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Selbst-Emancipation · 1893-01-15 · Heft 1 (15.1.1893) · p. Seite 225

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 1 (15.1.1893)
Date
1893-01-15
Page
Seite 225 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24. Selbst-Einancipation Seite 225. nothwcndig an Interesse verlieren. Noch mehr trug die Propaganda für außerjüdische Civilisation, zu welcher so mancher Schriftsteller unsere Sprache als Mittel gebrauchte, zur unvermeidlichen Entwerthung des Hebräischen bei, namentlich in den sogenannten höheren jüdischen Kreisen Russlands, deren Glieder sich practischcn Fächern widmeten. Die höhere Macht jedoch, welche über den greisen jüdischen Stamm wacht, und auf verschiedenen Wegen ihm immer neue Säfte zur Verjüngung zuführt, sie hat auch für unsere scheinbar schon dem Tode verfallene Sprache ein probates Heilmittel bereitet. Es war ein bitteres Medicament, aber es wurde wie einst in dem Munde des Propheten Jecheskiel zu köstlichem Honig. Der rohe Schlag des Antisemitismus, der dem ganzen jüdischen Körper so viele Schmerzen beibrachte, hatte auf die feineren Organe nur die beste Wirkung. Die nothwendig ans seinem Auftreten folgende Gründung eines jüdischen Centrums im Lande der Väter bedeutete für den Hcbraismus den heilsamsten Luftwechsel. Mit dem Erwachen eines centralen organischen Lebens wurde unseren! Volke seine ureigene Sprache eine unabweisbare Nothwendigkeit. An die Stelle des früheren romantischen Interesses trat jetzt ein practisches Bedürfniss. Es galt, sowohl in klarer, deutlicher Sprache dem Volke seinen nationalen Zustand und die Erfordernisse der Gegenwart genau und umständlich zu schildern, als auch in höherem Ton und hellerer Farbe seine . hehren Güter ihm. vorzuführen, der häßlichen, erniedrigenden Bcttelsucht an fremden Tafeln zu steuern, und endlich in ihm ein gehobenes Bewußtsein seiner selbst und seiner unerschöpflichen geistigen und geschichtlichen Rcichthümcr zu erwecken. Dem großen Bedürfniss der praetischen Ausbildung unserer Sprache kam ein eigenthümliches locales Verhältniss von großer Wichtigkeit zu Statten. Der Zusammenfluss der den entlegensten Gemeinden entstanlmcnden Juden nach Palästina überhaupt, und nach Jerusalem insbesondere bildet ein Prototyp des gibuz galujoth. Jeder Ankömmling kann sich Wichtigkeit, die vom keinem so großen Landestheile der asiatischen Türkei erreicht werden. Es bleibt Englands Sache zu entscheiden, ob es die Aufgabe unternehmen will, seine zerstörten Städte anfzurichten und seine ausgedehnten wirtschaftlihen Hilfsmittel zu entwickeln durch Wiedereinsetzung des Volkes, das es vor drei Jahrtausenden zuerst in Besitz nahm, und durch Sicherung der großen politischen Vortheile, die aus solch einer Politik entspringen müssten. Ich habe erwogen, dass es für jetzt sehr klug wäre, die Veröffentlichung der Urkunde der Gesellschaft, welche ich der türkischen Regierung vvrlcgte, zu verschieben, bis sie von ihren eigenen Rechtsfreunden sorgfältig zusammengestellt und ausgearbeitet wäre, so dass sie meiner Meinung nach die wirksamste Sicherheit einer gerechten und befriedigenden Verwaltung der Colonie bieten würde, als auch Sicherheit für die Actionäre, ohne irgendwie die Rechte des Sultans zu verletzen; doch glaube und hoffe ich, dass sie immerhin die Grundlage, ans der die Gesellschaft gegründet werden kann, bilden könne. Wenn der Erfolg meiner Bemühungen, das Interesse für einen Gegenstand, der dessen wert ist, zu wecken, und der Ausruf, den dieses Buch enthält, den Nachhall bewirken, den ich erwarte, werde ich glückich sein, an einem Plane mitzuwirken, der zur Ausführung bestens geeignet scheint. Etwa um die Mitte Februar des vorigen Jahres reiste ich von England nach Syrien*). Eapttel Ankunft zu Bcyrout. — Vorbereitungen zur Reise. — Sidon. — Nabatijeh. — Die Metawalis. — Ihre religiösen Gebräuche. — Die Malekitcr. — Das Schloss Belfort. — Die Landschaft des Litany. — *) Gajchah im I. 1879. nun seiner mitgebrachten Sprache blos innerhalb seiner Landsmannschaft bedienen. Jin Verkehre mit Mitgliedern anderer Landsmannschaften ist er nolens volens gezwungen zu der hebräischen, allen Inden gleich verständlichem Sprache, zu greifen. Daher haben wir ein sehr großes geläufig hebräisch prcchendes Contingcnt in Jerusalem, wie man cs anderwärts vergebens sucht. W. Jawitz. (Fortsetzung folgt.) Original-Morrespondenzen. Gesterreich-Ungarrr. Wien» den 5. Jänner 1893. Stille Wochen haben lvir hinter uns. Die christlichen Feiertage haben einen selbstverständlichen Stillstand in den antisemitischen Radau und das antiantisemitische Halloh gebracht. Namentlich in letzterer Beziehung litten unsere armen Stammesgenossen in Oesterreich empfindlichen Mangel. Keine große und keine kleine Niederdonnerung des Antisemitismus, — unerträglicher Zustand! Ein Glück noch, dass ein barniherzigcr Theaterdichter ein Stück auf die Bühne des Wiener Earltheatcrs brachte, worin die Wiener Antisemiten ein wenig hergenommen werden, und ein zweites Glück, dass Feiertage waren, deren fröhliche Stimmung über derlei Unbill hinwcghilft. Feiertage'? Nun ja. was denn glaubt Ihr? Der Christabend mit dem lichterstrahlcndcn Christbaum sei kein Vergnügen für die kleinen Judenkinder? Was thut's, wenn es mit Rücksicht auf die Eltern eine ebenso lächerliche als verwerfliche Komödie ist, und die Kinder an die Nachahmung der dunnnen Nachahniungen ihrer Eltern gewöhnt? Wir wissen auf das Bestimmteste, dass selbst jüdische Gemeindc-Fnnctionäre sich nicht entblöden, das größte Fest der arischen Christenheit, das bei dieser weihevoll genug sein mag, durch ihre unberufene und ungerufene Mitfeicr zu entweihen. Ebenso kommt das ganze assimilatorische Israel in einen nervösen Jubelzustand, Merdochajunl. — Ansicht von Huleh. — Eigenheiten der Ebene von Huleh. — Eisenbahn von Haifa nach Damascus. — Tel el Kadi. — Banias. Fast unmittelbar nach meiner Ankunft in Beyrout begegnete ich nieinem Freunde und Mitreisenden, Capitän Owen P h i b b s , der durch vier Jahre in dem Lande gewohnt und cs gründlich bereist hatte. Er war mit der Sprache, den Sitten und Gewohnheiten der Eingeborenen wohl vertraut und seine Erfahrung erwies sich später unschätzbar. Seine Vorliebe für orientalische Forschungen, seine Gewohnheit, genau zu untersuchen und seine Vertrautheit mit dem Lande überhaupt, machten ihn zu einem höchst angenehmen und lehrreichen Gesellschafter und es freute mich, als ich ihn bereit fand, eine Reise in eine für ihn neue Gegend zu unternehmen. Ja, er stimmte mit Wärme in den Plan ein, den ich am Herzen hatte, und den er praktisch ausführbar fand; seine Ansicht neigte sich dem Lande ostwärts vom Jordan, als einem Theile Palästina's zu, wo ich höchstwahrscheinlich ein solch ausgedehntes Stück Landes finden würde, wie ich es wünschte. Deshalb beschlossen wir, vorausgesetzt dass es sich vortheilhaft erweisen sollte, den Jordan an seiner Quelle zu überschreiten' und die ganze Gegend zu durchreisen, die einst vom halben Stamme Menasseh, von Gad und Rüben bewohnt war, und dann nach Jerusalem hinüberlenkend nordwärts durchs westliche Palästina zurückzukehren. Wir sollten so Gelegenheit finden, Belad Beschara zu umkreisen, eine Gegend im äußersten Norden des westlichen Palästina, die einst das Erbe Ascher und Naftali's umfasste, jetzt aber größtentheils von dem Volke der Metawali besetzt und der Forschung wert ist. (Fortsetzung folgt.)

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