Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 12 (21.6.1892)
- Date
- 1892-06-21
- Page
- Seite 121 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12. Selbst-Emancipation Seite 121. gewesen, ist nun auchoffieiell d e r jüd.-nat. Verbindung als Stifter beigetreten. Die Bedeutung dieses Ereignisses wird wvl jeder Parteigenosse ermessen können, unisomehr, als Professor Dr. H i l l b e r g einer der wenigen jüdischen Größen der Wissenschaft ist, die an der ehrenvollen Aufgabe, das jüdische Volk aus der Schmach unnützer und feiger Assimilation zu retten, mitthnn wollen. Der Beitritt des Herrn Prof. Dr. H i l l b e r g ist für die „Hasmonaea" von den segensreichsten Folgen begleitet. Das Interesse der Förderer unserer Verbindung wächst zusehends, und es ist zu hoffen, dass auch ailgesichts der neu hinzukomnienden jungen Kräfte die „Hasmonaea" unter dem Protectorate ihres Stifters, einer ungeahnten Blüthe entgegengehen wird. Von der marinen jüdisch-nationalen Gesinnung unseres Stifters zeugt folgendes seinerzeit an die „Hasmonaea" gelegentlich der Makkabäerfeier gerichlete Schreiben, das wir einer löbl. Redaction zur Veröffentlichung übergeben. Löbliche akademische Verbindung „Hasmonaea" in Czernowitz! Der Tod meines Töchtcrchcns und die schwere Erkrankung nieiner Frau verwehren cs mir leider, an dem Fcstconnners der „Hasmonaea" theilzunehmcn. Indem ich für die Beileids-Kundgebung, welche mir von Seite der „Hasmonaea" zuging, meinen wärmsten Dank aussprcche, bitte ich die Versicherung cntgegenzunehmen. dass meine Sympathien stets jenen zugewandt bleiben tverdcn, welche »litten in der Hochflut des Antisemitismus mit erhobenem Haupte und oycner Stirne sich ais Juden bekennen. Seien Sie überzeugt, dass ich, selbst wenn ich nicht Jude wäre, an dem. wahrhaft männlichen Sinn, welchem der Gedanke entsprang, die „Hasmonaea" ins Leben zu rufen, herzliche Freude empfände. Denn ivelchen Mann, der das Herz auf dem rechten Flecke hat, sollte es nicht wohlthuend berühren, wenn er sieht, wie eine Schaar junger Männer es nnterninnnt, die Fahne ihres Volkes, welche in Koth und Schmutz versunken schien, aufs diene zu erheben und zu entrollen? Harren Sie tvacker aus, meine jungen Freunde, so viele Ratten es auch geben mag, .welche die Zeit gekomnien glauben, das sinkende Schiff zu verlassen. Das Schiff des Judentums ist durch all die Jahrtausende nicht gesunken, es wird wahrlich auch jetzt nicht sinken. Sorgen Sie nur dasür, dass cs ihm nicht an wetterfester, seetüchtiger Bemannung fehle. Die „Froschmolluskenbrei-Naturen" (um mich eines Platcn'schen Ausdruckcs zu bedienen) mögen dann immerhin über Bord springen. Czernowitz, 1. Jänner 1802. Ihr aufrichtig ergebener H i l l b e r g. Ändaprst, den 6. Juni 1802. Jränyi's Resolution, betreffend die gesetzliche Regelung der freien Rcligionsübung und der vollen Gleichberechtigung aller Confessionen wurde im Unterhause niit großer Majorität angenommen. Diese Resolution ist der Niederschlag der bekannten Beivegung für die „Rcception" der jüdischen Confession. Uuterrichtsminister Czaky stellte für den Herbst die Vorlage eines mit der „Rcception" sich beschäftigenden Gesetzentwurfes in Aussicht; doch ist der Eindruck allgemein, dass sich die Regierung Zeit lassen werde. Tie ganze Angelegenheit hat, wie man weiss, eigentlich lvenig auf sich. Durch die „Rcception" wird die Judcnheit nur zwei Rechte, welche sie bisher nicht hatte, erhalten. Uebertritte zum Judentum und Mischehen werden erlaubt sein. Das ist Alles, und es ist klar, dass cs den Faiseuren der Receptionsbcwegung nur um das zweite Recht zu thun ist. Die Receptionsbewcgung ist von radicalcn Asiimilationswiinscheu getragen, ihre angebliche Bedeutung für das Judcutunl selbst ist gleich Null. Die Gleichberechtigung ist in Ungarn ohnehin die weitgehendste, wiewol auch hier Vieles, sehr Vieles vorhanden ist, was daran erinnert, dass sic auf schwachem Papier beruht. Daran würde aber auch die Rcception nichts ändern, auch sie könnte die sociale Fremdheit nicht bannen, welche auch int freien Ungarn zwischen Jude und Christ besteht. Man glaubt hier noch an die vollkommene Assimilation jüdischerseits, und zum Theile auch christlicherseits — man wird die Enttäuschung schon kennen lernen. Und dann?! Es ist kein weiter Schritt von dem liberalen Radicalismus der Abgeordneten, welche den Ausführungen ihres Collegcn Soma Bisontai, der sich über die Errichtung eines speciell jüdischen Gymnasiums durch Stiftung des verstorbenen Anton Freystädtler aufhält, zujubelten, zum Antisemitismus. Noch einige solche Anläße und die nichtbefriedigte Erwartung macht aus den „Judenfreunden" — bester: Freunden jüdischen Menschenmaterials für den Altar des Magyarenthums — die systematischesten Judenfeinde. Die Juden Ungarns scheinen überhaupt zu wenig an die Zukunft zu denken, sie glauben sich schon geborgen für alle Zeiten, sie mögen nur ein bischen tiefer blicken und sie werden noch genug unterirdisches Feuer finden, das eines Tages Hervorkommen und allen Receptions-Jllusionen ein böses Ende bereiten kann. O, dass wir falsche Propheten wären! — Weil aber schon vom jüdischen Gymnasium die Rede war, Herr Soma Bisontai hat auch behauptet, dass dieses nur den Zwecken der Plutokratie dienen werde, welche ihre Söhne darin unterbringen wird, während die Maste der Juden keine exclusiven Tendenzen kennen. Es ist etwas Neues, dass die jüdische Plutokratie sich unter dem Titel des Judentums separiren sollte, sie, welche die bekannte Tonangeberin in der Assimilationscomödie ist. Was aber das Wort „exclusiv" anbetrifft, so ist es wohl das am meisten missbrauchteste der Welt. Das jüdische Gymnasium wurde, weil es werden musste, weil einerseits die jüdische Individualität zu kräftig ist, um von der Weltbühne abtreten zu wollen, und andererseits etwas in der christlichen Gesellschaft lebt, das zur „Exclusivität" zwingt. Kol Icore Lamickbar. Deutsches Reich. Berlin, den 26. Mai 18!)2. Das hiesige socialdemocratische Hauptorgan, der Vorwärts, schreibt: „In dein Fachblatte Pharmazeut (Pharm. Ztg. Nr. 27) findet sich eine Bekanntmachung des Regierungspräsidenten in Potsdam, betr. die Anlegung einer dritten Apotheke in Rixdorf. Darnach sollen die Bewerber uni die Concession u. a. eine kurze, aber genaue Lebensbeschreibung mit Angabe ihrer Consession und Familienverhältnisse einreichen. Wie diese Bekanntmachung mit dem Grundsätze der Gleichheit aller Bekenntnisse vor dem Gesetz in Einklang zu bringen ist, darüber ist wol allein die höhere Weisheit des Potsdamer Präsidiums im Klaren. Oder sollte in Rixdorf das Bedürfnis nach confeffionellen Arzneien sich so stark durchgesetzt haben, dass fortan nur katholische Pillen oder lutherische Latwergen oder hebräische Pulver verabreicht werden dürfen? Das Spekulationsgeschäft in Apothekenconzessionen ist unseres Wissens so interconsessionell wie möglich. Und Potsdam liegt unseres Wissens doch im Geltungsbereich der preußischen Verfassung." *** Berlin, den 10. Juni 1892. Es wird sicher allen Freunden unserer Sache angenehm sein zu erfahren, dass sich hier in Berlin Ende vorigen Monats unter den Namen „Jung-Jsrael, Jüdischnationaler Verein" eine Anzahl von Gesinnungsgenossen vereinigt hat, um auch hier die Fahne des Nationaljudentums anfzupflanzen. Nachdem schon mehreremals in Berliner Correspondenzen der „S. E." hiezu ansgefordert worden war, ergriff seinerseits Herr eand. hist. Loewe die Initiative und Dank der Mitwirkung besonders des Herrn Dr. Ed. B o ch l e n d o r f s aus Charlottenburg gelang es einen Verein zu constituiren. — Die Begründung dieses Vereines hat vor allem die Bedeutung, dass die hiesigen Jüdischnationalcn von Jetzt ab einen Saininelpunkt haben, wo sie selbst sich vereinigen und von wo aus sie ägitiren können. Zugleich schlossen sich dadurch unsere hiesigen Gesinnungsgenossen der Meinung an, dass es einstweilen wichtiger ist, durch Agitation im nationalen Sinne, als durch directe practische Unternehmungen in Palästina für unsere Sache zu wirken. Es ist zwar bei dem Umstande, dass hier in Berlin im Sommer alle Vereine wenig besucht zu sein pflegen, vorauszusehen, dass „Jnng-Jsrael" seine eigentliche Thätigkeit erst im nächsten Winterhalbjahre wird beginnen können. Jedoch war das Resultat der beiden ersten Sitzungen ein sehr erfreuliches. In der ersten hielt der stellvertretende Vorsitzende Herr H. Loewe eine Rede über das Nationaljudentüm.*) In der zweiten Herr Schach einen sehr interessanten und gediegenen Vortrag über die Entwickelung des Messiasgedankens bei den deutschen Juden. Beide Reden ernteten reichen Beifall. — Der Vorsitzende des Vereines ist Herr Dr. Ed. B o h l c n.d o r s s. Russland. Odessa, 25. Mai 1892. Am 22. d. Bits, fand hier eine außerordentliche Generalversammlung des „Vereines zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Ackerbauer in Syrien und Palästina" statt. Den Gegenstand der Verhandlung bildete die Summe von 24,934 Francs, welche das Executiv-Comite in Jaffa zu verschiedenen Zwecken verausgabt hat. *) Wir werden dieselbe in nächster Nummer bringen.