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Selbst-Emancipation · 1892-05-15 · Heft 10 (15.5.1892) · p. Seite 97

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 10 (15.5.1892)
Date
1892-05-15
Page
Seite 97 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10. Selbst-Emancipation Seite 97. auch eine körperliche Verjüngung braucht, wissen wir recht gut. Auch wir sind keine „Klausfrommen", und beklagen die Verkümmerung der Manneskrast des jüdischen Volkes, aber - auf dem Wege der Annahme europäischer Cnltnrauswüchse werden wir's gewiss nicht bessern. Die Studentcnpaukerei gibt nicht den wahren Muth, die Studentenkueipc nicht die wahre Jugendfröhlichkeit. Es sind Künsteleien und wir wollen Rückkehr zur Natürlichkeit. Doch genug! Sv leid es uns thut, müssen wir in jeder Beziehung jede Verantwortlichkeit für vorstehenden Artikel unseres geschätzten Mitkämpsers, Herrn Dr. Rüben Vierer entschieden a b l e h n e n. Original-CorrespondenM. Gesterreich-Rrrgarrr. Wien, 10. Mai 1892. Der Ausschuss des Vereines „Adinatli Jeschurun'- hat beschlossen, den Chefredacteur unseres Blattes und Herrn Salomon Bauer, Biecpräsident des Vereines, nach Galizien und der Bukowina zu entsenden, zu dem Zwecke, um dort die Gründling von Loealvercinen anzuregcn. Gleichzeitig hat der Ausschuss aus mehrfache diesfälligc Anregungen cinstiminig beschlossen, dem Plenum eine Blenderung, der Statuten in dem Sinne vorznschlagen, dass sämmtliche Palästina-Evlonisativns-Vereine Oesterreichs als evordinirtc Localvercine einen Verband mit dem Centralsitze in Wien bilden. Der Ausschuss hegt keinen Zweifel, dass diese Acnderung bald Thatsache sein wird, womit der Beginn einer neuen Epoche der Palästina-Beweglmg Oesterreichs zu erlvarten ist. Die Herren Salomon Bauer, und Dr. Nathan Birnbaum verlassen Sonntag den t5. d. M. Wien und dürften drei Wochen in verschiedenen Städten Galiziens und der Bukowina für ihren Ncisezivcck wirken. Es ist z»l hoffen, dass die dortigen Gesinnungsgenossen den genannten Herren bei ihrem Vorhaben behilflich sein werden. Auf die Reise bezügliche Mitthcilungcn und Anfragen wolle man an Herrn Dr. Nathan Birnbaum, per Adresse des Vereines „Zion", Lemberg, richten. Mien, den». Mai 1802. Der akademische Verein „Kadimah" hielt gestern den Eröffnungsabcnd seines 19. Semesters ab. Es hatte sich nebst den Bereinsmitgliedern, eine große Anzahl von studentischen und anderen Gästen eingefunden, Nach Begrüßung derselben durch den Vcreinspräses, Herrn Dr. med. Karl Pollak, hielt dieser eine Rede, welche, in Styl und Inhalt gleich ausgezeichnet, auf die Zuhörer großen Eindruck machte; sie war Beweis dafür, dass die Mitglieder der „Kadimah" ihre Ausgabe mit der Begeisterung der Jugend dnrchzuführcn gedenken. Nach ihm sprach Herr cand. phii. Julius Werner, welcher in seinen wohldurchdachtcn und vornehmen Ausführungen mit Erfolg versuchte, die Richtigkeit des nationaljüdischen Programms zu erweisen, wobei er die anderen -Richtungen, welche angeblich den: Judentum helfen sollen, scharf 'krittsirte, Beide Redner fanden den wohlverdienten Beifall. Bor Beginn der geselligen Unterhaltung, die bis zu vorgerückter Stunde dauerte, nahni noch Herr sind. med. Isidor Schalit Anlass, einen längeren Toast auf die „alten Herren" des Vereines auszubringen, für welchen die anwesenden „alten Herren" ihren Dank aussprachen. Lemberg, den 2. Mai 1892. Dem Correspondentcn, der in diesem Blatte den hiesigen Rabbiner Dr. C aro beschuldigte, derselbe habe ruhig zugesehen, wie bei der im Tempel veranstalteten Todtenfeier für die Gefallenen des Jahres 1863 mit Kreuzen versehene Gesänge vertheilt wurden, warf Herr Dr. Caro „bübische Verleumdung" vor Ich bin nun in der Lage mit Bestimmtheit zu behaupten, dass die fraglichen Gesänge nicht nur mit Kreuzen versehen waren, sondern auch eine Strophe enthielten, in welcher von demjenigen die Rede war, dem einst die Dornenkrone aufgesetzt wurde. — Bei der am 23. Ilpril stattgehabten Exhorte tadelte der Herr Rabbiner die Oberrealschüler wegen ihres Mangels an Religiosität. Veritas *) *) Name und volle Wresfe des Einsenders sind uns bekannt. Die Möglichkeit eines Jrrthums ist dennoch nicht ausgeschlossen; besonders aber Lemberg, den 3. Mai 1892. Die heute im Tempel von der „polnischen Jugend" zur Erinnerung an die Constiturion vom 3. Mai veranstaltete Feier beweist zur Genüge, wie tief unsere jüdische Jugend gesunken ist. Vor allem war auf den Placatcn die polnische Jugend" unterfertigt. Giebt es also gar keinen Unterschied mehr zwischen den „mosaischpolnischen" — klingt wie „deutsch-chinesisch" — und der christlich-polnischen Jugend? Herr Dr. Caro hielt die Festrede, wobei er in gebrochenem Polnisch seinen Stolz auf „unsere" Helden zunr Ausdruck brachte. Welches Schauspiel! Und da wirft er noch uns vor, dass unsere Wage die Lüge sei, uns, die wir fi'ir die schönste Wahrheit, für das erhabenste Ideal kämpfen, das arme, zu Boden geblickte Völkchen Israel zu einem stolzen, auf sich selbst sich stützenden, freien, an Geist und Kraft mächtigeni Volke aus eigenem Boden zu machen. Zu dem sonstigen Programme der heuttgen Feier gehörten die gewöhnlichen 2 polnisch-nationalen Lieder, auf deren Tcxtblatt, Dank der Aufmerksamkeit seitens unseres Blattes diesmal das Kreuz auf dem polnischen Adler weggeblieben war. Dagegen konimt im Liede (Strophe 1, Vers 6) eine Stelle vor, die sich auf die Stifter der christlichen Religion bezieht. Zu bemerken ist noch, dass der Tcnipcl bloß zur Hälfte von Knaben gefüllt war, an älteren Leuten niangelte es. Als der Tempelchor „llalleliijak" anstimmtc, begannen die christlichen Burschen, deren cs ziemlich viel im Gotteshause gab. zu zischen und theilweise zu Pfeifen, hörten aber sofort wieder auf. so dass der Chor seinen Gesang fortseben konnte. Deutsches Reich. Magdeburg, 5. Mai 1892. Vor etwa einem halben Jahre lvurde hier ein freisinniges Tageblatt für die Provinz Sachsei: und Herzogtum Anhalt unter dem Namen „Freie Presse" gegründet. Das Blatt hatte sich zum Hauptziel die Bekämpfung des hiesigen Antisemitismus gesetzt und lvurde hauptsächlich von Juden nnterstützt und gelesen. Jetzt ist dasselbe nun eingegangen. Die Sache wäre wol nicht möglich gewesen, wenn unser freisinniges Publikum, das nach Ausweis der Wahlen in unserer Provinz und in Anhalt, besonders ailch in unserer Stadt nicht klein an Zahl ist, mindestens für die Bekämpfung des Antisemitismus irgend ein Interesse hätte. —.— Hamburg, 5. Mai 1892. Montag fand hier die eonstituirende Versammlung des hiesigen Localverbandes des „Esra" statt. Dr. Piza, der den Vorsitz si'chrte, hob in glänzender Rede die Bedeutung der Colonisation Palästina's durch russische Inden hervor und widerlegte alle Einwände, die seitens mancher Anwesenden laut wurden. In den Vorstand wurden die Herren Dr. M. Piza, Dt. S. Wolfs und Josef Ritter gewählt. X. Palästina. Jerusalem, 25. April 1892. Das Einwanderungsverbot gegenüber den russischen Inden wird nach wie vor sehr strenge gehandhabt. Andererseits kommen viele nichtjüdische Gäste ins Land, von welchen jedoch die jüdische Bevölkerung keinen Nutzen zieht, da sie sich zumeist an Leute ihrer Nationalität oder Religion wenden. Das Executivcomitö des Odessaer „Vereins zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Ackerbauer in Syrien und Palästina" in Jaffa hat im März eine große Strecke Landes neben dem Dorfe Muza bei Jerusalem gekauft. Dasselbe soll mit Wein bepflanzt und dann an Inden des Landes verkauft werden. Auch die Gesellschaft „Chibathaarez", deren Zweck Landankauf behufs Häuserban ist, hat dort 150 Dunam Boden gekauft. Der längst ersehnte Regen ist in reichlicher Menge eingetreten, unsere Bevölkerung und namentlich die Colonisten mit flohen Hoffnungen erfüllend. In Rechowoth und Chderah wurden in diesem ersten Jahre ihres Bestandes mehr Reben gepflanzt, als in allen anderen Colonien zusammengenommen. In Rechowoth wurden liegt die Möglichkeit nahe, dass Dr. Caro von dem scandalösen Vorgänge keine Kenntnis hatte. Veranstaller ber Todtenfeier war der bekannte assimilatorische Verein „Agudas Achim." Die Redactton.

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