Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 20 (23.10.1892)
- Date
- 1892-10-23
- Page
- Seite 195 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20. Selbst-Eniancipatiön raschen Ende gleichkäme, vielmehr erklärt sie mit festem, schlichtem Freimut, sie sei sich klar über die Schwierigkeiten, mit denen sie werde zu kämpfen haben, zumal weder Kapitalisten, noch Institute cinflussreichcr Art hinter ihr stünden, das junge Unternehmen ohne jegliche Stütze sei. Wir unterstreichen mit Vergnügen das kleine Uebersehen, das der Redaction in ihrer- Bescheidenheit unterläuft; es ist kein Geringes, es ist die Zukunft und die Wohlfahrt unseres Volkes, dem sich diese Zeitschrift widmet, und solch' hochherzige Ziele pflegen mit wunderbarer Kraft und Stärke, mit unerschöpflichen Mitteln zu begnaden. Bessere Stützen braucht die Zeitschrift nicht, die besten trägt sie in sich selbst. Wir haben es in Wien nicht um ein Jota besser und eben dieser Umstand veranlasst uns, die im Kampf schon Erprobten, dem wackeren Unternehmen mit collegialer, warmer Herzlichkeit ein Jejasclier kocliacho zuzurufen. Wir sind Waffenbrüder, kämpfen unter derselben Fahne, wir ringen nach derselben Palme: unserem Volke den heißersehnten Frieden zu geben. Die Zahl der Streiter ist in einem solchen Kampfe nie zu groß, und jeder neue Kamerad sei von uns mit Jubel begrüßt! Nun gilt es aber auch gute Kameradschaft halten, vereint marschireu und vereint sich schlagen. __ A. Horowitz. Original-CorrrspondenM. Oesterreich-Ungarn. Wien» den 20. October 1892. An Stelle des verstorbenen Dr. Herbst ist bei der Reichsratsergänzungswahl in der innem Stadt Dr. Ferdinand Kronawetter mit 2701 von 3828 gütigen Stimmen gewählt worden. Der christlich-soziale Eandidat („Volksblatt-" und „Vaterland-" Antisemit) erhielt 1005 Stimmen, der deutsch-national-antisemitische Eandidat (Schönerianer) nur 78 Stimmen Die Bedeutung dieses „-demokratischen-"; Sieges wird von den hiesigen Juden, wie üblich, sehr überschätzt. In der innem Stadt Wien ist noch nie ein Antiliberaler durchgedrungen, aus dem einfachen Grunde, weil die Juden in Gemeinschaft mit beu reichen Christen, welche trotz judenfeindlicher Gesinnung das Socialistische im Antisemitismus fürchten, den Ausschlag geben. Aber nicht blos das Judentum, auch die Demokratie als solche hat sich nicht zu freuen. Ganz richtig sagt die socialistische „Arbeiter-Zeitung", welche dem Dr. Kronawetter das „Hinabsteigen zum politischen Niveau seiner diesmaligen Wähler" übelnimmt: Rücksichten auf die „Demokratische Partei" hatte er ' nicht zu nehmen, weil eine solche Partei nicht existirt". Einige Juden, rvelche ihren Kosmopolitismus billig anbringen möchten, dabei aber vor dem internationalen Socialismus zurückschrecken, bilden diese Partei. Das christliche Volk selbst will von demokratischen Principien nichts wissen; cs entsendet seine Söhne lieber in jene Reihen, von welchen Dr. Kronawetter in der Protestversammlnng des „Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" gegen die Infamien des Mechaniker Schneider so merkwürdig wenig optimistisch sagte, „dass es den Kampf nicht werth war, solchen Wählern das Wahlrecht zu verschaffen, dass sie dieses Rechtes nicht würdig sind". Wie lange wird es wohl dauern, dass die Wiener Juden einsehen, dass ihnen sowie allen ihren Stammesbrüdem alle Schlagwörter der Welt nichts nützen, dass ihre Hilfe in ihnen selbst mhe? Herr Dr. Friedjung ist unseren Lesern bereits bekannt. Trotz seiner deutsch-nationalsten Vergangenheit oder eben wegen seiner Enttäuschnngen. kam dieser Feind des Judentums so weit? herab, in der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" um ein Gemeinderaths-Mandat zu betteln. Er wurde auch Gemeinderath, und da er daselbst jünst vom deutschen Bürgertum" faselte, wies ihn Dr. Lueger zurecht. „Er sei ja. kein Deutscher, und sei er daher auch nicht berechtigt, sich als Deutscher zu declariren". Ob er das nötig hatte, der deutsche Herr Dr. Friedjung? „Ich habe ein Recht, mich als Angehörigen des deutschen Volkes zu betrachten", replicirt er 'zwar mit Emphase, aber wir glauben ihms doch nicht, ebenso wenig als die Antisemiten, die solche Zudringlichkeit gewiss nicht zu Judenfrennden machen kann. Die „Wiener Sonn- und Montagszeitung" in ihrer k. k. demokratischkosmopolitischen Gesinnung glaubt auch ein Wörtlein in diesem Streite der Edlen mitsprechen zu müssen. „Wir sind gewiss mit der Deutschiümclei des Herrn Dr. Friedjung nicht einverstanden, aber wir sehen nicht ein, mit welchem Rechte ihm Dr. Lueger das Deutschtum ab spricht". Wir wundern uns über diesen Mangel an Einsicht nicht. Mien» den in. October 1392. Nach längerer durch die Abwesenheit zahlreicher Mitglieder von Wien bedingter Pause eröffnet der den Lesern der „S.-E." durch seine rührige Thätigkeit wohlbekannte literarisch-gesellige Mädchcnvercin „Moria" seine Wintcrsaison mit einem Sonntag, den 30. d. M., stattfindenden „literarischen Nachmittage", voll dessen Programme wir hervorheben wollen: die Borträge: „Sociale Stellung der Frau im Alterthum und speciell bei den Juden" von Frl. F. Ran d. „Schwächen des jüdischen Weibes" von Frl. B. S ch a l i t. „Ein Lebensbild" von Frl. S. G r u d e r, sowie eine Deklamation des Frl. I. W e r n e r. — Der Ausschuss hat beschlossen, neben den wie bisher alle 14 Tage stattfindcnden literarischen Versammlnngen sechswöchentlich einen Familienabend zu veranstalten, nm auch dcnr zweiten Punkte des Bcreinsprogrammes — Pflege der Geselligkeit — zu entsprechen. — Die literarischen Versammlungen finden wie bisher IX. Bezirk, Müllnergasse 13, statt, und haben zu denselben von Mitgliedern cingcführtc Gäste Zutritt. Wien, 16. October 1892. — Gestern Abend veranstaltete der akademische Verein „Kadimah" zur Feier der Eröffnung seines 20. Semesters einen geselligen Abend, der außerordentlich gut besucht war. Der Präses des Vereines, Herr Drd. med. Karl Po! lak leitete de» Abend mit einer Ansprache ein, der er einen Nachruf sür Jehuda Leb Gordon voranschickte. Nach ihm hielt Herr vrd. med. I. Schallt eine gedankenreiche, mit stürmischem Beisalle aufgenommene Rede. Auch Herr «and. jnr. A. Horowitz und Herr vrd. med. S. Werner, sowie der -als Gast anwesende Chcfredacteur unseres Blattes hielten knrza Ansprachen. In vorgerückter Stunde ging man' in aniiilirtestcr Stimmung auseinander. (X. L.) Fenilierg, Ende Tischri 5653. — Samstag den 15. October hielt" der Verein „Z i o n" seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Julius Hochfeld, erögnete die Sitzung mit einem Nachrufe für die in diesem Jahre verstorbenen hervorragenden Zionisten Dr. Leo Pinsker, Inda L. Gordon und Erlanger, worauf Herr Adolf Stand als Referent des Ausschusses einen eingehenden und interessanten Bericht über die Thätigkeit des Ausschusses verlas, lieber diesen Bericht entspann sich eine mehrere Stunden dauernde Debatte, durch welche die weiteren Punkte der Tagesordnung ans den folgende» Tag verschoben werden mussten. Bei der am 16. stattgefundencn Fortsetzung der Generalversammlung wurde die Vorstandswahl durchgeführt, welche folgendes Resultat ergab: Dr. David H e s ch e l c s (Präsident), Gerson Zipper (Vice-Präsident), Jakob S. R e n z c r (hcbr. Schriftführer), David Malz (Schriftführer in der Landessprache), S. Arnold (Cassier), Aron L e w i n (Bibliothekar), ferner als Ausschussmitglieder die Herren: Julius Hoch seid, Carl Stand, Adolf Stand, sowie als Vertreter die Herren: Tieg er, Weiß, Adolf Korkis und Lcißner. Ferner in die revidirende Conimissiou die Herren: Max Sprecher, Ludwig Mansch und Heinrich Gabel. Nach den Wahlen wurde der hebräische Schriftsteller Rüben Aron Brandes zum correspondirenden Mitglied des Vereines per aeelamationem ernannt. Wie zir erwarten war, hat das Erscheinen der „Przyszlosc“ die polnische Presse allarmirt. Die meisten Blätter, wie z. B. der „Kuijer Polski“ ließen bei Besprechung des Blattes blos einige „Witze" vom Stapel. So z. B. hat der erwähnte „X. P.“ es heransgefnnden. dass der Programmartikel der „Przyszlosc“ ein mit journalistischen Phrasen ausgeschmückter Auszug aus dem Talmud ist. Anders beurlheilt dieses neue Organ die „GazetaNaroilowa“ in ihrem „Eine neue Nationalitätenfrage" betitelten Leitartikel vom 7, October. Dort heißt es: „Es wäre ein unverzeihlicher Fehler, diese junge, aber nichtsdestoweniger von vollster Energie und Selbstbewusstsein beseelte Partei geringzuschätzen, welcher das Ziel ihrer Bestrebungen deutlich vorschwebt und welche über Männer voller Intelligenz und Begeisterung verfügt". Außer diesen Blättern wurde die „Przyszlosc“ noch besprochen von: „Przeglad", „Kurjer Lwvwski", „Nowa Reforma", „Gazeta Przemyska", „Jüdisches Bolksblatt" (Budapest) u. a. „ , _ Herr Jakob Sperling, Religionslehrer im hie,,gen k. k. II. Obergymnasium, widmete in den oberen Classen desselben dem dahingegangenen Dichter Juda L. Gordon einen warmen Nachruf. Dieser