Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1893
- Issue
- Heft 1 (15.1.1893)
- Date
- 1893-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Selbst- Emancijmtion. Abonnements-V»eise: (Zusendung inbegriffen.) Für Oesterreich-Ungarn ganzj. fl. 4 „ Deutschland „ Mk. S „ Rußland „ Rbl. 4 „ Amerika „ Doll. 2 „ die übrigen Länder „ Frcs. 10 Halb- und vierteljähriges Abonnement zu den entsprechenden Theilbeträgen. Das Abonnement kann mit jeder Nummer beginnen. Einzelne Exeniplare (in der Expedition erhältlich): 18 kr. Gnpnj tlctj jmlbttj-lfviitiamiltn. Herausgeber und Chesrcdacteur: Erscheint zweimal im Monate. Redaktion Admiuistration Wien, IX./I., D'Orsaygasse 7. (Sprechstunde: Täglich nur von 6 bis 7 Uhr Abends.)' Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen nnd Manuscripte nicht retournirt. Nr. 1 Wien, 15. Jänner 1893. VI. Jahrgang. Inhalt: Rcichs-Schutzjuden. — Manche Bedingungen znr Fortentwicklung unserer Sprache. — Das Land Gilead (Fortsetzung). — Original- Correspondenzen: Wien, Wien, Wien, Wien, Lemberg, Brody, Berlin, Köln, Freiburg i. B., Odessa, Bukarest, Jerusalem. — Chronik. — Rccensionen. — Eingesendet. — Correspondenz der Rcdaction. — Inserate. An unsere geehrten Abonnenten! Nut dieser Hummer beginnt ein neuer Jahrgang unsere- Blattes. Wir wollen hoffen, dass endlich dieser die so nothwendige, lange ersehnte Vergrößerung und Erweiterung unseres Parteiorganes werde bringen können. Damit dies aber endlich geschehe, müssen uns alle unsere Gesinnungsgenossen zur Leite stehen, jeder in seinem Areise und nach seinen Aräftem Es genügt nicht das Blatt zu lesen, man-muss es abonnieren, man muss ihm auch neue Abonnenten Zufuhren, Für die Vermögenden ist dies alles aber keine hinreichende Pflichterfüllung. Ihre speeielleLorge muss die Verwandlung der „Lelbst-Emancipation" in ein Wochenblatt sein. Abonnementsanmeldungen ohne nachträglicheZahlung haben natürlich keinen Werth, verursachen vielmehr uiinöthige Ausgaben. — Rückstände sind zu vermeiden, da sie das financielle Gleichgewicht des Blattes stören. — Vereine sollen um keine Ermäßigung ansuchen, da sie ohnehin durch ihr Abonnement dein Blatte Abonnenten entziehen. Wegen Arankheit des Lhefredacteurs konnte Nr. 2\ des vorigen gar nicht und musste Nr. ( dieses Jahrganges verspätet erscheinen. — Für erstere Nummer werden wir trachten, in diesem Jahre Eiitschädigung zu bieten. Die Administration. Ueichs-Schuhjuden. Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde trug sich mit der Idee, eine Petitio n an den d eu tschen Kaiser zu richten, worin dieser im Namen der deutschen Juden um Schutz und Schirm gegen die Ausschreitungen des Antis e m i t i s in u s angefleht iverden sollte. Dieser Absicht widmete die demokratische „Volks-Zeitung" in Berlin in ihrer Nummer vom 2'.«. v. M. einen Leitartikel, welchem sie obigen Titel gab, nur dass sie noch zwei Fragezeichen hinter die Worte „Neichs-Schutzjndcn" setzte. Die „Volks-Zeitung" kann den geplanten Schritt nicht verstehen, kann nicht begreifen, dass die Herren etwas „als kaiserliche Gnade erflehen, was ihnen und ihren Glaubensgenossen von Nechtsivegen znkommt und zugestanden ist" und)fragt: „Wollen sie sich und ihre Glaubensgenossen persönlich unter den Schlitz des Kaisers stellen, der ohnedies nicht versagt lverden kann, soweit er ihnen verfassungsmäßig gewährt werden muss? Wollen Sie eine Wiederauflebnng des kurfürstlichen und königlichen „Schntzjudentums" anbahnen? Wir glauben nicht, dass die Berliner Gemeindevorsteher derlei beabsichtigten, es müsste ihnen denn der jetzige Zustand so unleidlich erscheinen, dass sie sogar die seligen Zeiten des Schutzjndenthums dafür einzutauschen bereit sind. Die Sache ist, wie uns dünkt,, viel leichter zu erklären, die Herren haben einfach dnrch das Anwachsen der „antisemitischen Stnrzlvelle", durch die auf sie eindringenden beredten Thatsachen den Kopf verloren und greifen in ihrer Verlegenheit zu den curiosesten Hilfsmitteln. Uebrigens ist das in Rede stehende Mittel nicht neu; ähnliches, wenn auch nicht völlig gleiches, wurde auch schon anderswo versucht. Leute, die vor gründlichen Euren zurückschrecken, greifen eben stets zu den unsinnigsten Palliativen. Angeborenem: Muthlosigkeit hält sie von entscheidenden Schritten ab, andererseits drängt sie der Selbsterhaltungstrieb dazu, doch wenigsten etwas zu thun. Im vorliegenden Falle ist dieses „Etwas" nicht jämmerlicher, als es überhaupt zu sein pflegt, d. h. ebenso jämmerlich. Wir sind der Volks-Zeitung" für die Worte dankbar, mit welchen sie sich über die eventuellen Erfolge des geplanten Schrittes verbreitet und bei deren Lesen es unseren Assimilationsjuden doch etwas heiß geworden sein mag. „Oder hat den Herren die Erklärung nicht genügt, die Graf C a p r i v i in der fraglichen Sitzung des Reichsrathes gab, indem er sagte, „er könne es verstehen, wie man Antisemit sein könne"?" meint die „Volks-Zeitung". ,Wünschen die Herren," fährt sie fort, den Monarchen zu einer deutlicheren, ja überhaupt erst zu einer deutlichen Absage gegen den Antisemitismus zu verlassen? Dann möchten wir sie fragen, ob sic sicher sind, eine Antwort zu erhalten, die nicht bei Aufwendung einiger autisemitscher Verdrehungskunst zum G e g e nteil dessen nmgestempelt werden könnte, was die Herren aus dem Munde des Monarchen zu hören gewünscht haben? Und wenn ihnen der Kaiser auf ihre Adresse eine Antwort gibt, die ihren Ohren angenehm klingt, und an der nichts zu drehen nnd zu deuteln ist, welche Wirkung glauben sie wohl, wird diese Antwort auf die Antisemiten erzielen? Schon der Vater Wilhelms II. hat den Antisemitisnfü^ in schärfster Weise vernrtheilt. Hat das aber vcr-