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Selbst-Emancipation · 1892-06-21 · Heft 12 (21.6.1892) · p. Seite 119

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 12 (21.6.1892)
Date
1892-06-21
Page
Seite 119 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12. Selbst-Emancipation Seite 119. in so beredten, zum Herzen dringenden Worten zum Ausdruck bringet, auch diese sind dem h. Boden des heutigen Festtages herrlich entsprossen! Uns aber insbesondere, meine Andächtigen! ist am heutigen Tag Gelegenheit geboten, diese mizauke erez und amude aulom nach Maßgabe unserer schwachen Kraft, materiell und geistig zu stützen und zu erhalten und hiemit bin ich zum eigentlichen Gegenstände meines heutigen Vortrages angelangt, für den ich mir Ihre geneigteste Aufmerksamkeit und Beherzigung angelegentlichst erbitte. Ich will Euch nämlich aufs Eindringlichste anrcgen, dem in Wien bestehenden Vereine „Admath Jeschurun", der es sich zur h. Aufgabe macht, unsere unglücklichen russischen Glaubensgenossen, durch Colonisation im h. Lande der Väter ihre schreckliche ganz und gar unverschuldete Nothlage zu erleichtern, ansnamslos beizutreten, in der Erwägung dessen, dass wir dadurch die mehrerwähnte Weltsäulen stützen und erhalten; denn, dass wir hiemit g’milas chassodim üben, und dies im höchsten Sinne des Wortes, braucht nicht erst gesagt zu werden, ists doch heiligste Pflicht der Bruderliebe, unfern so schwer betroffenen Glaubensgenossen, mit Anspornung all' unserer Kräfte rettend und helfend beizuspringen, und dass wir dies am geeignetesten durch Colonisation Palästinas bewerkstelligen können, ist nicht nur in praktischer Beziehung bis zur Evidenz erwiesen, wie wir dies vor einigen Tagen hier aus dem beredten Munde des mit inniger Begeisterung für die Nationalitätsidee einstehenden Delegirten des „Admath Jeschurun“ vernommen haben, sondern auch vom [rein religiösen, strenggläubigen Gesichtswinkel betrachtet, ist die Ansiedlung der Heimatloseil im h. Lande der Väter das Ziel, nachdem wir 311 streben haben, da wir nach dessen Erreichung das frohe Bewusstsein haben können, nicht nur g’milas chassodim geübt, sondern auch der thauroh und awandoh würdige Stätten bereitet zu haben. Der thauroh, beim es heißt: ki mizion theze thauroh denn von Zion geht die thauroh ans und der awaudoh, der doch nur im H. Boden Palästinas wurzelt und daher auch nur dort wieder zum Lebensbaum erblühen könnte. Dass wir aber insbesondere heutigen Tages der thauroh neue, würdige Heimstätten bereiten müssen, dass uns schon der Trieb der Selbsterhaltung dies gebietet, wer wird daran zweifeln, der da weiss, welch' ein Schirm, welch' ein Schild und Panzer bisher die thauroh hak’dauschoh unserem Volke gewesen. Wie der Profct in der heutigen Haftorah sagt: Karnajim mijodan lau w’.-chom chewjaun usau dass die glanzumstrahlte, gottentstammte Heileslehre, die uns von Gottes Gnädenhand geworden, die geheime, verborgene Kraft ist, die uns das scheinbar unauflösliche Räthsel, das im Bestände unseres Volkes trotz aller Anfeindungen auf Leben und Tod, die es zu erdulden hat, verborgen liegt, erklärt; denn sie, die h. Thora war und ist das Lebenselixir, das unserem Volke die Unsterblichkeit sichert und es vor Tod und Vernichtung bewahrt, wie sich unsere Weisen (Schabbos 120) bildlick) ausdrücken: boerew jaumo d’azeres nofak siko mischomajo townach w’elmolej kiblu jissroel ess hathauroh hu towach lohem rdomajhu w’libssorajhu. Vor dem Tage des Thorafestes wehte ein Wind Namens „Schlächter" und hätte Israel nicht die Thora angenommen, so wäre sein Blut und Fleisch vernichtet worden. Nur allzu gut kennen wir diesen aus den grausigen Klüften des Völkerhasses eisig kalt hervorbrechenden, menschenmordenden, bösen, verheerenden, auf seinen schwarzen Fittigen Tod und Verheerung mit sich tragenden Sturmwind, der in seinem Toben und Tosen mit wilder Wuth schon längst das Gebäude des jüdischen Volkes bis in seine Grundvcsten erschüttert und über den Haufen geworfen hätte, wenn nicht dasselbe auf den h. Boden der Thora aufgerichtet wäre, die es allen Stürmen trotzend, und allen Angriffen gegenüber widerstandsfähig mache, so dass kol horuchaus scheboaulom enom m’sision aussau mikaumau. (Fortsetzung folgt.) Ngitationsreise des Delegirten des Vereines „Ndrnalh Jeschurun." lieber die Agitationsreise unseres Chefredacteurs nach Galizien und der Bukowina sind uns außer den bereits in voriger Nummer veröffentlichten noch folgende Berichte zugckommen: Kolomea. den 31. Mai 1802. Gestern Mittag langte hier Herr Dr. Birnbaum aus Wien an. Wegen der Nähe des Lch'bhuoth-Festes und, da an eine Verlängerung der Reise nicht mehr zu denken war, konnte der Delegirte des Vereines „Admath Jeschurun“ nicht länger als einen halben Tag hier weilen; andererseits war aber in Folge im Postverkehre verloren gegangener Correspondenzen nichts für eine größere Nersammlnng vorbereitet worden. Herr Dr. Birnbaum musste sich daher damit begnügen, vor einer durch hiesige Gesinnungsgenossen rasch improvisirten bescheidenen Versammlung im Locale des „Commis- und Buchhaltervereines" seine Sache vorznbringen. Seine Ausführungen machten auf die Erschienenen — etwa 60 Personen — lebhaften Eindruck und erklärten sämmtliche ihren Beitritt zu dem Vereine. Zugleich wurde der Delegirte gebeten, in zwei oder drei Tagen wiederzukommen. In diesem Falle würde es ein Leichtes sein, in Kolomea, dessen Einwohner für die Zionsidee zum Theile schon eingenommen seien und überhaupt einen starken jüdischen Sinn hätten, einen Vortrag in der Synagoge zu arrangiren, zu welchem sich Tausende einfinden würden. Herr Dr. Birnbaum bedauerte nick)t zurückkommen zu können, da alle folgenden Abende dieser Woche bereits vergeben seien, er aber dann unmöglich von Wcstgalizien zurück in den äußersten Osten des Landes fahren könne; es werde sich hoffentlich wieder eine Gelegenheit ergeben, in Kolomea zu sein, um das Versäumte nachzuholen. — Ein (Sonnte, welches sich mit der Gründung eines Localvereines befassen soll, wird sich ans der Mitte derjenigen, die ihren Beitritt erklärt haben, constitniren. Kembrr«», den 3. Juni 1892. Herr Dr. Birnbaum hat auf seiner Rückreise nochmals in unserer Stadt geweilt und zwar hat er die Feiertage in unserer Mitte verbracht. Am 1. Feiertag fand Nachmittags eine Sitzung des gelegentlich der ersten Anwesenheit des Delegirten des „Admath Jeschurun" in Lemberg eingesetzten Comites zur Gründung eines Localvereines für Palästina-Colonisation statt. Man einigte sich schließlich dahin, dass unverzüglich ein Verein zu gründen sei, der dann der genannten Organisation beitreten werde. — Am Nachmittag des 2. Feiertages hielt Herr Dr. Birnbaum einen Vortrag über „Die Heilung des jüdischen Volkes" im Locale des bekannten Vereines „8chomer Isiael." Das erschienene Publicum, durchgehends den gebildeten Gesellschaftskreisen angehörig, belohnte die interessante Vorlesung mit stürmischem Beifalle. Nach Herrn Dr. Birnbaum ergriff der rühmlichst bekannte hebräische Schriftsteller Herr Brandes das Wort und vertrat mit dem ihm eigenen geistreichen Humor das zionistische Programm, wofür er geradezu frenetischen Applaus erntete. Es ist zu hoffen, dass auch dieser Nachmittag viel für unsere Sache in Lemberg gewirkt hat. — Am Abend des zweiten Feiertages versammelten sich die Mitglieder des Vereines „Zion" zu einer geselligen Abschiedsunterhaltung. Unser Gast war Gegenstand ehrender Aufmerksamkeit, welche ihm wahrscheinlich stets in freundlicher Erinnerung bleiben wird, sowie auch uvir in Lemberg immer gerne seines Hierseins gedenken werden.

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