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Selbst-Emancipation · 1892-05-01 · Heft 9 (1.5.1892) · p. Seite 87

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 9 (1.5.1892)
Date
1892-05-01
Page
Seite 87 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 9. Selbst-Emancipation Seite 87. Austreibung uachsuchen. Sie erhielten die Antwort, dass ihre Bittschriften überhaupt nicht in Erwägung gezogen werden. — Den Agenten von Kaufleuten der 1. und 2. Gilde, welchen es früher gestattet war, 6 Monate resp. 14 Tage in der Stadt zu bleiben, ist fiir die Zukunft der Aufenthalt in Moskau ganz untersagt. Nordamerika und die russischen Inden. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben zwei außerordentliche Commissäre, die Herren Oberst I. L. Weber und Dr. W. Kempfter »ach Rußland geschickt, um die Zustände der dortigen Inden und die Ursachen ihres massenhaften Zuflusses in die Union zu studieren. Dieselben haben nun einen Bericht erstattet, welcher das grauenhafte Elend unserer Brüder im Zarenreiche bloßlegt. Die meisten Tagesblätter haben die markantesten Stellen derselben bereits veröffentlicht und so entfällt wohl die Pflicht für uns, sie unseren Lesern mitzutheilen. Argentinien. Der „Hnzpfirah“ schreibt den gewesenen Moskauer Rabbiner CH. I. Widrewitz über eine mit Baron Hirsch in Paris gehabte Unterredung. Gelegentlich derselben bat ihn der Baron folgende Rathschlägc, von welchen wir das Wesentlichste mittheilen, in die Öffentlichkeit zu bringen: 1. Leute, die zumindest 100.0000 Francs besitzen, können sich ohne jede Unterstützung in Argentinien ansiedeln. Sie mögen sich in Gmppen von 50 Familien zusainmenthun. Jede Gruppe wähle zwei wissenschaftlich gebildete Vertrauensmänner, von welchen einer die Landwirthschaft verstehen solle'. Diese Vertrauensmänner müssen hierauf über Paris, wo ihnen-der Baron Empfehlungen an seine Beamten in Argentinien mitgeben werde, dahin ziehen um Land zu kaufen, 100 Hectar für jede'Familie. Guter Boden finde sich fünf bis sechs Stunden von Buenos-Ayrcs, entfernt, zu 40 bis 50 Francs der Hectar. Die Familien sollen erst Nachkommen, bis die Colonien vollständig eingerichtet sind/ 2. Diejenigen, welchen eine gewisse Summe zu 10.000 Francs fehlt, können sicher sein, dass ihnen der Baron den Rest mit Hypothekarischer Sicherstellung auf den genannten Boden leihen wird. Auch sie sollen Delegirtc wühlen, die mit ihm zu unterhandeln, und dann alles abzumachcn haben. 3.. Gänzlich" mittellose-Leute mögen vorläufig in Russ- ' land bleiben, bis der Baron die Erlaubniss der Regierung erlangt haben werde. Dann würden Comit s in Warschau, Wilna und Odessa eingerichtet, welche eine Auswahl unter den Auswanderern treffen werden. Die Ausgewähltcn werden dann auf Kosten des Barons nach Argentinien befördert und dort Boden unter den günstigsten Rückzahlnngsbedingungen erhalten. 4. Wer ohne Legitimation eines der genannten Comit's nach Argentinien reisen werde, werde dort gar keine Unterstützung finden und müssen sich die Folgen nur selbst zuschreiben. Gegenüber dieser Correspondenz der „Uruieürak" müssen wir auf folgende Zeitungsnachrichten Hinweisen, welche leider ein - viel traurigeres Gepräge tragen. Zunächst wird der „Kölner Zeitung" aus Montevideo, Ende März, geschrieben, dass die Unruhen in der Juden-Colonie Mosesville beigelegt zu sein scheinen, nachdem man 60 Leute gefangen genommen und 36 von ihnen zur Aburtheilung nach Santa Fe gebracht hat. Neuerdings haben die Vertreter des Barons Hirsch in der argentinischen Provinz Entrerios von einer Landspeculationsgesellschaft, und zwar zum angeblichen Preise von 1,800.000 Papier-Pesos oder etwa 2 Millionen Mark 25 Quadrat-Leguas (zu 31 Quadrat-Kilometer) Campland angekaust. Die „Menorah" wiederum schreibt Folgendes: Santa Fö (Argentinien).^ Von maskirten Banden wurden hier die jüdischen Ansiedler überfallen und mehrere von ihnen getötet; einer der Mörder, ein Polizist, wurde ergriffen und von den erbitterten Ansiedlern gelyncht. Es ist überhaupt hier etwas Alltägliches, dass Polizisten sich systematisch an Raub und Mord betheiligen, denen alle Ansiedler, welcher Confession sie auch immer angehören mögen, ausgesetzt seien. — Und in ein solches Land sollen unsere unglücklichen russischen Brüder verpflanzt werden? — Kommen sie nicht vom Regen in die Traufe? — Wie die argentinischen Blätter selber schreiben, hat überhaupt die Zerrüttung der Republik Argenttnien eine höchst beklagenswerte Demoralisirnng der Bevölkerung zur Folge gehabt. So schreibt eines der angesehensten Blätter der Republik, der „Levnomista ^rxontino": Man vergleiche einmal die Zahl der Verbrecher verschiedener Länder mit einander. Auf 10.000 Einwohner kommen 1887 in Norwegen 15, in Paris (1886) 39, in Buenos Ayres (1887) über 135, in Rosario (Argentinien) 9 2 8, sage und schreibe neunhundert und achtundzwanzig rohe Verbrecher. Dabei ist zu bemerken, dass der statistische Bericht über Argenttnien aus' dem letzten Jahre eine noch größere Zahl von Verbrechern aufweist. — Es kommt aber noch besser. Dieselbe Zeitung schreibt weiter: „Und was thun unsere Behörden mit den überführten Verbrechern? Sie machen dieselben zu Wächtern der öffentlichen Ordnung, verstärken durch sie die Polizeiwache und das öffentliche Heer. Kein Wunder, dass die Verbrecher fortwährend zunehmen." — Wir fragen noch einmal: „In ein solches Land sollen unsere unglücklichen russischen Brüder verpflanzt werden?" Von besonders weittragender Bedeutung erscheint aber folgendes der „Neuen Freien Presse" aus Paris zugekommene Telegramm vom 23. April, dessen Bestätigung noch abzuwarten bliebe: „Nach hier eingelangten Nachrichten sollen die von Baron Hirsch unter dem Namen Jewish colonisation assoeiation im Vorjahre gegründeten Juden-Colonien in Auflösung begriffen sein. Es heißt, die russisch-jüdischen Ansiedler seien nicht zu discipliniren gewesen, und man gibt die Schuld dem häufigen Wechsel in der Directton. Diese ist seit acht Monaten nun schon die dritte. Die bedeutendste der drei Colonien, welche Mauricio heißt, soll der Schauplatz ernster Unruhen gewesen sein. Die Colonisten, fiir deren Unterbringung nicht ausreichend gesorgt werden konnte, äußerten ihren Missmuth in stürmischen Scenen. Der Localverwalter war endlich gezwungen, die Hilfe der argentinischen Polizei in Anspruch zu nehmen. Diese wirthschaftete arg unter den Meuterern, tödtete und verwundete mehrere. Auch andere zwei Colonien befinden sich in übler Lage. Baron Hirsch soll hiedurch selber in seinem Vertrauen auf die Ausführbarkeit seines Planes erschüttert sein. Sein jetziger Vollmachthaber, der englische Oberst Goldsmid,. erhielt den Aufttag, die Juden-Colonien zu schließen und sämmtliche Ansiedler, insgesammt etwa zweitausend Personen, nach einem Hafen der Vereinigten Staaten von Nordamerika zu befördern. Es ist vorläufig noch nicht gewiss, ob Baron Hirsch seinen Plan völlig aufgibt oder ihn späterhin mit neuen Leuten und nach gründlicherer Vorbereitung aller Bedingungen abermals zu verwirklichen suchen wird." Die Chinese«. Der chinesische Gesandte in Washington hat der Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika zur Kenntnis gebracht, dass die endgilttge Annahme des Gesetzes gegen die chinesische Einwanderung seitens des Repräsentantenhauses den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen China und der Union zur Folge haben würde. Ferner bereiten die in den Vereinigten Staaten lebenden Chinesen eine Petition an den Kaiser von China vor, in der sie um Ergreifung von Regressiv-Maßregeln bitten, durch welche die Aufhebung der gegen die chinesische Einwanderung in den Vereinigten Staaten gerichteten Maßregeln erzielt werden soll. — Warum wir das bringen? Gewiß nicht mit Beziehung auf Schönerer, der die Juden „unsere Chinesen"

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