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Selbst-Emancipation · 1892-08-05 · Heft 15 (5.8.1892) · p. Seite 161

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 15 (5.8.1892)
Date
1892-08-05
Page
Seite 161 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15. Selbst-Emancipation Seite lßl. Aus denn Lager frtr Sorioldemokratie. In Lemberg begann am 8. v. M. die „Arbeiterstimme", „Organ der jüdischen Arbeiterpartei" zu erscheinen. Die Wiener „Arbeiter Zeitung" begrüßt in ihrer Nummer vom 22. v. M. das neue Blatt auf das herzlichste, indem sie von ihm wörtlich sagt: „Sie wendet sich an die Tausende von jüdischen Proletarien, welche der ärgsten Ausbeutung nicht nur, sondern auch dem Rassenhasse seit Jahrhunderten preisgegeben, außerdem das Unglück haben, keiner civilisirtcn Schriftsprache mächtig zu sein. Unsere galizischen Partcigcnosien, welche diese elendesten aller -elenden Proletarier aufzuklärcn und z» organisiren trachten, können des Dankes und der Unterstützung von uns allen gewiß sein." Mehr kann nicht gegen die Ersprießlichkeit des Socialismus in Bezug auf die Juden und für die Richtigkeit des Zionismus gesagt werden. Doch wir wollen uns hier nicht mit diesem Gegenstände befassen, den wir schon oft eingehend erörtert haben. In der Nummer vom 29. v. M. bringt nun die „Arbeiter-Zeitung" eine Correspondcnz aus Lemberg, worin erzählt wird, dass hier eine Irreführung vorliegt, dass die „Arbeiterstimme" nicht das „von den galizischen Genossen angekündigte jüdische Parteiorgan", vielmehr blos das Organ der Herren Jegcr und Popiel sei, und diese beiden allein die „jüdische Arbeiterpartei" bilden. Hierauf werden die moralischen und geistigen Fähigkeiten der beiden Männer in ähnlicher Meise geschildert, wie dies die Correspondcnz aus Lemberg in der vorliegenden Nummer thnt Wie dem auch sein mag, jedenfalls tritt die „Arbeiterstimme" als socialistisches Blatt auf. Es ist aber interessant zu sehen, wie sie trotzdem durch das starke Solidaritätsgefühl der Juden -genötigt ist, demselben Rechnung zu tragen. Das „Wecklicdele" mit seiner ersten Strophe „Steih' auf, Jidele, vin dein Schluss — vin Maarew klingt der Freiheit Ruf — gemg zntretcn. gcmq geplagt. — gemg gehuigert, genig gejagt — genig is Jakow gewesen ein Knecht — azind auf steih' mein Jidel zu streiten far Recht, — steih' auf, mein Jidele, vin dein Schluf, - vin Maarew klingt der Freiheit Ruf" klingt ganz warm national; freilich die Versicherung, dass der Ruf der Freiheit für die Juden vom Westen klingt, verräth, dass dem Dichter am allerwenigsten am „Jidele" gelegen war. Golusbliitrn. Herr I., ein Jude, sitzt in einen, Weissbierlocale Berlins. An einem Nachbartische liest ein Herr zweien Anderen aus der antisemitischen „Staatsbürgerzcitung" laut vor. Darüber beschweren sich Gäste, darunter aber nicht Herr I., beim Wirt, der den Unfug abstellt. Am Nachhausewege erhält Herr I. hinterrücks am Halse einen Stockhieb. Der Nachtwächter und andere Passanten eilen den Thätern nach. Es sind zwei der Herren vom Nachbartische und entpuppen sich auf der Polizeiwache als Beamte des deutschen Officiersvcreincs. i Herr I. geht mit seinem starken Blutgeschmulste am Halse euf die j Sanitätswache, wohin ihm die beiden Frechlinge unter Schimpfrcden, wie frecher Jude, feiger Denunciant folgen. — Am Gymnasium in Xort äs > Mas.-ion (Frankreich) stürzten sich einige Schüler nach der katholischen I Religionsstund unter dem Ruse „Nieder mit den Juden", auf ihren! Kameraden Nag net (Sohn des Senators) und prügelten ihn durch, i Der Religionslehrer wurde allerdings abgcjetzt. Recensionen. Misiborej Jissrnel. Von Rüben Brainin (Ausgabe von Ben-Avigdor), Warschau 1892. — Esisteine nichtchinwegznleugnendeThatfache, dass die Belletristik in der neuhebräischen Literatur verhältnismäßig Gesinnungsgenosten I Die hebräische Sprache hat durch die unerniiidliche Arbeit hervorragender Schriftsteller in den letzten Jahrzehnten eine ungeahnte Entwicklung genommen. Ohne an ihrer ursprünglichen Kraft und Groß- -artigkeit etwas eingebüßt zu haben, genügt sie nunmehr allenAnsprüchen des modernen Lebens. Sie vermittelt in Tagesblättern die Kenntnis der Ereignipe, in Werken Bildung und Wissen und dient den, geschäftlichem und anderweitigem Verkehre. Umso bedauerlicher ist es, dass die hebräische Sprache trotz dieser Entfaltung großen Kreisen des jüdischen Volkes fremd ist, ja, dass sogar solchen, welche sich gerne mit ihr besagen würden, die Gelegenheit hiezu abgeht. Diese aber mangelt nur deshalb, weil die Erlernung des -Hebräischen gegenwärtig ein mühsames Pfadfinden durch einen Urwald der verschiedenartigsten Literaturdenkmäler ist, welches ein oder zwei Jahrzehnte in Anspruch nimmt. Nichts steht jedoch im Wege, die Errungenschaften der Pfadfinder in einem Sprachwcrke zusamincnzufassen und so dem Publikum ein Mittel in die Hand zu geben, die hebräische Sprache vom rein sprachlichen Standpunkte,mit verhältnismäßig geringer Mühe und in verhältnismäßig kurzer Zeit zu erlernen. Ein solches Sprachwerk soll der Briefliche Sprach- und, Sprech-Unterricht 11892 zur Erlernung der hebräischen Sprache von Rüben Brainin und vr. Nathan Birnbaum werden. In mindestens 80 Briefen, von welchen monatlich zwei, und zwar je einer ain Anfänge und in der Mitte des Monats, erscheinen, wird der Lernende allmälig dem Lehrziele zugeführt, die hebräische Sprache lesen, schreiben und sprechen zu können. Die hebräische Grammatik. Stylistik und Conversation 'werden in abwechslungsreicher Vertheilung dem Lernenden beigebracht. Ucberfiüssige Regeln werden vermieden, die gegebenen find kurz und klar. Die nothwendigen Erklärungen und Abhandlungen enthalten in gedrängter Kürze die Quintessenz der bisherigen Resultate der hebräischen - Sprachforschung. In den späteren Briefen wird der Lernende auch mit der hebräischen -Literaturgeschichte vertraut gemacht und lernt hiebei zum besseren Verständnisse eine Auslese der besten Leistungen der hebräischen Classiker der verschiedenen Epochen kennen. Am Schluffe des ganzen Unterrichtes verfügt der Lernende über -einen ungemein großen Wortschatz, wird aber wol dennoch freudig das hebräische Wörterbuch begrüßen, welches den ganzen Begriffevorrat der modernen.Menschheit umfassen soll und dessen -Herausgabe nach derjenigen des „Brieflichen Sprach- und Sprech-Unterrichts" beabsichtigt ist. Der Lernende ist davor behütet, durch alberne und sinnlose Uebungssätze, wie sie in anderen Sprachbüchern im Gebrauche sind, die Lust am Lernen zu verlieren. Er treibt vielmehr von allem Anfang an classische, anmnthige und fesselnde Lectüre, indem sich durch den ganzen Unterrichts-Cursus eine herrliche Erzählung eines berühmten hebräischen Romandichters der Neuzeit hindurchzieht. Jede Fortsetzung derselben bildet die Grundlage für die sprachwigenschaftlichen Ausführungen und Erörterungen des betreffenden Briefes. Gewisse Einseitigkeiten und Jrrthümer anderer Sprachbücher werden dadurch vermieden, dass der „Briefliche Sprach- und Sprech-Unterricht", wie oben ersichtlich, zwei gemeinsam arbeitende Verfasser hat, von welchen der Erstangeführte die hebräisch-sprachliche, der Zweite die deutsch-sprachliche Seite des Unternehmens in, wie wir hoffen, vertrauenswürdiger Weise vertritt. Das Deutsche nicht vollständig beherrschende Schüler werden, was jedenfalls erwähnenswert ist, durch die Unterrichtsbriefe auch in der deutschen Sprache sich zu vervollkommnen Gelegenheit haben. Durch den „Brieflichen Sprach- und Sprcch-Unierricht" wird man in den Stand gesetzt, bei höchstens einstündigeni genuss- und abwechslungsreichen Studium im Tage, in längstens 2‘/-, Jahren die hebräische Sprache zu erlernen. Der „Briefliche Sprach- und Sprech-Unterricht" ist also für erwachsene Personen — und diese allein haben die zur Erlernung einer ihnen fremden Sprache nothwendige Geistesrcife — bequemer und gründlicher, als der mündlich ertheilte; zugleich verursacht er weniger Kosten. Jeder Brief ('/-, Bogen stark) kostet 20 Kreuzer öst. Währ, (für Abonnenten der „Selbst-Emancipation" 17 Kreuzer) und kann einzeln bezogen und bezahlt werden. Zahlstellen werden auf geeignete Weise bekannt gemacht werden. Der erste Brief erscheint Mitte Oktober 1892. Durch Einsendung des bezüglichen Betrages vor 3k. August erhält man: 1. den ganzen Cursus (mindestens 80 Briefe) um . fl. 10.— 2. die ersten 40 Briefe (mit Einräumung gleicher Er-! Mäßigung bezüglich des Restes bei rechtzeitiger Einsendung des! Betrages) um.fl. 6.—! 3. die ersten 20 Briefe (mit analoger Einräumung) um fl. 3.20! 4. die ersten 10 Briefe (mit analoger Einräumung) um fl. 1.65! 5. die ersten 5 Briefe (mit analogerEuiraumung) um fl. — .85 Wer zwischen 1. September und 31. December d. I. 12 sl. einsendet, erhält den ganzen, wer 7 fl. einsendet, den halben Cursus (40 Briefe.) AUe Jene, welche von diesen Segiinstigungr» keine» Gebrauch mache», jedoch die Sriefe beziehen wollen, werden gebeten, die Absicht de» Bezuges umgehend anzuzeigen, damit die Herausgeber eine» «ugefähre» Lleberblickr über die Größe der Austage erhalten. Abnehmer von mindestens 10 Exenyilarcn erhalten IO»/» der durch ihre Vermittlung einlaufenden Gelder. Gesinnungsgenossen! Durch das Erscheinen des „Brieflichen Sprach- und Sprechunterrichtes" ist Euch, soferne Ihr die hebräische Sprachenoch nicht könner,dicGelcgenheitgeboten, sie leicht und gründlich zu erlernen. Ebenso habet Ihr die Gelegenheit, durch eifrige Propaganda für das neue Sprachwerk, durch Aufnahme von Subskriptionen auf dasselbe, zur Verbreitung der hebräischen Sprache wesentlich beizutragen. Nützet beide Gelegenheiten reichlich aus! Gestnnungagenosten! Fördert das Unternehmen ans jede Euch mögliche Weise! Anmerkung: Brief- und Geldpostsendungen >,nd zu richten an die Redaktion der „Selbst-Eniancipation", Wien, II, 3, Malzgasse 4. Die Preise stellen sich in Rußland mit ebenso viel Rub. und Kop. als Gulden und Kreuzer in Oesterreich, im übrigen Ausland, mit Ausnahme Deutschlands, mit dreimal so viel Francs und Cents.; in Deutschland nach Cours.

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