Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 15 (5.8.1892)
- Date
- 1892-08-05
- Page
- Seite 153 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Selbst-Emancipation Seite I5o. Nr. 15. lächeln, nicht lange mehr stolz ans uns hinabsehen, sondern Euch beugen müssen vor der Wucht der Thatsachen, und dann von der Wahrheit des Zionismus. Ihr werdet dann den neunten Abh begreifen lernen, wie wir ihn begreifen, und mit uns den Wunsch thcilen, seine Trauer-in Freude umzuwandeln. B. Unsere Freunde. „Gott schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden schütze ich mich selbst!" Dieser Ausspruch hat trotz der starken Benützung, die ihm dadurch zuteil wurde, dass er bei jeder passenden Gelegenheit citirt wurde, an Wahrheit und Berechtigung nichts verloren. In allen menschlichen Lagen haben wir Gelegenheit, die durch Freundeshand geschaffenen unglücklichen Folgen zu beobachten; und wahrlich wir Juden sind nicht die Letzten die das Recht haben auszurufen : „Gott schütze uns vor unseren Freunden, vor unseren Feinden schützen wir uns selbst!" Dass wir Feinde haben, das weiß jedermann, das stihlt schon — leider oft — das noch unvernünftige Kind, daran werden wir umsonst erinnert, oft zu Zeiten, wo wir am wenigsten daran dachten. Haben wir Freunde? Ja Freunde haben wir auch, Freunde von deren edler Absicht wir genügend Beweise erhielten, Freunde, die Freunde in dieses Wortes wahrster und heiligster Bedeutung, genannt werden müssen und wir Jüdisch-Nationalen sind die Ersten, die solche Freunde zu würdigen und anzuerkennen wissen, wir sind die Ersten, die solchen Freundeil unvergängliche Dankbarkeit und Verehrung zollen, wir sind auch die Ersten, die eine strenge Trennung zwischen Freund und Afterfreund vornehmen, wir halten es für unsere Pflicht diesen zu loben und jenen zu verachten. Hier wie dort bemühen wir uns, Unrecht zu vermeiden. Aufrichtigkeit ist unsere Devise und wir stellen sie in den Dienst unseres Volkes. Aufrichtigkeit leitet land oder Rumänien, während sie in anderen Teilen der asiatischen Türkei in vielen Fällen den reichsten Teil der Bevölkerung bilden und. mit ihrem Capital zum Gedeihen des Landes wesentlich beitragen. Mr. Geary schildert in einem interessanten Bericht über eine Reise, die er neulich von Indien nach Europa durch die asiatische Türkei, unternommen, eine jüdische Gemeinde,, die er unweit Bagdad besuchte, folgendermaßen: „Die Juden der Stadt Hillah"J) sagt er „bilden eine große Körperschaft und die Capitalisten unter ihnen schießen den Pflanzern Geld vor, um Bewässerungsgräben und Pflanzstätten zu errichten. Es heißt, dass die Landwirthschaft in halb Mesopotamien zugrunde gehen würde ohne die Juden von Bagdad und Hillah, die in jenem Lande das sind, was die Soucars in Indien. Sie enthalten sich sorgfältig des Länderankaufes und, in der Regel, auch des Häuserbauens, so dass, wenn der Augenblick kommen sollte, der sie nach Jerusalem ruft, sie nicht durch die Notwendigkeit, unbewegliches Gilt in bares Geld umzusetzen, aufgehalten wären. Zum großen Teile find sie Abkömmlinge der Juden aus der Gefangenschaft.^) Eine jüdische Gemeinde lebte in diesem ftemden Lande an den Wässern Babylons, seit dem die Israeliten in die Gefangenschaft geriethen; doch hat sie nie aufgehört sich nach der Rückkehr zu sehnen, mehr oder weniger siegreich und wunderbar, nach dem Erbe der Nachkommen Abrahams. (Through Asiatic Turkey (G. Geary), vol. I, pag. 189.) r) Auch berühmt durch die Abschrift des Pentateuch, die noch zur Zeit des Maimonides maß- und mustergebend war. M. G. 2) Natürlich aus der ersten Gefangenschaft durch Nebukadnezar. M. G. uns, wenn wir int Interesse unseres Volkes unsere „Freunde" itäher betrachten und schildern. Wir erheben keine Collectiv- Anklagen, wir werden keine allgemeinen Schlüsse ziehen, sondern nur objectiv zeigen: „So sind diejenigen beschaffen, die Freunde genannt werden, urteilet selbst über sie!" Die vielen „Führer" der Juden, die speeifisch jüdische Presse, die Liberalen und die — Regierung werden als Freunde der Inden bezeichnet und ans dieseit vier Kategorien rekrutieren sich diejenigen Freunde, „vor denen uns Gott schützen möge." U n sere F ü h r e r. Hier erlaube ich mir einen Ausspruch des auch uns bekannten Abgeordneten Prof. Zucker, der ja gewiss nicht im Gerüche eines Nationaljuden steht, anznsühren : „Man spricht von einer Weltherrschaft der Juden, und die Macht der Juden ist n'cht groß gentig, um irgend eine Verwirklichung der durch das Staatsgrundgesetz zugesprochenen Rechte zu erreichen. Wir steheit teilweise schütz- und w e h r l o s den Verfolgungeit gegenüber, die manchmal mittelalterliche Gestalt anznnehmen beginnen, allerdings nicht ohne tut s c v e Schuld! Die früher so verachteten Inden, wenn ihnen ein Unrecht widerfuhr, rafften sich auf und bis in die Vorziinmer der Könige und Päpste drangen ihre Vertreter, um sich des wirksamen Schutzes hoher Machthaber zu versichern und jetzt, in stumpfer Indolenz harrt jeder vvit uns aus, bis auch ihn das Schicksal erreicht ititb jene Persönlichkeiten, welche scheinbar an der Spitze des Judentums stehen und diesen mehr Schaden als Nutzen gebracht haben, hüllen sich in kühle Indifferenz und erklären vielleicht noch, wie eine Anektode zu erzählen weiß, dass sie ihre Prachtsalons nur nichtjüdischer Gesellschaft offen halte ii." Ja, Indolenz und Indifferenz für jüdische Angelegenheiten ist das charakteristische Merkmal der meisten unserer Folgender Brief, der vor Kurzem in einer jüdischen Zeitschrift der Vereinigten Staaten, im „America» Hebrew“ erschien, zeigt, dass sich diese Erwartung nicht blos auf die Juden in Hillah beschränkt: „Zurück nach Palästina." An den „American Hebrew! „Indem ich Ihren Scharfsinn bewundere, mit dem Sie das Richtige trafen und die „Scylla der Orthodoxie und Charybdis der Reform" klarlegten, bitte ich zu entschuldigen, dass ich Ihre Aufmerksamkeit auf den wichtigen Plan Mr. Oliphant's lenke, der so allseitige und merkwürdige Aufmerksamkeit erregt und bereits die private Beistimmuiig so einflußreicher Machthaber, nämlich die der Earls Beaconsfield und Salisbury erlangt hat. So viel ich verstehe, geben nur die Reformirten in diesem Lande den Grundsatz einer Wiedererrichtung unseres Staates aus. Nicht so die orthodoxen Juden; und während jene erklären, es ergebe sich durchaus nicht die Nothwendigkeit. dass alle Juden der Welt zwischen dem Euphrat und dem Mittelmeere eingesperrt werden, so wenig wie alle Amerikaner in Amerika und alle Franzosen in Frankreich sind, sagen diese, und mit Recht, dass die geographische Lage und außerordentliche Fruchtbarkeit Palästina eine große Zukunft verheißen, sobald es von der unlvürdigen Herrschaft der Pforte befreit wird, die nur in der Gleichgiltigkeit bei der Förderung aller erhabenen Aufgaben in ihrem glücklichen Reiche groß ist. Nun kann ich als aufmerksamer Bibelleser nicht anders als überwältigt sein von der Thatsache, dass die Verwirklichung des Planes Mr. Oliphant's eine wunderbare Uebereinstimmung mit dem Versprechen der heiligen Schrift ergeben würde. Die Besitznahme Palästina's durch die Juden unter Beistimmung