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Selbst-Emancipation · 1892-06-21 · Heft 12 (21.6.1892) · p. Seite 125

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 12 (21.6.1892)
Date
1892-06-21
Page
Seite 125 (sequence 11)
Language
German
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Seite 125. Selbst-Emancipativn Nr. 12. Galizien und die Bukowina gewährte freundliche Aufnahme und werkthätige Unterstützung sagen wir Euch herzlich Dank. Wir bitten Euch zugleich, - in Eurem Eifer für die heilige Sache nicht zu erlahmen, speciell mit allen Kräften dahin zu wirken, dass allenthalben locale Palästina-Colonisationsvereine entstehen, welche sich dann dem von uns proponirten österreichischen Verbände anschließen sollen. 2Jiit Zionsgruß für dcn Ausschuss des Bereines „Admath Jeschurun“. Dr. V. Rokesch, Dr. M. Schnirer, Schriftführer. Präsident. Hiedurch teilen wir allen Gesinnungsgenossen mit, dass am 14. Mai d. I. hier in Berlin sich ein Verein constituirt hat, der den Namen führt: „Jung-Jsrael, Jüdischnationaler Verein." Derselbe bezweckt gemäss § 2 seiner Statuten das Bewußtsein der nationalen Znsammengehörigkeit des jüdischen Volkes zu wecken, sowie jüdisches Leben und jüdische Wissenschaft zu pflegen. Der Vorstand besteht aus folgenden Personen: dem Herrn Dr. Wilhelm Boehleudorsf als Vorsitzenden, eanä. bist. H. Lowe als stellvertretenden Vorsitzenden, den Herren Willy Bambus und stncl. phil. M. Ehrenpreis als Schriftführern und dem Herrn 8tuck. ineck. L. Oest ermann als Casscnwart. Eventuelle Zuschriften und Sendungen, wolle man gefälligst an Herrn 8tucl. phil. M. Ehrenpreis, Berlin X, Lothringerstraßc 00 richten. Der Vorstand I. A. Heinrich Löwe, eanck. hist. Berlin, den 3. Juni 1892. Löbliche Rcdaction! Infolge einer in der „S.-E." veröffentlichten Annonce bestellte ich bei Herrn Leib Lipschütz, Jerusalem, einen von ihm selbst gekelterten Wcissweiu, der sich als vorzüglich erwiesen hat; Aerzte und Kenner haben ihn und sein Aroma nicht genug rühmen können. Ein die Sendung begleitender, vom Oberrabbiner Sa laut in Jerusalem ausgestellter „ttechschei^ bezeugt, dass der Wein koscher gam l’pessach ist. Hervorzuhebcn ist, dass der Preis bis hierher, man kann sagen, bis zu jeder Station unserer Monarchie, inclusive Zoff und Fracht sich auf 80 bis «v kr. pro 1 Liter stellt, was in Berücksichtigung der besonders guten Qualität des Weines ungemein billig genannt werden muss. Im Interesse der jüdischen Production auf dem Boden unserer Bäter werden Sie hoffentlich Obiges zur allgemeinen Kenntniss bringen. Tarnow, 13. Juni 1892. Deck. Josef Traum. Korrespondenz der Kedaclion. Herr H. 5p. in Z.-G. soll dem „Hameliz" zufolge 4000Pftind Sterling an jährlichem Gehalt beziehen. Herrn Ä. K. in Wien. Die betreffende Recension, sowie Recensionen überhaupt in nächster Nummer. Belletristisches. Aer Schatzgräber Skizze aus dem russisch-jüdischen Leben. — Aus dem Hebräischen des Italien Brainin übersetzt. (Schluß.) „Unser Erlöser lebt noch", erwiederte mein Großvater. „Ich vertraue auf Gott, dass er seine heilige Hilfe uns senden wird. »Fegt nicht Treitel Schornsteine von Früh Morgens . bis spät Abends hat er nicht immerfort zu arbeiten und verdient er nicht viel Geld, hat er nicht das Paradies auf dieser Welt und seine Kinder haben sie nicht genug zu essen?" ftagte meine Großmutter in ihrer Einfalt und verbitterten Laune. „Treitel erntet den Lohn seiner Mühe und hat immer Arbeit. Weißt du, Weib, die Ursache davon? Ich werde dir den wahren Grund von Treitel's Glück enthüllen. Treitel steckt Steine in die Oefen und verdirbt sie dadurch, statt sie auszubessern. Aber ich beneide ihn nicht darum. Lieber will ich mein Leben aushauchen, als dass ich solche abscheuliche Mittel anweuden würde. Bis jetzt habe ich mir meinen kärglichen Unterhalt ehrlich und redlich verdient, und ich will von meinem Wege bis zum letzte» Athemzuge nicht abweichen. Hörst du Deborah? Ich will es nicht ..." „Fern sei es von mir, mein Mann, dass ich dich verleiten wollte zu werden wie Treitel, denn was nützt der Reichthum dem Sünder? Aber auch ich habe ein Recht, dich zu fragen: Was wird morgen sein? Wahrlich, schon lange sitzen wir auf einsamer Höhe, aber jetzt reichen die Wasser schon zu uns herauf. SchaUe, o Gott von deiner heiligen Wohnung auf nieine hungernden Kinder hinab, denn bei dir ist die Hilfe und zu dir sende ich meine hoffenden Blicke." Damit schloss die Unterhaltung zwischen meinen Großeltern, und das fürchterliche Schweigen von früher kehrte wieder. Das lange Gespräch, welches ich angehört hatte, lastete schwer auf mir und ich wollte auf den Ofen an der Seite meines Großvaters einschlummern. Aber mein kleines, zartes Herz war wach und ich belauschte folgendes Selbstgespräch des alten Mannes: „Soll denn nichts Wahres au der Ueberlieferuug sein, dass die Franzosen, welche im Jahre 5572 (1812) durch unsere Stadt zogen, auf unserem Friedhofe mit Gold gefüllte Säcke vergruben? Habe ich nicht vor zwanzig Jahren zwei goldene Dukaten beim Ausgraben eines Grabes gefunden, — ein Beweis dafür, dass in der Nähe dieses Grabes der „Schatz" verborgen ist? Es ist unverantwortlich von mir, dass ich nicht bisher an dieser Stelle gehörig tief nachgegraben habe. Ja, ja, .es ist kein Zweifel. Dort, wo ich mehrere Male zu graben angefangen habe, ohne die Arbeit zu Ende zu führen, dort liegen die goldgefüllten Säcke. Noch diese Nacht will ich hingehen und graben, und werde den „Schatz" finden. Ja, ich werde ihn mit Gottes Hilfe finden, denn er ist dort. Meine Kinder werden nicht mehr hungern, ich werde Aerzte holen, die sie curiren sollen. Deborah wird sich nicht mehr plagen, — Alle werden wir aus der Noth gerettet werden, Deborah, mein Weib, schläfst du? „Was willst du?" „Sorge nicht, mein liebes Weib! Nur noch kurze Zeit und unsere Noth wird ein Ende haben, unser Elend wie Rauch verschwunden sein." „Werden sich die Schleußen des Himmels dir öffnen und die Engel der Höhe die Rubel regnen lassen, oder werden deine Todten aufstehen, um Dir für ihre Bestattung zu bezahlen?" „Die Hilfe ist uns nahe; morgen wird das Zeichen geschehen." „Ich kenne nun schon dreißig Jahre deine trügerischen Hoffnungen und deine Luftschlösser. Ich weiss, dass du jedesmal, wenn die Noth im Hause groß wird, den Spaten nimmst und auf den Friedhof hinausgehst, nach dem Schatze zu graben. Jedesmal versichertest du mich, dass es gelingen werde, und jedesmal kamst du mit leeren Händen zurück, so wie du hinausgegangen warst. Chaim, hat dich auch heute Nacht wieder der Wahngepackt und verleitet dich, nach dem „Schatze" zu suchen?" „Denke nicht an Vergangenes, Deborah, da Neues blüht, du findest keinen Menschen, der nicht seine Glücksstunde hätte, und auch meine wird nicht ausbleibew" „Du träumst und phantasirst", sagte meine Großmutter und schlief ein. „Sie schläft", sagte mein Großvater zu sich, „ich werde mich auf den Weg machen."

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