Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 1 (15.1.1893)
- Date
- 1893-01-15
- Page
- Seite 224 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 224. Selbst-Emancipation Nr. 24. hindern können, dass ein Stöcker, ein Pickenbach, ein; Böckcl.einAhlwardtdeutscheReichstagsabgeordnctc wurden? Ist der Antisemitismus in Folge sencs Urteils irgendwie zurückgegangen? Kann das Wort eines Monarchen politische Parteien vernichten?" Wenn wir Nationaljuden eine solche ketzerische Meinung hören lassen würden, wie sie sich namentlich in den lctztangefnhrten Worten äußert, dann würden wir wohl moralisch gesteinigt werden. So sagt cs aber ein demokratisches, philosemitisches Blatt, und wir können gegenüber der bekannten unnützen Ausnützung von Kaiser- und Königsworten und Aussprüchen anderer hervorragender Persönlichkeiten durch die sog. „Jiidenpressc" und die jüdischen Specialblättcr einfach auf die „Volks-Zeitung" als Gewährsmann Hinweisen. Freilich ist die „Volks-Zeitung" bei ihrem Urthcile von ganz anderen Intentionen geleitet, als wir. Sic hat ja auch nichtldie Pflicht, sich den Kopf über das Loos der Juden zu zerbrechen, wenn es diesen selbst nicht tiefer über .ihr Schicksal nachzudenken beliebt. Die „Volks-Zeitung" hat ihre allgemeinen demokratischen Tendenzen, und, um btcfen gerecht zu werden, musste sie die Inden vor der besonderen Anrufung der kaiserlichen Gnade warnen. Darnni weist sic auch auf die Verfassung hin, welche „den jüdischen Mitbürgern gleiche Freiheit, gleichen Schutz mit den übrigen Staatsbürgern gewährleistet". Nun, mit dieser Garantie, meinen wir. ist es nicht weit her. Der Monarch könne uns nicht' schützen, meint die „Volks-Zeitung", das Volk will es nicht, glauben w i r, solange die Verhältnisse so sind, wie sie sind. Einmal wenden sich die Juden mit ihren Bitten an das Volksgewissen. Nach einiger Zeit sehen sie, dass das nichts oder wenigstens nicht dauernd genützt hat; da flehen sie an den Thronen um Schutz. Schutz suchen — das ist das Golnsschicksal des jüdischen Volkes, Schutz nicht bei sich, sondern bei Andern. Das Schutzjudentnm in einem Das Land Gilead mit Ausflügen in den Libanon, von Lore«; Gliphant*) Aus dem Englischen übersetzt "von Siegfried Glaser und mit Anmerkungen versehe» von Dr. Moriz Grün Wald, Rabbiner, beide in Jnngbuuzlau. (4. Fortsetzung.) Vor der endgiltigen Entscheidung, ob der Plan ein praktischer sei oder nicht, fand ich cs nöthig, das Land behufs einer Wahl der Gegenden und örtlichen Prüfung zu besuchen, und auch dann, wenn ein zu dem Zwecke passender Bezirk?gcfnnden werden könnte, würde alles von der Stimmung,' die die Pforte dem Unternehmen cntgcgcnbrächte, abhängcn. Vor der Abreise hielt ich es jedoch für meine Pflicht, die Angelegenheit der Regierung vorzulegen, um ihre Beistimmung und Unterstützung zu erlangen, und theiltc deshalb dem damaligen Premier-Minister und dem Lord Salisbury den Umfang meines Projektes mit. Von beiden Ministern erhielt ich die freundlichste Anciferung und Zusicherung ihres Beistandes, soweit cs ohne officielle Verbindlichkeit der Regierung geschehen konnte. Ich wurde angewiesen, die nicht officielle Billigung des französischen Ministers des Acußcrn für meinen Plan zu erlangen. Deshalb begab ich mich nach Paris und unterbreitete dem M. Waddington, der meine Idee ziemlich freundlich > aufnahm, und mir ein Rundschreiben an den französischen Gesandten zu Constantinopel und andere Vertreter der Diplomatie und der Botschaft in der Türkei mitgab. Auch war ich mit Empfehlungsschreiben von unserem eigenen Fremdenburcau versehen. weitern Sinne hat noch nicht aufgehört und ist über 1800 Jahre alt. „Schutzjudentum" und „Golusjudentum" sind identische Begriffe. Hört das Golus auf, und' das. zu erreichen muss unsere Hauptsorgc sein, dann beginnt die Zeit, wo wir uns selbst werden schützen können. Bis dahin bleiben wir, so mangelhaft auch der uns gewährte Schutz sein und woher er auch kommen mag, nur — „Schutzjuden." B. Bedingungen der Fortentwicklung unserer Sprache. Die hebräische Sprachpflege, welche in der Mendclsohtt'schen Periode zu neuem Leben erwachte, hielt sich in Deutschland nicht lange ans. Das Abnehmen des altjüdischen Lebens, und noch mehr die Assimilationssucht, die Dcutschthümclci entzogen ihr allen Boden und dcgradirtcn sie zum Gegenstände kalter Altcrthumsforschuug, setzten unfern Brüdern in Deutschland die Brille der christlichen Hebraisten auf, wodurch sie die Sprache ihrer Väter in trübem, matten Lichte erblickten. Es kam so weit, dass man die christlichen Herren Professoren und Pastoren als die. einzigen Autoritäten und fast als die alleinigen berechtigten Erben des Hebraismus Um ein heiteres, frischeres und zugleich nationaleres Leben führen zu können, wunderte die lebendige hebräische Sprachpflege nach Russland aus, wo das jüdische Leben weit kräftiger pulsirt, wo; die hebräischen Sprachqucllen, Bibel, Talmud re, das ganze jüdische Leben durchströmten unb durchtränkteu. Bald war der verknöcherte, deutsche Hebraismus vom russischen weit überflügelt. Aber, die Art und Weise der damaligen Würdigung und Nutzanwendung des Hebraismus drohten demselben alle Zukunft abzuschneiden. Die hebräische Sprache, mehr als Gegenstand klassischer Kunst betrachtet,, mußte beim Auftreten einer nüchternen poesielosen Generation Ich wage cs ehrfurchtsvoll meinen Dank Sr. köngl. Hoheit dem Prinzen von Wales und ihren königl. Hoheiten dem Prinzen und Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein für das warme Interesse und die herzliche Sympathie auszusprechen, womit sie meinen Plan entgcgcnnahmen unb mich denselben fortzusetzen ermuthigten. Ich will diese Gelegenheit auch dazu benützen, meinen zahlreichen Freunden, Christen und Juden, meine herzliche Anerkennung für ihren Beistand und Nath zu zollen. Doch erst seit meiner Rückkehr nach England erkannte ich, wie tief und verbreitet das Interesse ist, das dem gedeihlichen Fortgang eines Unternehmens cntgegengcbracht wird, das so wichtige philanthropische und politische Folgen ergibt. Wenn der bisherige Gang der Unterhandlung mit der türkischen Regierung, nicht von dem Erfolge, den ich vorhcrsah, gekrönt würde, darf nicht vergessen werden, dass ich es allein, und beinahe ohne. Beihilfe, unternahm. Weit entfernt, den Mnth zu verlieren, überzeugen mich meine letzten Erfahrungen' mehr denn je, dass der Plan in jeder Hinsicht praktisch ist, und dass es nun am Publikum ist, ihn zu ergreifen, um, von der Regierung unterstützt, den Widerspruch zu überwinden, den ich in Constantinopcl vorfand, und der sich aus der Verbindung fast ausschliesslich widriger Einflüsse ergab. Es ist unter keinen Umständen möglich, dass ein Land, dessen Grenzen die herrlichen Weideplätze Dschaulaus*) die prächtigen waldumklcidcten Berge Gilead, die reichen Ackerländer' Moab's und die glühenden tropischen Thäler des Jordans umschließen, noch länger vernachläßigt werden könnte. Ob wir es von archäologischem, geschäftlichen oder politischen Gesichtspunkte betrachten, besitzt diese Gegend Interesse und *) London und Edinburgh 1686. *) Das biblische Galan und Baschan. M. E.