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Selbst-Emancipation · 1892-05-15 · Heft 10 (15.5.1892) · p. Seite 96

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 10 (15.5.1892)
Date
1892-05-15
Page
Seite 96 (sequence 6)
Language
German
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Seite 96. Selhst-Emancipation Nr. 10. baren Macht — der geistigen — welche sich am liebsten in aller Stille des jüdischen Hauses zu entfalten liebt. Unser Volk blieb 18 Jahrhunderte bald das Priester-, tum fiir die ganze Menschheit, obschon dieselbe sich von dieser Thatsache zu entsagen suchte. Wir Juden — waren also der Nationalsinn des ^geistigen Zions. Die übrigen Nationen hatten indessen diese Zeit mit dein Schwertfuchteln ihre Grenzen und ihre Existenzen gezeichnet. Dazumal hatten wir wahrlich nicht nöttg, ein nattonales Judentum zu consttuiren —- denn aus dem Munde der Säuglinge, ans dem warmen Hauch der jüdischen Eltern, aus dem hellen Lichte der Melamdim und Rabbiner schöpften die Generationen ihre unbesiegbare nationale Kraft. Nun aber kam die Mendelssoyn'sche Epoche, die einen gewaltigen Umschwung in Israel hervorrief, hiezu die völlig sich nmgestaltende Lage der Inden durch die französische Rcvolutton. Die Taufe der Mendelsohn'schen Kinder gab das Signal znm Abfall und zum Zurückdrängen des innersten Wesens des Judentums. Man strebte, sich den arischen Völkern gleichzustellen. Die herrliche jüdische, früher geregelt«' Lebensweise machte der arischen Platz und es ist leider die Zeit der Taufen (folgen einige nicht zu entziffernde Worte), die Zeit des Sichschämens des Judentums mit allein, tvas daran und darum hängt. Entivichen ist jeder zionistische Gedanken, es verklingt allmälig die hebräische Sprache, der Mund der jüdischen Gelehrten verstummt. Israel beweint seine dahinsterbendcn Todten als -unersetzlich für das gesammte Volk, denn es gilt ja den letzten Geistcsheldcn, die für sie gestritten und gelitten, ein letztes „Fahre wohl" zuznrufeii. — Wer tritt nun an diese Stelle — unwissende, halbwissende Assimilanten, welche für Christbäumc und Hasenbraten schwärmen. Aus tvelcher Quelle nun soll unsere nächste Generation ihr Volkstum schöpfen — welcher Mund soll ihnen was von der Erhabenheit der jüdischen Vergangenheit und von den Leistungen für die Zukunft berichten? — Unsere assimilatorisch verbohrten stunK mens Reverend? oder die blutdürstendcn Antisemiten? Deswegen müssen wir uns fteuen, und die Geschichte Israels und die Namen Jener mit stannnender Schrift zeichnen, welche es erlebt haben, ein kleines Häuflein jüdischer Intelligenz in den letzten Studienjahren noch herauszuretten aus assimilirter und christelnder Sintfluth — um es zu einem nattonalen Centrnm umzugestalten. Dank jenen jungen Männern, welche es willig übernommen, das nach innen Fehlende langsam durch Willcnsenergie zu ersetzen, Dank und Anerkennung Jenen, welche in stiller Zurückgezogenheit der Studierzimmer ihr Judentum pflegen und verbreiten. Dreimal Dank, Ancrkeilnung und Verehrung denjenigen Gruppen unserer nattonalen- Mitkämpfer, tvelchc vom heil. Feuereifer durchglüht ihr Judentum offen und mit weithin sichtbaren Zeichen der Umgebung bekunden. Jene beginnen erst den uralten nationalen Faden aufznnehincn, als Israel zwcimächtig dastand. Jene Jugend, welche den Namen Jude nicht schänden lassen, von seinen Widersachern. — Wie unendlich höher stehen die Mekadsche liaschem berabbim, als die ‘ Klausfrommen. Hier sind wir nun der Äußerung des Jüdischnationalcn.nach Außen durch Burschenschaften näher gerückt. Wir Juden haben nicht die mindeste Ursache uns vor Uniform tragenden Corporationcn zu fürchten. Haben ja die Arier die Priestcrgewandung von uns hergenommen, haben ja wir noch vor mehr als 2000 Jahren Orden im Ordensgewande besessen, und die Tracht der Leviten, diese herrliche, war diese anders als die eines uniformirten Sängerverbandes und wie viele jüdische Orden gibt es heute in Israel mit eigenem Ordensornatc. Und diese Farbcnscheu was will diese sagen, hat nicht der größte Mann aller Zeiten, unser Lehrer Mosche, die Farben des Stiftzeltes und die des Priestcrgewandes angegeben. Und die Abzeichen der nationalen jüdischen Stämme hatten sie nicht zur Erhalttmg der Ordnung im Kriege und Frieden geführt? Wenn die deutschen Burschenschaften Abzeichen tragen, so möchte ich mit dem hebräischen Volksmnnde nur sagen: kbliar kodmoch. Und wozu war das Institut des Zizittragcns, ebenso das tragen der Bärte — alles um den Volke ein Erkennungszeichen und Typus zu geben. Wenn wir in der arischen Welt herangczogen werden, unseren Arm zu stählen, unseren Muth zu stärken, ihre Abzeichen zu ttagen, dann dürfen wir folgerichtig selbst ihre Abzeichen tragen, um cs begreiflich zu machen, dass auch unser Arm bereits gestählt und geschult ist, unsere Rechte ebenso zu schützen vor jedem feindlichen Angriff, wie wir bercitstehcn für das Gcsammtwohl der Staaten die uns hiezu auffordern und berufen, unser Blut zu verspritzen. Wir können uns aber mit der Erklärung des Wortführers des Hasmonaea ganz zufricdenstellcn, auch nach jener Richtung hin, dass der Wunsch nach Stärke und Gewandtheit — bei uns — nicht znm Händclsuchen und sinnlosen Schlägereien, dass der Solidaritätssinn nicht zum beschränkten Kastengeist wird. — Wir kennen den Mäßigkeitssinn, welcher in den Söhnen unseres Volkes lebt and trauen unserer Burschenschaft so viel Selbstbeherrschung zu, dass der nationaljüdische Gedanke sich nicht nach den bekannten Forinen der Fcuchtfröhlichkcit entfalten wird. Fort also mit den grämenden Sorgen für die neue Erscheinung im jüdischnationalen Lager, fort mit der Vcrtraucnslosigkcit und dem zagenden Bangen ob dieser herrlichen Himmelsbogcnfarbcn, die auch unser Nationalheiligtum schmückten, Farben unter denen Herzen schlagen, welche geloben, das Judentum nach innen zu kräftige^, nach außen würdig zu repräscntircn. Es lebe Israel, welches in der rothen Farbe das vergossene Heldcnblut ihrer Ahnen ehrt, in dem Blau unerschütterliche Treue seinem Volke bringt und in der grünen Farbe, dieses einigenden Bandes, die Hoffnung nähret, auf Israels bessere nationale Zukunft. Zlach w'rcliav al dbhar emeth rufe ich der neugegründcten „Hasmonaea" allen Brndervcrcincn, die sich überall gebildet haben zur Ehre, und zum Heile des Judenttnns. Hiemit hoffe ich, verehrter Herr Redactcur, Ihre vermeintlichen Scrllpcl beschwichtigt zu haben, und zeichne, Heil Zion, Dr. Rüben Vierer. Nachbemerkung der R e d a c t i o n. Wir hätten sicherlich einem Artikel über die Frage der „nationaljüdischen Burschenschaft" keine Aufnahme mehr gewährt, — künftighin wird cs auch nicht mehr geschehen, denn unsere Leser haben ein Anrecht darauf, über ein Thema von sccundärer Bedeutung nicht allzu oft unterhalten zu werden — wenn es nicht ein bejahrter und verdienter Gesinnungsgenosse wäre, der ihn cingesandt hätte und wenn wir nicht wüssten, dass Herr Dr. B i er er als bejahrter und verdienter Zionist mit seinen burschenschaftsfreundlichen Ansichten allein steht, daher eine weitere Zuschrift in diesem Sinne von gleich würdiger Seite nicht mehr zu erwarten ist. Wenn das Programm der „Hasmonaea" wirklich ein so löbliches ist, wie es schon unlängst deren Wortführer, Herr Dr. d. med. Schemnel Jossef Vierer behauptet hat, und hier dessen hochverehrter Herr Vater behauptet, so tadeln wir das gewiß nicht; ja wir glauben sogar gerne an dieses Programm, aber uns fehlt der Glaube an eine Erfüllung des Programmes, wenn der Ballast des deutschen Burschenwesens vorhanden ist. Bisher haben uns die Thatsachen nicht Lügen gestraft. Dass Israel

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