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Selbst-Emancipation · 1892-08-29 · Heft 16-17 (29.8.1892) · p. Seite 165

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 16-17 (29.8.1892)
Date
1892-08-29
Page
Seite 165 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 u. 17. Selbst-Emancipation Seite 165. Alle übereinstimmend immer dieselbe Klage: Solange ' Löwenthal dort war, dessen Wahl, als die eines getauften Inden zwar die unglücklichste Schrulle genannt werden muss, gieng es doch noch halbwegs, weil der Mann Verstand hatte und Land und Leute kannte, namentlich die Juden. Dann kam ein gewisser Rotter (?), ein höchst unsympathischer Mensch, und nun ist Sir Goldsmith da, ein englischer Militär, der aus der ganzen Geschichte eine förmliche Expedition ä la Friedmann-Midjan zu machen im Begriffe steht. Allen Unbilden des rauhen Winters im Freien, den Eidechsen und Jnsecten im Sommer ausgesetzt, bei Zwieback- Nahrung und einer Strafcolonie-Disciplin, werden die Leute von den Commissären ärger als von den russischen Korporälen, bei denen wenigstens die Kopeke Hilst, behandelt. Beklagen sie sich bei Colonel Goldsmith, dass man ihnen die Zähne ausgeschlagen habe, so ist die Antwort: „Ja a—a— er darf das thun. Die Disciplin erfordert das." „Aber, sind wir denn hier um Soldaten zu spielen?" — „Yes, die Disciplin ist sehr schön, sie ehrt den Mann." Dazu kommt, noch die Unduldsamkeit in religiösen Dingen. Das einzige disciplinirte Element sind doch die religiösen Juden, weil sie eben in einer strengen Disciplin auferzogen sind. Nun wird ihnen gepredigt: Schächter, Rabbiner u. dgl. leidet der Baron nicht. Samstag könnt Ihr feiern, wenn dadurch die notwendige Arbeit' nicht gestört wird, denn diese kennt keine Rücksicht, nicht einmal auf den Versöhnungstag. Das ist wohl eine lächerliche Intoleranz. Allen Respect vor dem Heroismus der Wohltätigkeit, wie er sich in de» Thatcn des Baron Hirsch offenbart, aber diese vulkanischen Eruptionen führen viele Schlacken mit, die ebenso viel zerstören, wie sie befruchten. D i e pecuniäre -Ueberlegenheit ist noch immer kein Beweis für die Üeberlegenheit des Systems. - In einem Lande, dessen Polizei notorisch aus den grössten Verbrechern gewählt wird, wo das Menschenleben icht meh r gilt, als das Messer, mit dem es aus der Welt geschafft wird, darf man nicht mit unglückliche» jüdischen Flüchtlingen cxperimentiren, und Colonien zu 8 Familien anzulegen, die von einander eine Viertelmeile entfernt sind. „Einen stattlichen Friedhof haben wir dort bereits" ertönt die Klage und wie viele sind unter dem Messer der halbwilden Spanier gefallen. „Kommen zwei solche Kerle bis an die Zähne bewaffnet, rufen den Hausherrn, dass er ihnen die Pferde halte, heißen sich Schnaps geben und vergewaltigen die Weiber, und die von der Feldarbeit zurückgebliebenen .männlichen Bewohner können froh sein, mit dem Leben davon zu kommen!" Was wird aus uns werden? Wovon werden wir leben? Was ist der Zweck unserer Arbeit? Sind wir denn Selaven oder Recruten, die zur Zwangsarbeit verurteilt sind? „Disciplin!" ist die einzige Antwort auf diese Fragen. Wenden wir uns von diesem trostlosen Bilde nach Palästina, wo es dem Baron Rothschild gelungen sein .soll, für Gilead, also für Palästina mit Ausschluss der Paschaliks von Jerusalem vom Sultan die Erlaubnis zur Vliilage von u7 Colonien zu erlangen.*) Die geräuschlose, aber bisher segensreiche Thätigkeit des alten Welthanses wird zwar auch nicht die ersehnte wahre Hilfe bringen, aber doch wenigstens Linderung ohne so schroffe Experimente. Adieu ihr ungastlichen Fluren an den fernen Gestaden des stillen Oceans, auf zu den Quellen des Jordan, in die üppigen Thäler anr Fuße des Libanon, Hormon und Sirion! Ahron Marcus. Nachbemerkung der Redaktion. Wir hätten gewünscht, dass es nie so weit gekommen wäre, dass wir diesen Artikel zum Abdruck bringen müssen — nicht um des .argentinischen Projectes wegen, sondern um des Colonel Goldsmid willen, von dem wir Besseres erwarteten. Noch *) Siche Correspondcnz aus Paris in dieser Nummer. Bon der Zahl 27 ist uns nichts bekannt. Brüdern unseren Plan zu empfehlen. Er würde den Bewohnern des heiligen Landes Gelegenheit bieten, den Bodenbau von uns zu erlernen, so dass sie der traurigen Lage, in Trägheit ihr Brot zu essen, enthoben wären. Wir beabsichtigen zugleich mit diesem ein Schreiben an die Leiter des Vorstandes zu senden, und deshalb bitten wir Sie, Ihren Einfluss auf unsere mildthätigen Brüder um unseretwillen geltend gu machen. Wir hoffen, dass mit Hilfe Ihres geschätzten Blattes hundert bedrängten Faniilien rascher Beistand gebracht wird. Wenn dieses Ziel erreicht wird, dann wird die Absicht Sir Moses Montefiore's verwirklicht, wozu schon eine große Summe Geldes gesammelt wurde. Es ist schon fürwahr die Zeit gekommen, wo etwas geschehen soll. In der aufrichtigen Hoffnung, dass Sie die Herzen der Judenfreunde zu Hilfe entflammen werden, erlauben wir uns, geehrter Herr uns zu fertigen: Abraham Weinfield, Präsident, Hirsch Grabn, Nisan Aubewitsch, Samuel Braunschwein, Abraham Schenberg, Gesellschaft zur Ansiedlung des heiligen Landes. Bukarest, 13. Ellul 5640. Mitglieder. Die Correspondenz, die diesem Aufruf aus Buckarest ihren Ursprung dankt, wird i.n Anhang**) gefunden werden gefunden werden und wird sich, wie ich hoffe, in der Tätigkeit, die in der Sache unternommen wird, offenbaren. Dass die Juden in England die Ansicht ihrer Glaubensgenossen in Rumänien teilen, kann einem Abschnitte aus ihrem Haupt- **J Anhang 11. organe in diesem Lande entnommen werden, der auf den letzten Wechsel in der Regierung anspielt und mit Rücksicht auf den Plan, den ich in der Pforte vorgelegt habe: „Es wäre zu wünschen, dass die liberalen Führer dem vorzüglichen Plane des Mr. Laurence Oliphant, betreffend eine friedliche, unpolitische Besitznahme einen Teiles von Palästina durch unser Volk, irgend eine Unterstützung, wenn auch nicht ofsiciell, zukommcn ließen, fo wie es die conservativen Autoritäten thaten. Eine solche Beipflichtung würde deutlicher als irgend etwas zeigen, dass dieser Plan vollständig jedes politischen Charakters entbehrt — eine sehr nötige Garantie für die ängstlichen ottomanischen Herrscher, die in allen Neuernngsplänen einen politischen Anhauch wittern. Die liberale Partei kann auf den Beistand _ der Juden in allen wichtigen Angelegenheiten, die eine Reform im Osten bentreffen, rechnen. Es steht für uns zu viel auf dem Spiele, als dass wir in der Sache gleichgiltig blieben, ein zu großer Teil unserer Brüder leidet schwer durch die gegenwärtige Lage der Dinge, als dass wir müßig blieben. Das Volk Englands — welches die Juden Englands in sich einschließt, ruft nach einer Reform im Osten im Namen der gesummten Humanität." („Jewisli Chroaide“ 9. April 1880.) Ich hoffte in der Tat, dass durch die Befähigung der Pforte, die Initiative in diesem Vorschlag zur inneren Reform zu ergreifen, jeder politische Anschein schwinden würde, da es ausschließlich englischem Interesse entsprang; denn es steht außer Frage, dass Alles, was gegen die Erhaltung der unerschütterlichen ottomanischen Herrschaft in Asien fiihrt, nicht nur im Interesse Englands, sondern auch im Interesse der Ruhe Europas liegt. (Fortsetzung folgt.)

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