Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 16-17 (29.8.1892)
- Date
- 1892-08-29
- Page
- Seite 171 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3092672-3092717-3092732--0995-3094000- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 16 u. 17. Selbst-Emancipation Seite 171. gonger", die Oesterreich-Ungarn bereisen, um Vereine ins Leben zn rufen**), die sich mit jüdischer Geschichte nnd mit der Pflege der "hebräischen Sprache, besagen auf der Höhe der Bildung stehen und einem derartigen Protzentume,. wie cs gerade die „Jsr. Wochenschrift" vertritt, noch gewachsen sind. Wir geben zu, dass die in Lemberg vonl Vereine „Zion" herausgegebeue Broschüre in assimilatorischen Kreisen etwas bombastisch klingt, weil jenen Herren eben das Nationalgesühl abgeht. Dieselbe ist jedoch ganz sachlich gehalten und erregte, wie den Lesern dieses Blattes bekannt sein dürfte, nicht nur in jüdischen Kreisen, sondern auch unter der übrigen Bevölkerung Galiziens großes Aufsehen und Sympatien. Der. Corrcspondent der „Jsr. Wochenschrift" glaubt seinen Bericht nicht besser schließen zu können, als indem er das Urteil eines Organs citierte, das für ihn die höchste Autorität zu sein scheint. In demselben wird darauf hingewiesen, wie gefährlich es für die Juden Galiziens werden könne, wenn sie den Tendenzen des „Zion" huldigen. — Nun, gegen die Dummheit kämpfen Götter vergebens — und Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Und uns nicht fürchten vor — den Antisemiten. E. B. Frankreich. pari». 15. August 1892. Die Tageszeitungen bringen Details über die von den Fachblättern.bereits signalisirte Methode der Cholera- Schutzimpfug des Dr. Haffkine. Derselbe hat an Meerschweinchen und Kaninchen Impfungen mit Reinculturen vom Komma-Bacillen vorgenommen, welche hiedurch, wie eine lange durchwegs gelungene Versuchsreihe Ibeweist, grgen das Choleragist.. absolut immun geworden sind. Dr. Haffkine hat auch sich und mehrere College« geimpft. Die nach der Impfung auftretenden Symtome sind dieselben, wie bei einem leichten Influenza-Anfall. Dr. Haffkine, welcher seit mehreren Jahren im "hiesigen Institute Pasteur arbeitet, beabsichtigt, nach Rußland zu ziehen, um dort den Werth der Schutzimpfung Praktisch zu studiren, und dann Indien, die Wiege der Cholera, zu besuchen. Pasteur hat sein Ansuchen bei der russischen Regierung befürwortet. — Ihre Lesern wird es nun interessiren, in Ergänzung dieses Berichtes zu erfahren, dass Herr Dr. Waldemar Mordcchai Haffkine ein russischer Jude und einer "der thätigsten und unermüdlichsten Zionisten auf hiesigem Platze ist. Voix. Paris, den 10. August 1892. Hier hat sich ein Palästina-Comitö aus jüdisch gesinnten und sehr reichen Männern gebildet." Der Obmann derselben ist der bekannte "Protector der palästinischen Colonien. Die Agenden leitet ein einsichtsvoller und für Zion warm fühlender Mann, der trotz seiner ausgebreiteten Geschäfte'sich Zeit für diese Volks-" Angelegenheit nimmt. Derselbe kennt auch Palästina und seine Einrichtungen ans eigener Aiischaunng. Die erste Aufgabe, welche sich das Comiü gestellt hat, ist, den Genossenschaften, für Bodenkauf in Palästina zu. helfen. Nachdem es Herrn Scheid gelungen ist, in Constantinopel die Erlaubnis zum Ankauf von 500.000 Dunam Bodens in Galiläa und im Ostjordaulan de z u erlangen, ist das Comitö entschlossen, allmälig den Boden von Golan und Baschan bis zum tobten Meere, in Galiläa aber nur einige kleine Grundstücke bei Saffed und Liberias .zu erwerben und zum Kostenpreise, der sich natürlich loegen des Massenkaufs sehr niedrig stellen wird, an obige Genossenschaften zu verkaufen. Das Comitö legt das Hauptgewicht auf das Ostjordanland (Golan und Baschan), weil es nicht will, dass sich die Masse der Colonisten in der Nähe des mittelländischen Meeres ansiedle. Die Aufhebung des Giwanderngs-Verbotes schlechthin will das Comit« vorläufig nicht anstreben, mn nicht wieder -einen regellosen Massenzuzug nach Palästina hervorzurufen, wie er im Vorjahre stattgefunden und zum Verbote geführt hat. "Vielmehr werden die einwanderungslustigen Personen und "Familien einzeln, insofern sie vom Comito als geeignet befunden werden, auf Grund -eines Certificates des Comitös von der tür- **) Da sich dieser Passus nur auf mich, resp. meine letzte Reise imAuftragedes „Admath Jeschurun" in Galizien und der Bukowina behufs -Gründung von Palästina-Colonisations-Bereinen beziehen kann, -erkläre ich, thatsächlich insoweit „Müssiggänger" zu sein, als ich nicht die Thätigkeit des Correspondenten der „I. W." und des verantwortlichen Leiters derselben, des Rabbiners Dr. Rahmer in Magdeburg ausübe, d. h. nicht denuncire, verleumde, schimpfe nnd .heuchle. Dr. Nathan Birnbaum. kischen Regierung die Bewilligung sich anznsiedeln und die Kaufbriefe (Kuschan) erhalten. Voix. Russland. Kischineff, den 2. (14.) Juli 1882. In einer höchst unangenehmen Lage befinden sich jetzt bei uns diejenigen, welche in sicherer Erwartung waren, bald nach Argentinien zn fahren. Die hiesigen Vorsteher der Emigrations-Gesellschaft haben ihre Ralle so gut gespielt, dass diejenigen Personen, welche die Ehre hatten, vor ihnen erscheinen zn dürfen und das Beitrittsgeld zu erlegen, so gewiss waren, künftig in Argentinien 511 sein, dass sie keine neuen Geschäfte mehr beginnen wollten und die begonnenen zu liguidiren sich bemühten. Die künftigen Emigranten, welche besser gekleidet zu den Vorstehern kamen, wurden freundsichcr ausgenommen, als die armen; man schilderte ihnen die Colonie in Argentinien in den herrlichsten Farben: überall gepflasterte Straßen, schattige Alleen, schöne Häuser und Gärten und noch andere gute Dinge, wovon in dem erwähnten Orte nichts vorhanden war. Die Höhe des Beitrittsgeldes war (jetzt ist es vielleicht nicht mehr) 3 bis lOo Rubel. Dabei pflegt es folgendermaßen hcrzugehen: man fängt mit einer großen Suinme an und läßt dann allmälig nach, so weit dies möglich ist. Hier ein Beispiel: Ein Jude aus Tiraspol (mit dem Namen desselben könnte eventuell gedient werden) kam zn den Vorstehern; er war gut gekleidet. Man verlangte 100 Rubel, nur dann könne er ausgenommen werden, cs seien nämlich sehr wenig freie Plätze vorhanden. Wie sehr unser Mann bestürzt wurde, kann man sich vorstellen, wenn man weiss, dass er sich sogar das Reisegeld nach Kischineff im Betrage von 3 Rubeln geborgt hatte und seine Familie aus Frau und 7 Kindern besteht. So waren einige hundert Familien nach Erlag des Beitrittsgldcs sicher gemacht worden, dass sie binnen Kurzen nach Argentinien fahren: jetzt ist das Geld ganz ausgegangen. Man hat auch einen neuen Vorsteher gewählt. Es ist merkwürdig, dass von den allen Emigranten, welche als Ackerbauer nach Argentinien gehen, nur ein kleiner Teil etwas von Feldarbeiten versteht, die meisten zu jeder Arbeit unfähig sind. Man erwartet hier mit Ungeduld den Abgesandten des Baron Hirsch, Herrn Feinberg, der aus Petersburg koinnien wird, die Sache der Auswanderung aus Bessarabien zu ordnen. E. F. Türkei. Jerusalem. 29. Juli 1892. Am 8. k. M. (15. Abh) wird in Rischon l'Zion das zehnjährige Gründungsfest der Colonie gefeiert werden. Es wurde ein fünfgliedriges Festcomit« gewählt. Selbstverständlich, wird auch eine Adresse an den Protector, Baron Edmund Rothschild vorbereitet. In Rischon l'Zion wird für die nächsten Tage die Rückkehr des Verwalters Bloch erwartet. Dann werden wohl bald daraus die Trauben in die Kelter gebracht werden und jeder Colonist den Preis seiner Trauben erhalten. Leider haben sich die Aussichten auf eine besonders glänzende Lese durch Regengüsse, Stürme und zu starke Hitzen erheblich vermindert; nichtsdestoweniger ist jedoch ein Steigen des Verdienstes in diesem Jahre zu erhoffen. Amithi. Chronik. Itapft it« XIII. hat sich einer angeblich socialistischen Publicistin gegenüber) Madame Severine, über den Antisemitismus ausgesprochen. Zwar versucht die Curie zu leugnen, dass der Papst soviel gesprochen hat, als Madame Severine behauptet und veröffentlicht, aber die Jntcrviewerin Seiner Heiligkeit hält ihre Aussagen -aufrecht. Was nun die päpstlichen Aeußerungen selbst betrifft, die unsere Leser aus den Tageszeitungen kennen, so sind dieselben trotz einiger Sätze von Liebe und päpstlicher Beschützung der Juden in früheren Zeiten — wozu wir viele Fragezeichen machen möchten — ganz und gar nicht erfteulich.