „nenient entdeckt und theilt es heute brühwarm den Lesern mit:" „Man hat, — so schreibt sie, — die Beweise, dass die Häupter „der Monarchisten zahlreiche Papiere zur geheimen Geschichte des „Panama-Skandals in ihre Geioalt gebracht haben. Die Mittel „für diesen Ankauf — 2 Millionen Franken — sind dem Herzoge „de Ia Tremoi'lle durch den Baron Hirsch nach einer Unter- „rcdung zur Bersiigung gestellt worden, die jüngst nach einer Jagd *) Hierbei möchte ich bemerken dass der Vorstand sich aus folgenden Herren zusammensctzt: Dr. Wilhelm Boehlendorfs,' Gutsbesitzer, Vorsitzender. Band. hist. Heinr. Loewe, stellvertretender Vorsitzender; cand. mcd. JosefK o h n und Willi B a mb us. Schriftführer und stuck, ehern. K Spear, Kassenwart. Alle Briefe und Postsendungen sind zu richten an Herrn eand. mcd. Josef Kohn, Berlin N. Brunncnstraße 38. „ans der Besitzung des Barons in Ungarn stattgcfunden hat"... „Da ein Jude namhaft gemacht wird, so ist die Geschichte natürlich „unbestreitbar und glaubwürdig. Die Juden haben überhaupt „gegenwärtig hier, — wo sie sich sonst so wohl gefühlt —, „schlimme Zeit. Alles, was einen jüdischen Namen und nun „gar einen deutsch-jüdischen Namen hat, von den Rothschild» „und Bischoffheim's angesangen bis zu den Rein ach» und „den breitvcrzweigten Geschlechtern der Kohn », Mayers, Herz' und „Rosenthal's ist heute verdächtig, selbst Ivcnn es naturalisiert und „decoriert ist, und wie es ja hier und da vorkommt, eine Spezi- „alität daraus macht, Deutschland zu verletzen und gegen Deutsch- „land zu Hetzen. Es ist im Jntercsie der Gesittung und des guten „Namens der großen französischen Nation zu hoffen, und zu „wünschen, dass tvir hier keinen stürmischen Zeiten der Umwälzung „cntgcgcngehen. Denn wenn cs dazu kommen sollte, so darf man „auf eine regelrechte Judenhctzc gefaßt sein, und „viele achtbare und ehrenwerthe Israeliten werden vielleicht in „schrecklicher Weise büßen müssen, was eine kleine Zahl „schlimmer Stammesgenoffen verbrochen hat.—" Im Anschluss hieran dürfte es interessant sein zll erfahren, dass nach den Meldungen verschiedener Pariser Blätter die Socialisten und Conservativen übereingekommen sein sollen, Eduard D r u m o n t in Dijon als Kandidaten für die französische Depntiertenkammer allfzustellen. Freidurg im Breisgau, 8. Januar 1893. Unsere assimilatorische, mit dem ,'größten Unrecht sogenannte „Jndenpresse", an der Spitze das „Berliner Tageblatt" und der „Berliner Börscn-Conricr", haben sich nach dem conservativen Parteitage wieder einnial bcrnüht, ihre jüdischen Leser über den wahren Stand der Dinge zu täuschen und dem Verhalten einer klemcn. nnndcr ludenfeindlichen Gruppe in der conservativen Partei unter Führung des Herrn v. H e l l d o r f, einen Wert beigeinesseu, der ihm absolut nicht zukommt. Selbst die „Freisinnige Zeitung" nannte damals die Erkäruug des Herrn v. Helldorf und zwanzig seiner Parteigenoffen „schwächlich": uns freilich scheint sie noch mehr als das, da sie das antisemitische Programm des Parteitages wenigstens „für die gegenwärtige Lage" acceptiren wollte. Die „Judenblätter" steifen fick) darauf, dass die „Kreuz-Zeitung" die Aussorderung des Herrn v. Helldorf in seinem „Conservativen Wochenblatt", die Liste der Theilnehmer anl conservativen Parteitage zu veröffentlichen, nicht erfüllt; aber wir möchten doch fragen, warum denn Herr v. Helldorf seinerseits nicht einen Parteitag aus den „guten und besten" conservativen Wahlkreisen, die auf jenem ersten Parteitage nicht vertreten gewesen sein sollen, cinberuft. Sollte ihn vielleicht der Umstand, dass der in Mecklenburg gewählte Herr v. Boisberg, einer der Mitnnterzeichner lemer Erklärung, „dem Wunsche seiner Wähler gemäss", dem antisemitischen Programme des Parteitages nachträglich seine volle Zustinimung gegeben hat, doch stutzig gemacht haben? Nun, eine Lehre könnten ihm wenigstens unsere badischen Verhältnisse sein. Auf dem vorgestrigen Parteitage der badischen Conservativen in Karlsruhe, der unter dem Vorsitze des badischen Landtagsabgeordnctcn Freiherr» v. Stockhorner stattfand, wurde das antiseinitische Programnr des allgemeinen Parteitages e i n - stimmig angenommen. Dafür stimmten auch die beiden conservativen Rcichstagsabgeordneten aus dem Großherzogtum Baden, Graf Douglas und Meuni er, beide gleichfalls Mitnnterzeichner der v. Helldorf'scheu Erklärung. Gras Douglas war es auch, der seinerzeit in seinem Buche über Kaiser Wilhelm II. ausdrücklich lobend hervorgehoben hatte, dass derselbe kein Antisemit sei. Die Juden sollten doch endlich erkennen, wie problematisch die Freundschaft ihrer meisten „Freunde" ist und sich nur noch an ihre wahren nichtjüdischen Freunde wenden mit der Forderung, sie bei ihrem großen Selbstbefrciungswerke z>: unterstützen, anstatt noch länger den Windmühlenkampf gegen den Antisemitismus zu führen und damit die kostbare Zeit zu verschwenden. — w— Russland. Odessa, 10. December 1892. (Licht und Schatten im Leben der hiesigen jüdischen Genieindc.) In der Zahl der Gründe, tvelche die Assimilation gegen das glühende Gefühl der Liebe zum jüdischen Volke anführt, befindet sich auch der, dass cs, wie jede Leidenschaft die kalte, die prüfende Vernunft nicht zu Worte kommen lässt und sür die Schwächen des Volkes blind macht. Ich will mich über diese Behauptung nicht verbreiten und nur darauf Hinweisen, dass zur Zeit unserer politischen Existenz die Profcten, gewiss die feurigsten Patrioten, sich mit der Bloßlegung der jüdischen Fehler und mit der Geißelung der jüdischen Wunden beschäftigten. In nieinen Mitteilungen möchte ich, was mich betrifft, lieber den Vorwurf der zu schwachen Liebe gegen niein Volk als den der Scheu, seine eiternden Gebrcste vor aller Welt zu zeigen, verdienen. Gegen Gift ninss nian Gegengift, nicht Leckerbissen anwenden. Eine solch' eiternde Wunde am Organismus unserer hiesigen jüd. Gemeinde ist zu uuscrer Schande, unsere akademisch gebildete, sogena inle Intelligenz. Bei andern Völkern stellt iu Epochen schwerer Schläge die Intelligenz ihre geistigen, sittlichen und leib ichcn Kräfte bis zur Selbstaufopferung iu den Dienst ihres Volkes, Anders bei uns. Hinfälliger Wille, Abwesenheit fester ethischer Principien, Sorge um das eigene materielle Interesse, Bereitwilligkeit, um ein Linsengericht seine Erstgeburt

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