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Selbst-Emancipation · 1892-12-19 · Heft 23 (19.12.1892) · p. Seite 220

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 23 (19.12.1892)
Date
1892-12-19
Page
Seite 220 (sequence 6)
Language
German
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. Seite 220. Selbst-Emancipation Nr. 23. „begreifen" und nur die „Demagogie" verurtheiten, — Alles ist hinwcggeweht durch die Vernrtheilung'des deutschen Reichsrathsabgeordneten Ahlward t zu fünfmonatlichem Gefängnis — notabene wegen Verleumdung der „Judenflinten" vor dem Auslande — und durch den „Vorstoß" Capri vi's gegen den Antisemitismus. Die Juden sind wieder ein bischen auf Geduld gedrillt, der Zweck ist erreicht. In der an sich lobenswerthen Interpellation des Reichsrathabgeordneten Freihcrrn von Sommaruga und Genossen wird die Regierung aufgcfordcrt, sich zu rechtfertigen, dass sie „antisemitische Aufreizungen unbeanständct hingehen lässt", und etwas „vorzukehren, um den immer heftiger auftretenden antisemitischen Aufhetzungen wirksam zu begegnen". — Immer heftiger auftrctcnd! — Ei, wir hätten gedacht, dass so viel Polemik seit vielen Jahren die „niedergeschmetterten", die „besiegten", die „geschlagenen", die „heimgeleuchteten" Antisemiten ganz am Boden liegen. Wenn schon nicht die Juden selbst, so sollten cs wenigstens die uns wohlgesinnten Nichtjuden endlich einmal einsehen, dass sie nach einer anderen Richtung hin uns helfen müssen, als auf welche sie von ihren jüdischen Berathern gedrängt werden. Bei der jüngsten Wahl in den Ausschuss und das Schiedsgericht des „Vereines zur Pflege kranker Studierender" siegten die Antisemiten gegen die „Freisinnigen", d. h. die nichtrüdischen Mitglieder gegen die jüdischen. Wie das in zehn oder zwanzig Jahren aussehcn wird, wenn die ganze heutige Studentengeneration'ins Leben und Amt getreten sein wird. Wie«» 16. Deccmber 1892. Die Statuten des „Zion", „Verbandes der österreichischen Vereine für die Colonisation Palästinas und Syriens" sind endlich genehmigt worden. Unzweifelhaft wird jetzt der Verein „Admath Je.'eliuruu“ in Wien, welcher in dieser Sache die Initiative ergriffen hat, eine rege Thätigkcit entfalten, um den Verband auch de facto zu Stande zu bringen. ■ . Wie», den 18. December 1892. Die Wiener Cultusgemeinde hat, wie man weiß, seit einiger Zeit den Ehrgeiz, den jüdischen Jndiffcrcntismus zu beheben. Die von ihr geplante Confcrenz der Vertreter der israelitischen Großgemcinden der Erde ist aufgeschoben. Daher trachtet sie bei sich selbst zu beginnen. Aber die Art und Weise, wie sie dies thut, erweckt wenig Vertrauen. „Auf Anregung des derzeitigen Präses der Wiener israelitischen Gemeinde, des Herrn Wilhelm R. von Gutmann" — schreibt die „Neue Freie Presse" — „sind in dem allwöchentlichen jüdischen Gottesdienst einige Reformen eingeführt worden, welche einerseits die religiöse Andacht durch Hinzufügung einer deutschen Exhortc und deutschen Chorgesanges popularisiren, andererseits solchen Personen, welche nicht in der Lage sind, an dem samstägigen Fcstgottesdienste in den Morgenstunden theilzunehmen, durch Abhaltung einer allwöchentlichen Erbauungsfeier am Freitag Abends die Theilnahmc ermöglichen sollen." Dann werden die Herrlichkeiten des ersten Freitagabends nach neuer . Manier geschildert und zuletzt heißt es: „Der Einladung des Gemeindepräscs, diesem Reformgottcsdienste (!) und der damit verbundenen Vcrfassungsfcier (!!) beizuwohnen hatten zahlreiche Persönlichkeiten Folge geleistet." Nun werden einige christliche Namen von gutem Klange aufgezählt. Bis jetzt glaubten wir, dass nur manche aus jüdischen Studenten bestehende Vereine Paradechristen bedürfen — aber auch „Gottesdienste, das wussten wir nicht. Uebrigens waren die Wünsche des Herrn R. v. Gutmann spcciell besonders hoch geflogen, indem er, wie wir der „Jüdischen Presse" entnehmen, in einer Ueberwallung seiner staatsmännischen Einsicht Seine kaiserliche Hoheit', Herrn Erzherzog Rainer einladcn ließ Dieser lehnte jedoch die „tactvolle" Einladung mit den Worten ab, dass er sich zwar sehr geehrt fühle, aber ablehnen müsse, weil er sonst vorkommcnden Falles auch der Einladung zu einer antisemitischen Veranstaltung Folge zu leisten gezwungen wäre. Seine kaiserliche Hoheit hat eben ganz richtig herausgefühlt, dass es sich nicht um einen jüdischen Gottesdienst, sondern um eine antiantisemitische Demonstration handle. Wohin unsere Juden durch ihre anti-antisemitische Manie noch gelangen werden, weiß Gott allein. Uebrigens soll nach der „Jüdischen Presse" der vorgestrige Gottesdienst auch den Namen „Makkabäer-Feicr" geführt haben. Ei, Herr Dr. Jellinek, wir dachten, Sie verschmähen die „heidnischen" Namen der Jüdisch- Nationalen. Freilich, Ihre „Makkabäer-Feiern" sehen anders aus als die unserigen. Wie«, den 18. December 1892. der neugegründete Verein „Safah berurah“ hielt am 11. d. Mts. seine erste ordentliche Generalversammlung ab. Bei derselben erstattete die provisorische Leitung den Rechenschaftsbericht.' Nach demselben wurde zur Wahl geschritten. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Dr. Nathan Birnbaum, Zeitungscherausgeber (Präsident), vrck. zur. Saul Rafael Landau (Vicepräsident), Rüben B ra in in, Schriftsteller (Sekretär für die hebräische Srache), klick. med. S. I. Vierer (Sekretär für die deutsche Sprache), stuck, phil. Josef Sachs (Cassier), Paul Biro, Sprachlehrer, Bibliothekar, stuck, weck. Moses Salz (Hausvcrweser); in die Unterichts - Commission (die Commission für die Organisirung, Überwachung und Leitung des Unterichtcs) der Präsident, der Sekretär fiir die hebräische Sprache nnd Herr Michael Hornstein, Kaufmann; als Contrölorc die Herren Dr. Siegfried Wertheimer, Hof- und Gerichtsadvocat, und vrck. weck. Adolf Seifert. Nach den Wahlen wurden die Unterrichtsstunden festgcstellt. Bis jetzt zählt der Verein 50 Mitglieder. — Die Unterrichtscurse werden Anfangs Jänner beginnen; gleichzeitig wird das Locale eröffnet werden. (Aufruf des Vereines unter der Rubrik „Eingesendet" Die Redaction.) Wien, den 14. December 1892, Wie sich, die assimilatorischen 'Kreise.einen jüdischen politischen Verein vorstellen, beweist anr deutlichsten die „Ocsterreichisch-Jsraelitische Union". Seit neuester Zeit ist es ihrerseits Brauch geworden, nichtjüdischc Parlamentarier über die gleichgiltigstcn Dinge von der Welt sprechen zu lassen. Am 7. d. Bits, sprach der Landtagsabgcordnete Noske über dre Antisemiten, über die Liberalen und die politische Lage.' Es ist uns dies zwar noch immer lieber, als wenn so eine jüdische Koryphäe wie der Dr. Jacques oder der.unvermeidliche Ritter „der liberaallen Partei", Gemeinderath Lang, das Wort ergreift uad Stroh spricht, während die Flammen am Judcnthnm ringsum cmporzüngeln. Herr Ortsschulraih Heit dankte nach dem Vortrag des Herrn Noske diesem für die „Wahrung der Interessen seiner jüdischen Mitbürger", „nicht weil selbe Juden, sondern Menschen sind". Immer die alte Leier! Zur Abwechslung wird Samstag, den 17. d. Mts. wieder ein Jude, und zwar der ungarische Rcichstagsabgeordnete, Universitätsprofessor Dr. Armin Neumann aus Budapest über „Moriz Wahrmann und seine öffentliche Wirksamkeit" sprechen. . (A. L.) Lemberg, am 24. Kislew 5653. Der Cyclus der Wintervorträge im Verein „Zion" wurde Sonntag, am 30. Octobcr mit einer Gedenkfeier für I. L. Kordon eröffnet. Der Obmann des Vereines, Herr Dr. D. Heschelcs begrüßte die erschienenen Gäste in polnischer Sprache und ertheilte das Wort dem Festredner, Herrn B. W. Segel. Derselbe bot eine gründliche und odjcctiv bearbeitete Skizze der Wirksamkeit Gordon's, welche allgemeinen Beifall fand. Hierauf trug ein Vcreinsmitglied das Gordon'sche Gedicht „L’mi ani aiuel“ in polnischer Uebersetzung des Herrn S. Br. vor, worauf Herr R. A. Brandes das Podium bestieg, um in der ihm eigenen geistreichen Art nachzuweisen, wie falsch die Ilnfichten derjenigen sind, die Gordon nicht als Nationaljuden anerkennen wollen. Mit dem Vortrage einiger hebräischer und Jargongedichte des gefeierten Verblichenen wurde die Feier beschlossen. — An den darauffolgenden Samstagen fanden nachstehende Vorträge statt: „Idealismus und Realismus iu der jüdisch-nationalen Bewegung" von R. A. Brandes, „die Lösung der Judenfrag'e durch die Colonisation Palästinas" von David Malz. — Die Vorträge des Vereines werden in diesem Jahre ausnehmend stark besucht, so dass die Vcreinsleitung sich genöthigt sah, ein bedeutend größeres Locale im Ccntrum der Stadt (Ringplatz 12) aufzunehmen. Die feierliche Eröffnung des neuen Locales, bei welcher die Herren G. Zipper und R. A. Brandes begeisternde Reden hielten und mehrere hebräische, polnische, deutsche und Jargongedichte declamirt wurden, fand am 3.'Deccmber statt. Am 10. Dcccinber trug Herr David Malz über „Heine unjd seine Zeitgenossen" vor. Außer den öffentlichen Vorlesungen finden noch I im „Zion" allwöchentlich Discussionsabende statt. Bis nun gelangten nachstehende Themata zur Besprechung: „Antisemitismus" (Referent Dr. Heschelcs); „Die Judenftagc eine ethische Frage", nach Dr. Leopold

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