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Selbst-Emancipation · 1892-06-21 · Heft 12 (21.6.1892) · p. Seite 120

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 12 (21.6.1892)
Date
1892-06-21
Page
Seite 120 (sequence 6)
Language
German
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Seite 120. Sclbst-Emancipation Nr. 12. Auch am Abschiedsabend, ergriff er mehrfach das Wort, thcils um dem Verein „Zion" für die schöne Aufnahme zu danken, thcils um sich an der lebhaften Debatte über Parteiangelcgcnhcitcn, welche in hebräischer, polnischer und deutscher Sprache geführt wurde, zu bcthciligen. Es war ein unvergesslicher Abend, in der frohesten Stimmung und doch unter der Herrschaft jüdischen Ernstes und jüdischen Geistes verbracht. Rzeszow, 18. Juni 1892. Gestern, Sabbath Nachmittag, sprach hier im Saale der „Jüdischen Lesehalle" Herr Dr. Birnbaum als Dclegirtcr des Vereines „Admath Jeschurun " in Wien über die Colvnisation Palästinas und fand vielen Beifall. Nach dem Vorträge fand eine Besprechung von Ausschussmitgliedern des hiesigen Colonisationsvcreines „Choiveve Zion" statt, in welcher der feste Entschluss geäußert wurde, den ciugcschlafenen Verein wieder zu beleben und sich der Organisation, welche von Wien aus geplant wird, anzuschließen. Diesen Berichten haben wir noch Folgendes hinzuzufügcn: Von Rzeszow aus begab sich unser Chefredactenr am 8. d. M. nach Krakau, wo er noch eine Besprechung mit Gesinnungsgenossen hatte, welchen er die von ihnen abgcwartetcu näheren Instructionen behufs Gründung einer Ortsgruppe gab. Am 6. Mai Früh reiste er von Krakau nach Wien, wo am Abend desselben Tages nach zweinndzwanzigtägigcr Abwesenheit aulangtc. Die für die Rückreise in Aussicht genommciie^Abhaltung von Vorträgen in Drohvbycz und Tarnow war wegen Zeitmangels nicht mehr möglich. Im Ganzen, hat Herr Dr. Birnbaum auf'seiner Agitationsrcisc 13 Städte, — und zwar Krakau, Tarnow, Rzeszow, Jaroslau, Przcmhsl, Lemberg, Sambor, Drohvbycz, Stryj, Stanislau, Äolomca, Czernowitz, Radautz — thcils ein-, thcils zweimal berührt. In dreien dieser Städte war wegen des Mangels eines jeden geeigneten Anknüpfungspunktes, d. h. Abwesenheit jeder noch so kleinen Gruppe, von Anhängern, nichts zu machen, und muss abgewartet werden bis Agitation durch die Presse oder der Zufall auch dort Gesinnungsgenossen wirbt. Mündliche Agitation ist von intensivster Wirkung, aber sic setzt stets eine Gruppe von auf anderem Wege Gewonnenen in dem zu überzeugenden Orte voraus. In den übrigen zehn Städten ist cs nach der Agitationsreisc . leicht möglich geworden, Localvcrcinc für den zu schaffenden österreichischen Verband zu bilden und wird cs Sache der Leitung des „ idmatl, Jesclmrun“ fein, die gewonnenen Vorthellc auszunützcn. Manche Städte, deren Besuch sehr uothwcndig gewesen wäre, wie z. B. Tarnopol, Brody, Suczawa, konnten wegen Zeitmangels nicht mehr berücksichtigt werden. Original-Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wie», den 12. Juni 1892. In öffentlicher Sitzung des hiesigen Eultusvorstandcs machte Herr Moritz Äarpclcs die Mitthcilung, dass das hiesige Rabbiner-Seminar mit Beginn des nächsten Schuljahres crötznct werden wird. Die Cutmsgcmcindc hat demselben eine jährliche . Subvention von 4000 st. bewilligt. Bis zum Bau eines Seminargebäudes ivcrdcn die Vorlesungen in den Ränmen des Bet-Hamidrasch in der Tcmpclgasse und anderen Localitätcn stattfinden. Als Rector der Anstalt ist Herr Rabbiner Dr. Schwarz in Karlsruhe (Baden) berufen worden, lieber die Besetzung der übrigen Lehrstühle ist noch lein definitiver Entschluss gefasst worden. — Die Errichtung eines Rabbiner-Seminars in Wien hilft einem längst gcsühltcn Bedürftlissc ab. Wir gehören aber nicht zu Denjenigen, welche sich von der neuen Anstalt für Belebung und Verbreitung des jüdischen Geistes in unserer österreichisch-jüdischen Bevölkerung besonders viel versprechen. Wahr ist ja, dass die Errichtung dieses Institutes an sich schon eine durch die Veränderung der Lage der Juden hcriwrgcrufcnc Kräftigung des jüdischen Gefühles vcrräth; aber eine grostmächtige Wirkung zu Gunsten einer Ausweitung dieses Gefühles und einer Ergänzung desselben durch jüdisches Bewusstsein ist ganz und gar nicht zu erwarte». Sticht nur, dass die Anstalt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in dem Sinne geleitet werden wird,- dass wahre Volks-Priester aus derselben hervorgchen, — überhaupt sind dem jüdischen Volke jetzt noch ganz andere Schulen als blos solche, wo einer Anzahl weißer Raben jüdische Theologie docirt wird, notwendig. Man trachte durch Errichtung von. jüdischen Normal- und Mittelschulen, an welchen hebräische Sprache und jüdische Geschichte iin weitesten Ausmaße gelehrt werden sollen, das Judentum ins Volk zu tragen. Das wird mehr fruchten, als alle Rabbiner-Seminaren der Welt, welche in ihrer heutigen Gestaltung nur einen Fach-, aber keinen Bolkswert haben. Ezernowrh, den 10. Juni 1892. Als Vertreter der jüdisch-nationalen Idee in Czernowitz fühlt sich der Ausschuss der akademischen Verbindung „Hasmonaea" verpflichtet, über Vorgänge, die unsere heilige Sache betreffen, an das Centralorgan unserer Partei, an die „S.-E.", zu berichten: Sonntag, deil 29. Mai l. I., erwartete eine Deputation der gef Verbindung am hiesigen Bahnhof den Redacteur der „S.-E.", Herrn Dr. Birnbaum, der vom Wiener Colonisations-Vercine „Admath Jeschurun“ in die Bukowina und Galizien delegirt war, um die Gründung von Zweigvereincn eines allgemeinen österreichischen Palästina-Colonisationsvereines in den zumeist jüdischen Städten obgenannter Länder anznregen. Iin Locale der jüdischen Lesehalle „Zukunft" sprach Herr Dr. B i r n b a u m vor einem größeren Publicum, das sich trotz der heißen Nachmittagsstunde und des eben stattfindenden Volksfestes recht zahlreich eingesimden hatte. Dies und die sympathische Begrüßung, die denl Redner von den hiesigen Parteigenossen zutheil wurde, beweisen zur Genüge, dass der jüdisch-nationale Geist in den Reihen unserer hiesigeil Stammesgenossen heiinisch geworden. Die beifällig anfgenommene Rede des Dr. B i r n b a u m veranlasste die sofortige Gründung eines Colonisationsvereilies „Admath Jeschurun“, an der die gef. akademische Verbindung lebhaften Anteil nahin. Es wurden sofort 40 Mitglieder in die Listen des nenzugründenden Vereines eingetragen. Die Zahl ist fortwährend im Steigen begriffen. Die Statuten sind. von dem provisorischen Comit', dessen Vorsitzender der Präsident der jüdischen Lesehalle, Herr Jakob K i n d l e r , ein warmer Anhänger unserer Idee und eifriger Föxdcrcrder „Hasmonaea", ist, bereits durchberathen, und werden demnächst der hohen Negierung zur Bescheinigung vorgelegt werden. . Sonntag Abends veranstallete die akad. Verbindung „Hasmonaea" zu Ehren ihres Gastes, Herrn Dr. Birnbaum, einen geselligen Herrenabend, der in der gemüthlichsten Weise verlief. Der Schriftführer der Verbindung toastirte auf den hochverehrten Gast, der im Mittelpunkte der jüdisch-nationalen Velvegung stehe, auf die Förderer der Verbindung und auf die „Selbst-Emancipation", mit dem Wunsche, dass bald die Zeit konnnen möge, dass wir eigene Organe für die Propagatioil unserer Idee nicht mehr notwendig haben sollen. Redner legte in die Hände des Gastes das Versprechen ab, dass die „Hasmonaea" sich nie von dem vorgestecktcn Ziele, dem die Gründung der Verbindung gegolten, entfernen werde. Dr. Birnbaum dankte der Verbindung für das fteundliche Willkommen, das ihm geboten wurde, für das soeben abgelegte Versprechen und trank unter Hinweis auf dieses Versprechen auf das Wohl der Verbindung mit dem Rufe: „Es blühe, wachse und gedeihe die „Hasmonaea". Es sprachen noch der Präses der Verbindung, der hochverehrte Förderer derselben, Herr Jakob K i n d l e r u. a. m. Montag Früh begab sich Herr Dr. B i r n b a u m nach K o l o m e a , nachdem ihm die „Hasmonaea" durch ihre Vertreter das Geleite zuin Bahnhof gegeben. Wir müssen der löbl. Redaction noch Mitteilung machen von einem fteudigen Ereignisse, das die „Hasmonaea" im engeren, das Nationaljudentum im weiteren Sinne betrifft. Der Decan der philosophischen Facultät an der Universität in Czernowitz, Prof. Dr. Isidor Hillberg, der seit der Gründung der „Hasmonaea" ein warmer Freund derselben

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