Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 12 (21.6.1892)
- Date
- 1892-06-21
- Page
- Seite 118 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 118. Selbst-Emancipation Nr. 12. c) in den Parlamentarischen Körperschaften und Gemeindebehörden durch eine entsprechende Anzahl von Repräsentanten unserer Idee vertreten zu sein, ä) uns jene Rechte erkämpfen, die uns als besonderer Nation gebühren. «) die Erlangung der Gleichberechtigung und dies nicht — wie bis nun' ^ÜrüNler^Theorie sondern auch in der Praxis. 2. in materieller Beziehung: a) unter den jüdischen HaMvei^ruIsiociaüoucu gründen, die den Associrten ermöglichen sollen, mit den christlichen Produccnten erfolgreich concurriren zu können. b) die im grenzenlosen Elend versinkende jüdische Masse auf das Gebiet derLudustrie—und—des-Ackerhaues zu leiten. c) die Anlegung jüdischer Gewerbe- und Ackerbauschulen, ck) die Schaffung financieller Institutionen,. die unseren Producenten billigen Credit gewähren sollen. 3. in geistiger Beziehung: a) die VerbreitiM—jüdischen_Wissens, besonders der Kenntnis der jüdischen Gesckickte. der hebräischen Sprache uNls^ttexatur--^ b) die Erziehung unserer Juaeud im jüdischen Geiste. c) cine ennpremende Reform begj£l)ekiy die Einführung der jüdffchtti^^chichtejMd^hebräischen-.Sprache als obligate Untcrrichtsgegenstände für jüdische Schüler in den öffentlichen Schulen und Anstalten. ck) die Gründung eines Rabbinerseminars. e> im Volke positive Wissenschaften und reckte Aufv klärunq-verbreiten. f) die Entwickelung der jüdischen Literatur durch Concursausschreibungen. 4. in ethischer Richtung: a) die Weckung des uatjouLÜnu-Selbstbewusstseins und des Gestihles der^Telbstwürde und' die Stärkung der losen Solidarität. b) die Weckung unseres Rechtsbewusstseins und unserer Pflichten gegen Nichtjuden. c) die ^Ausscheidung-unserer eigenen Fehler, als da sind: die Vorurtheile der Massen, die^Korruption und der Servilismus beim größten Theile unserer sogenannten Intelligenz. Dies ist blos unser inneres Programm, aber wir haben auch unser äußeres und dies ist die Colonisation P a lästin a's unter Beibehaltung des bereits in der. „Selbst- Emancipation" vertretenen Programmes mit besonderem Hinweis auf „Ce n t r a l i s a t i o n." „Laus phrases!" heißt es jetzt in unserem Lager! Hand aufs Herz und die Wahrheit geredet! Die Wahrheit gesprochen, um jeden Preis, die Wahrheit im Interesse unserer armen Brüder! Die Maske herunter vom Gesichte jener Unverschämten, jener Parasiten, die aus schmutzigen Rücksichten sich selbst und ihre Brüder vcrläugueu, die Maske herunter von jenem frömmelnden Pharisäertum, jenem lichtscheuen Eulengelichter, das im Trüben fischt. So ist's Recht! „Was wir wollen?" ist nun deutlich präcjsirt. Auf gesunder wissenschaftlicher und sittlicher Basis - steht unser Programm, stehen unsere berechtigten Forderungen. Dieses Programm ist in der Lage uns von den Vorwürfen unserer Feinde zu befreien, die da sagen/ „dass im Wüste von unendlichen Phrasen der Kern unserer Wünsche verschwinde!)". Unsere Forderungen sind die natürlichen Consequenzen unserer armseligen und bedauernswerthen Verhältnisse und wir müssen siegen, da das Recht, da die 'Wahrheit auf unserer Seite ist. — Mit Hintansetzung aller persönlichen Rücksichten wird von unserer Seite für die Durchführung unserer Forderungen gekämpft werden. Wir werden nicht besoldet,' unseren Kämpfern winken keine einflußreichen Stellungen, keine einträglichen Sinecuren! Verachtung, Spott und Zurücksetzung ist der Lohn unserer Arbeit, aber uns belohnt das moral i s ch e und wissenschaftliche Bewusstsein unseres W o l l e n s. Wir wollen das Gute, wir wollen das Nützliche! Brody, 10. Juni 1892. E. Frisch. Velh-lechenr Iehudah.*) Rede, (Aufforderung zum Anschlüsse an den Palästina-Colonisationsverein „Admath Jeschurun“ in Wien.), gehalten am 2. Tage Sch'wuos 5652 (2. Juni 1892.) in der großen Synagoge zu Rad au tz von I. Kunstadt, Oberrabbiner. Im heute verlesenen Fcstabschnittc hören wir die Worte der heiligen Schrift, die da lauten: rnassas nidwas jodcho asclier thithen kaascher jeworechecho ck. elokecho. Die Spende deiner Hand, die du geben sollst, so wie der Ewige dein Gott dich segnet. maß-Steuer ist eine auferlegte Verpflichtung, der man sich nicht entziehen kann, nedowoh wieder ist eine freiwillige Gabe, deren Leistung dem fteien Willen des Spenders anheimgcgebcn ist. Wenn nun die h. Schrift diese beiden, sich einander ansschlicßenden Begriffe auf eine und dieselbe Leistung anwcndet, so wollen wir es versuchen, diesen scheinbaren Widerspruch in Folgendem zu lösen. Zu den Worten des Psalmistcn onauchi thochanthi amudeho ich habe ihre Säulen fest begründet, bemerken unsere Weisen im Midrasch: kiwon schekiblu jisroel onauchi ck. thochanthi amudeho. Als Israel das Gottcswort, das mit onauchi beginnet, als verpflichtendes Lebensgesetz angenommen, da wurden die Säulen, der Welt fest gegründet, al' g. dworim hoaulom aumed al hatauroh w’al hoavaudoh w’al g’milas chassodim. Drei Säulen sind es, auf, denen das Wültgebäude fest und sicher ruht, Thora, Gottesdienst und Menschenliebe; wo dieser schöne Dreiklang harmonisch ertönt, wo der Thora gehuldigt, dem Gottesdienste geweihet und der Humanität geopfert wird, dort ruht die Welt auf fester, sicherer, durch Nichts zu erschütternder Grundlage. Die herrlichsten Blumen im blühenden Kranze unseres Lebens, die 3 Nationalfeste unseres Volkes, die winden und ranken sich schmückend und zierend um diese welthaltenden Säulen. Pessach mit seinem, dem Feste auch den Namen gebenden Opfer ist awaudoh, öch’wuos als Tag der Thoraoffenbarung thauroh und Sukkos das Erntefest, an welchem, von der reichgedeckten Tafel unseres Ueberflusses auch den Armen und Bedürftigen zu geben Heilige Satzung uns gebietet, ist der Träger von g’milas chassodim. Wir können aber behaupten, dass das schöne Sch'wuosfest, das wir heuteffeiern, schon in sich allein das herrliche Dreigestirn von thauroh, awanduli und g’millas chassodim zum schönen Bunde vereinige, und so können wir dem galiläischen Lehrer, der die h. Dreizahl des heutigen Festes durch auraisso Ah’lissoi am Ah’lisso'i bircho Ah’lissoi hervorhob, noch ergänzend hinzufügen, dass auch die 3 erwähnten Grundpfeiler des Universums in dem heutigen Tage von mathan thauroh ihre sicherste und dauerhafteste Basis gefunden haben und sich hiemit das Eingangs erwähnte Wort des Midrasch bewäret hat: kiwon wg. Das durch Übernahme der thauroh ins beglückende Eigentum, die Säulen der Welt fest begründet wurden n. z., dass die thauroh im heutigen Tage wurzelt, braucht nicht erst besonders hervorgehoben zu werden, aber auch awaudoh in dem besonderen Opfercultus des heutigen Tages und g’milas chassodim, die uns die Heute verlesene Ruth-Idylle *) Wir empfehlen diese von dem hochorthodoxen Rabbiner einer hochorthodoxen Gemeinde gehaltene Predigt ganz besonders der Aufmerksamkeit unserer Leser und bitten dieselbe in den strenggläubigen jüdischen Kreisen Österreich-Ungarns möglichst bekannt zu machen. Die Redaetion.