Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 15 (5.8.1892)
- Date
- 1892-08-05
- Page
- Seite 162 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3092672-3092717-3092731--0985-3093989- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 162. Selbst-Emancipation Nr. 15. sehr schwach entwickelt ist. Woher dies kommt, ist eine vielerörterte Frage, die wir hier nicht zu lösen haben. Die Thatsache an sich ist höchst bedauerlich, da bei dem Mangel einer schönen Literatur dem Bolle ein wichtiges Bildungsclcment abgeht — jenes Element, welches speciell auf das Volksgemüth wirkt. Umso größer ist das Verdienst des Mannes, der es unternimmt, einen solchen Uebelstand zu beseitigen. Bcn-Avigdor (L. Schalkowitsch) hat die glückliche Idee gehabt, eine Pfennigbibliothek (Lsitre agorah) herauszugeben, welche es dem lesenden Publikum ermöglicht,j um einen Spottpreis belletristische Arbeiten anerkannter hebräischer Schriftsteller zu lesen. Es handelt sich natürlich nur um kleinere Novellen, Skizzen und Gedichtsammlungen, aber gerade das macht dieses Unternehmen noch volkstümlicher. Die Ssifre agorah finden auch allerseits Anklang. Soeben ist das zwölfte Heftchen erschienen, welches wir in der Ucberschrist genannt haben. Es macht seinen Vorgängern ebenso Ehre, wie diese ihm. Der Versasicr, Rüben Brainin, ist den Lesern unseres Blattes bekannt, ebenso seine Schreibweise, soweit sie durch die Uebersetzung von ihrer Originalität nicht einbüßt. Sie erinnert an die Malweise jener Künstler, welche alle Details ihrer Bilder mit gleich hingebendcrLiebe, mit gleichmäßiger Feinheit behandeln und dabei doch eine schätzenswcrthe Gesammtwirkung erzielen. Auch dns vorliegende Bändchen zeichnet fich durch diesen Vorzug aus. Wir gestehen aber, den Verfasser denn doch nicht gekannt zu haben. Als wir die Ankündigung des kleinen Werkes lasen — Migiborej Jissrael („Von den Helden Israels") — meinten wir, wir würden eine kleine Wopöe in die Hand bekommen, mit Josua beginnend und mit Bar Kochba schließend. Wie konnten wir den Verfasser so verkennen? Uns hätte ja bekannt sein sollen, dass er, wiewohl ein Bewudcrer des jüdischen Altertums und kein besonderer Freund der jüdischen Gegenwart, dennoch seine Stoffe aus letzterer holt, indem er mit unwiedergcblichem Erfolge die Schätze aufsucht, welche die Judengaffe birgt in dieser Welt von Elend und Verkommenheit die jüdische Seelenreinheit auffindet und enchüllt, die „Helden Israels" entdeckt. Ja, das find seine Helden,—arme, ehrliche, mühebeladcne Menschen, welch, umringt von einer Schaar hungernder Kinder, ihren fittlichen Halt, ihre geistige Spannkraft, ihren Drang nach Vorwärts, nicht verlieren, welche in der bittersten Roth und im größten Unglück Würde und Ernst bewahren, nie pöbelhaft werden. In dem vorliegeuden Merkchen, das uns eine einfache, unvcrwickelte Geschichte eines armen, strebsamen Arbeiters erzählt, gibt es Stellen, welche den Gegensatz zwischen Arm und Reich, zwischen dem darbenden Arbeiter und dem — Mastbürger, würden die Socialisten sagen, grell genug zeichnen, so die geradezu mit dramattscher Kraft ausgestattete Stelle, wo der Held der Geschichte, ein armer Ofenmacher, von ttefer Entrüstung gegen den herzlosen reichen Geizhals gepackt wird. Und dennoch kann es keine schärfere, wirksamere Antwort auf die Versuche des internattonalen Socialismus, dem jüdischen Volksbewußtsein, wie jedem anderen, ein Ende zu machen, geben. Ein Voll mit solchen Helden muss bestehen bleiben, darf seine Eigenart nicht verlieren, — im Interesse der Menschheit und im eigenen Interesse. — lieber die Sprache des Büchleins zu reden, wäre überflüsfig. Der Name des Verfasser bietet diesbezüglich genügende Garantten. X. B. Korrespondenz der Wedaction. Wir besitzen gegenwärttg einen so großen Vorrath an Auffätzen, dass wir unsere geehrten Herren Mitarbeiter bitten müffen, die Einsendung von solchen für kurze Zeit einzustellen. Diese Bitte gilt aber nicht bezüglich Correspondenzen. Cravatten-Nadeln, ein _ „Magen David“ vorstellend, zierlich, sämmtlichen Gesinnungsgenossen als ein höchst passendes, einfaches und bescheidenes Parteiabzeichen aufs Dringlichste empfohlen, sind beim Vereine „Zion“ Lemberg (Krakauerplätz Nr. 11) erhältlich. " Preis 12 kr. — aus Silber 35 kr. ■■■ (Versendung ausserhalh Lembergs 3 kr.) Im Verlage von Jacob Ehrenpreis in Lemberg ist soeben erschienen: Process Buschlioff m i t Busch h off s Bild n i s s. (Vorgeschichte, Processverlauf, Ereignisse nach dem Processe) in jüdisch-deutschem Jargon Preis 15 kr. 50 Stück 5 fl.; 100 Stttck 7 fl. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Nathan Kirnban m. Zsitrs agorah herausgegeben von Ben-Avi gd o r (L. Schalkowitz, Warschau, Nowolipki Nr. 32). Die einzelnen Heftchen enthalten belletristische Originalarbeiten der besten hebräischen Schriftsteller der Gegenwart. Jeden Monat erscheinen zwei Heftchen. Preis eines Heftchens: 10 Kreuzer ö. W. Bestellungen sind zu richten an den Verein „Zion46 VE" in LEMBERG, Krakauerplatz Nr. 11 welcher die unentgeltliche Agentur übernommen hat Bis jetzt sind erschienen: 1. „Mir’chobh haj’budim“ I.: „Leah mochereth hadagim“ von Ben- Avigdor. 2. „Sehne chesionoth“ : a) „schthe anachoth“, b) „ Moscheh“ odet1 „Sch’loscheth han'bhiimu von demselben. 3. „Jiskor“ von David Frischmann. 4. „Kinor Jeschurun“, 1. B., von Samuel L. Gordon. 5. „Mir’chobh haj’hudim“ II.: „Ahabhah, w’chobha“, l. B., von Ben-Avigdor. 6. „Mir’chobh haj’hudim“ II.: „Ahabhah“ w’chobha“, 2. B., von demselben.- 7. „Sohne olarnoth“: oder „Baal hachalomoth“ von Sfrn. 8. „Th’munoth w’zijurim“: a) „Hajachas11, b) „Hassafruth b’thor schadchon“ von J. Ch. Tataiew. 9. a) „Hai'lemeth“, b) „Min’ginath has’man“, von J. L. Perez. 10. „Miiohok hachajim“ I.: „Hanagar hanaor“, 1. B., von G.—a. 11. „Mischok hachajim“ I.: „Hanagar hanao“, 2. B., von demselben. 12. „Migibore Jissrael“ von B. Brainin. Eil Mnppos, äeittto Staatsbürger.... . sucht eine Stelle als C’autor, entweder dauernd, oder für die hohen Feiertage. Derselbe ist musikalisch gebildet, besitzt vom Conservatorium und von ersten Autoritäten die besten Zeugnisse und Empfehlungen. Ausser einem vorzüglichen, kräftigen Tenor, stehen demselben die Kenntnisse in der hebräischen Sprache in reichem Masse zur Verfügung. Gef. Offerten wolle man richten an die Expedition dieses Blattes unter W. Th. Str. 3. Im Verlage von ’W- Jawitz, Jerusalem, sind erschienen: ALBUM (AI schoschanim), enthaltend natürliche Blumen aus dem heiligen Lande in gepresstem Zustande und geschmackvoll arrangirt, und, jedem Blumenbilde entsprechend, hebräische Gedichtchen von Jehuda Halevy und dem Herausgeber. Heajata-, Gratnlatioisnni CoiJatalartei mit natürlichen gepressten Blumen aus Palästina. Zn beziehen durch die Redaction der,,Selbst-Emancipation“.. Preis des Albums: i II. 50 kr., einer Karte 12 kr. (eines Dutzends 1II.}. — Druck vo» (Dito Krück, Wien, IX., Ulaximiiianplatz 4—S.