Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 8 (17.4.1892)
- Date
- 1892-04-17
- Page
- Seite 72 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sclbst-Emancipation Nr. 8. Erttäge. Weizen ist denn auch die Hauptnahrung der einheimischen Bevölkerung und wird außerdem von Galilaca über Haifa und vom Ostjordanland nach Nordarabicn und selbst Damaskus cxportirt. Neben Weizen wird viel Gerste gebaut, die als Vichstrtter dient, aber auch von den Aermsten zum Brod genommen wird. Von sonstigen Getrcidcarten wird noch in größeren Quantitäten Mais gebaut, der ebenfalls von Haifa und Jasa stark cxportirt wird, ferner Durra und Hirse. Sesam ist eine sehr vielfach cultivirtc Pflanze, die einen großen Export hat, da Sesamöl im ganzen Orient als Speiseöl dient. Jasa allein führt pro Jahr 1—IV2 Millionen Francs Sesam aus. Der Wein Palästinas war schon im Altertum bekannt, doch verfiel der Anbau später und erst in der neuesten Zeit wurde er wieder ausgenommen, seitdem die Weinpreisc eine Versendung nach Frankreich gestatteten. Es ist bei dem stetig durch die Reblaus zurückgehcndcn Weinbau in Europa nicht zu übersehen, dass sich hier für die Ansiedler in Palästina ein weites Feld zu erfolgreichster Thätigkcit öffnet, wogegen allerdings die hohen Anlagckostcn der Weinberge hcrvorgehobcn werden müssen. Die arabischen Reben sind gegen die Reblaus so immun wie die amerikanischen und selbst die Berge Judas, die den Getreidebau nicht mehr lohnen, sind stir Wcinpslanzungcn besonders geeignet. Ebenfalls einer sehr großen Ausdehnung fähig und noch lange nicht auf der Stufe wie vor 2000 Jahren ist die Pflege der Olivcnbäumc, obschon auch heute noch Oliven sowol, als Olivenöl und die daraus bereitete Seife ins Ausland versandt werden. Fast ganz vergessen ist der Anbau der Baumwollstaude und des Zuckerrohres, die beide bis in das späte Mittelalter sehr lohnend waren. Rationell betrieben muss auch heute noch die Cultnr von Baumwolle ebenso lohnend sein, wie iii dem benachbarten Aegypten. In der Nähe von Jasa blühen besonders die Obstplantagcn, die reichen Ertrag liefern und jährlich mit 1*/»—2 Millionen Francs an der Ausfuhr von Jasa theilnchmen. In der Nähe der Städte werden noch Gemüse gepflanzt, auch Feigenbäume kommen überall vor, im Ghor sogar Dattelpalmen. Tabak wurde stüher mehr gebaut, aber die Monopolisirung des Tabakbaues und Vertriebes führte zu großen Einschränkungen und der Tabakbau ist in fortwährendem Rückgang. Neben dem Ackerbau spielt die Viehzucht besonders bei den Beduinen eine große Nolle, aber auch bei den Bauern bildet sic einen Hauptnahrungszweig. Am meisten gezüchtet werden die Schafe, und daher wird auch am meisten Schaffleisch gegessen; auch die Schafmilch ist sehr geschätzt. Die Wolle wird stark cxportirt, besonders Nabulus ist darin Haupthandclsplatz. Nächst den Schafen werden viel Ziegen gehalten, dagegen wenig Rindvieh, das fast nur zum Pflügen und Dreschen benutzt wird, zu welchem Zwecke man im Jordanthal Büffel hält. Den Beduinen dienen in der Wüste Kamecle als Last- und Ncitthicrc, Kamcclmilch wird viel getrunken, und Kamcclwollc stark ausgcführt. Als Neitthierc für die zahlreichen Fremden halten die Bauern Pferde, Maulthicre und Esel. Von Geflügel werden nur Hühner gehalten, während Gänse bisher nur sehr selten gezüchtet werden, Tauben und Enten nur wild Vorkommen. Die Jagd ist in Palästina sehr wenig ergiebig, da die wilden Thierc sehr selten geworden sind, der Fischfang wird nur wenig ausgebcutct, trotzdem der See Genczarcth und der Jordan, wie schon erwähnt sehr fischreich sind. Bienenzucht wird in kleinem Maßstabc mit gutem Erfolg betrieben. Von dem schlechten Urthcil, das man über denprimitiven Ackerbau in Palästina zu fällen genötigt ist, sind nur zwei Ausnahmen zu machen, nämlich die Templercolonien und die jüdischen Dörfer. Die Templcrdörfcr von würtembergischen Bauern in dem Jahre 1860 begründet, pflegten anfangs nur den Ackerbau, wobei sie uur mühsam vorwärts kamen, auch viele Schwierigkeiten mit den türkischen Beamten hatten, weil sie sich dem landesüblichen Bakschisch nicht fügen wollten, aber nach einer Reihe von arbcitsvollcn Jahren gediehen sie vortrefflich, und seitdem sie feit 10 Jahren den Weinbau pflegen, erzielen sic sehr gute Resultate. Bon den zahlreichen jüdischen Dörfern, deren bis jetzt ungefähr 20 gegründet sind, ist noch nicht so viel gutes zu sagen, da dieselben noch nicht lange genug bestehen, die ältesten datiren aus den Jahren 1882—84 und da in der neuesten Zeit dieselben fast sämmtlich zum Weinbau übergegangcn sind und dieser eine längere Reihe von Jahren erfordert, bevor er Erträge liefert, so sind die meisten Dörfer nicht in der Lage, den Schutz des bekannten mächtigen Protcctor zu entbehren. Doch ist erwähnenswert, dass einzelne, wie Ekron sich bereits beim Getreidebau selbst erhielten, jedoch auf Wunsch des Protectors den Getreidebau anfgaben und große Weinplantagen anlegten, die für die Zukunft glänzende Erttäge versprechen. Orrginal-Correspondenzen. Gesterrerch-U,»garn. Wien, den 14. April 1892. Die letzte Session des niederöstcrreichischeil und des steirischen Landtages, welche beide liberale Majoritäten besitzen, haben ganz eigentümliche Erscheinungen gebracht. In Niederösterreich speciell drang ein Antrag des Landtagsabgeordneten Gregorig durch, wonach die Verwaltung der Armenhäuser „geeigneten, verlässlichen, unbescholtenen christlichen Ehepaaren" zu übertragen sei, ferner ein Antrag, dass dem katholischen Seelsorger, und nur diesem, eine Virilstimme im Armenrate zukommen solle. - Die „Neue Freie Presse" ist über den „Abbröcklungsprocess" in der deutsch-liberalen Partei entsetzt und meint, dass diese „Zersetzung gleich bedenklich ist, ob sie in der Kampfesmüdigkeit oder in der Rücksicht auf die falsche (falsch? Leider echt. Redaction der „S.-E.") Popularität , der antiliberalen Strömung ihren Grund haben mag". Auch ist das Blatt von der im niederösterreichischen Landtage erfolgten Wahl des Dr. Lueger in die Commission für die Durchführung der Wiener Verkehrsanlagen unangenehm überrascht und äußert sich darüber wie folgt: „Die Antisemiten und Clericaleu verfügen nicht über die hinreichende Zähl von Stimmen, uin eine solche Wahl zu Stande zu bringen; Herr Lueger muss also auch die Sümmen liberaler Abgeordneter erhalten haben.. Das ist die Forffetzung jener gefährlichen Richtung der Connivenz und der Concessionen an die Antisemiten, welche ein Theil der liberalen Partei in dieser Session bei wiederholten Anlässen und insbesondere beim Armengesetz befolgt hat." Ja, die „Connivenz"! Sie ist cs eben, welche wir Nationaljuden seit jeher merken,, und die unseren Enthusiasmus für den Philosemitismus recht lebhaft dämpft. Freilich gehen die Professions-Anttsemiten weiter als ihre conniventen Gegner. Das hat z. B. der im Landtage gestellte Dringlichkeitsanttag des Abgeordneten Schneider und Genossen bewiesen, den wir der Kuriosität halber hier zum Abdrucke bringen: „Im Gcmcindcrate der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien wurde kürzlich vom Gcmeinderats-Mitglicde Dr. Stern die auch von anderer Seite vielfach aufgestellte Behauptung ausgesprochen, dass der hebräische Blutritus ein „chinesisches Ammenmärchen" sei. Da die enorme Majorität der Bevölkerung unserer Monarchie christlich ist und einer der größten Päpste, Jnnoccnz III., schon am. 16. Jänner 1204 an Philipp