Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 10 (15.5.1892)
- Date
- 1892-05-15
- Page
- Seite 98 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 98. Selbst-Emancipation Nr. 10. auf dem Boden der Gesellschaft „Menucliah w'nachlah“ und dem von Privateigentümern mehr als 350.000, in Chderah bei 1OO.OOO Reben gepflanzt. Dazu kommen in beiden Colonien eine stattliche Anzahl anderer Pflanzungen und die Baumschulen. — In Rcchowoth spielte sich vor Kurzem ein Vorfall ab, welcher von den Feinden der Colonisation begierig aufgegriffen und nach Gebühr und Bedarf aufgebauscht wird. In Wahrheit liegt aber nichts Anderes vor, als eine aus den Boden bezügliche Streitigkeit, wie sie zwischen Grundnachbarn so häufig in aller Herren Ländern vorkommt und mit religiösem, nationalem oder socialem Hasse nichts zu thun hat. Die ganze Sache wäre nicht einmal beachtenswert, wenn cs nicht gälte, böswilligen Verläunidern den Mund zu schließen, den sie zu Uebertreibungen, Entstellungen und Verdrehungen aufthun. Die Bewohner des Rechowoth benachbarten Fellachendorfes Sarnoga hatten sich ftüher ein Weiderecht auf den Grundstücken der jüdischen Colonisten angemaßt, waren aber bald durch die Energie der letzteren zur Raison gebracht worden und hatten ■ seitdem in allen Streitigkeiten mit den jüdischen Ansiedlern dem gerechten, unparteiischen Urtheilsspruch des Colonielciters, vor dem sie großen Respect haben, Folge zu leisten sich gewöhnt. Jüngst glaubten sie nun von einem jüdischen Colonisten eine Grenzverletzung begangen, was ohne Absicht auch der Fall gewesen sein mag; in Folge dessen kam der Scheich des arabischen Dorfes in die Colonic, um sich bei dem Leiter derselben zu beschweren und auf Abhilfe zu dringen. Unglücklicher Weise war dieser und auch sonst Niemand von der Verwaltung anwesend; der Leiter war gerade in Jaffa, der zweite Administrator in einem entfernten Weinberge, der Gärtner in Chdera. So fand der Scheich Keinen, dem er seine Beschwerde Vorbringen konnte; er wandte sich an einen jungen Colonisten, welcher in Folge seiner Unerfahrenheit im Umgänge mit den Arabern den Scheich beleidigte. Dieser kehrte racheschnaubend in sein Dorf zurück und fand sich gegen 4 Uhr Nachmittags wieder mit hundert Fellachen, darunter mehrere andere Scheichs, in der Colonic ein. Die Araber wussten, dass um diese Zeit die Colonisten im Felde und daher eine Störung nicht zu erwarten wäre. Sie unterhielten sich deshalb damit, die Fensterscheiben aller Häuser einzuschlagcn, zu stehlen, und die wenigen Ansiedler, welche sie in der Colonie fanden, zu prügeln. Vereinzelt kamen nun Colonisten, soweit sie in der Nähe beschäftigt waren auf ein Allarmsignal zurück, konnten aber nichts thun, da sie keine genügenden und brauchbaren Waffen hatten. Nichtsdestoweniger zogen sich die Araber bald zurück, da sie die Heimkehr der übrigen Colonisten befürchteten. Als auch wirklich diese, sowie berittene Juden aus den Colonien Rischon l'Zion, Chdera, Wadi-el-chanin und Ekron ankamen, trafen sie die unliebsamen Gäste' nicht mehr an. Die Behörden führen die Untersuchung mit eiserner Strenge. Die Scheichs befinden sich in Haft. Der Vorfall wird das doppelte Gute haben, dass er einerseits den Fellachen die Lust zu ähnlichen Bravourstücken benehmen und andererseits die Colonisten veranlassen wird, ftir alle Fälle mit Waffen versehen zu sein. Was die Jerusalem-Jaffaer Bahnbetrifft, so schreiten die Arbeiten vorwärts; namentlich wurden bereits die Vorarbeiten zum Bahnhofbau in Jerusalem begonnen. Sie wissen bereits, dass die Bahn von einer in Paris ihren Sitz habenden Aktiengesellschaft gebaut wird. Viele Actien sollen sich in Händen Rothschild's befinden. Der Fahrpreis für die zweistündige Fahrt von Jerusalem nach Jaffa und retour ist mit beiläufig 20 Francs gedacht.*) Unlängst verkaufte die Colonie Rischon l'Zion 10.000 Liter Wein zum Preise voii 30 Francs per Hectoliter. — Außerdem haben einige Stammesgenossen in Jaffa ein großes Weingeschäst für Rischon l'Zion-Weine eröffnet. *) Wir finden den Preis für zu hoch. Die Red. Chronik. Verein „Moria". Der - in diesem Vereine von .Frl. Frieda Rand gehaltene und in der letzten Nummer der „S.-E." veröffentlichte Vortrag hat in den Kreisen unserer Gesinnungsgenossen berechtigtes Aufsehen hervorgerufen. Von den zahlreichen Kundgebungen, die in der letzten Zeit dem Vereine zugingen, sei hier nachfolgendes Telegramm aus Berlin hervorgehoben: In der letzten Feriensitzung des russisch-jüdischen wissenschaftlichen Vereines wurde die Verlesung des Artikels der „Selbst - Emancipation" über „Moria" enthiisiastisch ausgenommen; alle Anwesenden beschlossen hierauf, dem löblichen Vereine ein Glückwunschtelegramm zuzusenden. Mit nationalem Gruß. .... «Folgen 40 Unterschriften.» Eine» ausgezeichneten Vorschlag machte ein Herr P. M. H. Wechsler im Mainzer „Israelit." Hochzcitstelcgramme sollen zum Besten der Armen im heiligen Lande erspart werden. Die betreffenden Einladungskarten könnten am Rande eine kurze Bemerkung enthalten, wie z. B. : „Sollte cs in Ihrer Absicht liegen uns mit einem Gratulationstclcgramme zu beehren, so bitten wir statt dessen 3 Tage vor dem Hochzcitsfeste 50 Pfg. in einem Couvert an .... zur Übermittlung eines Palästinntclegrammes zu senden." — Wir Nationaljuden sollten obigen Vorschlag mit einiger Ausdehnung acccptiren. Zunächst gibt es außer Hochzeiten auch andere Gelegenheiten, bei welchen gerne telegrafirt wird, .als Doctorpronwtionen, Barmizwah-Feiern u. s. w. Aus alle diese Gelegenheiten ist der Vorschlag auszudehncu und haben alle Gesinnungsgenossen die moralische Pflicht, ihn zu befolgen. Aber auch der Zweck, zu welchem der cingcsendcte Betrag zu verwenden wäre, müsste differenzirt werden. Wir beantragen die Berücksichtigung folgender Zwecke: 1. Unterstützung der'bereits bestehenden palästinensischen Colonicn. 2. Unterstützung neuer Ansiedler und Ansiedlungenin Palästina. 3. Unterstützung der jüdischen Minen Palästinas. 4. Förderung culturellcr Bestrebungen in Palästina, namentlich die Belebung der hebräischen Sprache. 5. Unterstützung verfolgter, vertriebener, ziir Auswanderung gezwungener lind anderer hilfsbedürftiger Juden. 6. Unterstützung und Errichtung jüdischer Schulcii. 7. Propaganda der zionistischen Idee im Allgemeinen. 8. Erhaltung, Vergrößerung und Verbreitung des Partciblattcs „Selbst-Emancipation." 9. Förderung nationäljüdischcr Zwecke überhaupt. — Der Vorgang bei solchen Spenden würde sich folgendermaßen gestalten: Derjenige Gesinnungsgenosse, welcher Anzeigen, die Depeschen zil provocircn pflegen, verseiidet, lasse an den Rand derselben oder noch besser auf einen bcigclcgten Zettel folgende Bemcrkung drucken: „Sollte cs in Ihrer Absicht liegen, uns mit einem Telegramme zu beehren, so bitten wir statt dessen es bloß bei einem Postbricfe bewenden zu lassen und die Telegrainrngcbühr zur .... (hier wird einer der vorgenannten Zwecke angeführt noch vor dem Hochzeitsfeste in Briefmarken an die Administration der Zeitschrift „Selbst - Emancipation", Wien, XIX. Döbling, Hauptstraße 30,zu übersenden." — Die „Selbst Emancipation" ist natürlich ihrerseits bereit, alle diese Spenden anzunchmcn, den Erhalt derselben und ihre widmungsgemäßc Verwendung ausznwcisen. Über die Verwendung von Fall zu Fall entscheidet ad 7. die Administration der „S.-E.", ad 1—6, 8 und 9 die zionistische Parteileitung, resp. vorläufig das zionistische Partei-Organisations-Comitö. Golnsblüthen. In Groningen (Deutschland) spielten jüngst zwei Knaben, von welchen der Eine Jude war. Plötzlich rief der christliche Junge: „Wir wollen Russland und die Juden spielen!" Kaum gesagt, versetzte er seinen Spielkameraden einen heftigen Schlag auf den Kopf, dass der jüdische Knabe zusammenbrach und vom Platze getragen werden müsste.