Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 12 (21.6.1892)
- Date
- 1892-06-21
- Page
- Seite 122 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 122. Selbst-Emancipation 12. Die Versammlung, an der der gewesene Obmann des Executiv-Comttös, Herr Ingenieur Temkin, theilnahm, ertheilte schliesslich dem Comitä das Absolutorium. _ England. London, den 28. Mai 1892. Wie „Buenos-Ayres Standard" berichtet, hat Licut. Colonel Goldsmid anläßlich der Uebernahme der Direktion der argentinischen Colonien einen Erlaß publicirt, nach welchem er als Generalbevollmächtigter der „ Jewish Colonization Assoziation" die Leitung, Organisation und Verwaltung der Colonien übernimmt und alleinberechtigt ist, Befehle zu erthcilen. Er rechnet hiebei auf die loyale Unterstützung der Beamten und Colonisten und stellt für jeden Fall von Vertrauensbruch oder Unehrenhaftigkeit die schwersten Strafen in Aussicht. Die verschiedenen Colonien werden der Reihe nach inspicirt werden, sobald nur die Reorganisation des Centralbureaus genügend fortgeschritten ist. Inzwischen haben die Verwalter der Colonien sobald als nur möglich ihm persönlich einen kurzen, vertraulichen Bericht zu erstatten a) über den Stand der von ihnen geleiteten Colonien, b) über die von ihnen für unbedingt dringend gehaltenen Maßregeln, wobei sie darauf zu achten haben, dass besonders bei jenen, welche Ausgaben erheischen, Erspricß- ' lichkeit und Sparsamkeit Hand in Hand gehen. Die Verwalter der Colonien sind für dieselben verantwortlich und haben ihre Maßnahmen mit Energie und Wohlwollen zu treffen. Die religiösen Pflichten der Angestellten und Colonisten sollen respektirt und nur extreme Uebergriffe zurückgewiesen werden, besonders wenn die Religion als Vorwand für Faulheit und Pflichtverletzung missbraucht wird. Die Colonisten sollen zum Verwalter, wie zu einem Vater emporblickcn, der Ihnen in schwierigen Fällen Rath und Hilfe ertheilt. Das Ziel der Verwaltung sei, alle Colonisten zu guten und treuen Bürgern der argentinischen Republik umzuwandcln. Die Stellung des bisherigen financicllcn Direktors der „J. C. A-“ Dr. Adolf Rot h wird, durch diese Verordnung Glicht geändert und wird sich derselbe mit dem Gcneraldircctor bei allen Angelegenheiten finanzieller und ähnlicher Natur ins Einvernehmen setzen. Als Stellvertreter des Generaldirektors wird für den Fall der Abwesenheit des letzteren Mr. B. Borgen die Function desselben ausüben. Als Dolmetsch der Gencraldirection wird Mr. Moriz Epstein bestellt. Eine spätere Ausgabe dieses Erlasses bringt einen Brief von 4 Bevollmächtigten der jüdischen Colonie Mosesville, welcher nach einer Schilderung der Schwierigkeiten, unter welchen sic so lange duldeten, der Hoffnung Ausdruck geben, dass Colonel Goldsmids Verwaltung die Dinge zum Besseren wenden werde. Gleichzeitig protestiren die Schreiber des Briefes im Namen aller Juden gegen die Bestallung des in Begleitung Goldsmids eingetroffenen Rabbiners und verlangen als orthodoxe Juden einen von den Oberrabbinern . von London, Paris und Berlin authorisirten, wohlgebildctcn Seelsorger. Am 2. d. M. fand hier eine Hauptversammlung der . „Chorevei Zion Association" statt; nach dem Rechenschaftsberichte wurden seit Januar 1600 L. St. für Länderankauf ausgegcben. Ortsgruppen sind in: Edinburg, Hanley, Glasgow, Limerick, Middlesborough, Newcastleon-Tyne, East London, Sunderland, North und South Shields, Manchester, Sheffield, Birmingham, West-London, Stockton-on Tees, Dublin und Grimsby. Palästina. Jerusalem, den 22. Mai 1892. Heute vor acht Tagen beehrt der Pascha unserer Stadt, Ibrahim Pascha, die Colonie Ri schon l'Zion mit seinem Besuche. Er kam mit zahlreichem Gefolge und wurde von den Colonisten glänzend empfangen. Nach eingehender Besichtigung der Colonie und aller ihrer Einrichtungen, sprach er seine lebhafteste Anerkennung über das Gesehene aus. Chronik. Proreß-Niederschlaguag. Einem Originalberichte der „Neuen Freien Presse" aus Jglau vom 13. d. M. entnehmen wir Folgendes: Gegen Franz Holzer, als verantwortlichen Rcdactcur und August Illing, als Drucker des antisemitischen „Jglauer Volksblattes", ferner P. Guido Geyer, Religionslehrer am Jglauer k. k. Staatsgymnasium, und P. Isidor Zahradnik, Eaplan an der Jglauer Stadtpfarrkirche und Prämonstratenser, letztere beide als Verfasser eines in dem genannten Blatte veröffentlichten „Eingesendet", worin der Vezirksschulrath wegen Anstellung eines Juden als Volksschul-Unterlehrcrs auf das Gröblichste beleidigt wurde, war das Sttafverfahrcn wegen Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung nach ß. 302 St.-G. cingeleitet worden. Zu einer Verhandlung kam cs'nicht, da mit kaiserlicher Entschließung vom kl. März 1892 angcordnct wurde, dass das Strafverfahren gegen die vier Genannten eingestellt werde. Aus dom Kager der Korraldemakratie. Am christlichen Pfingstfest fand in Wien der dritte Parteitag der österreichischen Socialdcmokratie statt. Bei derselben gab der galizische Delegirte DaszAynski folgende Erklärung ab: „Die poWschen Dclegmen zum III sozialdemokratischen Parteitag in Wum «anerkennen die Nothwendigkeit der Organisation der österreichischen Sozialdemokratie im Sinne des Antrages der Wiener Genossen und erblicken darin eine Garantie der fortschreitenden Entwickelung der Partei. Gleichzeitig geben wir die Erklärung, dass wir in Ansehung der exzeptionellen Stellung unseres Landes, dessen politische Abgrenzung den factischen und sprachlichen Verhältnissen nicht entspricht, weiter in Rücksicht auf die außerhalb der Grenzen des Reiches lebenden und. theilwcisc auf unsere Hilfe angewiesenen Stammesbrüder, uns auch in die österreichische Organisation nicht so fügen können, wie es beiderseits wünschenswert wäre und wie cs die Genossen anderer Nationen thun können und thun. Jnsoferne es diese unsere im Interesse sdes internationalen Proletariates gelegene Stellung zuläßt, erklären wir im Rahmen des Programmes und der Organisation mit den österreichischen Genossen Schulter an Schalter im Sinne unserer gemeinschaftlichen Sache zu kämpfen." Die polnischen Sozialisten, als einer gespalteten und zum Theile geknechteten Nation angehörig, scheinen also doch nicht ganz alles Nationalbewusstsein von sich gethan zu haben, wie es der gegenwärtige officielle Socialismus so gebieterisch verlangt. Wenn die jüdischen Socialisten es wagen würden, nur eben soweit national zu sein und etwa erklären würden, „dass sie in Ansehung der exceptioncllcn Stellung ihres Volkes, dessen factische Zersplitterung seinen politischen, socialen und ockonomischcn Bedürfnissen nicht entspricht, weiter in Rücksicht auf die in barbarischen Staaten lebenden und theilwcisc auf ihre Hilfe angewiesenen Stammesbrüder sich in die europäischen Organisationen nicht so fügen können, wie es beiderseits wünschenswert wäre und wie cs die Genossen anderer Nationen thun können und thun!" Aber wie kämen unsere jüdischen Sozialisten dazu, deren Internationalismus immer der brühheißeste ist, und welchen hierin nur die von ihnen angesteckten deutschen „Genossen" gleichkommen, zu einer derartigen „nationalen Engherzigkeit?" — Es ist offenbar auch ein Deutscher, — weil wir gerade von Deutschen sprechen, — vielleicht übrigens auch ein Jude, der in der „Arbeiter Zeitung" meint: „Diese 'Deutschen — sie haben nur Kourage dem Schwachen gegenüber. Einen jüdischen Hausirer zupfen sie am Barte, vor dem reichen „Israeliten" schwören sie sofort, dass ihnen alle Menschen gleich sind. Uns „Nationalen" ist es ziemlich glcichgiltig, ob dieses Urtheil berechtigt ist oder nicht; wir wollen nur der Verwunderung Ausdruck geben, dass das ein „Internationaler" schreibt. Wie sich der Mann ein Zusammenwirken seiner Deutschen mit den von ihm viel höher gestellten Franzosen