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Selbst-Emancipation · 1892-04-17 · Heft 8 (17.4.1892) · p. Seite 75

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 8 (17.4.1892)
Date
1892-04-17
Page
Seite 75 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 8. Selbst-Emancipation Seite 75. breitere Basis stellt und ihre Kräfte aus ganz Deutsch-Oesterreich sammeln will, kann also in der Frage des Antisemitismus kein streng einheitliches sein." — Es sind dies Grundsätze, welche den Juden gegenüber nicht blvs von den Deutsch- Nationalen Steinwender'scher Couleur, sondern von allen Seiten practicirt werden. Aus Russland. Der Unterrichtsminister hat nach einer Petersburger Depesche des „Przeglond" in einem Erlasse an sämmtliche russische Lehranstalten verboten, jüdischen Schülern was immer für Geldunterstützungeil, Stipendien oder Schulgeldbefreiungen zu gewähren. — In Nowa Dwor wurden, wie aus Petersburg gemeldet wird, 150 in einer Synagoge versamnielte Juden von betrunkenen Soldaten, welche Thüren und Fenster cinschlugen, überfallen. Die Polizei erschien zur Herstellung der Ordnung und Aufnahme des Thatbestandes. Schließlich wurde eine Anzahl Juden ins Gefängnis geworfen und nach Sibirien deporürt. Aus Rumänien. Das rumänische Regierungsblatt „Constitutionalul" bringt die Nachricht, dass der Commandant des 4. Armeecorps verboten habe, jüdische Soldaten zu Unterofsicieren avancieren zu lassen, und dass ferner Ordre ergangen sei, Israeliten nicht zu Wachcommandanten an den Pruthufern zu ernennen, damit sie keine Autorität über die Grenzwächter ausüben lind nicht etwa der Einwanderung russischer Juden Vorschub leisten. Um Gründe ist man in Rumänien nicht verlegen. Der portugiesische Marineminister kündigte eine starke Inden-Einwanderung in der astikanischen Colonie zum Zwecke der Ansiedelung auf der Mossamedes-Hochebene an. Die Einwanderer kommen von Südamerika. Argentinien. Das in Warschau erscheinende hebräische Tagblatt.,Hazefirah“ bespricht, wie gegenwärtig sämmtliche jüdische Zeitungen Russlands, die Frage der Auswanderung nach. Argenünien, sowie die dortigen Verhältnisse sehr ausführlich. In Nr. 74 d. Jahrg. kommt sie speciell auf das Verhältnis des argentinischen Projectes zur Paläsüna-Colonisation uild der national-jüdischen Idee zu sprechen und sagt darüber Folgendes: „An der Spitze des argentinischen Unternehmens steht gegenwärtig Oberst Goldsmid, ein tapferer Mann aus vornehmer jüdischer Familie, von dem wir erwarten können, dass er die Colonisation in Argentinien nicht zur Störung, sondern zur Förderung der Colonisation Palästinas betreiben werde, so dass die beiden Werke wie Zwillingsschwestern mit einander verbunden sein werden. Darum besteht nach unserer Meinung kein Grund zu neidischer Concurrenz zwischen der Colonisation des heiligen Landes und der Ansiedlung in Palästina. Es ist unsere Pflicht, die palästinensischen Colonisten zu unterstützen, aber für diejenigen, welche Colonisten in Argentinien werden wollen, verlangt Niemand eine Gabe oder Hilfe von uns. Die Colonisation Palästinas kann nur eine allmälige sein und es erscheint nach seinen derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen unmöglich, eine Masseneinwanderung daselbst dnrchzusühren. Inzwischen irren große Massen ohne Heim und Unterhalt in den verschiedenen Ländern umher, die eben nach Argenünien gehen sollen. Die Colonisaüon Palästinas ist eine heilige, die Argentiniens - eine profane Sache. Die Colonisation Palästinas ist eine Angelegenheit von großer Bedeutung und zarter Natur; es darf nicht geschehen, dass man dieses kostbare Gefäß zum Fleischtopf der Menge mache. Wir sind alle Zionssteunde, alle bereit, unsere Kräfte der Zionssache zu weihen, doch geben wir uns keiner Täuschung hin, Palästina ist gegenwärüg gänzlich verschlossen. Im Verlaufe der letzten zehn Jahre verließen jährlich mindestens 30.000 jüdische Auswanderer das Land. Nehmen wir an, dass die Emigratton nicht wachsen, sondern sich gleich bleiben werde, wohin sollen sich diese 30.000 wenden? Verlangen die „Argenüuienfeinde aus Zionsliebe", dass sie nach Palästina ziehen sollen. Wie traurig ist eine Zionsliebe, die wünscht, daß sich die Massen in das heilige Land ergießen sollen?" Es erübrigt noch über die Auswanderung nach Argenünien vom Standpunkt des Judentums und der israeliüschen Naüon zu sprechen. Können die Juden ihrem Glauben gemäß und, ohne sich selbst zu verleugnen, in Paläsüna leben. So stagen die um den Bestand der Naüon Besorgten. Nach unserer Meinung ist dies überhaupt keine berechügte Frage. Die erwähnten 30.000 Mann, welche jährlich unser Land verlassen, werden, wenn sie nicht nach Argenünien gehen werden, nach New-Iork oder Philadelphia gehen. Diese Städte sind voller Juden und neue Mengen können sich hier nicht mehr ansiedeln. Es gibt jetzt daselbst Comitv's, welche die Flüchtlinge in ferne Städte Nordamerikas schicken und sie in die verschiedensten Gegenden zerstreuen. Nun stagen wir uns, wo mehr Sicherheit für den Fortbestand der israelitischen Religion und Nationalität besteht, — ob im weiten Nordamerika, wo sie zerstreut und zersprengt zwischen de» anderen Völkern als Schneider, Agenten und Peddlars leben, oder in Argenünien, wo für sie ein agriculülreller Sammel- und Mittelpunkt errichtet werden soll, wo sic Gotteshäuser, Rabbiner und volksgenössische Lehrer haben werden. Wir glauben, dass in dieser Gemeinschaft eine stärkere Bürgschaft für den Bestand des Judentums besteht, als in der uordamerikanischen Zerstreuung, mit der sich zur Zeit die Comitv's in New-Dork und Philadelphia befassen." Auch wir sind der Ansicht, dass kein Grund vorliegt, die argentinische Colonisation als augenblickliches Hilfswerk, das obendrein mehr Garanüen gegen die Assimilation, wenigstens vorläufig, zu bieten scheint, als andere nichtpalästinensische Retümgsacüonen, von sich zu weisen. Mögen jetzt die Auswanderermasscn nach Argentinien ziehen. Das ungleich wichügere und einzig und allein definitiv volkserlösende Zionswerk kann und darf dadurch nicht tangirt werden. In Dori-Haid verbreiteten die dorügen Griechen das Gerücht, dass der jüdische Kaufmann Carmona ein christliches Mädchen abgeschlachtet habe, und schon im nächsten Augenblicke wurde C a r m o n a mit Messerstichen verletzt und einige Juden der Nachbarschaft misshandelt. Dank dem sofortigen energischen Einschreiten des engl. Militärs, welches die wütende Volksmenge mit Bajonetten und der Dampfspritze zerstreute, wurde der Aufruhr im Keime ersückt. Carmona ist einige Stunden später seinen Wunden erlegen. Hingegen wurde das fehlende Christenmädchen kerngesund im Hause Carm o na's aufgefunden; dasselbe war in harmloser Weise in Carmona's Haus, wo es oft zu verkehren pflegte, gegangen; da aber die Osterfeiertage vor der Thüre sind, so benützte ein gegenüber wohnender Grieche diese Gelegenheit, in der Hoffnung, in Port-Said etwas n In Corfu in Scene setzen zu können. — Die Untersuchung ist bereits eingeleitet. Militärische Verstärkung wurde behufs Sicherheit aus Cairo nach Port-Said geschickt. The Christian-Jews patriotic alliance, nennt sich ein neuer Verein in London, dessen Austuf „Jewish Herald" veröffentlicht. Die Tendenz des Vereines drückt sich in folgenden Stellen des Aufrufes deutlich aus:;,Die Juden, welche an Jesus, den Sohn Davids, den Messias glauben, verlieren nicht ihre Naüonalität. Sie bleiben Juden in dem wahrsten Sinne des Wortes. Das geisttge und nationale Leben sind bei einem treuen Hebräer unzertrennlich. Sein Leben kann kein wahrhaft geistiges sein, wenn es nicht von einer unzerstörbaren Liebe zum Lande unserer Ahnen beseelt ist ... . Die christlichen Juden haben bisher, ebenso wie die orthodoxen und die Reformjuden aller Schatürungen, das naüonale Gefühl zu wenig gepflegt... Unsere Herzen sind schmerzgebeugt beim Anblicke des unglücklichen Zustandes unserer Naüon, umsomehr, als er die Folge der Verwerfung des Messias ist." — Wir brauchen wol nicht erst zu bemerken, dass wires hier mit einer Unternehmung zu thun haben, die auf den-

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