Mannheim
Compact Memory

Selbst-Emancipation · 1892-08-29 · Heft 16-17 (29.8.1892) · p. Seite 164

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 16-17 (29.8.1892)
Date
1892-08-29
Page
Seite 164 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3092672-3092717-3092732--0988-3093993
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 16 t. Nr. 16 u. 17. Selbst-Emancipation Seit dem 15. Abh 5642 entwickelt sich die Colonisation Palästinas in ausgesprochen fortschreitender Richtung. Alle Hindernisse, seien sie welcher Natur immer, überwindet die unvergleichliche Ausdauer der von der Höhe ihrer Aufgabe durchdrungenen Colonisten, besiegt die Zähigkeit der von Begeisterung für die Sache der Wiedergeburt unseres Volkes erfüllten Zionsfreunde. Die Zionsidee bleibt Siegerin gegen alle Schwierigkeiten, sie triumphirt über ihre Widersacherund deren böse Vorhersagungen. Während Colonien, die in anderen Weltteilen und Ländern unter den großartigsten Opfern au Geld und unter Zustimmung der tonangebenden entjudeten jüdischen Kreise gegründet wurden, sich zumeist nicht halten konnten und bald austösten, bliihten die jüdischen Ansiedlungen Palästtna, die viel tveniger Unterstützung fanden. Das Gestrüppe wuchs auf dem Boden der heuttgen Colonie Eisclion rZion, als ihre Gründer dahinkamen; heute ist sie die „Perle der Colonien" ein paradiesisch schönes Weindorf. Heute zählt sie bereits 13 Schwestern, — abgesehen von. einigen kleineren Ansiedlungen, von den im Werden begriffenen Colonien. und mehren Gehöften jüdischer Grundbesitzer*). Fünf Personen zogen an jenem denkwürdigen 15. Abh vor zehn Jahren aus, um den. Grund zu Ewedon l'Ziou zu legen; heute sind 4000 Juden in den neuen jüdischen Dörfern wohnhaft und beschäftigt — von der Bildung großer jüdischer Stadtgcmcinden abgesehen. Heute stehen lvir vor der jüdischen Colonisation des Ostjordanlandes**). Noch ist viel, noch ist das Meiste zu thuu. Noch sind alle Teile unseres zersprengten Volkes für das große Zionswerk zu gewinnen, damit dieses ausgebaut werde, damit auf das Fundament auch die Stockwerke gesetzt werden. Noch sind Garantien der verschiedensten Natur für den Bestand der *) Wir bringen in der nächsten Nummer die Geschichte von „ttisebon l’Ziori“ mit einem Anhang über den gegenwärtigen Stand aller Colonien . .. , > **) Siche Correspondenz aus.Paris in dieser Nummer. , . ' Das Land Gilrad mit Ausflügen in den Libanon, von £oret%{ Oliphant. (2. Fortsetzung.) Wenn ein weiterer Beweis dafür nöthig wäre, dass die ..Juden sich zuin Landbau befähigt halten, und dass sie sich danach sehnen, in dieser Eigenschaft aus den Ländern, wo sie . gegenwärttg unterdrückt und verfolgt werden, auszuwandern, und dass Palästina jenes Land sei, worauf sie ihre sehnsüchtigen Blicke als auf ihre künfttge Heimat richten, so ist er in der Mittheilung des folgenden Briefes zu finden, der vom Vorsitzenden und den Mitgliedern einer unlängst — er ist datirt Bukarest den 20. August 1880.— in Rumänien gegründeten Gesellschaft an die „Jcwish Chroniclc" gerichtet wurde: An den Herausgeber der „Jewish Chronicle". Mein Herr! Wir haben lägst gehört, dass Sie immer bereit sind, Ihr geehrtes Blatt Wem zu widmen, was die Wolfahrt und das Gedeihen unserer Brüder betrifft und dass Ihre hehre Aufgabe der Fördenmg deren Interessen gilt, deshalb bitten wir, uns, die wir Ihre Hilfe aufsuchen, Gehör - schenken zu wollen. Die Widerwärtigkeiten, die die rumänischen Juden zu dulden gezwungen sind, kennen Sie wohl. Es ist ein Land, dessen Leiter in ihrem Eifer die Kinder Israels auszurottcn, den Wölfen des Waldes ähnlich sind. Mit schrecklicher Ausdauer suchen sie uns zu verfolgen; den einen Tag verfolgen sie uns unter dem Deckmantel des religiösen Eifers und den nächsten verwerfen sie diesen für sie lästigen Feldruf. Doch dann verbergen sie ihren Hass im chon bestehenden und noch zu gründenden Niederlassungen ii schaffen. Noch gilt es Opfer zu bringen und Rath zu halten. Wenn wir aber auf den bereits zurückgelegten Weg zurückblicken, so können wir hoffen, dass sich alles nach unserem Sehnen gestalten werde. Uud darum Dank allen jenen, welche es ermöglichten,, dass wir hoffen dürfen; Dank den Colonisten von Kischon l’Zion, welche den unglaublichsten Widerwärtigkeiten Standhielten; Dank den Colonisten der übrigen Ansiedlungen, welche dieselbe Hingebung zeigten; Dank den „Zionsfreunden", welche die Hände trotz kleiner Enttäuschungen und großen Anfeindungen nicht sinken ließen; Dank jenem edlen Manne***), der eine Ausnahme unter seinen Standesgenossen, sich den Sinn für das höchste Ideal Israels bewahrte und so vieles für die Colonien that und thut; Dank endlich der Vorsehung, welche unser Beginnen segnete. Möge ein gütiges Geschick auch die weiteren Schritte der Ziousfreunde lenken, auf dass der 15. Abh zum Ausgangspunkt einer neuen Epoche des Glanzes und der Wohlfahrt unseres Volkes werde. Wien, den 15. Abh 5652. „Disriplin!" Fiiiis Argentiniae! rufe ich aus. Ich habe den Hiobsposten keinen Glauben geschenkt, aber gestern habe ich mich zu meinem Leidwesen von der Richtigkeit derselben überzeugt. Ich traf 4 Auswanderer von den 150, denen es durch meine Vermittlung genau vor einem Jahre gelungen war, zu ihren Verwandten nach Moscsville auf Kosten des Baron Hirsch befördert zu werden. Aber welcher Schrecken, diese kräftigen, herrlichen Männer, als wandelnde Gespenster wiederzusehen ... ... ***) Baron Edmund Rothschild in Paris.. Namen der Staatswissenschaft, behauptend, dass Handels¬ und Geschäftsumstände des Landes sie zwingen, die Juden z-w unterdrücken, die den Wolstand Rumäniens aufsaugen, und viele andere Ausflüchte. So werden.wir fortwährend und hart angegriffen und unsere Geduld ist erschöpft. Deshalb haben wir uns nach reiflicher Uegerlegung entschlossen, das Land zu verlassen. Zu diesem Zwecke thaten wir uns in eine aus hundert Familien bestehende Gesellschaft für die Ansiedlung im heiligen Lande zusammen. - Jedes einzelne Mitglied ist im Bodenbau erfahren, und ist cs unsere Absicht nach Palästina auszuwandern um „den Boden zu bebauen und zu hüten". Die Mitglieder werden je 400 Francs zeichnen und die so subscribirte Summe von 40.000 Francs dem Vorstand der Abgeordneten nach London senden, zu dessen Zwecken es unter Anderem auch gehört, Sir Moses Montefiore ein Denkmal zu setzen. Wir möchten, dass der Vorstand in Palästina Land ankaufc und eine Colonie für uns aussuche und die dem Vorstand hieraus erwachsenden Kosten sollen von uns in zehn Jahren rückgezahlt werden, denn wir wünschen nicht, dass der Vorstand an uns Mildthätigkeit übe, die Summe soll uns vielmer blos als Darlehen gewährt werden. Das Project würde keine zu großen Kosten verursachen, da es jetzt ein Leichtes wäre, von der türkischen Regierung gegen einen zehnjährigen Vertrag Land zu erhalten und es würde genügen, wenn man zu den von uns als erste Rate gesandten 40.000 noch 20.000 oder 30.000 Francs hinzufügen würde. Mit Gottes Hilfe wären wir in der Lage, diese Schuld gänzlich zu tilgen. Bis dahin sollten Grund und Alles, was für die Kolonie angcschafft wurde, dem Vorstande als Sicherheit dienen. Es scheint uns auch von Vortheil zu sein, unseren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.