Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 15 (5.8.1892)
- Date
- 1892-08-05
- Page
- Seite 154 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3092672-3092717-3092731--0977-3093981- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Lod 1× ep/1045074
OCR text
Seite 154. Selbst-Emancipation Führer. Sie benützen die Ehrenstelle, an der Spitze jüdischer Corporationen zu stehen, für ihre assimilatorischen Sonderzwecke, ohne Rücksicht darauf ob ihr Wirken für das Judentum oder einen Teil desselben, ersprießlich ist oder nicht. Uebelstände werden ganz einfach negirt, ihre Folgen durch Palliativmittel zu beseitigen versucht. Man entwickelt nur Energie wenn es gilt, — gewählt zu werden. Wie viele jüdische Vorsteher existieren, die vom Judentum gar keine Kenntnis haben, wie viele verdanken ihre Ehrenstelle mehr diversen Umständen als der geistigen und sittlichen Befähigung, sie zu bekleiden. Solche Verhältnisse existieren zwar in der ganzen Welt, was aber bei anderen zuni wenigsten einflusslvs, unschädlich ist, ist im Judentum nnd für dasselbe gefährlich. Wir können in solchen Fällen alles verlieren. Der Jndifferentisnms derjenigen Juden, die durch Umstände welcher Natur immer eine hervorragende Rolle im öffentlichen Leben spielen, übt einen verheerenden Einffuss auf das Judentum aus. Abgesehen vom eigenen Abfall wirkt das gegebene Beispiel auf die Leute. Der Weg zur Taufe und zur Confessionslosigkeitscrklärung ist die Folge davon. Fragen, ob das Ziel richtig, löblich, vernünftig und anständig ist, ob die christliche oder eine andere Kirche wahrer, besser, oder vernünftiger als die jüdische ist, ob die Confessionslosigkeit glücklicher macht als Gottesglaube, werden nicht gestellt; ohne Rücksicht auf Moral und Logik werden die wichtigsten Schritte gemacht, ernste Prüfung des Ziels kennt man nicht, auf die Consequenzen des Vorgehens wird nicht geachtet. Ein jüdischer Führer muss sich seines Judentunis stets bewusst sein, er muss Jude mit Leib und Seele aus inniger wahrer Ucberzeugnng sein, dann ist er befähigt, an alle Fragen, die das Judentum tangiren, teilzunehmen, dann hat er das Recht, auf Vertrauens- und Ehrenstellen zu reflektieren, dann wird er auch alle Unternehmungen, die das Judentum günstig beeinflussen können,, unterstützen und durch seinen persönlichen Einfluss fördern. und Hilfe verschiedener Könige und Machthaber, würde genau jener Stelle in Jsaias, C. 49, V. 22 und 23 entsprechen, wo es heißt: Die Völker werden die thätigen Werkzeuge der Wiederherstellung sein, Könige und Königinnen die Hauptthätigcn. Siehe auch C. 60, V. 3, 4, 5; C. 66, V. 20. Ich würde nur wünschen, dass eine fähigere Feder über diesen Gegenstand schreiben würde als die des M. H. Birnebaum." Es wurde eingewendet, dass die Juden kein Ackerbau treibendes Volk seien, und dass jeder Versuch, durch ihr Dazuthun landwirthschastliche Hilfsquellen zu entdecken, mißlingen müsse. In erster Reihe würde ich Vorschlägen, sie als Landbesitzer. nicht als Landbebauer in Palästina einzuwandern, eiuzuladen, wo sie, wenn sie wollten, ihr eigenes Land zu hohem Preise den einheimischen Farmern verpachten könnten?) anstatt den Bauern auf Feldfrüchte ' Geld zu 20—25 Percent zu leihen, wofür sie keine Bodensicherheit haben. Doch ist es wahrscheinlich, dass die Aussicht auf großen Ertrag ihrer Capitalsanlagen sie bald hazu bewegen würde,'sich landwirthschastliche Kenntnisse zu allen praktischen Zwecken anzueignen. In Lydda, zehn Meilen von Jaffa, haben sich unlängst auf einer Fläche von mehr als 2000 Acker Landes fünf und fünfzig jüdische Familien niedergelassen, welche sie mit großem Erfolge bearbeiten; es waren Sephardim und Askenazim?) In der That findet man unter den Sephardim in Palästina viele-vorzügliche Landwirthe. Im Bezirke Acre stieß Lieutenant s) Wir könnten das nicht billigen. Die Redaction. ') Dass die jüdischen Colonien von Jahr zu Jahr größere Fortschritte machen, erhellt ans authentischen Berichten von den einzelnen Colonien, die in der „Selbst-Emancipation" pünktlich veröffentlicht werden. M. Unsere Presse. Mit vollem Rechte kann man behaupten, dass die traurigen Erscheinungen zum Teil auf den Einfluss jüdischer Zeitungen zurückzuführen sind. Diese Presse — natürlich mit Ausnahmen, da es uns nicht einfällt, wirklich verdiente Anerkennung zu schmälern — hat ungefähr folgendes Pro» «Es ist gebräuchlich bei Beginn von Unternehmungen den zunächst beteiligten Factoren über Zweck, Mittel und beabsichtigte Leistung Bericht zu erstatten, d. h. ein Programm zu entwerfen. Die Gründung und Herausgabe einer Zeitung ist ein Unternehmen wie jedes andere und da die Abonnenten die mitbeteiligten Factoren sind, ist es selbstverständlich, ihnen ein Programm vorzulegen. Dieses wollen auch wir im Folgenden tun. Zweck unserer Zeitung ist das Judentum zu stärken, und, da eine Zeitung, die zahlreiche Abonnenten hat, ehre Redacteure und Angestellte erhalten kann, diese hier natürlich überzeugungstreue . Juden sind, weiters die nötigen Materialien als Papier?c. bei überzeugungstreuen Juden lauft, den Druck in einer jüdischen Druckerei, wo nur jüdische Arbeiter angestellt sind, besorgen lässt, ist der günstige Einfluss der Zeitung auf das Judentum bewiesen. Wir werden Euch immer und immer beweisen, dass die Antisemiten Leute sind, die zumindcstens das Zuchthaus verdienen. Wir werden .nicht ermangeln, Euch scheußliche Verbrechen zu erzählen, Verbrechen, die von Antisemiten oder „judenreinen" Leuten begangen wurden und wir werden dann stets stolz ausrusen: „Seht, da ist nicht einmal die Spur von einem Juden zu finden, da waren die?. T. Herren in ihrem ureigensten Elemente u. s. w. (Wir erlauben uns vorläufig auf den Scandal in St. Pölten hinzuweisen.) Wir werden es wie die Antisemiten machen d. h. an dem Gegner kein gutes Haar lasten, uns aber für vollkommen halten. Wir werden Euch alle lobenswerten Thaten der Juden berichten, günstige Aeußerungen von Christen bezw. Mchtjuden getreulich und ausführlich bringen, wir werden Mitteilungen über Gemeindewahlen, Jubiläen, Ordensdecorationen und andere Auszeichnungen, Hochzeiten, Legräbnisie u. s. w. ausführlich behandeln. Wir werden „auch" zeitweilig, nach Maßgabe des verfügbaren Raumes, lehrreiche und wistenschaftliche Artikel über da§ Juden» . tum zum Abdruck bringen. Indem wir u. f. w." Hält ein Jude so. eine Zeitung, so. glaubt er für das Judentum genügend, getan zu haben. Er lässt sich von Kitcheuer im.Laufe seiner Forschung auf ein Dorf, dessen sämmtliche Bewohner jüdische Landwirthe waren, die behaupteten, dass ihre Vorfahren seit undenklichen Zeiten dasselbe. Land bebaut hätten. In Marokko und anderen Teilen Afrika's sind die Juden zum großen Teile der Landwirthschaft ergeben, und in Russland hat man mit sichtbarem Erfolg jüdische Colonien angelegt. In einer der letzten Nummern der „Times" bemerkt einer ihrer Correspondenten: „In den ruffischpolnischen und lithauischen Städten gibt es so viele und beschäftigungslose silbische Bewohner, dass die städtischen Behörden sie nicht mehr zu erhalten im Stande sind, und deshalb beschloss die Regierung mehrere landwirthschastliche Colonien in den verschiedenen Provinzen auszusuchen, die dieses überzählige jüdische Proletariat ausnehmen würden, und nachdem solche gegründet waren, äußerten sie Zeichen des Gedeihens — eine merkwürdige Thatsache, erlaube ich mir zu bemerken, in Anbetracht des Factums, dass in keinem Lande, wo sie auch immer ansäßig sind, diese begabten Nachkommen Abrahams etwas anderes als die tief eingewurzelte Abneigung5) gegen körperliche Arbeit zeigen." Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass diese Nichteignung und Unlust zur Feldarbeit teilweise in den religiösen Anschauungen, die sie daran hinderten, anderswo als in ihrem eigenen Lande Ackerbauer zu werden, und teilweise in den Schwierigkeiten, die sowohl die Regierungen als auch die Völker mancher Länder ihrer Erlangung von Grundeigenthum entgegenstellten, ihren Ursprung haben. Doch bekundet ihre Geschichte des Alterthums, dass in ftüherer Zeit keine solchen Hindernisse ->) Dass diese Abneigung nicht eingewurzelt, sondern den Inden aufgcdrnngcn wurde, ist dem gründlichen Historiker bekannt. M. G.