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Selbst-Emancipation · 1892-11-30 · Heft 22 (30.11.1892) · p. Seite 211

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 22 (30.11.1892)
Date
1892-11-30
Page
Seite 211 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22. Selbst-Emancipation Seite 211. dem dem abtretenden Ausschüße das Absolutorium ertheilt wurde, schritt man zu den Neuwahlen. Als gewählt er- - scheinen die Herren: Dr. Schnirer (Präsident), Dr. O Kokesch (erster Vice - Präsident), Dr. Roth (zweiter Vice-Präsident', Rüben Brainin (Schriftführer in hcbr. Sprache), Drd. S. R. Landau (Schriftführer in deutscher Sprache), Julius G o e tz l (erster Cassier), Paul L o e b l (zweiter Cassier), Dr. D i a m a n d , Dr. G o l d b a u m, Salomon Bauer, Gustav S e i d e m a n n, Ausschüsse. — Nach Erledigung einiger.minder wichtiger Punkte wurde die General-Versammlung geschlossen. Mir«, 30. November 1892. Unter dem Namen „Safah berurah" hat sich in Wien ein hebräischer Sprach- und Sprechverein gebildet, dessen Statuten von der k. k. Statthalterei eben genehmigt wurden. »Die Genehmigung wurde ohne Anstände in der ungewöhnlich kurzen Frist von vier Tagen nach Ueberreichung ertheilt.) Hiemit ist ein schon vor zwei Jahren begonnenes, aber durch mannigfache Umstände unterbrochenes Werk wieder ausgenommen. Der Verein hat eine eigenartige feste Organisation, und wird hoffentlich ein Brennpunkt national-hebräischen Culturlcbens in Wien werden. In nächster Nummer mehr über denselben. — Die Redaction der „S.-E." ertheilt Auskünfte und nimmt Anmeldungen zum Beitritt entgegen. Wie«, 13. November 1392 Sonntag, den 13. Nov. d. I. veranstalteie der liier. Geselligkeitsvcrein jüdischer Mädchen „Moria" seinen zweiten „literarischen Nachmittag", der außer von den Mitgliedern, von mehreren distinguirten Gästen besucht war und einen recht animierten Verlaus nahm. Viccpräs. Frl. Sabine Gr »der begrüßte die Anwesenden und setzte in einem schwungvollen Bortrage das Progranm des Vereines auseinander; sodann sprach Frl. Camilla Wagner über das Thema: „Die Cultur des jüdischen Volkes in seiner Bedeutung sür die anderer Völker", Frl. Jda Werner rccitierte das sinnige Gedicht „Israel" und Frl. Rat. Pollak gab eine sehr lichtvolle Einleitung in die jüdische Literatur mit besonderer Hervorhebung derjenigen Schriften, die man unter dem Namen der biblischen Literatur zusammen fasst. Sämmtliche Vortragenden ernteten wolverdienten Beifall. Zlentra, 2. Kißlev, 5653. „Es gibt noch Richter i« Ungarn." So wird oft hierzulande gesagt. Und es gibt deren thatsächlich welche; davon haben wir diese Woche wieder einen kleinen Beweis bekommen. Die Geschichte beginnt knapp nach der T.-Eszlürer Blutlüge, als die Judenhetzen eine so allgemeine Beliebheit erfaugten. Zur Hetze kam es hier nicht, dazu ist die Zahl der hiesigen Juden zu achtunggebietend, aber kleine Hetzereien rc. konnten sich die großen und kleinen Herren Buben doch iricht versagen. Damals geschah es, dass sich ein kleiner Schusterjunge in die Thüre des Geschäftslocals eines angesehenen jüdischen Kaufmannes stellte, und dem Beispiele der offiziellen Komitatszeitung folgend, Schimpstvorte hineinrief, die der Beschimpfte mit einer Ohrfeige quittirte. Das Geohrfeigtwerden ist einem Schustersilben nichts Neues, aber von einem Juden geohrfeigt zu werden? Und er ging klagen-.Der Katifmann wurde zu einer empfindlichen Strafe verurtheilt. In seiner begreiflichen Auflegung darüber warf -dieser dem Richter vor, dass er dem Christen }u Liebe parteiisch sei. Dieser Vorwurf sollte ihm theuer zu stehen kommen. Mit dem Aufwande aller. Paragraphen wurde dem Manne an den Leib gerückt, um ihn endlich jetzt, nachdem er ein Vermögen geopfert, .., Zeit und Sorge daraus verschwendete, dem Schimpfe zu entgehen, zu drei Wochen Zuchthaus zu verurtheilen. Der Kaufmann, der sich der allgemeinen Achtung erfleut, wird nun so behandelt, als ob er ein Raubmörder wäre. Und das, weil er sich als Jude getraute, einem Richter zu sagen, was eigentlich die ganze Stadt von ihm munkelt. - Die Asfimilationssucht treibt manchmal recht sonderbare Blüten. Anläßlich der Kossuth-Feier wurde hier ein Bankett abgehalten, in welchem der jüdische Advocat Stranszky seinen Toast mit folgender schönen Phrase einleitete: „Gleichwie der Heiland erst durch seinen Opfertod die Welt erlösen konnte..." Die Christen lächelten; es mochte ihnen wohl eingefallen sein, daß Dr. Stranszky während der letzten Abgeordnetenwahl, wo er auch candidirte, durch die Kortege des Gegenkandidaten oft genug daran erinnert wurde, dass er nicht „durch den Opfertod des Heilands erlöst worden" ist. Russland. Elifabrtygrad» den 13. November 1892. Aus den letzten Protokollen des „Vereines zur Unterstützung der jüdischen Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina" ersieht man, dass die Frage der Schaffung einer Seidenzucht in der Colonie „Pethach-Thikwah" angeregt ist. In der Versammlung sagte der Agronom Sussman folgendes: „Diese Seidebereitung soll nur als eine Nebenarbeit der Landwirthschast gelten und die Colonisten dürfen nicht auf diesen Zweig der Landwirthschaft ihre Existenz gründen". In derselben Bersannnlung wurde beschlossen, dass sechs Familien in P.-T, die sehr wenig Boden besitzen, sich mit Seidenzucht beschäftigen sollen. Es wird dies ein Versuch sein. Man projcctirt eine neue Reform in die jüdischen Ackerban-Colonien in Chersoner und Ekaterinnslawer Gouvernements. Die Juden, welche sich wirklich mit Feldbau beschäftigen, werden in einigen Colonien vereinigt und die, welche sich nicht mit Feldbau beschäftigen, werden aus den Colonien ausgewieseii. Alle Städtchen imTaurischen Gouvernement werden nach einem neuen Project in Dörfer verwandelt. Mit andern Worten, alle Juden werde» ausgcwiesen. Eine Ausnahme wird das Städtchen Jeisk sein. Bei uns in Elisabethgrad werden bald die zweiten Rabbiner-Wahlen stattsinden. Unter den Canditaten befindet fich der bekannte Zionsfreund W. Temkin. Man glaubt, dass er gewählt werden wird. Zwi. Türkei. Jerusalem, den 8. November 1892. Die Bewegung zirr Einführung des Hebräischen als Umgangssprache schreitet immer vorwärts. Endlich ist die längst ersehnte hebräische Normalschule in Jaffa eröffnet und der „Haor" spricht die berechtigte Hoffnung aus, dass dieselbe unter der Leitung des Dircctors H. Angel, welcher dem Lehrer H. Grasowsky die Vollmacht gab, nach allen Richtungen hin die hebräische Sprache zur herrschenden Sprache der Schule zu machen, h ebr ä i sch c H e b r äer, nicht französische oder deutsche Hebräer, erziehen werde. Bis jetzt sind 140 Schüler eingeschrieben. 'Nächstens wird die Abtheilung für Mädchen eröffnet. Auch der Leiter der Alliauz-Ackerbauschule „Mikweh Jissrael", H. Neino hat sich veranlasst gesehen, einen Lehrer der hebräischen Sqrache und Conversation für das Institut aufzunehmcn. — In den Colonien hat die Schule wieder begonnen; die Lehrer wetteifern besonders in der Pflege der hebräischen Sprache und in den Bemühungen, sie zur Umgangssprache der jungen Generation zu machen. Herr Josef Navon, der Concessionär der Eisenbahn Jaffa-Jerusalem, will jetzt hier eine Tramway bauen. Ucberhaupt entfaltet derselbe anläßlich seiner Rückkehr hierher nach mehrjähriger Abwesenheit eine rege Thätigkeit. So will er ein: Einigung der Aschkenasim und Sefardim Jerusalems herbeisühren und veröffentlicht sein diesbezügliches P.oject in der „Habazeleth“, das aber, wie es ausgeführt werden soll, nicht die allgemeine Zustimmung, so namentlich nicht die des „Haor" besitzt. Es verlautet, dass Herr Baron Edmund Rothschild, der Protector der größeren Colonien, in einigen Monaten in Begleitung des Herrn Scheid Palästina besuchen werde Mord-Amerika. Uew-Uork, 10. November 1992. Die „Scliove Zion II" werden am 19. Novembcr die Teputirtcn wählen, welche sich nach Palästina begeben und dort Boden für die Genoffcnschaft kaufen sollen. Die Mitglieder können kaum die Zeit erwarten, in der es ihnen vergönnt sein wird, den Boden des heiligen Landes zu bebauen. Chronik. Gleichberechtigung. Wir lesen in einem Artikel der „Jüdischen Presse" folgende Worte: „Seit Jahr und Tag ist auf keiner einzige» preußischen Universität ein Jude zu einer ordentlichen Professur zugclassen worden, auch diejenigen nicht, welche von der betreffenden Facultät ,n einstimmigem Beschlüße dafür vorgeschlagen worden waren. Der Minister hat jedesnial seine Bestätigung versagt „Wir können eventuell mit einer ganzen Fülle sehr lehrreicher Beispiele dienen, die fast alle Facnltäten umfassen. Ja, noch mehr; seit einiger Zeit werden Juden an einzelnen

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