Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 11 (7.6.1892)
- Date
- 1892-06-07
- Page
- Seite 110 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 11. Seite 110. Selbst-Emancipation Aufschwung nur deutschen Fabrikanten und führt zur Begründung dieser Behauptung die Namen der ersten Fabrikanten an. Diese sind: Porges, Ringhoffer, Piibram und Richter. — Sehr zweifelhaftes Deutschtum das! Ein tschechisches Blatt behauptet, dass die Alttschechen im öfter. Abgeordnetenhaus!: eigentlich gar keine Vertreter haben,") da die auf alttschechischem Programme gewählten Prof. Zucker und Leop. P o l l a k — Juden seien. *) **) Der andere „alttichechische Abgeordnete Herr Leopold Pollak" hat in seinem Rechenschaftsbericht, den er am 20. Mai d I. in der Budweiser Handelskammer ablegte, sich mit „größtem Stolze" seiner Verdienste um die „tschechische" Nationalität gerühmt. Trotzdem überschütteten ihn die Jungtschechen, die faktisch derzeit die tschechische Nation vertreten, mit Drohungen und Schmähungen, die Herr Pollak als von „Antisemiten", — so bezeichnet auch er nämlich die Jungtschechen — herrührend, als unberechtigt erklärt. Sei dem wie es will, Herr Prof. Zucker und Herr Leopold Pollak haben sich als die arrangirten Vertreter der Tschechen nur blamirt, welche Thatsache wohl von keinem in Böhmen lebenden Politiker bestritten tverdcn wird. Der Dank, deti die beiden jüdischen Alttschechen oder alttschechischen Juden erhalten werden, dürfte ihren „Erwartungen" nicht entsprechen. Trösten dürfen sie sich jedoch mit der Thatsache, dass ihr Fiasko ein—verdientes ist. Das hochofficiöse „Prager Abendblatt" (Beilage der „Prager Zeitung") citirt eine Mittheilung der „Polit. K." worin gesagt wird, dass „vor dem WilnaerGerichtshofeingroßerinteressantcr Process begonnen, in welchem neun jüdische Frauen des Kindermordes, eine zehnte des Versuches dieses' Verbrechens und ein Jude der Vorschnbleistung angeklagt sind — - ". Warum das „Prager Abendblatt" das Judentum der Angeklagten mitangibt, ist mir nicht recht begreiflich, da das Pr. Abendblatt" jedenfalls den Standpunkt beachten muss, dass die „Confession" mit dieser Schaudcrgeschichte nichts zu thun hat. Wenn ich zum Schluss mich mit dem „Deutschen Volksblatt befasse, so »volle man nicht glauben, dass ich mir das Angenehmste zuletzt gelassen habe, man darf auch nicht glauben, dchs es mir ein Vergnügen ist mit diesem Journal zu polemisiren. Das „Deutsche Volksblatt" hat meinem Artikel in Nr. 5. der „S. E." zun» Anlass einer Verläumdung und Schmähung benützt, doch dabei einen hübschen Schnitzer gemacht. In der „S. E." 9h\ 5 Seite 55 erste Spalte oben heißt es: „ . . Die Geschäftsphiloscmiten behaupten, — gewöhnlich in Anwesenheit von Juden . . . u. s. w", das „Deutsche Volksblatt" schreibt jedoch . . . „Die Geschäftsphilosemiten behaupten — gewöhnlich in Abwesenheit von Juden u. s. w", wodurch der ganze Sinn des Satzes geändert wird. 6nstav Leiäeinann. Original-Correspondenzen. Gesterrekch-Urigaim. Wien» 25. Mai 1892. In der jüngst stattgefundencn Generalversammlung des Vereines zur Abwehr des Antiseniitismus, hielt Hofrath Prof. Nothnagel eine Ansprache, in welcher er seine Ansichten über Antisemitismus auseinanderfetzte. Diese mit großem Beifalle anfgenommene Rede, die von den Tagesblättern ausführlich reproduzirt wurde und die. für den hochangesehenen Gelehrten und mit Recht beliebten Lehrer, im Hörsäale, ein lärmendes, unwürdiges Nachspiel zur .Folge hatte, fand auch unter unseren Stammesgenossen allgemeine Zustimmung. „Der Nothnagel hat den Nagel auf den Kopf getroffen" sagte uns ein witziger Freund, der .in dieser Rede den Anfang des Endes des Antisemitismus *) Außer den Minister krnLnic. **) Vcrgl. meine Artikel „Zur Lage in Böhmen" in Nr. 2 und 8—7 der „S. E." sieht. Auch wir sind mit Nothnagel der Ansicht, dass der Antisemitismus „aus dem Gemeinen in der Menschheit seinen Ursprung nimmt", auch wir stimmen mit Nothnagel darin überein, dass „die empörende Gestaltung dieses Frevels sdes Antisemitismus) an der Humaniiät und Gerechtigkeit „gemeinen Neid und niedrige Missgunst" zur Triebfeder hat. Allein wir bleiben nicht auf halbein Wege stehen, sondern werden von der hinreißenden Beredsamkeit N o t h n a g e l's fortgezogcn und fragen: Warum beneidet nian gerade uns? Was niissgönnt man uns? Etwa unsere sociale Stellung, unsere Freiheit? Oder beneidet man gar die „Hundert- und aber Hunderttausend von ärmsten Inden, welche bitter und mühselig mit des Lebens Noth ringen? „Man hasst den Eoncurrenten auf den Gebieten des geistigen und gewerblichen Lebens" sagt Nothnagel. Ja, warum hasst man nicht die, in Wirklichkeit, iveit mächtigeren und zahlreicheren Concurrenten nicht jüdischer Abkunft? Sollte es nicht einen tieferen Grund für diesen Neid und diese Missgunst geben? Sollte es nicht etwa gewisse Unterschiede zwischen Juden mib Nichtjuden geben, welche zu „Neid und Missgunst" Anlass geben, Unterschiede, die in der Natur und Veranlagung eines großen, alten Volkes gelegen sind und sich nicht vermischen .lassen? Mögen die Gelehrten darüber Nachdenken.Wir aber, das „gemarterte Volk" wie uns Herr Hvfrath Nothnagel in seiner formvollendeten Rede so richtig nennt, wir haben aus der dieser Rede folgenden Discussion die Nichtigkeit des goldenen Ausspruches bestätigt gestmden, den der selige Dr. P i n s k e r in seiner vortrefflichen „Ailto-Emancipation" gethan: „Als Jude verfolgt und als Jude beschützt zu sein ist gleich beschämend für die Menschenwürde des Inden" und wir sind Herrn Prof. Nothnagel ans ganzem Herzen dankbar dafür, dajs er uns das begeisternde Dichtcrwort in Erinnerung bringt, welches mit feurigen Settern in die Seele eines jeden Juden eingegrabcn iverden sollte: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles einsetzt für die Ehre." * Eines. Wien, 20. Mai 1892. Der Palästina-Colonisations- Verein „Admath Jcschurun" hielt am 17. Mai seine ordentliche Soinmer-Generalversammlung, in welcher zunächst die durch Austritt einiger Ausschussmitglieder vacant gewordenen Stellen wieder besetzt wurden. Gewählt wurden: Zum Vicc-Präsideiiteii Herr' Dr. Josef Roth, zum Schriftführer Herr Dr. O. Koke sch, zn Ansschnssmitgliedern die Herren Dr. jur. Diamant und N. Pineles. Von besonderer Wichtigkeit waren die Ausführungen des Präsidenten Dr. Schnircr, über das Organisationsproject der zionistischen Vereine in Oesterreich. Die Herbeiführung, einer Vereinigung sämmtlicher Zionsvereine, war seit jeher eine der wichtigsten Aufgaben, die sich die Vercinsleitung gestellt hat. Demgemäss hat auch das Präsidium im verflossenen Winter diesbezügliche Schritte unternominen. Allein diese mit großen Schwierigkeiten verbundene Ausgabe erfordert längere' Zeit. Inzwischen hat die Vereinsleitung den Versuch gemachtem Oesterreich 'eine Centralisirung der zionistischen Arbeit' herbeizuführen. Zu diesemBehnfe hat der Ausschuss die Herren Dr. Birnbaum und Bauer (letzterer ist durch unerwartete dringende Berufsgeschäfte verhindert worden. Red.) fiir 3 Wochen nach Galizien und Bukowina entsendet, teils um neue zionistische Vereine in's Leben zn rufen, teils um die bereits bestehenden zum Anschlüsse an einen zn gründenden Verband der Palästina- Colonisationsvereine in Oesterreich zu bewegen. Dieser Verband soll von einem Central-Ausschusse geleitet werden, der seinen Sitz in Wien haben wird und ans Vertretern sämmtlicher teilnehmender Vereine bestehen wird. Die Geldmittel sämmtlicher Localvereine sollen in eine Centralkasse, fließen und von der Verbandsleitung im Sinne der zu' schaffenden Statuten und entsprechend den Wünschen der Einzelvereine verwendet werden. Zu diesem Behnfe ist es notwendig, dass