Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 13 (2.7.1892)
- Date
- 1892-07-02
- Page
- Seite 132 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 132. Selbst-Emancipation Nr. 13. dortigen Juden ausbeuten, um in das Judentum, das schon so viele äußere Gegner hat, nach einen inneren Feind hineinzutragen; selbst die Anhänger der socialistischen Idee unter uns müssen einsehen, dass der Classenkampf innerhalb der Judenheit dem Proletariat nicht nützen, wohl aber der hieraus innerhalb unserer Nation entstehende Zwist dem Judentume schwere Schläge zufügen wird. Während die Nachrichten aus Argentinien sich häufig selbst wiedersprechen und deshalb nur mit großer Vorsicht benützt werden dürfen, sind wir in der Lage über die Verhältnisse in Palästina einige sichere erfreuliche Nachrichten mitzutheilen. Für eine Summe von 2000 Pfund Sterling (40.000 Mark) hat die Londoner Chowewe Zion Society an der Grenze von Djolan und Hauran ein Areal von 2400 Acres angekauft. Auf diesem großen Gebiet sollen 50 Familien als erste Colonie demnächst angesiedelt werden. Es verdient hervorgehoben zu werden, dass diese Gesellschaft (Die Ch.-Z.-S.), welcher jetzt in London eine große Anzahl deutscher wie auch englischer Juden und Christen angehören, seinerzeit von einer Schaar begeisterter russisch-jüdischer Jünglinge begründet worden ist.— Hiuzufügen wollen wir noch die Nachricht, dass nach seinem diesjährigen Berichte der palästinensische Hilfsverein „Lemaan Zion“ im letztverflossenen Jahre seiner Thätigkeit bei einer Gesammteinnahme von 43.696 Mark 25 Pf., für die verschiedenartigsten Zweige der Wohlthätigkeit in Palästina 31.245 Mark 58 Pf. verausgabt hat. 8. 8. Berlin, den 24. Juni 1892. Veth-lechern Iehudah?) Uk-r, (Aufforderung zum Anschlüsse au den Palästina-Colonisationsverein „Admath Jeschurun“ in Wien.), gehalten am 2. Tage Sch'wuos 5682 (2. Juni 1892.) in der großen Synagoge zu Rad au tz von I. Kunstadt, Obcrrabbiner. (Schluß.) Aber neben der tliauroh bietet uns auch unsere Liebe zu Zion — awaudoh ein sicheres Mittel, um unseren Feinden, eine der schärfsten und gefährlichsten Waffen, die sie gegen uns schlvingcn, ans der Hand zu schlagen, denn wie oft hören wir den Vorwurf gegen unseren Stamm mit scheinbarer Berechtigung schleudern, dass wir nur Sinn und Streben fiir das Materielle haben, dowkoh l’ofor nafschenu, dass wir nur in der Erde und ihren Schätzen zu wühlen verstehen, aber für höheres, Ideales, das keinen greifbaren, nach Heller und Pfennig zu berechnenden Nutzen und Profit verspricht, ganz kalt und glcichgiltig seien. Die beste Entgegnung aber, mit der wir diesen Angriff siegreich widerlegen, ist, wie wenn mit voller, warmer Liebe Zions und Jeruscholaims gedenken, denn nicht bloß materielle, irdische Güter sind es, die unsere Sehnsucht und Liebe zum h. Lande in unserem 'Herzen erwecken, cs ist vielmehr vorzüglich der Garten Gottes, in dem der herrliche Baum der Frömmigkeit und Gottesfurcht die goldenen Früchte der idealen Güter der Menschheit in reicher Fülle zu tragen geeignet ist, der ist cs, nach dem unsere Herzen sehnsüchtig verlangen. So wir aber dem h. Rufe, den die liebende Mutter Zion an ihre Kinder ergehen läßt, unser Ohr verschließen, so wir nur dem verführerischen Sirenenklangc des Goldes Gehör verleihen, die Himmelsstimmc vom Clioreb aber ungchört und unbeachtet verhallen lassen, dann geben wir uns selbst ein Armutszeugniß, durch welches wir unsere Armut an Sinn und Gefühl fiir Höheres, Ideales zu unserer Schande, bekunden. Daher sagt auch der h. Sänger: Im eschlcocliacho Jeruschölnjim tischkach jemini, „Wenn ich deiner vergesse Jerusalem, dann vergiss meine Rechte." Die linke Hand des Menschen nemlich ist nach dem, Satze bissmaulob ausclier wekowaud, diejenige, die nach den Gütern der Erde ausgreist, während die Rechte — aurech jomim bijeminoh — nach den höheren Idealen des Lebens säum schekulau orucb ihre Thätigkeit entfaltet: wenn wir daher an Jeruscholajim, als an den Brennpunkt unseres idealen Strebens vergessen, so ist dies ein trauriger Beweis, dass wir Sinn und Begeisterung für Ideales in unserem Haschen nach Vergänglichem eingebüßt haben. Das bekennen wir auch in unserem Äussak-Gebete, wenn wir sagen: Umipnej chatoenu golinu m’arzenu w’nissrachaknu m’al admossenu. Hier scheint bei oberflächlicher Betrachtung ein Pleonasmus, eine Widerholung eines und desselben Gedankens in verschiedenen Ausdrücken vorzuliegen. Nach unserer Auseinandersetzung aber ist hier das Vorhandensein eines zweifach traurigen Zustandes eonstatirt, denn nicht genug, dass wir unserer Sünden halber golinu mearzenu räumlich vom h. Lande der Väter entfernt wurden, wir würden das Exil leichter ertragen, die Schmerzenswünde würde nicht so sehr bluten, wenn wenigstens ein geistiges heiliges Band, aus unseren innersten Herzensfasern gewebt, uns mit dem heiligen Boden verbinden würde; was aber den Stachel unseres Schmerzes noch mehr verschärft, unseren Leidenskelch noch mehr verbittert, das ist 'w’nissrachaknu, dass wir auch geistig ferne stehen von unserm heimatlichen Boden, auf dem die Wiege unseres Volkes gestanden und das ist ein trauriger Beweis, dass wir nur für Irdisches, Vergängliches Sinn haben und — nissrachaknu „m’al,, admossenu — weit entfernt davon sind, auch für „al" admossenu für das, was „über" das Irdische emporragt, Herz und Sinn zu haben. Lasset uns-daher durch zahlreichen Anschluß an den Verein „Admath Jeschurun", der die Fahne des jüdischen Idealismus mit kräftiger Hand entfaltet, bekunden und beweisen, dass wir auch Idealem nachzustreben zum schönen Ziele unseres Lebens machen. Habauneh baschomajim m’alijaussow w’agudossau al erez jossodoh wie das Propheteuwort lautet; wir bauen auch in Himmelshöhf für das rein Geistige, Ideale. Wenn wir der agudoh, dem Vereine, der al erez jossodoh auf dem h. Boden Palästinas sich fest gegründet, uns fest ■ und innig anschließen. . Dem Elimelech im heute verlesenen Ruth wird von unfern Weisen der Vorwurf gemacht, dass er Erez Jisroel wegen der dort in seiner Zeit herrschenden Hungersnot verlassen, welchen Vorwurf wir schon in den Worten angedeutet finden: wajehi roow boorez w’jelech ischmibejsslechem jehudoh, denn nicht nur Hunger nach Brod und irdischen Genüssen, darf der einzige Motor unseres Lebens sein, sondern wie der Prophet das Zukunftsbild entrollet: lau roew loleehem w’lau zome l’majim, ki im ess dwar d. wir müssen auch nach dem geistigen Brode, nach dem lechem min baschomajim, dem Himmelsmanna der höheren Güter der Menschheit Bedürfnis haben. Da aber zur Zeit des Elimelech nur Roov boorez Heisshunger und brennendes Verlangen nach dem Irdischen die einzige bewegende Triebkraft gewesen, daher vajelech isch mibeth lechem Jehudah verliess der Mann das „Haus, in dem jüdisches Brod" gewachsen, den heiligen Boden, in welchem wohl momentan das Brod fiir den Körper nur spärlich gediehen, dafür aber für die Seelen erquikende Himmelskost des Geistes und des Herzens in reicher Fülle blühte. Lasset uns denn freudigen Herzens unter das Banner schaaren, auf dem in goldenen, weithin leuchtenden Lettern „der jüdische Jdealismns" verzeichnet ist. Ja! wir erfüllen damit auch.nur eine Ehrenschuld unfern leidenden Mitbrüdern gegenüber, denn in seiner Allweisheit hat es Gott beschlossen, dass das Judentum Exilleiden zu erttagen habe, bis das Joch des Golus von uns b’ithoh achischenu genommen wird. Nur hat es der Allerbarmer so eingerichtet: imjowau Essow el hamachneh hoaehas w’hikehu, wehojoh ha-