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Selbst-Emancipation · 1892-05-15 · Heft 10 (15.5.1892) · p. Seite 95

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 10 (15.5.1892)
Date
1892-05-15
Page
Seite 95 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10. Selbst-Emancipation Seite 05. Schön e r e r und Schneider u. A. zu Hilfe kamen, durch Reden, wie „Der Kampf des deutschen Volkes um sein Dasein", oder „Die Verjudnng des deutschen Rechtes", den deutschen „Michel" — wie sie sich selber nennen, — aufzuhetzen vermocht haben, ist selbstverständlich. L. M. „ Selbst-Emancipation", ein Mann steht, welcher von Jünglingsbeinen an der nationalen Arbeit sich hingab und dies mit einem Eifer und einer Unverdrossenheit, die nian bewundernd Der Bruderzwist im Judentum und der Zionismus. Das wahre Judentum, unsere nationale Religion, ist von anderen Religionen grundverschieden. Ihr Ziel ist der Mensch, nicht der schwärmerische, gebeugte, von blindem Glauben eingenommene, sondern der Mensch int schönen und edlen Sinne dieses Wortes, der arbeitende, fröhliche, sittliche Mensch, mit einer idealen Lebcnsanschauung, die sich in seinem Thun und Lassen kundgibt, mit einem munteren, ruhigen Blick in die Welt, mit einer geregelten, von allen Extremen gleichwcit entfernten Lebensweise. Das Reich des Judentums ist von dieser Welt, von der Welt des Lebens, des kernigen und idealen Lebens, besonders des ruhigen, Herz- und geisterguickenden Familienlebens. Das ist für den, der offene Augen hat, zu lesen in der Thora, in den Propheten, in der Mischna und im Talmud. Der mittelalterliche Alpdruck einerseits und die schrankcnbrcchende Neuzeit andererseits haben im Judentum tiefe, traurige Spuren zurückgclassen, haben demselben tödtliche Wunden geschlagen. Das Judentum blutet! Da kommen die Einen mit ernsten Mienen und schadenfrohen Herzen, bekleiden den todtkranken Körper mit geborgtem Flitter, schminken ihm die blutleeren Wangen und stellen ihn auf die Straße, auf dass man ihn angaffc, auf dass er — wie sie sagen — die Leuchte der Welt werde. Mit besorgtem Herzen hingegen zerren die anderen den Halbtodtcn in eine dumpfe Kammer, schließen in dort von Licht und Lust ab, damit diese ihm nicht schaden. Wir aber wollen den Kranken nähren und kräftigen, ihm gesunde, frische Luft und warmes rothes Blut znführen, auf dass die Wunden, an welchen man jetzt wegen der Schwäche des Körpers nicht ohne Gefahr hantiren kann, allmälig von selbst heilen und vernarben; aus dass der Körper gesunde und erstarke, auch dass das Judentum wieder wie vor alten, alten Zeiten zu blühen beginne und uns und durch uns die gesammte Menschheit mit den edelsten Früchten beschenke. D a s w o l l e n w i r! 11. Jjar 5652. . Vcritas *) Zur Burschenschastsfrage. L ö b.l. Redaetion! Nemanim pize chebh w’natharoth n’schikotli ssone (Mischle 27, 6). Die Voraussetzung leitet mich, dass wir alle beseelt sind vom Geiste brüderlichen Wohlwollens, für unser Volk empfindet .man die Freundeshiebe, die von hüben und drüben fallen, als Ausfluss treuer Hingebung für die heilige Sache, welche wir führen — und gewiss nicht als persönlichen Streit. Ich schicke voraus, dass die löbl. Redaetion die volle Berechtigung besitzt, alle Erscheinungen im echtjüdischen Lager zu beobachtend und ihrer Meinung rückhaltslos Ausdruck zu verleihen. Umsomehr, da an der Spitze unseres Organs, der *) Ter Schreiber dieses Artikels ist nicht identisch mit demjenigen Gesinnungsgenossen, der in der vorliegenden Nummer unter demselben Pseudonym aus Lemberg berichtet. anerkennen muss. Herr Doctor Nathan Birnbaum, unser lieber Freund und Mitkämpfer, gehört somit zu jenen Wenigsten der Begabten, welche durch fortwährende geistige Känipfe sich selbst und ihre Waffen zu namhafter Kraftentfaltung heranreisen. Grund genug, dass wir seinen Worten, wie oft sie auch Wunden versetzen, Aufmerksanikeit ilnd Würdigung schenken. Der letzte Strauss, den Herr Dr. B i r n b a u in ausficht, wäre, offen gestanden, lieber zu vernieiden — um einerseits nicht den Streit ins eigene Lager zu zerren, andererseits nicht den Muth jener jungen Leute herabzudrücken, welche wir als Zuwachs zu den älteren Gesinnungsgenoffen mit Freuden begrüßen und ausnehmen sollten. So aber das Wort mit den Farben und „assimilirtes Nationaljudentum" aus dem Gehege der Redaetion entwichen, gibt es kein Zurückzieheu inehr und wir wollen mit Erlaubnis der verehelichen Redaetion noch einige Bemerkungen — zu jenen im „Israelit", Lemberg — hinznfügen. Wir wollen das „assimilirte Nationaljudentnm", welches in der ins Leben getretenen ersten nationaljüdischen Burschenschaft „Hasmonaea" anftreten soll, seinem Wesen und seinem Aeußeren nach näher ins Auge fassen. In der vorigen Nummer vernahmen wir aus dem Munde des Wortführers der „Hasmonaea", meines lieben Sohnes, das Programm dieser assimilirten Nationalen, welches darin besteht, die jüdische Literatur, die Geschichte und Sprache zu pflegen, die Aufrichtung und Einprägnng des jüdischen Geistes in den Kreisen der Heranwachsenden jüdischen Intelligenz zu fördern und durch muthiges Vorantragen der jüdischen Fahne — was nach innen und außen zum intensivere» Ausdruck gelangt. Im Zusammenhang mit diesem steht noch der wichtigste Punkt Jischuw erez Israel! Ein reichhaltigeres .nationaljüdisches Programm bei noch so jungen Jahren unserer jetzigen Academiker kann es tvol kaum geben. Jeder w a r m f ü h l e n d e Jude m u s s nun diese Verbindung mit Freude n begrüßen, gewiss nicht minder der geehrte Herr Chefredacteur. Wenden wir uns nun;u den Mitteln, insoweit dieselben äußere Formen aunehmen. Es gilt nun darüber zu discutiren, ob das öffentliche Auftreten oder das zurückgezogene für die Gegenwart paßt und ob dieses öffentliche stramme Auftreten auch der Sache in gleichem Maße wie die stille Arbeit zuträglich sei. Um dieses zu entscheiden, finden wir uns veranlasst, einen Rückblick in die Geschichte unseres Volkes zu machen und wir finden kurz Folgendes: Unser Volk hat urspriinglich von dem Schöpfer zwei Gewalten erhalten, die eine die Macht des Armes, welche es allen umgebenden Nationen, ob im Siege, ob in der blutigsten Niederlage, fiihlen ließ — Römer und Griechen, Perser und Babylonier, Philister und Kanaaniter anderer Namen mussten ihren hohen Tribut an Blut zahlen für alle Fälle. Die göttliche Vorsehung wollte aber Israel auf dem ganzen Erdenrund zerstreuen, um die im Untergehen begriffene scheußliche Weltorduung der Heiden Cultur des Monotheisnius zu lehren — (und für die Entmannung utib den Abfall unseres Volkes, für die Maulwurfsarbeit der Assimilanten jerusalemischen Gepräges zu züchtigem — überwältigte uns, das kleine Karmel-Gebirgsvolk, das Hunderte Millionen zählende Römervolk, und so mussten wir das Schwert in die Scheide stecken. Unsere Arme wurde» in Europa von den arischen Völkerschaften abgehauen und unser Muth in Strömen unschuldigen Blutes ersäuft. Israel blieb nunmehr im Besitze einer einzigen unsicht-

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