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Selbst-Emancipation · 1893-01-15 · Heft 1 (15.1.1893) · p. Seite 226

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 1 (15.1.1893)
Date
1893-01-15
Page
Seite 226 (sequence 4)
Language
German
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Seite 226. Selbst-Emancipation Nr. 24. wenn cs gilt, in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. i Jänner das sogenannte „bürgerliche" Jahr in ausgelassener, also unjüdischcr Weise eiuzulcitcn. Die europäische Zeitrechnung { hat für uns Juden einfach geschäftliche Bedeutung; das europäische Jahr ist unser „Geschäftsjahr;" unser „bürgerliches" Jahr, — der Ausdruck ist übrigens eine sinnlose Erfindung der „Mosaischen", welche im Gegensätze davon von einem „synagogalen" Jahre sprechen, — darum sagen wir lieber, das Jahr der Zeitrechnung unseres Volkes beginnt aml.Tischri, und wird außerdem dem semitischen Geiste entsprechend ans ganz andere Weise gefeiert, als der Sylvcstcrabcud. Zu Neujahr findet der ernst-heitere Jude am allerwenigsten Anlass zu lärmender Freude. Wien, den 5. Jänner 1863. Im Vorstande der Wiener jüdischen Gemeinde gab cs in Folge des in der vorigen Nummer unseres Blattes mitgetheilteu Falles große' Aufregung. Der Schluss war der Rücktritt des Herrn Wilhelm Ritter von Guttmann von seinem Ehrcnamtc als Gemeindepräsident. Ucberhaupt macht sich eine starke Missstimmung gegen die neuartigen Freitag-Abende geltend, welche angeblich den religiösen Sinn der Wiener Juden heben sollen. Wie«, den 1. Jänner 1893. Die Ausschuss-Sitzung des Vereines „Admath Jcschurun" vom 16. December 1872 beschäftigte sich nnt der Beschlussfassung über die Rcalisiruug des bereits genehmigten „Zion"-Vcrbandes, der österr. Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens. Das bloße, tobte Verbandsstatut bedeutet ja noch nichts; cs ist ein Gerippe, das erst in Fleisch und Blut übergehen, Lebensodcin, Rührigkeit, Äraftentfaltung beweisen soll. Aus den einzelnen nebeneinander liegenden Teilen soll ein Organismus entstehe», wo das Ganze auf das Einzelne und umgekehrt harmonisch wirke und sich gemeinsam ergänze, unterstütze und bekräftige. Diese wichtige Aufgabe fällt dem Vereine „Admath Jcschurun" zu, und derselbe ist auch bestrebt, sic, und damit einen längst gehegten Wunsch der zionistischen Partei in Oesterreich zu erfüllen. Die obbezcichnete Ausschusssitzung hatte den Zweck über die näheren Durchfühnuigs-Modalitätcn zu beschließen. Nach einer längeren, eingehenden Debatte wurde beschlossen sich an die bereits bestehenden gesinnungsgenössischen Vereine in Oester? reich unter Anschluss eines Muster- und des Verbands-Statuts wegen Beitrittes in den Verband zu wenden, und die Gründung neuer Vereine zu veranlassen, sei es durch Erlassung eines Aufrufes, sei cs durch dirccte Anknüpfung mit entsprechenden Persönlichkeiten. Auch wurde allgeinein die Ansicht ausgcdrückt, cs solle sobald als möglich eine Delcgirtcn-Vcrsammlung einberusen werden, damit das gewählte Executiv-Comte seine Thiitigkeit. beginnen könne. In Ausführung dieser Beschlüsse wurde auch das Meiste veranlasst, und ist bereits die Gründung eines Colonisations-Vercincs in Horazdowitz (Böhmen), wie auch in einigen Städten in Galizien sichergestellt. Wir erwarten auch, dass uns alle unsere Gesinnungsgenossen unterstützen werden, indeni sie in ihren Heimätsstädtcn die Gründung von Dolonisattons-Vereinen anbahncn. Das Secrctariat des Vereines „Admath Jcschurun", IX. MLllncrg. 13 ist jederzeit bereit mit Auskünften zu dienen, und insbesondere die zur Gründung eines Vereines notwendigen juridischen Informationen zu erteilen. L. Wie«, den 6. Jänner 1893. Der neugegründetc Verein „Safah berurah“ macht schöne Fortschritte. Am 1. d. Mts. fand die feierliche Eröffnung des Vereinslocales statt. Der Präsident, Herr Dr. Birnbaum, hielt eine deutsche, Herr Brainin eine formvollendete hebräische Ansprache. — Beide erörterten die Bedeutung des Tages und wurden mit mit großem Beifall ausgenommen. Am 8. d. Mts. beginnen die Unterrichtscurse und zwar hat die Unterrichtscommission Herrn Dr. Birnbaum zum Leiter des ersten und Herrn Brainin zum Lehrer des zweiten Cnrses bestellt. Der erste Curs findet Sonntag von 2 bis 3 Uhr Nachmittags und Mittwoch von 7 bis 8 Uhr Abends, der zlveite Curs Sonntag von 11 bis 12 Uhr Vormittag und Donnerstag von 7 bis 8 Uhr Abends statt. Das Local ist stir die Mitglieder fast den ganzen Tag geöffnet. — Am 1. Februar findet ein großer Gründungsabcnd des Vereines statt, welcher die Wiener jüdische Bevölkerung auf den Verein und seine Bestrebungen aufmerksam machen soll. Außer den hebräischen und deutschen. Vorträgen haben auch hervorragende Kunstkräfte ihre Mitwirkung zugcsagt. Familicnkarten >4 Personen) ü 1 fl. 50 kr., Eintrittskarten :> 50 kr., Stndentcnkarten ü 30 kr. sind in der Redactivn erhältlich. (A. L.) Lerrrftcrg, im Tebeth, 5653. — Die am verflossenen Samstag stattgefundenc Makkabäerfeier des Vereines „Zion" nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Im großen Saale des Musivercines hatte sich ein mehr-, hiindcrtköpfiges, distinguirtes Publicum cingcfuiidcn. Der Obcr-Cantor, Herr Halperu cröffnete mit einem Psalmgesang und dem Anzünden der Chanukalichter die Feier, worauf Herr Schorr eine Jargvn-Dcclamation „Ilaneroth hallaln“ zum Besten gab. Es folgte die Production der Capelle des hiesigen israelitischen Waisenhauses, welche vom Publicum sehr beifällig ausgenommen wurde; hierauf hielt der Vizeobmann Herr Gcrson Zipper eine polnische Festrede, die in klarer, fesselnder Darstellung gehalten, die Begeisterung der Anwesenden hervorrief. 7— Herr stuck, phil. Schatz zeichnete sich durch die gelungene Declamation des von ihm selbst ins Polnische übertragenen Gedichtes „DerBal-Teschubah" von Chamisso aus. Die hebräische Festrede des Herrn R. A. Brandes war ein lebhafter Protest gegen alle Diejenigen, die die hebräische Sprache als „tobte" Sprache, in die Rumpelkammer werfen niöchten. — Znr Verherrlichung der Feier trug auch der Sologesang des Frl. Prager sowie der Sologesang des Herrn Halpern („Dort, wo die Zeder") bei. Von nicht minder würdigen Kräften wurde der musikalische Theil des Progrannnes ausgcführt, u. zw. erntete das Violinspiel der Geschwister P o r j c s, sowie das Zitherspicl des Herrn K o st m a n n lebhaften Beifall. — Um den Erfolg des Abends hatte sich besonders der Obmann des Makkabäerfeier-Comitös, Herr Leo L ö w e u h e r z verdient gemacht. Tcbbath 5653. Die erste Makkabäer- Feier in hiesiger Stadt war ein Triuinph der jüdischnationalen Partei. — In den geschmackvoll decorirten Localitäten der jüdischen Volksküche waren Hunderte Gäste,'Männer und Frauen versanimelt, auch aus jenen Kreisen, welche sonst verschmähen, an derartigen Festen theil zu nehmen. Nach einer gedankenreichen und hübsch vorgctragenen Eröffnungsrede, in welcher Hr. Leon Pilpel als Obmann des Festcomit's in trefflicher Rede den jüdischnationalen Gedanken erörterte und die Bedeutung dieses Abends besprach, wurde ein herrliches Musikstück aufgeführt und zwar von einem Männcrchor unter ausgezeichneter Leitung des Hrn. Ascher P crlzw c i g und der beliebten Capelle W e intrau b. Nicht enden wollte das Händeklatschen, das Zujanchzcn des Pnblicums, als Frl. Sulamith Pilpel das Podium bestieg und ein hebräisches Gedicht von Hrn. Juda L. Landau vortrug. Die hebräschen Laute wirkten bezaubernd auf die Versammelten, welche nicht uachgaben, bis Frl. Pilpel ein zweites hebräisches Gedicht ebenfalls von Landau vortrng. Frl. Pilpel wurde allseitig beglückwünscht. Reichlichen Applaus spendete das Publicum Frl. Lewgo für die Declamation eines Gordonischen Gedichtes in polnischer Ucbersctzung, und Hrn. Salz mann der ein von ihm selbst verfasstes Gedicht mit viel declamatorischem Talent vortrng. Frenetischen Applaus erntete Hr. Rubin Brandes, der vom Comitö aus Lemberg, zur Feier berufen lvurdc, ebenso für seine hebräische Festrede, als auch stir das Schlussworten in lvelchem er den Standpunkt der Jüdischnationalen in kräftigen Zügen markirte. Aus den anderen Punkten verdient besonders hervorgehobcn zu werden: die Declamation eines hebräischen Gedichtes von einem 9-jährigen Knaben Rothenberg und ein Geigcnsolo des ebenso alten Knaben Josef W e i n t r a u b. Nachdem noch der Männerchor eine hebräische Hymire des Hrn. Lauda u, welche für diesen Abend in Musik gesetzt würde (v. Hrn. P. Patron) unter allgemeinen Beifall vorgetragen hatte, vcrliess alles in gehobener Stimmung unter Musjkklängen den Saal.

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