Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 11 (7.6.1892)
- Date
- 1892-06-07
- Page
- Seite 112 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 112. Selbst-Emancipation Nr. 11. und Seidenzucht. Für die vollkommene Installation der Colonie seien 100,000 Francs nötig, wovon im ersten Jahre 30,000 Francs für Gebäude, Brunnen, Pflanzen u. s. w. gebraucht werde», und der Rest in Jahresraten zu 20,000 Fr. zu verwenden wäre. — Es ist zu hoffen, dass „Esra" für Mischmar viel thun wirdaber auch alle anderen Colonisationsvereine haben die Pflicht, diese junge noch schwache Colonie zu stützen und zu erhalten. Nur, wenn die Zionsfreunde ihre Thätigkeit nicht zersplittern, können sie etwas erreichen. Die bereits feit einem Jahre in Aussicht gestellte Subventton des Odeffaer Vereines per 10,000 Francs ist bisher nicht eingelangt, obwol der Pariser Universitätsprofessor Josef Halevy auf seiner Rückreise aus Palästtna den Umweg über Odessa gemacht hat, um die dortigen Zionsfreunde zur Subvention zu bestimmen, von welcher in „Hameliz" schon längst als festgesetzt die Rede war. Dagegen hat die „Esra" im vergangenen Winter durch eine Gabe von 2000 Francs verhindert, dass den Colonisten ein Jahr verloren gehe und auch die unlängst von ihm gesandten 1000 Francs haben großen Nutzen gebracht. Es werden dafür Ackerpfcrde angekauft. Es bleibt aber, wie gesagt, noch viel zu thun. Die Colonisten sind sehr arme Leute und die beim Häuserbau und den Pflanzungen gemachten Schulden zu zahlen außer Stande Sie sind auch nicht in der Lage, eine Maschine anzuschaffen, um damit das Jordanwasser heraufzutteibcn und einen Filterapparat, um dasselbe, welches namentlich int Sommer gesundheitsschädlich ist, zu reinigen. Die Colonie hat auch rveder Arzt, noch Apotheker. Drum auf Zionsfreunde, lasset der herrlichen aber armen Colonie Mischmar-Hajarden Eure Hilfe angedeihen! In R o s ch P i n a h wurden in diesem Jahre beinahe 150,000 Weinreben gepflanzt und wird ein günstiges Resultat erwartet. Auch wurden Maulbeerbäume behufs Seidenzucht, aber, wegen der Ouarantäne und anderer Hindernisse nur 23,000 und einige Tausend Mandelbäume gepflanzt. — Große Besorgnisse wurden rege/ als der Spätregen nicht kommen wollte. Endlich stellte er sich in reichlicher Menge ein, und die Aussichten auf ein ergiebiges Jahr sind große. Auch in „Aja Sejtlion", Besitz der „Agudatli Elef" (Tausendgenoffenschafts in F., wurden in diesem Jahre 45.000 Reben gepflanzt Vorige Woche besuchten der Obergärtner des Protektors, Herr Hermans, der Gärtner von Rosch-Pinas und Herr Bragin, ein jüdischer Weingärtner, der seine Studien in Frankreich absolvirt hat, die Colonie und sprachen sich über das schöne Anfgehen der Reben, sowie überhaupt über die Arbeit der Colonisten sehr lobend aus. Man macht große Vorbereitungen, um im künftigen Jahre dreiviertel Millionen Reben zu pflanzen. Die „Uii6.j-1ttitIi"-Loge in Saffed erwirbt sich große Verdienste. Vor Peßach verkaufte sie 8->00 Pfund Kartoffel zu äußerst niedrigen Selbstkostenpreise und vertheilte 150 Pfund Mazzoth gratis. Auch hat sie mit Hilfe, anderer Zionsfreunde in Odessa eine Bibliothek eröffnet. Herr Do.bruskin, Secretär des Pariser Vereines „Unes Aon" tveilt seit einigen Wochen in Palästina. Ghowew Zion Chronik. (Zer liter Cef. Zer. süd. Mädchen „Moria") hielt in der letzten Zeit zwei Versammlungen ab, deren Programm wir folgendes entnehmen: Galerie berühmter jüdischer Frauengestalten II., von Frl. Laura Götzl, Sarah Copia Sullam, Lebensbild einer jüdisch-italienischen Dichterin von Frl. Jda Werner, „Sohn und Tochter" Skizze von P. Smolensky, vorgelesen von Herrn Dr. A. Reich, Assimilation, Kosmopolitismus und Autoemancipation von Frl. Frieda Rand, En Oor. Gedicht von Goldbnrg, vorgeträgen von Frl. Jda Werner. Sümmtliche Vorträge und Vorlesungen wurden mit wohlverdienten Beifalle aufgenommen. Die Ueichsrathsmahl irr Stnnisia« hat bekanntlich dem dortigen Landesgerichtsrathe Ilofmokl zu einem Sitze im Abgeordnetenhause verholfen. Bemerkenswerth ist dabei, wie der in Lemberg erscheinende „Israelit" hervorhebt, dass dieser Städtebezirk wegen der Überzahl der Juden leicht einen jüdischen Abgeordneten hätte wählen können/ Aber „um des lieben Friedens willen nahm man davon Umgang." Der Erfolg — Verdächtigungen und Verhetzungen im „D/iennik Polski" — könnte wieder einmal die Inden belehren, dass sie es ohnedies den andern nicht recht machen können; also hätten sie wenigstens ihren eigenen Interessen durch die Wahl eines jüdischen Vertreters Rechnung tragen sollen. Unglaublich! In Nr. 20 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. Mai d. I. veröffentlicht der bekannte jüdische Publicist I. Si n g e r in Paris einen „praktischen Vorschlag zur Förderung der hebräischen Sprache", welcher wieder einmal deutlich beweist, wohin sich das moderne Assimilationsjndentum bei seinen Versuchen der Errettung und Erhaltung Israels verrennen kann. Herr Singer will nämlich sein Ideal, d. h. 4>ic Befähigung eines jeden , gebildeten Juden die Thora, Jesajas und Jehuda Halevy im Originaltexte zu lesen, dadurch erreichen, dass man den Grundsatz äufstelle keinem jüdischen Studirenden, unter welchem Vorwände immer auch nur einen Pfennig aus irgend einer jüdischen Stiftung oder Casse zu verabfolgen, bevor er nicht vor einer ad hoc eingesetzten Commission den Beweis geliefert hat dass er die Bibel in der Ursprache zu lesen verstehe. Diese Anregung, deren Tragweite ein einziger Blick auf die Summen, mit welchen jüdische Studenten unterstützt werden zur Genüge erhellt und welche auch sonst nur schwer ernstgenommen werden kann, ist wie Herr Singer selbst sagt, der „Grundgedanke" seines Vorschlages. Es darf daher nicht wundern, wenn uns bald darauf folgende Geistesblüthe geboten wird: „Man sollte doch endlich zur Einsicht gelangen, dass das Judentum weit eher eine religiös-wissenschaftliche, als eine Wohlthätigkeitsinstitntion ist." (!) Man lese und staune! Wol hörten wir von einem Streite ob das Judentum eine Natton, Rasse oder Confession ist und selbst dass man es als keines von diesen, sondern als Unglück betrachtete, nahm uns nicht Wunder; diese neueste Differenzirung ist entschieden eine Erfindung des Herrn Singer und tvir beeilen uns sie unseren Lesern mitzutheilen. Es kann unter solchen Umständen, den Zionisten nur recht sein, wenn Herr S. erklärt: „Ich gehöre nicht zu jener Partei unter uns, welche in ihrer edlen Begeisterung für das heilige Idiom unserer Väter so weit geht, im Falle des Gelingens des palästinensischen Colonisationsprojectes die Errichtung einer Universität in Jerusalem mit hebräischer Unterrichtssprache anzustreben. Es hängt dieser Gedanke oder besser gesagt diese schwärmerische Hoffnung mit einem in sich geschlossenen Jdeencomplex so innig zusammen, dass ich mich um weitläufige Erörterungen zu vermeiden, hier damit begnügen muss, den Lesern dieses Blattes die Gestalten der am Zionsberge in hebräischer Sprache die Lehren Darwins und Häckels Vortragender Professoren und der ihnen lauschenden Studenten ans dem Morgenlande nur in Vogelperspective vorzuführen." (!!!) O Judentum! Wie bist du doch wenn auch keine Wohlthätigkeitsso doch eine wohlthätige Institution für gar manche, welche den Alp, der ihren Geist drückt, wenigstens auf dich abschütteln zu können glauben! „Haiwri nennt sich ein seit April dieses Jahres in New-Iork erscheinendes hebräisches Wochenblatt. Aus Argentinien. Über die Colonisation in Argentinien bringt die „Jüd. Presse" eine Mittheiluug des Prof.