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Selbst-Emancipation · 1892-09-19 · Heft 18 (19.9.1892) · p. Seite 179

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 18 (19.9.1892)
Date
1892-09-19
Page
Seite 179 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18. Selbft-Emancipation Seite 179. tionirung der mit Eifer und Geschick den Zionismus Predigenden hebräischen Zeitschrift „Hapisgoh" aus. — Die außerordentliche Generalversammlung der „Schowe Zion" Nr. 1 vom 4 d. M. setzte die Gehalte der obengenannten Administratoren fest. — Herr Dr. M rn tz, Obman der . „Schowe Zion" Nr. 2 machte eine Rundreise durch die amerikanischen Städte, um der Zionsache neue Anhänger zuzuführen. Es ist ihm gelungen, im Philadelphia und Portland Zweigvereine zu gründen. Bald wird die festgesetzte Zahl der Mitglieder voll sein und man wird zur Gründung einer Genossenschaft „Schowe Zion" Nr. 3 schreiten müssen.*) Der anarchistische Mord in Homstead durch den russischen Juden Bergmann macht leider böses Blut. Man ist gewöhnt allen Juden die Thaten Einzelner von ihnen als Sünde anzurechnen. Mögen die liberalen Blätter im fraglichen Falle gegen solche Generalisirung noch so eifern, es nützt nicht, die Massen, welche hier überhaupt antianarchistisch ja sogar antisocialistisch sind, lassen sich von ihren Vorurtheilen gegen die Juden nicht abbringen. Chronik.?r2^S2lo8v(„die Zukunft"),wird das neue Bruderorgan heißen, welches in polnischer Sprache von October d. I. ab von den Zionisten Lembergs herausgegeben werden wird. Näheres über dieses fteudige Parteiereignis hoffen wir in nächster Nummer mittheilen zu können. Dr. Adolf IellineK ist trotz seines hohen Alters ein gar sanguinischer Herr. Wir Nationaljuden kennen ihn ja von der Seite; wir wissen, wie er sich oft zu Aeußerungen hinreißen lässt, die man mit Leichtigkeit aä adsuräum führen kann. Aber über uns Zionisten kann man vorläufig noch ungestraft das Verkehrteste schreiben. Anders steht jedoch die Sache, wenn es sich um die Bekämpfung des Antisemitismus handelt. Das ist ein in breiterer Oeffcntlichkeit breitgetretenes Thema, da ist die Controle eine sehr ausgiebige. Daran hätte Herr Dr. Jellinek,< denken sollen, bevor er in der „Allgeminen Zeitung des Judentums" seinen vielbesprochenen Artikel gegen die Blutbeschuldigung veröffentlichte Er verlangt in demselben nichts weniger als die Proclamation des Grundsatzes in allen Culturstaaten. „dass jede Anklage auf Blutbeschuldigung aus „rituellen Motiven" gegen die Juden von den Gerichten zurückgewiesen werde. Die zum Kampfe gegen den Antisemitismus gegründete Zeitschrift, „die Schmach des Jahrhunderts" in Berlin nennt diese Forderung eines Privilegiums einen „beklagenswerthcn taktischen Fehler", und fast alle jüdischen Zeitschriften sind einig in der Verurteilung des Jellinek'schen Vorschlages. Keiner derselben hat aber den „Optimismus" beleuchtet, der dazu gehört, einen solchen Vorschlag zu machen und wohl zu glauben, dass er ausführbar sei. Wenn wir Zionisten so etwas beantragten, was würde da über die „unreifen Köpfe" gefaselt werden. Der ungarische Israelit. Unsere Leser wissen, dass uns an den ungarischen Juden ihr besonders weit getriebener Affimilationsdusel missfällt. Da gibt es wohl nun keinen glänzenderen Beweis für die Richtigkeit und Sieghaftigkeit unserer Ideen, wenn sie auch dort auftreten, ja anscheinend sogar spontan auftreten, wo es am wenigsten zu erwarten ist, — in Ungarn. In der Schlussfortsetzung eines Artikels „Amerikanische Indianer als Abkömlinge der verlorenen Stämme Israels" entwirft „der Ungarische Israelit" einen ziemlich detaillirten Plan der Retablirung der jüdischen Nation in Palästina. Der Aufsatz ist mit Wärme geschrieben und verräth einen politisch denkenden Kopf. Auch der Leitartikel der Nunimer, in welcher obiger Aussatz enthalten ist, weist, abgesehen von einigen Tactlosigkeiten, auf eine unbewusst nationale Empfindungsweise. Ein waschechter jüdischer „Europäer" würde gewiss nicht schreiben, dass uns die Religion Muhameds lieber ist als die christliche, wie dies „der ungarische Israelit" bekennt. Aus dem Lager der Socialdemolrrrtir. Gerade Kolomea haben sich die Socialdemokraten zum Angriffspunkt für die Gewinnung der galizisch-jüdischen Arbeiter gewählt. Für Sonntag den 28. d. M. berief Meier Wächter eine Versammlung der Weber und Bürstensortirer ein, bei welcher die socialdemokratischen Agitatoren Zetter bäum und Sternbach und andere sprachen/ Besonders viel war von Herrn Dr. Bloch die Rede, der zum „Werkzeug der jüdischen Capitalistenklasse" gestempelt wurde. Die „Oesterreichische Wochenschrift" versuche die Klaffcngegensätze unter den Juden zu verhüllen. Schliesslich erklärte die Versammlung ihren Anschluss an die internationale Socialdemokratie, und „Religions und Raffenunterschiede für unwesentlich." Wir haben vorläufig ^eine Veranlassung, uns für oder wider Dr. Bloch auszusprechen, aber *) Jede der beiden genannten Genossenschaften hat die Maximal' ztffern von ö00 Mitgliedern. soviel steht für uns fest, dass was geschehen muss in Kolomea, in gan Galizien und auch anderswo, damit die jüdischen Arbeiter ihren: Volke treu bleiben und treu bleiben können. Wenn andere jüdische Zeitungen die platten Verdächtigungen gegen den Socialismus, wie sie die liberale und klerikale europäische Presse lieben, gedankenlos Nachdrucken, so wird dies bei uns ebensowenig nützen als dort. Man muss dem jüdischen Volke mit positiven Rettungsplänen kommen, die im Stande sind, cs zu beftiedigen. Im Gebiete des Judentums — und nur soweit reicht unser Widerstand gegen den Socialismus — gibt cs nur ein Mittel gegen denselben, den ebenso radicalen, ebenso zukunstsbedachten, ebenso warmherzigen, aber mehr veredelnden und der Lage und der Eigenart des jüdischen Volkes mehr angepassten Zionismus. — Die „Arbeiterstimme", das socialistische Jargonblatt der galizischen „Oppositionellen", verlangt eiste förderative Organisatton der galizischen Arbeiterschaft nach Nationen (polnisch, ruthenisch und jüdisch). In ihrer letzten Nunwler fällt sie über den „falschen Arbeiter-Messias", Hermann Diamand her, von dem sie erzählt, dass er die Ausbeutung eines Angestellten in den: Geschäfte, an dem er neben seinem Vater Theil habe, dulde. Solchen Hohn muss sich der uns, wenn auch nicht als Genie, wofür er sich leider zu halten scheint, so doch als gescheiter Mensch und grundehrliche Haut bekannte Diamand gefallen lassen. Wir fürchten, dass es diesen ehemaligen Zionisten noch einmal bitter gereuen wird, „Socialistenführer" geworden zu sein. Der Friedenscongrrss, welcher in Bern tagte, hatte einige bewegte Scenen aufzuweisen. Namentlich war es der Titel „Nationalität", welcher dieselben veranlasste. Die Polen und die Rumänen Ungarns vlsrtheidigten ihre nationalen Ansprüche, welche sie nicht dem Frieden zu Liebe aufgeben wollen. Es kam hiebei die Ansicht zun: Ausdruck, dass die Durchführung des Nationalitätspriucips die beste Bürgschaft des Friedens sei. Natürlich ist die „Neue Freie Presse" entsetzt und spricht von dem „Auskramen von rumänischen, polnischen und ähnlichen Schmerzen" in einen: Artikel, in welchem sie die bulgarische Ausstellung in Philippopel als eine „in: sansten Lichte des Friedens strahlenden Stern" preist. Für Niemanden kann es ja unklar sein und jeder wird die Gründe dafür wiffen, dass wir Nationaljuden den Rumänen nicht gewogener sind als den Bulgaren. Das kann cs also nicht sein. Nein, wie wir schon einmal hervorhoben, die brutale, den: Manchester- Egoismus, der weltbürgerlichen Schlaunieierei entsprechende Manier der „N. Fr. Pr.", es stets mit den: Erfolge zu halten, bringt uns auf. Als ob die Bulgaren nicht durch das Nationalitätsprineip zu ihren heutigen Erungenschaften gekommen wären! Die anthropologische Stellung der Inden. So betitelt sich ein.Vortrag, den Felix von Lu sch an auf der 23. Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft in Ulm gehalten hat und der sodann in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht wurde. Diesen: Vortrage mangelte trotz seiner strengen Wissenschaftlichkeit nicht die Beziehung zur Gegenwart oder, um genauer zu sei::, die subjective parteipolitische Färbung. Nur ein Freisinniger konnte die Schlussworte sprechen: „Inzwischen (bis zun: völligen Jneinander-Aufgehen und Verschmelzen dieser Raffen) aber erkennt in der Gegenwart der gebildete Europäer in seinen: jüdischen Mitbürger nicht nur den lebenden Zeugen einer uralten und ehrwürdigen Cultur, sondern er achtet und schätzt und liebt ihn als seinen besten und treuesten Mitarbeiter und Strcitgenossen im Kainpse um die höchsten Güter dieser Erde, im Kampfe um den Fortschritt und um die geistige Freiheit". Diese Worte verraten den Freund. Dass aber unsere Freunde immer denselben verfehlten Weg einschlagen, ist tief bedauerlich und ein Großteil unseres Strebens wird dahin gehen iniissen, sie von diesem Wege abzubringen, auf den sie eigentlich durch die Antisemiten gedrängt wurden. Felix von Luschon bemüht sich nachzuwe.sen, dass wir Juden eigentlich keine Semiten seien, sondern eine Mischung von blonden arischen Ämoritern, wirklichen Semiten und alarodische:: Hethitern. Letzterer Mischungsbestandteil sei der stärkste, und daher sein Typus der vorwiegendste. Dieser Typus sei aber nicht der semitische, welcher durchaus lange Schädel und kurze, kleine und wenig gebogene Nasen bedinge, sondern der alarodische, der sich auch bei den Armeniern findet und Kurzköpfe, sowie große gebogene Nasen aufweist. Diese Mischung aber führt Ln sch an auf die ältesten Zeiten zurück und gibt zu, dass die Mischungen in der späteren Zeit von keiner großen Bedeutung sein konnten. Wir stehen nun, wiewol wir die übergroße Empfindlichkeit unserer assimilatorisch gedrillten Juden gegen den Raflenstandpunkt nicht teilen, durchaus nicht ausschliesslich auf demselben. Wir würden uns zu trösten wissen, wenn Luschans wissenschaftliche Ansicht die richtige wäre — in Wahrheit gibt es eine ebenfalls gründlich verteidigte gegnerische Meinung und wir werden bei Gelegenheit mehr davon bringen;— denn erstens wären wir als hauptsächlich alarodische Rasse eben eine alarodische Eigenart, — die Antisemiten brauchten dann nur Antialarodier zu werden; —zweitens ist ja auch eine Mischrasse gegenüber anderen Mischrassen eine streng gesonderte Rasseneigenart — die „gemischten" Deutschen, die „genuschten' Franzosen, die „gemischten" Juden sind drei durchwegs verfch:edene Mischrassen; — drittens aber — und darauf legen wir das Hauptgewicht, — sind und bleiben wir das jüdische Volk, eine nationale Eigenart, kraft unserer eigenartigen Cultur. Wir sind mcht blos „Zeugen einer alten und ehrwürdigen Cultur", sondern wir pnd noch immer ihre Träger. Die. Gelehrten wollen unser Volk zu einer verehrungswürdigen Leiche machen. Während sie aber an unserem Hebräisch

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