Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 13 (2.7.1892)
- Date
- 1892-07-02
- Page
- Seite 136 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 136. Selbst-Emancipation Nr. 13. gutmüüge Menschen nnd durchaus nicht zu fürchten, wenn man ihnen nur freundlich entgegenkomme. Beweis dessen sei die aus 15 in Jerusalem geborenen Juden im Ostjvrdanlande bestehende Colonie Lues Jiliuda, welche in den vier Jahren ihres Bestandes auch nicht den geringsten Streit mit den benachbarten Beduinen gehabt habe. Schließlich wurde ein Artikel der „Selbst-Emancipation" über den Zionsgedanken vorgelcsen. p. Chronik. „Freisinnig". Freisinnig zu sein, ist wahrlich eine Ehre,die jedermann gut kleidet. Es gibtabcr eine Art Anwendung dieses Ausdruckes, welche jcdcni wahrheits- und ehrliebendcn Juden zuwider sein muss. Sobald man nämlich unter „Freisinnigen" den Gegensatz zu den Antisemiten versteht und mit lächerlicher Beharrlichkeit auch dort von „Freisinnigen" spricht, wo das den Antisemiten feindliche Lager ganz oder zumeist aus Juden besteht, dann haben wir den fraglichen Fall. Um jede Missdeutung zu vermeiden, wir haben nicht einzelne edle Nichtjuden, wie z. B. Professor Nothnagel, im Auge, welche wegen ihrer eigenen Ausnahmsgcsinnung thatsächlich noch an die „Freisinnigen" glauben, vielmehr meinen wir die in jüdischen Händen liegende Tagespresse, die mit voller Absicht und in genauer Kenntnis der wahren Sachlage die Unwahrheit sagt, um das Volk im Glauben zu erhalten, es gebe in gewissen Volksklassen thatsächlich eine größere den Antisemitismus verdammende Gruppe. Bei den Wahlen der Handlungsgehilfen standen die „Freisinnigen" („Liberale" und „Socialdemokratcn") den „Christlich-Socialen" gegenüber, in Wahrheit die Juden den Nichtjuden. Bei den Wahlen in den Ausschuss des „Allgemeinen Medicinischcn Unterstützungsvereincs" standen die. „Freisinnigen" den „Deutsch- Nationalen" gegenüber, in Wahrheit die Juden den Nichtjuden. Am 22. v. M. fand in der Augarten-Restauration in Wien, nach dem Berichte der „Neuen Freien Presse" eine von deutsch-nationalen Studenten provocirte Prügelei zwischen eineniDutzend dieser Herren und drei „freisinnigen" Studenten statt, zu deutsch: eine Prügelei zwischen jüdischen und nichtjüdischen Studenten. Das Blatt erzählt, dass die Dcutschnaüonalcn die „Freisinnigen" ohne Anlass verhöhnten und einer der Erstcrcn einem der Letzteren den Taufschein abverlangte. Geschah das Alles deshalb, weil die Beschimpften so „freisinnig" aussahen oder nicht vieleicht deswegen, weil man in ihnen die Juden erkannte? Wir möchten den christlichen Gimpel kennen, der der „Neuen Freien Presse" ans diesen Leim geht. Dagegen kennen wir Juden genug, welche diese ebenso lächerliche als verwerfliche Tactik im höchsten Grade billigen, bis sie zuletzt selbst an die „Freisinnigen" glauben und hiedurch eingcschläfert werden. Weil wir aber specicll von studentischen Verhältnissen sprachen, so möchten wir noch einen Wunsch äußern: Der akademische Verein „Kadimali" ist bei dem letzthin stattgehabten Kampfe im„Medizinischen Unterstützungsvercine" nolens volens unter die „Freisinnigen" gerathcn; möge er jetzt seine Stelle ausnützen, indem er die „freisinnigen" Studenten von ihren Jrrtümern abbringt und sie im Besonderen davon überzeugt, dass es für sie rötlicher und ehrlicher ist, sich schlechthin jüdische Studenten zu nennen, was sie mit einem Schlage ihre wahre Lage erkennen lassen würde. „Unverfälschte deutsche Worte". Dieses von Schönerer gegründete deutsch-nationale Antiscmitenblatt spricht uns in seiner Nummer vom 16. v. M. seine unerbetcne „Anerkennung" aus; es thut dies in einem mit Carl Jro gezeichneten Aufsätze über den Vortrag „die Principicn des Zionismus", welchen seinerzeit unser Chefredakteur im Vereine „Adimitli Jescliurim“ hielt. Herr Jro scheint uns zu verstehen, und zwar mehr, als er selbst eingesteht und eingestehcn kann, wenn er nicht eine der Grundlagen seiner Partei, den Glauben an die Schlechtigkeit der jüdischen Rasse, bloßstellen soll. Dieser Deutsche schweigt daher auch ganz über den eigentlichen Inhalt des erwähnten Vortrages, aus welchem jeder unbefangene Leser die sittliche Tiefe und Strenge unserer Bewegung ersehen könnte; er lässt sich auch das billige Vergnügen nicht entgehen, den stacheligen, verletzenden Ton anzuschlagen, welchen er den Juden gegenüber in Uebung hat.Dcsto mehr hebt er, die Einleitung des Vortrages und dessen Definition des Zionismus wörtlich citirend, die foruielle Analogie zwischen unseren Bestrebungen und denjenigen des deutsch-nationalen Antisemitismus hervor, desto schärfer weiß er die rein äußerlichen Wirkungen unseres Programms zu fassen. „Dic Zioiiistcn, die Jüdisch-nationalen rufen als Parteigrundsatz in die Oeffentlichkcit, was Dühring dem deutschen Volke schon lange vorher mahnend zugerufen hat. Die Juden sind eine volkliche Eigenart; nur mit dem Unterschiede, dass crstere behaupten, diese jüdische Eigenart sei gut und edel, aber Dühring und mit ihm ein Großteil des deutschen Volkes beweisend feststellcn. dass diese Eigenart schlecht und unedel, in erster Linie aber in ihrer Bethätignng unserem Eigenvolkc schädlich ist", sagt Jro. Er spricht hicmit etwas aus, wofür wir ihm dankbar sind; er bestätigt nämlich was wir schon längst gegenüber albernen Angriffen von jüdisch-assimilatorischer Seile betonten, dass Antisemiten und Nationaljuden nur einen Berührungspunkt haben, jenseits dessen ihre Wege weit, ungeheuer weit auseinander gehen. Diese erfreuliche Bestätigung läßt uns alles Anderere vergessen, so den Vorwurf der „schlechten nnd unedlen Eigenart", welche Herrn Jro weiters veranlasst, uns „jede culturelle Begabung abzufprechcn" und die Bemerkung hinzuwcrscn „Wie sich die arbeitsscheuen Juden in ihrem selbstständigen Staate zurcchtfindcu — bleibt ihre Sache". Freilich bleibt das unsere Sache, und die Geschichte wird jedenfalls maßgebend nnd competcntcr unsere Anlagen und Vorzüge beurteilen, als Herr Jro. Ad v«u>;„i -maßgebend, und compctcnt. Herr Jro sicht im Nationaljudcntum eine Bestätigung der Dühring'schen Ansichten „von maßgebendster und competcntester Seite". Da überschätzt er uns Zionisten vorläufig leider doch ein wenig. Compctcnt bilden wir uns wohl ein, zu sein, aber maßgebend sind wir leider noch nicht. Erst dann werden wir cs werden, lvcnn eine sehr anschauliche und recht glaubliche Prophezeiung des Herrn Jro sich erfüllt haben tvird, welche lautet: „Durch die immer weitere Verbreitung des dcutsch-nationalcn-antisemitischen (sagen wir überhaupt „antisemitischen". Redaction der „S. E.") Gedankens muss auch der zionistische Gedanke eine fortschreitende Stärkung erfahren, denn in dein Maße als die antisemitische Bewegung zunimmt, rückt auch die Aussicht auf antisemitische Gesetze näher und damit die eiserne Notwendigkeit für die Juden dem Gedanken der Gründung des Judcnstaatcs Palästina näher zu treten, nachdcni sie ja gewärtig sein mügen bei dem steten Wachsen der Zahl der Anhänger des Antisemitismus und^der damit verbundenen Macht dieser Partei in den gesetzgebenden Körperschaften — eines Tages in Europa an die Luft gesetzt zu werden". Bis wir auf diese allerdings unerfreuliche Weise maßgebend werden, . müsien wir diesen allergrößten Vortheil „den Zeitungshebräern", wie sich Herr Jro ausdrückt, welche die „jüdisch-nationale Bewegung todtschwcigcn", überlasic». Doch wir können warten, und wir hoffen, dass wir bei einiger Nachhilfe durch geeignete überzeugende Propaganda nicht so lange werden warten müffcn, bis die deutsche Sehnsucht des Herrn Jro nach Ausnahmsgcsctzen für die Juden und nach Judenauswcisungen gestillt sein wird. Noch vor diesen werden unseren Juden die Augen aufgehen, tvelchcm Loose sic cntgegenstencrn, wenn sie den Cours nicht ändern. Endlich einmal nnd hoffentlich bald, muss doch die Zeit kommen, wo alle Inden dem Herrn Jro den Gefallen thun werden, zusammen mit uns „zugegeben, dass das jüdische.Volk gänzlich verschieden ist von dem deutschen Volke, dass zwischen jüdischer uud deutscher Eigenart so zu sagen eine Welt liegt". Ja, eine Welt, eine ganze Welt! Wie wahr! Aus der» £af}fv der- Sorialdrmokratie. Wie recht wir hatten, wenn wir in voriger Nummer betonten, dass die polnischen Arbeiter. als Glieder einer unglücklichen und darniederliegenden Nation^ das Nationalgcfühl nicht völlig beseitigen zu wollen scheinen, wird neuerlich durch solgendcn Umstand bewiesen. In Wien bildete sich ein polnischer Arbeiterverein „Robotnik." Zur constituircnden Versammlung, desselben kamen nebst einem jüdischen socialistischcn Dclegirten aus Lemberg und anderen socialistischcn Dclegirten auch Vertreter des polnischakademischen Vereines „Ognisko" und des ruthenischen GeselligkeitsvcreineS „Siez", zweier auf nationaler Grundlage basircndcr Vereine. Doch das sei nur nebenbei bemerkt; Hauptsache ist, dass die chauvinistisch internationale „Arbeiter-Zeitung", die große Gleicherin natürlicher Ungleichheiten, den Polen nicht recht traut. Es geht dies sehr klar aus einem. Appell hervor wie ihn dieses Blatt an die socialisttschen Vereine der deutschen Gegenden nicht zu richten pflegt, und der folgendermaßen lautet: „Wir appelliren ferner an den gesunden Verstand aller in Wien lebenden polnischen Arbeiter, indem wir hoffen, dass sie dem neuen Vereiw massenhaft beitteten, dass sie die Gehaltlosigkeit und Unzeitgemäßheit nationaler Spielereien einsehcn und erkennen werden, dass die nationale Bcsttebung eine Chimäre und im Sinne des mit dein internationalen. Klaffenkampfe bekannten Proletariats noch dazu eine höchst lächerliche Chimäre ist." Ob sich die polnischen Arbeiter von dem urtheilsschnellen Weisen, der diese Zeilen niederschrieb, überzeugen lassen werden, ist höchst fraglich. Sicher ist dies nur bezüglich der polnischen Juden unter ihnen,, welche eben einerseits keine Polen' sind, andererseits aber Juden, d. h. Geschöpfe, die gegenwärtig von ihrer neuesten Geistesepidemie, dem internationalen Socialismus, heimgesucht sind. Als ob zwischen dem.