Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 16-17 (29.8.1892)
- Date
- 1892-08-29
- Page
- Seite 170 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 170. Selbst-Emancipation Nr. 16 u. 17. lii im größten Massstabc unternommene Ansicdlnngcn werden gelingen müssen, wenn nur der richtige Weg eingeschlagen werden wird. Sic wird gelingen müssen, weil alle natürlichen Vorbedingungen hiezu vorhanden sind. ' Palästina ist nach den Aussprüchen der größten wissenschaftlichen Autoritäten fruchtbar, mit einem wunderbaren Klima begabt, und gegenwärtig sehr dünn bevölkert, so dass es das Einrückcn des jüdischen Elementes und sein Borrückcn zum dominirenden Elemente des Landes möglich macht. Doch das sind Vorzüge, welche es mit anderen Ländern thcilt, und welche nur die Frage: „Warum denn gerade nicht Palästina entgegengesetzt werden könnten?" rechtfertigen. Aber es gibt andere Eigenschaften, welche es zu dem einzig möglichen Lande für unsere Zwecke, niachen, welche es weit über Länder mit derselben günstigen natürlichen Beschaffenheit stellen, welche direct die Frage: „Warum denn gerade Palästina?" beantworten. Andere Territorien mögen ganz passende Zufluchtsstätten für eine Augenblicksnoth sein, Palästina allein wird dem pietätsvollcn jüdischen Volke die Kraft zu seiner Regenerirung, zur Vollendung des Erlösungswerkes geben. Nur dort kann es den großen Sieg erfechten, den Sieg über sich selbst. Denn nur in Palästina werden die Juden dem Gelüste widerstehen können, zu ihren Golus- und Ghcttobeschäftigungen zurückzukehren, nur dort werden sie einen markigen Bauernstand, dem Kern einer jeden Nation, zu bilden im Stande sein. Im Cedernwald des Libanon wird das Hausse-Laisscgeschrei der europäischen Börsen verhallen, bevor es sircncnhaft lockend an die Ohren der jüdischen Bauern dringt. Und so wird es gut sein. ■ /) /? a / Original-Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien, den 15. August 1892. Der Katholikentag in Linz steht unter dem Zeichen des Bundes der Clerikalcn mit den Christlich-Socialen. Der Wortführer der christlich-socialen Antisemiten, Prinz Alois Liechtenstein fand ftcnetischcn Beifall. — Charakteristisch ist folgende Episode: Der Bürgermeistcr von Linz, ein auf das liberale Programm gewählter Aiann, erschien in der Bersammlnng des Katholikentages, und begrüßte denselben namens der Stadt auf das Freundlichste. Die „Neue Freie Presse" hält da; für einen „Mangel an Selbstachtung und sittlichen Ernst" und führt über die „Würde und Gedankenlosigkeit" der obcrösterrcichischcn Liberalen bittere Klage. Was geschieht nun? Der L i n z e r Gemeinderath erklärt einstimmig das Vorgehen seines Bürgermeisters für corrcct. Ein gcgentheiliges Vorgehen wäre tactlos gewesen. Die „N. Fr. Pr." hat durch diesen Beschluss eine Schlappe erlitten, die ihr zu gönnen ist. Die jüdischen Rcdactcure derselben sitzen in Wien und glauben die „Liberalen" in der Tasche zu haben. In Wahrheit aber tanzen nur die liberalen Inden nach ihrer Pfeife, den nicht jüdischen Liberalen fällt es gar nicht bei, den schönen Augen der Rcdactcure der „N. Fr. Pr." zu Liebe, die freundschaftlichen Beziehungen zu ihren clericalen Stammes- und Glaubensgcnosien abzubrcchcn. Das sind ihnen die Juden und das Princip der Gleichbercchttgnngnichtwerth. Dass dem so ist, beweistauch ein unscheinbares Inserat der „91 Fr. Pr.", worin ein Redacteur fiir ein deutschliberales Wochenblatt in der Provinz gesucht, und von dem Re-' flectanten verlangt wird, er möge seine „Confession" bekannt geben. Eiwarum denn? Wohl, weil auch die deutsch-freisinnige „Bosiische Zeitung" in Berlin scine^cit ein jüdisches Rcdactionsmitglicd wegen seines Judentums entlassen hat — was nebenbei erwähnt, den Herausgeber dieses Blattes nicht gehindert hat, jetzt seinen Namen unter den Buschhoff-Aufrus zu setzen. Hrakau, 12. August 1892. Gestern feierte der hiesige Thalmud- Thora-Verein. welcher im Jahre 1638, zur Zeit der ersten Ankunft der Juden in Krakau gegründet wurde, das Fest der Grundsteinlegung zu einem neuen Schulgebäude. Dasselbe war außerordentlich gut besucht. Den Grundstein legte der verdienstvolle Obmann, Herr Löbcl Löbenhaim, cs sprachen die Herren M. Rappaport und I. Krakucki. — Die Thalmud-Thora hat 500 Schüler, und ist mit einer deutsch-polnischen Nornialschulc verbunden. G. B. - Cirrnowitz, den 4. August 1892. Ihren Statuten gemäß feierte die jüdisch-nationale.Verbindung „Hasmonäa" den größten jüdischen Traucrtag durch eine Trauerrede, die vom Vereinsmitgliede stall. jur. Mayer Ebner im Locale der Verbindung vor einem zahlreichen Auditorium gehalten wurde und tiefen Eindruck aus dasselbe . machte. Deutsches Reich. Hcidelberg, 7. August 1892. Die akademische freie Verbindung „Badenia" hat der an sie hcrangctretencn Anregung, die jüdische Geschichte und Literatur zu Pflegen, freudig Folge geleistet. Einstimmig wurde beschlossen, vonr nächsten Wintersemester -ab, - alle 14 Tage ein Mitglied der „Badenia" einen Vorttag aus diesem Gebiete halten zu lasten. Offenbar ist damit in der Verbindung ein weiterer Schritt zur Kräftigung des jüdischen Selbstbewußtscins und Solidaritätsgefühls und daniit auch eine weitere Annäherung an das Nattonaljudentum geschehen. Krrlin, 20. Juli 1892. Herr Dr. Rahmer in Magdeburg*) leistet in seiner Nummer vom 15. Juli 1892 folgende kleine Dcnuiiciation : „So berichtet ein russischer Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums im „Üareüra", dass einige russische und deutsche Jünglinge unter der Acgide von Willy Bambus einen neuen nationaljüdischen Verein „Jung-Jsrael" gegründet und dabei Lieder in lateinischer und hebräischer Sprache gesungen hätten! Ist es nicht Pflicht des Curatoriums und des Lehrercollegiunis dieser Anstalt, ihr Augenmerk auf derartige Conventikcln ihrer Zöglinge zil richten und diese lieber anzuhalten, ihre Studien obzuliegcn." ' Zwar halten anständige Leute dcnunciren für unwürdig, aber über den Geschmack ist nicht zu stteiten, der ist eben zu verschieden; wir fürchten nur, Herrn Dr. Rahmer werde sein Denuncircn nichts nützen. Die „liberale Hochschule", an der-Männer wie Dr. Cassel, der Berttcter der parteilosen Wissenschaft des Judcntunis, Dr. Maybaum, der freisinnige, folglich tolerante Rabbiner wirken, wird schwerlich Kctzerrichter spielen. Auch abgesehen von der Toleranz muffen sich die Lehrer sagen, dass sie wohl den Einzelnen massregcln und recht empfindlich schädigen können, der bekämpften Partei aber dadurch nur neue Anhänger znführeii würden, denn nichts fördert eine Partei so sehr, als wenn sie Märtyrer ihrer UebeMugungen.aufznweisen hat. Dies war nur eine Nebenbcmcrkung, wir wollen uns heute nur fiir die vo^ügliche Reclame bedanken, die Herr Dr. Rahmer für uns macht. — Jawohl, Herr Dr. Rahmer! Trotz jenes Briefes, den Sie gedruckt haben, von einem Jerusalemer Obcrrabbiner, der nie in Jerusalem cxistirt hat, und in dem die Colonien als Schivindcl bezeichnet werden, gedeihen die Colonien in Palästina recht vorttefflich. Trotz der gefälschten Citate aus „Wo Hinaus", mit denen Ihre Gesinnungsgenossen in England arbeite» (hochachtbareMänner nennt sie Herr Dr. Rahmer), ist die jüdische Colonisation in Palästina die einzige, die im Gegensatz zu Argentinien and Nordamerika befriedigende Resultate liefert. Trotz aller Ihrer Warnungen vor dem Verein „Esra" hat dieser vor 7 Jahren von drei russischen Studenten gegründete Verein-heute mehr deutsche Mitglieder als irgend ein anderer jüdischer Verein in ganz Deutschland. Wir denken diese Thatsachcn sprechen für sich selbst! Man nennt die Antisemiten unsere besten Agitatoren, weil sie die Juden aufrütteln aus ihrem JndigerentismuS und zwingen, über ihr Judentum nachzudcnkcn; die Krone der Antisemiten ist aber in dieser Richtung der jüdische Antisemit in Magdeburg;**) gar Manchen, der unsere Gründe nicht hören wollte, haben die Gcgengründe des Herrn Dr. Rahmer in unser Lager getrieben und wir bedauern nur das eine, dass sein Blatt, die „Israelitische Wochenschrift" so ivenig gelesen wird, sonst könnten wir uns eine vollendetere Reclame für unsere Anschauungen nicht denken, als sie Herr Dr. Rahmer macht. Willy Bambus. Aus der proviuzpsftn. In Nr. 29 der „Israelitischen Wochenschrift", die mir verspätet zu Gesichte kam, ***) lese ich eine Corres- , pondenz, die unmöglich unbeantwortet bleiben kann. Als vor mehreren Monaten das genannte Blatt einen Artikel vom Stapel ließ, in dem es das Porträt eines Nationaljuden zeichnete, das in keiner Weise der Wirklichkeit entsprach, wurde demselben eine Erwiderung zu Teil, in der die Vlasphemicn und Lügen, die in demselben fiir Wahrheiten fcilgcboten wurden, widerlegt wurden. Doch die „Jsr. Wochenschrift" hat ihre unanständige Thätigkeit wieder ausgenommen. In der.erwähnten Correspondenz ’ weht der Geist (?) der antisemittschen Zeitungen und Broschüren. Es werden nämlich Behauptungen ausgestellt, Thatsachcn constattcrt, die jedes Beweises enttathen. Der Autor der genannten Correspondenz faselt von „unreifen Köpfen", die ihre Zeit nicht bester verwerten können zu scheinen, als indem sie Brandracketcn in das jüdische Lager werfen. Denselben scheint jedoch wenig bekannt zu sein, dass die „jüdischen Müffig- *) Nur die Rücksicht darauf, das Gesinnungsgenoffen in ihrem persönlichen Fortkommen durch das unqualisicirbare Vorgehen der „Jsr. Wochenschrift" gefährdet sind, und auf den Einsender,, veranlassen uns von unserem Vorhaben, diesesManncs nicht fürder Erwähnung zu thun, abzugchen. Die Redaction.. **) sich überzeugen will, dass Herr Dr. Rahmer von den Antisemiten als der Ihrige bettachtct wird, der lese die Zeitungen jener Partei, das „Volk", „Badischer Volksbote", „Neue Deutsche Zeitung" re. Das „Volk", Organ dcsHerrn Stöcker nennt Herr Dr. Rahmer wörtlich einen der größten Anttsemiten. Dieser Ausdruck redet Bücherl Der Correspondent. ***) Wir bekommen das Blatt seit dem letzten Rencontte überhaupt nicht vor die Augen. Die Red. K?! ’% I if