Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 6-7 (7.4.1892)
- Date
- 1892-04-07
- Page
- Seite 63 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
- Pinsk 1× ep/1045440
- Slonim 1× ep/1000502
- Vilnius 1× ep/1000947
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Nr. 6 u. 7. Selbst-Emancipation Seite 63. räumt einmal der Zionismus mit dieser Analogie gründlich auf. In Widdin besteht bekanntlich ein zionistischer Verein, namens „Ahawath Zion", der sich auf Anregung der Wiener Gesinnungsgenossen gegründet hat. Derselbe erließ nun einen Aufruf in spagnolischer Sprache an die bulgarischen Juden, worin zur Gründung ähnlicher Vereine in ganz Bulgarien und innigem Zusammenschluss aufgefordcrt wird. Wir wünschen natürlich dem Aufrufe vollen Erfolg. Der „Ritualmord" von Corfn und seine schlimmen Folgen sind wol noch in Aller Erinnerung. Die in Eonstantinopel erscheinende Tageszeitung „Stambul" bringt in dieser Angelegenheit eine interessante Mittheilung an leitender Stelle. Nach derselben hat der griechische Deputirte Zygomala in der Kammersitzung vom!). Februar d. I., eine Petition der Athener jüdischen Gemeinde vertretend, den Justizminister interpellirt, warum nach fast neunmonatlicher Untersuchung noch immer nicht die Mörder des Judenmädchens Rubina Sarda genannt werden. Zugleich hat der genannte Abgeordnete die sensationelle Enthüllung gemacht, dass nach seinen Informationen einer der Hauptschuldigen bereits einmal in Griechenland verhaftet aber durch die griechischen Behörden wieder in Freiheit gesetzt wurde, dass ferner dasselbe Individuum durch das griechische Eonfulat in Alexandrien ein zweites Mal festgenommen, aber wieder freigelassen wurde. Midfan. Von einer Seite, die wir als eine höchst vertrauenswürdige bezeichnen müssen, wird uns berichtet, dass Alles, was die Zeitungen, theils Schreckliches, teils Komisches über die Friedmann'sche Expedition brachten, vollständig unwahr und auf lügenhafte Aussagen der durch einige in der Truppe' befindliche renitente Elemente aufgehetzten Expeditionsmitglieder zuriickzuführen sei. Wir haben im Leitartikel der vorigen Nummer unserer Meinung über die, Friedmann'sche Expedition Ausdruckgegeben; was speciell die Frage der persönlichen Eigenschaften des Herrn Friedmann betrifft, so glauben wir gerne in llebereinstimmung mit der „Jüdischen Presse" in Berlin an die guten Absichten, die edlen Gesinnungen und die Opferwilligkeit des Mannes. „Haarex w'haadhodalj" soll der Verein heißen, den man in Jaffa zu begründen daran geht. Das Gründungscomiti! veröffentlicht die Statuten, welchen es eine Einleitung vorausschickt. Dieselbe bespricht drei Fragen. I. Die Frage der Unterstützung der mittellosen Einwanderer. Dieselbe war bisher keine rationelle, da die hiefür gemachten Auslagen dem Erfolge nicht entsprechen. 2. Die Frage der Eolonisation durch Eapitalisten. Im letzten Jahre haben sich viele reiche und wolhabende Männer in Palästina angekauft, aber sie haben dies eben nur mit ihrem Gelde, nicht init ihrer Hände Arbeit gethan. 9tnr diese kann ein inniges Band zwischen dem Boden und dessen Besitzer knüpfen; ohne sie ist er Maare, die niorgen wieder zu Geld gemacht werden kann. Dieses System erfüllt den Hauptzweck der Zionsfreunde nicht, die jüdische Bevölkerung Palästinas zu vermehren. 3. Die Arbeiterfrage. Die wichtigste Voraussetzung des Gelingens der Eolonisation ist ein jüdischer Landarbeiterstand. Die arabischen Arbeiter können nur ein Provisorium sein. Bisher konnten sich aber jüdische Arbeiter hier nicht behaupten, weil ihnen die Lebensbedingnisse nicht behagten. — Für die drei angeführten Fragen will der Verein die Lösung finden, indem er es weniger kapitalkräftigen Leuten, die aber auch im Lande arbeiten wollen, ermöglichen will, Grundstücke in Palästina zu erwerben, und auch den Arbeitern die Aussichten eröffnet, eigenen Grundbesitz zu erwerben. Wie er dies im Detail auszuführen gedenkt, darauf werden wir noch zurückkommen. Die Ghalnkah ist bekanntlich jene Einrichtung, welche sich aus der eigentümlichen Auffaffung ergeben hat, welche man bis vor zehn Jahren von dem Berufe des Juden in Palästina hatte. Der Jude, welcher das heilige Land aufsuchte, that es, um dort in beschaulicher Frömmigkeit zu leben, resp. da er gewöhnlich alt war, wenn er hinkam, zu sterben. Seine ftommen Brüder aber in der übrigen Welt hielten es ftir ihre heilige Pflicht, ihn mit Almosen zn unterstützen. So entstand die Chalukah, ein merkwürdiges Sammel- System. Die Chalukah zerfällt in landsmannschaftliche Abteilungen (kolelim), deren Theilnehmer gut, schlechter oder besonders arg daran sind, je nachdem sie aus einer wolhabenden und wolthätigeren oder einer ärmeren und weniger freigebigen Gegend stammen. Es gibt folgende Kolelim: 1. Holland und Deutschland, 2. Ungarn (ihre Mitglieder nennen sich selbst „schomrej hachomoth", „Mauerhüter"), 3. Kaiserland, 4. Wilna und Samut, 5. Suwalk und Lamso, 6. Slonim, 7. Reissin, 8. Warschau, 9. Rdh'd, IO. Karlin, 11. Minsk, 12. Pinsk, 13. Guradno, il4. Rumänien und Walachai 15. Alle Kolelim. Letzterer Kolel bedenkt diejenigen Personen, welche keinem der genannten übrigen Kolelim angehören, hat sich aber auch darüber hinausgehende Wolthätigkeitszwecke gesetzt. — Die Kolelim waren am Anfänge der zionistischen Bewegung die erbittertsten Gegner derselben. Diese Feindschaft ist jetzt um Bedeutendes zurückgegangen und die Kolelim selbst erschließen sich modernen wirtschaftlichen Ideen. Die Chalukah in der Gestalt, wie sie bisher bestand, ist nicht länger lebensfähig; wenn sie sich dagegen in eine Institution verwandeln wird, vermöge deren die Juden des Exils den Juden des heiligen Landes zu einer gesicherten wirtschaftlichen Existenz verhelfen, so kann sie noch eine große segensreiche Rolle in der Geschichte unserer nationalen und socialen Wiedergeburt spielen. Todesfälle. Am 26. v. Mts. verschied in Czernowitz Landcs- und Obcrrabbiner, Dr. thcol. et phil. Lazar Elias Igel im 67 Lebensjahre. Der Verblichene war ein großer Gelehrter, ein wackerer Priester, ein guter Mensch, ein warmer Jude. Er stand der zionistischen Bewegung mit den« größten Wolwollen gegenüber, und billigte es, dass seine Söhne jüdischnationalen Studentenkreisc» angehören. Ehre seinem Andenken! — Am 25. v. Mts. ist Frau Baronin Bettina Rothschild, die Gattin des Chess des Wiener Hauses Rothschild und die Schwester des Palästinafreundes Baron Edmund Rothschild in»Paris, einem längeren tückischen Leiden titt 34. Lebensjahre erlegen. Sie genoß den Ruf einer geiswollen, liebenswürdigen und menschenfreundlichen Dame. Friede ihrer Asche! llersonalnachricht. Unser Freund und Gesinnungsgenosse, Herr Dr. med. Mexander Jassinowsky in Odessa hat sich mit Fräulein Dora Alcxandrowna Rabinovich verlobt. Uerensionen. Hebräische Glemeutar-Schutbücher. Die Büchlein, die vor uns auf dem Redactionstische liegen, sind zwar die anspruchlosesten von der Welt, nämlich Fibeln und dgl., aber dennoch erfüllt uns ihr Anblick mit den frohesten Ahnungen. Die Herren Jehuda Grasovsky, Chaim, Zifrin und David Jdelovitch, Lehrer in den jüdischen Colonien Palästinas, haben im Sinne der Beschlüsse der neulich stattgehabten von uns gemeldeten palästinensisch-hebräischen Lehrerconferenz hebräische Elementar-Schulbücher herausgegeben, welche auf der Gottlob in den Colonien schon gegebenen Voraussetzung der hebräischen Unterrichtssprache beruhen. Eine Fibel, ein Lesebuch, ein Religionsbuch, eine Sprachlehre, von den beiden erstgennanten Herren, ein Kinderbuch („schaaschuim“) von von dem erst- und drittgenannten Herrn herausgegeben, sämmtlich dem Sohne des Baron Edmund Rothschild zum 13. Geburtstage gewidmet, sind die ersten Bände der Kinderschristen, welche die genannten Lehrer unter dem gemeisamen Namen „ Beth hassefer“ erscheinen lassen. Dieselben sind in Ausstattung und Inhalt sowie in pädagogischer Beziehung ganz vorzüglich. Sifse Renauoty. Sammlung hebräischer Lieder und Gedichte von S.^. Teller Drohobycz 1692. — Der Verfasser ist durch seine hebräischen Poesien längst vorteilhaft bekannt. Die uns vorliegende Sammlung reiht sich ebenbürtig an die früheren Leistungen des Herrn Teller an. Wir empfehlen unseren Lesern dieselbe. Sie ist bei Herrn Teller selbst, der Lehrer der hebräischen Sprache in der Baron Hirsch'schen Schule in Boryslaw (Galizien) ist, erhältlich.