Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 15 (5.8.1892)
- Date
- 1892-08-05
- Page
- Seite 158 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3092672-3092717-3092731--0981-3093985- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 158. Selbst-Emancipation Nr. 15. Wie gesagt, es ist in letzter Zeit jenseits des Atlantischen Meeres ein Umschwung zum Besseren eingetreten. Ich will hier ans einer englisch-amerikanischen Zeitung einige Stellen eines Briefes wiederzugeben mir erlauben. Der Brief ist an den Herausgeber des „Hebrew Journal" als eine Antwort auf einen den Zionsfreunden feindlichen Artikel des „Amerikan Jsraelite" gerichtet. Ich entnahm demselben nur thatsächliche Angaben, die mir auch sonst aus anderen Quellen bekannt sind, welche sich aber hier zusammengestellt finden und so uns einen Ueberblick über den Fortschritt,, den. die zionistische Bewegung in letzter Zeit in Amerika gemacht hat, liefern. Der Schreiber sagt: Seine (des Verfasser des den Zionisten feindseligen Artikel! Ansichten würden sich ändern, wenn er wüßte, dass das Gros der Juden New-Iorks nicht nur für die Mckkehr nach Palästina betet, sondern dass sie eifrig daran arbeiten, selbige auf natürlichem Wege zur Thatsache werden zu lassen. Er würde sich sofort überzeugen, wie falsch seine Behauptungen sind, wenn er besuchen würde: Sonntag abends ein Meeting der „Chov.-Z.“, Dienstag abends ein solches der „Bnotli Zion“, Donnerstag abends ein Meeting der „Scliowe Zion Nr. 1“, ferner am Sonnabend abends ein Meeting der „Seho-we Zion Nr. 2“ oder der „Bnej Zion“, oder am besten, wenn er einen Spaziergang machen würde zur jüdisch-nationalen Bibliothek 189 Henry street, an irgend einem Abend, mit Ausnahme der Freitag- Abende und dortselbst irgend einen Ben Zion consultirte. Allerdings finden sich hie und da unter den.sogenannten Orthodoxen auch .Gegner ' der zionistischen Gesinnung, sie bilden aber nur die Ausnahmen. Jeder denkende Mann, der Unterricht im Hebräischen oder der jüdischen Geschichte genossen, ist in unseren Kreisen zu finden. Nicht nur würden sie bereit sein, selbst im Zwischendeck die Reise nach Palästina zurnckzulegen, sondern ungefähr Tausend von ihnen zahlen auch einen Dollar wöchentlich und werden fünf. ■ oder sechs Jahre fortfahren so zu thun, bis sie auf korporativem Wege in den Stand gesetzt sein werden, ackerbauende Colonisten in Palästina zu werden rc. rc. rc." Man sieht also, es geht kein Tag in New-Iork vorüber, an dem nicht eine zionistische Versammlung abgehalten wird. Wenn dies bei uns nicht der Fall ist, so ist dies darin zu suchen, dass uns die geeigneten Personen fehlen. Die Leiter der „Chov.-Z.“ mögen für die Colonisaüonssache jedwelcheCompetenz besitzen für die Popularisirung zionistischer Ideen können sie auch beim besten Willen wenig thun. Falsche Propheten nützen diese Sachlage aus und im Osten Londons ist der jüdische Boden von allen nichtswürdigen fin de siecle- Lehren durchseucht und getränkt, so, dass jedem aufrichtigen Freunde unseres .Volkes das Gebet auf die Lippen sich drängt: Mögen wir von der Katastrophe verschont bleiben, wie sie jetzt als Nemesis der Vernachläßigung durch das Ereignis im Streikgebiet Pittsburgs zum Ausbruch gekommen ist. Allerdings fehlt es auch bei uns nicht ganz an Zeichen des Erwachens und wenn diese Zeichen richtig von den maßgebenden Kreisen gedeutet werden, so ist noch Hoffnung vorhanden, dass der gegenwärtige Zustand gebessert wird. Von den Erwachen, welches aus dem Volke selbst ausging, behalte ich. mir vor, in meinem nächsten Briefe zu sprechen. Hier will ich mich darauf beschränken, mitzuteilen, dass letzthin auch die Leiter der „Chov.-Z'“ erkannt haben, dass mehr für Popularisirung der Eolonisationsidee gethan werden müsse und den Beschluss gefaßt haben, dass es ratsam sei, in die Provinz Redner zu entsenden, um die Bestrebungen der Chov.-Z. zu erklären und dem Volke näher zu. bringen. Allein die Bewohner der Metropole haben es ebenso nöthig wie. die-Provinzialen, dass-ihnen die Principien des Zionismus verständlich gemacht werden. Hier ein Beleg, hiestir. Die letzte Ausgabe dB- „Jewish Ehronicle" bringteinen Brief eines Herrn, der. sich: als- „Freund Zions" bezeichnet Jn> diesem Briefe fragt dieser Freund Zions, wieso eigentlich die „Chov. Z.“. es wagen können um Geldspenden für den Landankauf in Palästina an das Publikum zn apelliren, während doch das Land ohnehin uns gehört, da Gott dasselbe unseren Ahnen als ewigen Besitz für ihre Nachkommen verliehen habe! „Wozu" — fragt dieser praktische und geschäftskundige Engländer — „sollten wir Geld für ein.Ding zahlen, das uns als unser Erbgut gehört?!" Aber auch abgesehen von dieser Geschästserwägung, fragt der Brieffchreiber, ob es überhaupt nicht wie ein Fehlen des Vertrauens auf Gott gleichkomme, Land in Palästina zu kaufen, während Gott mit seinem Worte versprochen hat, uns Alle zu erlösen. Ferner heiße es ja im Gesetze Mosis (Leviticus), dass kein Land in Palästina verkauft werden dürfe (was wahrscheinlich auf einem Missverständnis der Worte: „w’hoarez lo ssimocher lizmissus“ beruht). Ferner heiße es in der heiligen Schrift, dass Juda und Ephraim zusammen die Mckkehr nach dem heiligen Lande anzutreten haben würden. Ja, die Redaction der angesehensten jüdischen Zeitung, als welche „Jewish Ehronicle" sich unlängst selbstgefällig preisen ließ, brachte diesen Brief nicht etwa in einer humoristischen Ecke, sondern als ernsten Brief an der Stelle, wo andere ernste Beiträge der Correspondenten zum Abdrucke kommen. Ihren Correspondenten erinnert diese Anschauung des Briefschreibers von „Jewish Ehronicle" an eine Anccdote, die er einmal irgendwo gelesen, und welche hier zu Nutz und Frommen Ihrer Leser wiedergegeben sein mag. In einer Jcschibhah weckte einst der Rector (ßoseh Jeschibhah) einen Talmudjünger ans dem Schlafe, um zum Morgengebete in dem benachbarten Bethause zu erscheinen. Als der Bachur sich weigerte, sein Lager zu verlassen, ermahnte ihn. hiezu der Lehrer, indem er ihm sagte: „Denke daran, dass Dein guter Engel oder Jezer tobh sich jetzt in einem harten Kampfe mit dem bösen Dömon (dem Jezer ra) befindet. Ersterer will, dass Du zum Gebete.anfstehst; der andere hält Dich davon zurück. Sieh zu, dass Dein guter Engel nicht im Kampfe unterliegt, sondern als Sieger aus demselben hervorgehi." Hierauf der Schüler: „Wie? Mein Jezer tobh mit meinem Jezer ra im Kampfe, o wie interessant! Nun ich habe volles Vertrauen in meinen guten Engel, ich brauche nicht um den Ausgang besorgt zu sein. Ich werde ruhig diesem interessanten Wettkampfe zusehen." Sprach's und lehnte sich in seinem Bette zurück, und ohne auch nur an's Aufstehen weiter zu denken. — Sie werden den Schluss meines Briefes entschuldigen, da es oft wirklich, um mit den Worte des Römers zu reden, schwer ist, eine Satyre nicht zu schreiben. Ben Arjeh. OriginaL-Correhrondenzen. Oesterreich-Ungar». Mien, den 1. August 1892. Die „Ocsterreichische Wochenschrift" des Abgeordneten Dr. Bloch, welche bekanntlich den Kampf gegen den. Antisemitismus mit großer Heftigkeit führt, brachte kürzlich einen Artikel „Aus dem katholischen Talmud", worin Stellen aus katholischen Schriftstellern, welche unsittliche Lehren enthalten, cittrt waren. Die betreffende Nummer des Blattes verfiel deshalb der Confiscation. Dr. Bloch erhob Einspruch und wies bei der Verhandlung auf die vielen antisemitischen Verunglimpfungen des Talmud hin, die unconfiscirt bleiben. Der Gerichtshof wies jedoch den E i n s P r u ch z.u rück und b e st ä t ig t e das C o n f i s c a t i o n s e r k e n n t n i s mit der Begründung, dass er nicht zu untersuchen habe, ob andere journalistische Unternehmungen in entgegengesetzter Richtung eines Verschuldens geziehen werden können, d a s sei Sache der Staatsanwaltschaft; cs handle sich nur darum, ob im vorliegenden Falle die Lehren und das Akoralsystem der katholischen Religion herabgcwürdigt worden seien, nnd. das müsse bejaht werden. Der New-Iorker deutsche Gesangverein „Arion" machte der Wiener Theater- und Musikausstellung einen Besuch: Der Reichsrathsabgcordnete Dr. Jaques, Functionär des Ausstellungs-Comites, hielt eine Begrüßungsansprache, worin er unter Bezug auf das amerikanische Deutschtum wörtlich sagt: „Unter der Herrschaft dieser Gleichberechtigung ist es un s er en cingewanderten. S t a m m e s geno s sen möglich; sichihre